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Archive for the ‘Religiöses’ Category

Nachgedacht von Don Mario Pinggera

7. April 2011 Kommentare aus

Die Ereignisse der letzten Wochen haben sich wieder einmal überschlagen. Angefangen von den Revolutionen in Tunesien und Marokko bis zu den derzeitigen chaotischen Zuständen in Libyen. Ausgang und Folgen dieser Umbrüche sind bisher überhaupt nicht absehbar, auch für uns nicht. Und dann gibt es noch die Ereignisse in unseren Breiten, etwa die Windkraft in Südtirol oder die Causa zu Guttenberg, des ehemaligen deutschen Verteidigungsministers.

Bei der Windkraft hat sich nun offensichtlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese Problematik nur dann gelöst werden kann, wenn jene einbezogen werden, die letztendlich betroffen sind. Zum Beispiel die Anwohner.

Herr zu Guttenberg war einst Hoffnungsträger der deutschen Politik, bevor er in einer Anhörungsstunde im Bundestag regelrecht zum Abschuss freigegeben wurde. Zugegeben, ein Plagiat als eigene Doktorarbeit zu verkaufen, ist kein Kavaliersdelikt. Aber möglicherweise ist das nur die Spitze eines Eisberges. Wie viele Arbeiten wohl auf diese Art und Weise die Doktorwürde erlangten? Zumal nicht nur derjenige, der seine Arbeit plagiiert hat, nun in der Verantwortung steht. Was ist mit dem Kreis der erlauchten Wissenschaftler und Professoren, welche eine solche Arbeit dann auch noch mit dem höchsten Prädikat prämieren? Kürzlich meinte ein befreundeter Mediziner, seine Doktorarbeit umfasse 60 Seiten. Völlig legal und normal nach Studienordnung. Im Theologiestudium oder Kirchenmusikstudium ist das gerade einmal eine größere Hausarbeit, wir reden noch nicht einmal von einem Diplom. So unterschiedlich sind eben auch grundsätzlich die Voraussetzungen zum Erlangen eines Titels. Vor Jahren meinte ein guter Freund zu mir, der vielseits bekannte Pater Leo von Marienberg selig: „Mach ja nicht den Doktor, sonst rede ich nicht mehr mit dir!“ Wie in jeder Ironie steckt auch in dieser ein gutes Körnchen Wahrheit…

Was aber das eigentlich „Schlimme“ am Plagiat ist, das ist die Tatsache der Unaufrichtigkeit. Vertrauen wird hierbei missbraucht, welches nur sehr schwer oder vielleicht gar nicht mehr zurückgewonnen werden kann. Erstens nehme ich etwas, was mir gar nicht gehört und zweitens gebe ich dann auch noch vor, dass es von mir sei.

Wenn Jesus uns gleich zu Beginn der Fastenzeit die Worte zuspricht, dass Gott auch das Verborgene und damit unser tiefstes Inneres kennt, dann könnte das eine Anleitung zum Fasten sein: Zu weniger Unaufrichtigkeit und zu weniger Missbrauch des Vertrauens anderer.

 

 

Nachgedacht – von Don Mario Pinggera

10. Februar 2011 Kommentare aus

Don Mario Pinggera

Vor Kurzem war ich Ski fahren. Ich kehrte in einer Hütte ein, um mich mit einem Tee aufzuwärmen. Am anderen Ende des großen Tisches, an dem ich saß, waren bereits zwei spätmittelalterliche deutsche Paare (d.h. sie waren etwa um die 50 oder knapp darüber). Es ließ sich nicht vermeiden, dass ich ihr angeregtes Gespräch mit anhören musste. Es ging um die Kirche. Vorwiegend um die katholische. Und sie kam schlecht weg dabei, die Kirche. Sehr schlecht. Neben den üblichen Parolen über Papst, Bischöfe, Klöster, Priester und Skandale wurde schließlich die Bedeutung der Kirche selbst in Frage gestellt. Auch die der evangelischen übrigens. Sie werde vom Staat zu sehr privilegiert. Und überhaupt sei es ganz unmöglich, dass Schulen, Kindergärten oder Krankenhäuser von der Kirche geführt werden, weil so angeblich die ethisch-religiöse „Neutralität“ (was auch immer damit gemeint ist) nicht gewährleistet sei. Dies müsse der Staat tun. Schließlich unterhielten sie sich über ihre eigene Zugehörigkeit. Eine Frau sagte, sie sei mittlerweile evangelisch geworden, während einer der Männer sagte, er wurde katholisch erzogen, sei aber schon lange „nicht mehr dabei“. Ich habe überlegt, mich ins Gespräch einzuschalten. Da ich weiter musste, habe ich es gelassen. Aber meine Gedanken habe ich mir trotzdem gemacht. Das im letzten Jahr erschienene Buch von Thilo Sarrazin, „Deutschland schafft sich ab“, welches sehr großes Aufsehen erregte und dies immer noch tut, kam mir in den Sinn. In diesem Buch beschreibt der Autor eindrucksvoll, wie Deutschland dabei ist, sich über weite Strecken selbst zu demontieren, u.a. auch kulturell und religiös. Bis auf wenige Ausnahmen hat er damit recht. Diese beiden Ehepaare stehen für viele, sehr viele, die nur noch maulen und jammern. Über Politik, Gesellschaft und natürlich die Kirche. Dabei wird ausgerechnet in Deutschland vergessen, was es heißt, in einem Land zu leben, wo Kirche weitgehend eingeschränkt existieren muss und unterdrückt wird. Oder ist sie schon vergessen, die Zeit von 1933 – 1945, wo der „Staat“ sein Unwesen trieb, Zahllose verhaftet wurden, ins KZ kamen oder umgebracht wurden? Ist sie schon vergessen, die Zeit von 1945 – 1989, wo qualvoll deutlich wurde, was es heißt, wenn der Kommunismus in Ostdeutschland die Kirche in die Schranken weist und deshalb weitgehend verbietet?

