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Archive for the ‘Menschen im Vinschgau 2009’ Category

„…dass mai Biabl wiedr rennen konn“

18. Dezember 2009 Kommentare aus

Barbara Mattivi mit ihrem Sohn Lorin in Sulden: „S` Vertrauen auf Gott hilft miar durchzholtn unt stork z`bleibm. Wia´s weiter geat, liegt in seine Händ.“

Zu Weihnachten vor einem Jahr war die Welt von Barbara und dem vierjährigen Sohn Lorin noch in Ordnung. Der Kleine freute sich über die Geschenke unter dem Christbaum. Er tollte mit seinem Bruder Patrick herum und begann mit einem Skikurs.

Kurz nach dem Jahreswechsel war bei Lorin eine Veränderung zu beobachten. Er konnte sein rechtes Bein nicht mehr richtig kontrollieren und musste sich öfters übergeben. Barbara brachte das anfangs mit einer Magengrippe in Verbindung. Lorin erholte sich. Dann fiel auf, dass er seinen Kopf nach rechts geneigt hielt und torkelte. Besorgt fuhr die Mutter zur Kinderärztin, die nichts Ernsthaftes feststellen konnte. Doch Barbara spürte, dass etwas nicht stimmte und suchte Rat bei ihrer Hausärztin, die eine neurologische Visite im Krankenhaus von Meran veranlasste. Die Untersuchungen begannen. Das zermürbende Warten auf die Ergebnisse war für Barbara kaum zu ertragen und die Verzweiflung wuchs, als sie mit ansehen musste, dass es Lorin immer schlechter ging. „Es isch mit ihm gonz rapide owärts gongen“, erzählt sie. Die Diagnose war niederschmetternd. Die Ärzte sprachen von einem Hirntumor am Stammhirn. Barbara glaubte man ziehe ihr den Boden unter den Füßen weg. Sie weinte, konnte das Ganze nicht realisieren. Richtig bewusst wurde ihr die bittere Situation erst in der Kinderkrebsstation der Uniklinik in Innsbruck. Dort erhielt Lorin sofort Cortison. Nach weiteren Untersuchungen erklärten ihr die Onkologen, dass Lorin einen „wahnsinnig großen Tumor habe“, der nur schwer zu therapieren sei, man wolle aber versuchen zu operieren. Schweren Herzens brachte sie ihr Kind am 20. Jänner morgens in den Narkoseraum und wartete mit Tränen in den Augen bis es hinter sterilen Türen verschwand. Draußen herrschte Schneetreiben. Die Operation würde lange dauern, das hatte man ihr gesagt. Niedergedrückt, verzweifelt streifte sie durch die Stadt, betete und zündete Kerzen an. Erst am Abend durfte sie zu Lorin in die Intensivstation. Als er aufwachte traute Barbara ihren Ohren nicht. Lorin sang ihr „Das rote Pferd“ vor, ein bekanntes Apres-Ski-Lied und er beteuerte, dass es ihm gut gehe. „In dem Moment sein miar glücklich gweesn“, erinnert sie sich. Doch bald merkte sie, dass Lorin sich nicht mehr bewegte. Das war ein erster Schock und ein zweiter folgte. Die Ärzte hatten außer einer Gewebsentnahme nichts vom Tumor entnehmen können. „Unt norr steasch do unt verstesch überhaupt nichts mea“, sagt sie. Die Cortisonbehandlung wurde fortgesetzt und obwohl die Gewebeprobe kein schlüssiges Ergebnis zur Beschaffenheit des Tumors erbrachte, wurde mit der Strahlen- und der Chemotherapie begonnen. Lorin war großen Belastungen ausgesetzt. Ende Februar durfte er erstmals ein Wochenende daheim verbringen. „Deis isch für inz wia Weihnachtn gwesn“, erinnert sich Barbara. Lange Krankenhausaufenthalte wechselten sich mit kurzen Aufenthalten daheim ab. Immer wieder kam es zu Komplikationen. Der steigende Hirndruck  machte eine weitere Operation erforderlich, dann fiel der Kleine nach einer Hirnblutung ins Koma. Die Ärzte ließen durchblicken, dass er nicht mehr aufwachen würde und ein hoffnungsloser Fall sei.