Wer die Kirche und damit die Religion (der wir übrigens unsere kulturelle und ethische Identität verdanken) versucht, aus der Öffentlichkeit zu verbannen, der schafft sich tatsächlich selbst ab, oder anders ausgedrückt, der sägt an dem Ast, auf dem er sitzt.

Die heilige Barbara und der Laaser Marmor

16. Dezember 2010 Kommentare aus

Die aus Laaser Marmor angefertigte Statue der heiligen Barbara;

Die heilige Barbara gilt als eine der populärsten Heiligen. Nicht nur viele Mädchen tragen ihren Namen, auch der Brauch der „Barbarazweige“ ist sehr beliebt und der 4. Dezember gilt als „Barbaratag“. Obwohl die Existenz der hl. Barbara historisch nicht eindeutig nachweisbar ist, gibt es zahlreiche Legenden. Der Überlieferung zufolge lebte sie gegen Ende des 3. Jahrhunderts, zur Zeit der Christenverfolgung, und wurde von ihrem Vater aufgrund ihrer Hingabe zum Christentum in einen Turm gesperrt. Der Vater versuchte, sie mit Marterungen und Peinigungen umzustimmen, doch dies bestärkte sie noch in ihrem Glauben. Als sich Barbara schließlich auch noch taufen ließ, beschloss ihr erboster Vater schlussendlich, sie zu töten und zu enthaupten.

Die Belegschaft der Lasa Marmo AG und der Lechner Marmor AG feierte am 4. Dezember das Fest zu Ehren ihrer Schutzpatronin, eben jener hl. Barbara. Die Barbarafeier findet seit 2008, seit das Unternehmen wieder in einheimischer Hand ist, statt. Zuvor gab es über 20 Jahre keine Barbarafeier, aber mit der Übernahme der Lasa Marmo durch die Lechner Marmor AG und den Stimmen aus der Laaser Bevölkerung die Barbarafeier wieder einzuführen, entschied sich Georg Lechner, diese Tradition wiederzubeleben.

Als Veranstaltungsort für die diesjährige Barbarafeier wurde die große Produktionshalle der Lasa Marmo AG gewählt. Die Feier begann mit einer Segnung der Gebäude sowie der Segnung der aus Laaser Marmor neu gehauenen Barbarastatue durch den Laaser Pfarrer Arthur Werth. Dazu wurden Geschichten über die hl. Barbara erzählt sowie Fürbitten geleistet.

Danach wurden verschiedene Bilder der Bauvorhaben in der Jennwand und im Weißwasserbruch gezeigt und zur Stärkung der Gäste gab es Köstlichkeiten aus dem Suppentopf. Organisator Georg Lechner zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung und positiv überrascht von der Resonanz aus der Bevölkerung.

„Ich bin grundsätzlich Traditionen zugeneigt und es ist wichtig, dass die Leute zusammenkommen und einfach auch zu diesem Anlass am Ende des Jahres das Jahr gemeinsam Revue passieren lassen,“ so Georg Lechner.  (am)

 

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Festgottesdienst am Cäcilien-Sonntag

16. Dezember 2010 Kommentare aus

Die Kirchenchöre von Naturns und Tabland/Staben

Die Kirchenchöre von Naturns und Tabland/Staben gestalteten heuer gemeinsam mit der Musikkapelle in besonders festlicher Weise den Gottesdienst zu Ehren der hl. Cäcilia. Der Altarraum der Pfarrkirche bot kaum genügend Platz für alle Chormitglieder und Musikanten, welche unter der bewährten Führung des Kapellmeisters Josef Hanny eine Messe des zeitgenössischen Komponisten Jacob de Haan zur Aufführung brachten. In der Predigt fand Dekan Rudolf Hilpold lobende Worte für den scheidenden Kapellmeister und dankte ihm für seinen jahrzehntelangen Einsatz an der Spitze der Musikkapelle. Er würdigte seine Bedeutung als Vorbild für die Pfarrgemeinde und wünschte ihm Gottes Segen für die Zukunft. Am Ende der liturgischen Feier war es dann Karoline Kuppelwieser, Obfrau des Kirchenchores St. Zeno, welche Josef Hanny einen Blumenstrauß überreichte, ihm für sein verlässliches Mitwirken im Orchester des Kirchenchores herzlich dankte und gleichzeitig die Bitte aussprach, er möge dies auch weiterhin noch recht lange tun. Bürgermeister Andreas Heidegger, selbst ein Mitglied des Kirchenchores, erinnerte an die Tätigkeit des Kapellmeisters als Direktor der Musikschule und hob seine pädagogischen Fähigkeiten im Begleiten der Jungmusikanten hervor. Anschließend überreichte er Josef Hanny eine Schiefertafel, vom ortsansässigen Künstler Konrad Laimer gestaltet und Ausdruck der Wertschätzung der Gemeinde Naturns für die 40 Jahre ehrenamtlicher Arbeit. In einem lang anhaltenden Applaus kam diese Wertschätzung auch von Seiten der Gottesdienstbesucher zum Ausdruck. Der Gottesdienst fand mit einem feierlichen Auszug, musikalisch begleitet von der Musikkapelle, seinen Abschluss.

 

 

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Nachgedacht – von Don Mario Pinggera

16. Dezember 2010 Kommentare aus

Don Mario Pinggera

Ziemlich genau ein Jahr nach der sogenannten Minarett Initiative stimmte das Schweizer Stimmvolk kürzlich wieder über eine ähnlich gelagerte Thematik ab: Über die „Ausschaffungsinitiative“, nach welcher kriminelle Ausländer unverzüglich und ohne nähere Prüfung ausgeschafft werden können. Die Initiative wurde klar angenommen. Die empörten Reaktionen aus den deutschsprachigen Nachbarländern verwundern erneut, gingen doch derartige Abstimmungen in Deutschland, Österreich oder in Südtirol auch nicht anders aus.

Natürlich sind kriminelle Ausländer ein Problem. Aber nicht mehr oder weniger als einheimische Kriminelle. Die Kriminalität ist hier das Problem, nicht die Nationalität. Aber Parteien des rechten äußeren Spektrums spielen immer wieder gerne mit dem Feuer und damit auch mit den Emotionen der Wähler. Und das ist fatal. Weil statt sachlich argumentiert emotional geschürt wird. Und damit lassen sich derzeit Wählerstimmen gewinnen. Fast überall.

So vorteilhaft Volksabstimmungen auch sind. Nicht unerheblich ist jedoch, wie diese zustande kommen. Menschen lassen sich nun einmal manipulieren. Besonders bei Reizthemen wie z. B. Ausländer. Schnell ist er festgemacht, der Schuldige. Schnell ist der Sündenbock abgeurteilt. Aber hier tut sich ein sehr tiefer Graben auf, zumindest aus christlicher Sicht. Wenn wir nämlich Jesus dazu befragen, wie er damit umgeht, dann merken wir, wie weit entfernt wir von ihm sind. Unchristlicher geht es nicht. Oder noch deutlicher: Dieses Verhalten des vorbehaltlosen Abschiebens von Menschen ist eines Christen schlicht nicht würdig.

Nächstes Jahr jährt sich nicht nur der 11. September, sondern auch der traurige Niedergang einer einst renommierten Airline, der SWISSAIR. Durch maßlose und kriminelle Spekulationen wurden abertausende Arbeitsplätze vernichtet. Krankheiten und Suizide aus Verzweiflung waren bei den Betroffenen in der Folge keine Seltenheit. Der verantwortliche Verwaltungsrat wurde vor wenigen Jahren freigesprochen. Fälle von ähnlich gelagerter Politik- und Wirtschaftskriminalität sind in unseren Breiten an der Tagesordnung. Vielleicht sollten wir derartige Scharlatane auch grad „ausschaffen“…

Die Finanzkrise, die immer noch nicht ausgestanden ist, zeigt uns, wie wenig Verantwortung überhaupt noch gilt. Jeder ist sich selbst der Nächste. Auch dies ein Abgrund, der uns vom Christen-tum trennt. Ob das Kind in der Krippe an Weihnachten angesichts dieser Lage überhaupt eine Chance hat, unsere Herzen zu erreichen?