Er wurde nach Meran verlegt, wo man  Barbara beibrachte, wie sie ihr Kind zu pflegen hatte. Sie setzte alles in Bewegung, um heim zu kommen und erhielt die Rückendeckung der Verantwortlichen des Sprengels Mals.

Nach der Entlassung erlebte sie ein erstes kleines Wunder.  Lorin öffnete ein Auge. Für Barbara bedeutete das, dass er aufgewacht war. Seither glaubt sie fest daran, dass alles wieder gut wird und Lorin schon bald sein zweites Auge öffnet. Sie spürte deutlich, dass er kämpfen will; und sie kämpft nun mit ihm. „Ma hängt si an vieles droun“, betont sie. „Ma muaß eppas tian, ma konn nit nichts tian“. Aber sie hält sich immer an die Worte von Pater Peter, der ihr im Meraner Krankenhaus gesagt hatte, dass sie die Wünsche von Lorin immer vor die eigenen Wünsche stellen müsse.  Seit Mai leben Mutter und Sohn wieder in Sulden. Die Dorfbevölkerung und viele Menschen aus dem Tal haben sich hinter die beiden gestellt und sie auch mit alternativen Heilmethoden vertraut gemacht. „Leit suachsch du nit, dia sein oanfoch do unt helfn“, sagt sie. „Ma weart auf-gfongan.“ Im Frühsommer war plötzlich auch ein Pranatherapeut da, der mittlerweile tagtäglich nach Sulden kommt und die Heilung des Kleinen mit der Kraft seiner Hände unterstützt.  „I vertrau afn Harald“, sagt Barbara. „Unt i vertrau afn Lorin, der miar in Weg zoag.“ Vor kurzem erlebte sie ein zweites kleines Wunder. Lorin begann sich zu bewegen und mit den Händen nach Gegenständen zu greifen, etwas, was er seit fast einem Jahr nicht mehr getan hatte. Und wie ein Wunder erscheint die positive Entwicklung auch den Ärzten in Innsbruck, die bei der jüngsten Kontrolle einen merklichen Schwund des Tumors feststellen konnten.

Wieder steht Weihnachten vor der Tür. Und Barbara wünscht sich nur eins: „… dass mai Biabl wiedr rennen konn.“

Magdalena Dietl Sapelza

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Bergbauer und Holzer

17. Dezember 2009 Kommentare aus

„Wos ma kennt hot, des verlearnt ma nimmer“, so ein Spruch des 82- jährigen „Vourburger Sepp“, a „Hoangert“ mit ihm wird zum spannenden Erlebnis

Nach einer herzlichen Begrüßung mit einem kräftigen Händedruck in der warmen Küche auf dem Vorburghof  oberhalb von Tschengls beginnen Josef Tappeiner und ich unser Gespräch. Geboren wurde er  als ältester Sohn der Bergbauernfamilie am 18. Jänner 1927. An seine früheste Kindheit erinnert er sich wenig, die Schmuggler, die ihren Nachhauseweg über die Tschenglser Höfe machten und manchmal rasteten am Hof, sind ihm jedoch lebhaft in Erinnerung. Auch sein Vater Peter half mit Schmuggelware aus der Schweiz das wenige Einkommen der Familie aufzubessern. Im Juli des Sommers 1933 wurde er im Laasertal von einem Carabiniere angeschossen. Getroffen, von hinten in die Hüfte, suchte sich die Kugel den Weg durch seinen Körper, blieb er einige Stunden bewusstlos liegen. Schwerverletzt wachte er auf und machte sich auf den Heimweg. Spätnachts kam er blutüberströmt und schwach zuhause an. „Miar sein darschrocken, obr froah gweesn, dasser nou gleb hott!“ Aus Angst vor dem Wundbrand ging Vater Peter zum Laaser Arzt Dr. Horrer, welcher ihn im Spital behandelte. Der Arzt musste Meldung machen. „Af oanmol sein di Carf vour dr Tir gwees´n und hob´m in Voter verhoftet und mitgnummen!“ Im September wurde er im Gefängnis in Trient für drei Jahre eingesperrt. Die hochschwangere Mutter mit vier kleinen Kindern blieb allein am Hof zurück. Es galt die Äcker zu bestellen, im Stall und Hof nach dem Rechten zu sehen. Die Nachbarn vom nahegelegenen „Türckhof“ standen ihnen tatkräftig zur Seite. In den Wintermonaten drückte der 6-jährige Sepp, mehr schlecht als recht, die Schulbank. „Di Leahrer hob´m it deitsch kennt, und miar it italienisch!“ In der verbotenen Katakombenschule mit der „Schualmoaschter Touna“ lernte er deutsch schreiben und lesen. Nach Erfüllung der Schulpflicht, ging er 16-jährig das erste Mal als Holzarbeiter in den Wald. Mit 18 Jahren musste er mit Josef Tschenett aus Tschengls zum Militärdienst beim deutschen Heer einrücken. Zuerst kamen sie nach Breslau, dann nach Hamburg und Holland. Hier machten sie eine Ausbildung für die Waffen SS. Weiter nach Bremen kam er in die Gefangenschaft der Engländer, hier hatte er seinen Begleiter aus den Augen verloren. In einem eingezäunten Lager schliefen die Gefangenen unter freiem Himmel. „Miar hob´m nix mea kop, lai mea di Housn und a Hemmat!” Weiter ging´s per Zugtransport nach Belgien. In Ostende wurde ihm seine Blutgruppe “A” auf den Oberarm tätowiert, und er wurde zum Hafen gebracht. Nach tagelangem Warten wurde er  nach England eingeschifft. „Zerscht hobm si Ponzer und Auto fan Schiff oglodn, norr sein miar 600 Gfongene inikemmen!“ An Bord bekamen sie trockene Kekse und „Conny-beaf“ Konservenfleisch. „Dr Durscht  isch schlimmer gwees´n als dr Hunger!“ Der starke Seegang führte dazu, dass alle Insassen des Schiffes seekrank wurden, sich erbrachen und Durchfall bekamen. Die zwei Tage Überfahrt nach England waren die Hölle. Im Hafen wurden sie entlaust und ordentlich gewaschen, bekamen frische Wäsche und eine englische Uniform. Nach Einheiten unterteilt kamen sie in verschiedene Lager. Als einziger Vinschger unter den 18 Südtirolern wurde auch er zu den österreichischen Gefangenen gezählt und musste auf Tomatenplantagen arbeiten. Seine Lieben zu Hause wussten anfangs wenig über seinen Verbleib. Durch monatliche Briefe von der Mutter Regina und vorgedruckte Karten des Roten Kreuzes waren sie in Briefkontakt. Über Belgien und Salzburg kam er nach Kriegsende nach Innsbruck in ein französisches Lager. Da er bei der Waffen SS war, misstraute man ihm, der Dorfpfarrer und die Fraktionsvorsteher von Tschengls mussten verschiedene Papiere für seine Freilassung per Bote nach Innsbruck schicken. Sepp dauerte das alles zu lange, so entschied er sich für die Flucht. Er kehrte über die grüne Grenze in den Vinschgau zurück. Am 19. August 1946 startete er seinen Fußmarsch von der Finstermünz bis nach Mals, spätabends kam er zuhause an. Die Nachkriegszeit war voller Entbehrungen. Durch Essenskarten konnte man sich mit wenigen Lebensmitteln eindecken. Der Schwarzhandel florierte. Für 100 Kilo Polenta bezahlte man 16.500 Lire, 300 Lire verdiente er als Holzarbeiter täglich. Nach der Gefangenschaft konnte Josef seine Kleider nicht mehr tragen, mit dem ersten Geld als Holzer ließ er sich ein Gewand vom „Siller Joggl“, dem Dorfschneider von Tschengls anfertigen. Ein paar „Extra-Lire“ besorgte er sich durch den Verkauf von Eichhörnchenfellen, von ihm geschossen brachte er sie zum Garber nach Mals. Seine wenige Freizeit verbrachte er mit den anderen Jungen von den Höfen auf dem Hinterburghof. Sie bauten sich eine Kegelbahn und spielten Karten, haben „gehoangertet“ und gesungen. Dort lernte er auch seine Frau Rosa Defatsch näher kennen und lieben. Arbeitsbedingt ging Rosa zwei Jahre in die Schweiz. Zurück in der Heimat, hielt Josef um ihre Hand an. Im Juni 1955 haben die beiden geheiratet, beim Kobler in Tschengls ein Fest gefeiert. Bald erblickten die Kinder Erna, Herta, Walter und Waltraud das Licht der Welt. Über ein Viertel-Jahrhundert war der „Vourburger Sepp“ Waaler am Berkwaal. In den Sommermonaten sorgte er dafür, dass die Tschenglser Bauern ihre Güter mit dem nötigen Nass versorgen konnten. Die „Wosserroadn“ wurden in einem von ihm geführten Buch angeführt, das tägliche „Wossr ounsogn“ bei den Bauern führten er und seine Kinder gewissenhaft aus. „Heint wundert mar oft, dass i noch seffl Strapazn bin sou olt gwortn!“