Der Prophet Jesaja spricht deutlich vom Tag X, an welchem es nichts Böses mehr gibt. Dass das wirklich eintritt, hängt davon ab, wie christlich wir sind (oder wieder werden…).

 

 

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Ökumenischer Brennpunkt Marienberg

7. Oktober 2010 Kommentare aus

v.l.: Innsbrucks Bischof Manfred Scheuer, Gastgeber Abt Bruno Trauner und der Brixner Bischof Karl Golser; Buchcover des neuen Buches von Gesprächsinitiator Hubert Rietzler

Die „ökumenischen Gespräche“, 1999 vom Kaunertaler Pfarrer Hubert Rietzler im Anschluss an politische Versammlungen im Gedenken an die Calvenschlacht 1499 angeregt, haben heuer ihr 10-jähriges Jubiläum. Kloster Marienberg hat vor gut einer Woche den würdigen Rahmen dazu geboten und der Einladung sind zahlreiche Geistliche, evangelische und katholische,  aus dem „Magischen Rätischen Dreieck“ gefolgt, darunter die Bischöfe Karl Golser (Diözese Bozen-Brixen) und Manfred Scheuer (Diözese Innsbruck).

Der evangelische Pfarrer Hans-Peter Schreich-Schuppan blickte in seinem Referat auf die Entstehung der Kirchengemeinden in diesem „Magischen Rätischen Dreieck“ zurück und schloss mit einem die Konfessionen einigenden und nicht unbedingt Mut machenden Ausblick: die aktive Beteiligung der Bevölkerung an Gemeindeleben und Gottesdientsfeier lasse rapide nach; immer weniger einheimische Seelsorger gebe es – im gesamten Grenzgebiet werden Pfarreien massiv zusammengelegt; und in absehbarer Zeit „werden wir mit massiv weniger finanziellen Mitteln auskommen müssen“. Eine überkonfessionelle Diskussion über diese drängenden Themen ging im neuen Museumstrakt über die Bühne.

Großer Beliebtheit erfreuen sich die „ökumenischen Gespräche“ bei den Teilnehmern. Mit Begeisterung schildern einige die zweimal jährlich in kleinerem Kreis stattfindenden Gedankenaustausche, welche abwechselnd in den drei Grenzregionen seit 10 Jahren stattfinden. (eb)

 

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Kruzifix erstrahlt in neuem Glanz

23. September 2010 Kommentare aus

Pater Columban und Hauseigentümer Roland Böhmer

Mitten im Dorf Müstair, Plaz d’Immez, hängt an der Fassade eines Privathauses ein übergroßes, aus Holz geschnitztes Kruzifix. Das Kreuz mit dem Leib Christi und der Muttergottes ist starken Umwelteinflüssen ausgesetzt und hat im Laufe der Jahrzehnte stark darunter gelitten, sodass es restauriert werden musste. Herr Roland Böhmer, Besitzer des Hauses und somit auch des Kruzifixes, hat diese Restaurierungsarbeiten in den letzten Jahren durchführen lassen. Vier Jahre lang fehlte das imposante christliche Symbol an besagter Fassade und mancheiner fragte sich, wo das Kreuz hingekommen sei, und ob es jemals wieder zurückkommt. Nun wurde kürzlich das Geheimnis gelüftet und das Kruzifix wurde in strahlender Frische wieder an seinem Ehrenplatz aufgehängt. Die Restaurierungsarbeiten wurden von Vater und Sohn Emmenegger aus Zizers durchgeführt. Pater Columban hat es in einer schlichten Feier und in Anwesenheit vieler Einheimischer gesegnet. Dabei erwähnte er seinen Bezug zu diesem Kreuz, das ihn bei seinem ersten Gang durch Müstair sehr beeindruckt hat.

Das über drei Meter hohe Kreuz stammt aus den Händen des Schludernser Künstlers Christian Greiner und wurde in den Jahren zwischen 1750 und 1759 errichtet, wie eine eingeschnitzte Jahreszahl mit den Ziffern 175.. andeutet. Vom gleichen Künstler stammen auch die drei Figuren, die den Südturm des Klosters St. Johann zieren, nämlich der hl. Benedikt, die Muttergottes und Sr. Scholastica. Diese sind mit der Jahreszahl 1748 datiert. (bg)

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