Brigitte Thoma

„Heimat – ein schwieriges Wort“

17. Dezember 2009 Kommentare aus

Konrad Gerstl genießt die Sonnenstrahlen am Latscher Sonnenberg

Sooft es möglich ist, genießen Konrad Gerstl und sein um 10 Jahre jüngerer Freund Luis die Sonne am Latscher Sonnenberg. Das Augenlicht und das Gehör machen dem 89-Jährigen mittlerweile zu schaffen. Die Leute, die dort vorbeispazieren und bei den beiden zu einem kurzen Schwätzchen verweilen, erkennt Konrad meistens an Stimme und Gestalt.

Vor fast 90 Jahren, am 23. Jänner 1920 ist Konrad in Latsch geboren. Als lediges Kind ohne Vater hatte er es nicht leicht. Schon mit sechs Jahren kam er zu einer anderen Familie, die ihn, wie früher üblich, aufgezogen hat. Beim „Moler Hias“ in Latsch blieb er bis er 18 war. Dann kam er als Knecht nach Naturns zum „Follroarhof“, wo er für 90 Lire im Monat arbeitete. Mit seinem Monatsgehalt konnte er sich damals ein Paar „grobgnahnte Schuach“ leisten. Mit Erlangung der Volljährigkeit begann für den jungen Latscher ein neuer Lebensabschnitt. Er bekam die Einberufung zur Wehrmacht und kam vorerst nach Augsburg zum „Flak-Regiment“, die Fliegerabwehreinheit. Dort wurde er in vielen Bereichen ausgebildet. Nach einem Jahr befand man die jungen Soldaten als weitgehend gerüstet für den Krieg. Die Musterung zum Afrika-Feldzug unter Generalfeldmarschall Rommel stand an. In München wurden nur die „Gsindeschten va die Gsunden“ genommen, auch Konrad war unter ihnen. Angst hatten er und seine Kameraden keine vor dem Krieg. Man wusste eben nicht, was Krieg überhaupt ist. Und viel zu verlieren hatte man hier in der Heimat auch nicht. Schließlich wartete weder Familie noch Arbeit. Die Reise nach Afrika war weit und dauerte lange. Mit dem Zug ging es zu Neujahr 1941 von München nach Neapel, von dort mit dem Schiff nach Tripolis, der Hauptstadt Libyens. Weiter ins Landesinnere zur Front in Tripolitanien. Die Aufgabe seiner Einheit war es, feindliche Flieger abzuschießen. Die Soldaten wohnten in Zelten, die Versorgung war mehr schlecht als recht. Manchmal, so Konrad, hatte die Zunge vor lauter Trockenheit Klüfte. Wasser war rar. Essen gab es aus Konserven und Dosen – „Die Ölsardinen hon i ingach nimmer sechn kennt.“ Konrad wurde schließlich krank, er litt an Gelbsucht, Ruhr und Malaria, alles zur gleichen Zeit, und wog irgendwann nur mehr 38 Kilo. Nicht transportfähig, traf er im Lazarett auf einen Arzt aus Latsch, den Dr. Tanzer vom Hirschenwirt. Dieser päppelte ihn auf, so dass er schließlich seinen Genesungsurlaub in die Heimat antreten konnte. Zu Allerheiligen 1942 war Konrad das erste Mal wieder in Latsch, allerdings wartete dort kein Zuhause auf ihn, und so kam er von Zeit zu Zeit immer wieder bei Bekannten unter. Nach einem Monat kehrte Konrad wieder nach Afrika zurück, wo er bis zur Eroberung durch die Alliierten im Jahre 1943 weiterkämpfte. In der Folge geriet er in Gefangenschaft und kam vorerst nach Tunesien und Marokko, von dort nach Großbritannien und schließlich nach Amerika, in den Bundesstaat Kansas. Die Gefangenenlager in Tunesien sind Konrad nicht in guter Erinnerung geblieben, sie waren provisorisch und überhaupt nicht auf solch eine große Zahl an Kriegsgefangenen vorbereitet. Die Lager in Kansas hingegen waren groß, geräumig und gut organisiert. Bis 1946 blieb Konrad dort, arbeitete 8 Stunden am Tag, unter anderem in der Küche, und wurde dafür sogar entlohnt. Ein amerikanischer Sergeant bot ihm an, einen Kochkurs zu machen und fortan für die Angehörigen einer Kompanie zu kochen. Er schloss auch Freundschaften mit einheimischen Bauern. Ein junger Farmer schenkte ihm sogar einen Hund, den er, mit Erlaubnis des Lagerkommandanten, mit ins Lager nehmen durfte. Außer seiner Arbeit in der Küche verrichtete Konrad Arbeiten in den diversen Lagermagazinen. Wie es damals üblich war, ließen die Gefangenen zwischendurch einige gelagerte Nahrungsmittel „mitgehen“. Ab und an wurde scharf kontrolliert und ein schwarzer Aufseher erwischte Konrad beim Orangenstehlen. Als Strafe musste er die Orange samt Schale essen. Schlimmer erging es einem Kameraden, der ein Päckchen Butter samt Verpackung verschlingen musste. Im Großen und Ganzen fühlte sich Konrad im Gefangenenlager in Kansas wohl, trotzdem war man froh, als der Krieg zu Ende war und man schließlich entlassen wurde, um nach Hause zurückzukehren. Gleich nach seiner Rückkehr nach Latsch war es für Konrad nicht einfach. Das Dorf und seine Bewohner waren ihm ein wenig fremd geworden. Familie hatte er keine, „Huamat“ auch nicht. Arbeit fand er bei der Firma Fuchs. Wie viele Latscher damals ging er „holzen“. Ein besonderes Zusammentreffen gleich nach seiner Rückkehr ist Konrad in Erinnerung geblieben. Auf dem Kirchplatz, vor dem Hirschenwirt, traf er zufällig auf einen im oberen Vinschgau stationierten Amerikaner, den er als jungen Farmerssohn wiedererkannte. Dieser bot Konrad an, mit ihm nach Amerika zu kommen. Für Konrad war das Angebot verlockend, hatte es ihm dort gut gefallen. Doch hätte er auf der Stelle mitkommen müssen, da der junge Farmer nicht warten wollte. Und das war Konrad doch nicht recht. Sein Dableiben wurde jedoch belohnt, kurz darauf lernte er seine zukünftige Frau Maria aus Tarsch kennen, mit der er schließlich vier Kinder hatte. Heute lebt Konrad mit seiner Frau und der Familie der Tochter Anita in seinem Haus „afn Moos“.

Monika Feierabend

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Aus dem Leben eines Schafhirten

17. Dezember 2009 Kommentare aus

Josef Holzer, Schäfer seit nunmehr 30 Sommern

Holzer Josef aus Martell feierte heuer sein 30-jähriges Jubiläum als Schäfer. Dies nahm der Vinschgerwind zum Anlass, ihn aus seinem langjährigen Hirtenalltag erzählen zu lassen:

„Angefangen habe ich bereits als Junge, wo ich in Ennetal mit 9 Jahren für 4 Sommer die Ziegen gehütet habe. Früher war alles genau geregelt: Für eine Geis bekam man einen Tag Kost auf dem Hof. Wenn bei einem Bauer fertig war, nahm man morgens seinen Löffel mit und übergab ihn dem nächsten, sodass dieser sogleich wusste, dass man abends an seinem Tisch  saß. So rotierte man, bis das Hüten fertig war – man hatte immer so an die 30 Ziegen. Dafür bekam man täglich 3 Paarlen und ein bisschen Speck, am Ende sogar ein kleines Taschengeld.

Mit 16 habe ich in Ennetal dann auch Schafe gehütet. Mit 17 war ich dann auf der Enzianalm Kuhhirte und im Jahre 1980 hütete ich gemeinsam mit meinem Bruder Johann zum ersten Mal Schafe auf Zufall. Und nun sind es bereits deren 30 Sommer… Zu diesem freudigen Anlass haben Kollegen für uns völlig überraschend auf der Alm eine Feier organisiert und uns eine Gedenktafel überreicht. Dies hat uns überaus gefreut und ist uns weiterer Ansporn.

Zurückschauend kann ich sagen, dass wir eigentlich immer viel Glück hatten, vor allem aber im Jahr 1987, als schwere Unwetter Hintermartell heimsuchten. Trotzdem verloren wir nur verhältnismäßig wenige Schafe (5-6). Aber auch der Bär hat im Tal bereits einige Schafe gerissen, so z.B. bei mir Zuhause und in Waldberg. Sollte er wirklich irgendwann wieder fester Bestandteil unserer Tierwelt werden, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis Schafzucht nicht mehr möglich ist. Bei uns funktioniert das Beschützen mit Herrenschutzhunden leider nicht, da die Schafe auf unseren kargen Weiden weiträumigen Auslauf zur Futtersuche benötigen.

Im Herbst 1980 haben wir den Schafzuchtverein gegründet, welchem ich seit 29 Jahren vorstehe. Ebenso lang bin ich auf Zufall Bergmeister, auch Alm-meister genannt. Seit nunmehr 21 Jahren hüte ich auch die trockenstehenden Kühe und die trächtigen Kälber auf der Enzianalm. Dies sind so 85 bis 100 Stück.

Durch die Gründung des Schafzuchtvereins kam Ordnung in die Zucht hinein und durch den Kleintierzuchtverband wurden die Vermarktung und der Absatz einigermaßen geregelt. Früher ging man auf den Markt und hat seine Stücke verkauft, heute ist dies nicht mehr möglich. Auch das Kochverhalten hat sich zu früher stark gewandelt: Bereitete man einstmals vorwiegend das schöne große Schaf zu, so sind heute fast ausschließlich Lämmer gefragt.

Das meiste Fleisch wird über den Kleintierzuchtverband abgesetzt, die heimische Gastronomie spielt eine untergeordnete Rolle. Mit ein paar Schafen ist nicht viel Geld zu verdienen, aber mit einer Kuh auch nicht mehr. Es braucht einfach Züchter mit viel Begeisterung und Freude. Bei unseren Anfängen hatten wir 600 Stück Schafe, zurzeit haben wir in Zufall/Sommerberg zwischen 1050–1100 Stück. Die Leute scheren bei uns ihre Schafe auch noch selber. Dabei wären auch bei uns etliche am professionellen Schafscheren  interessiert. Das ist aber beileibe nicht so einfach wie allgemein angenommen: Man muss das Schaf zum Scherplatz führen, die Wolle wegräumen und auch alles andere tun. Meiner Meinung nach ist das eigenhändige Schafscheren nicht so schlecht -man hat dadurch immer noch mehr Beziehung zum Tier.

Im Jahre 1981 fiel Ende Oktober 1,20 m Neuschnee und wir hatten die Schafe noch oben am Berg. In den ersten Tagen verharrten sie unter Felsvorsprüngen. Erst nach 2-3 Tagen gelang es uns die Hauptzahl der Schafe hervorzuholen, wobei es aber im Grunde zu unsicher, sprich viel zu gefährlich war, sich ihnen zu nähern. Wir taten es damals aber trotzdem – vielleicht fehlte uns die nötige Erfahrung. Heute würde ich wahrscheinlich dieses große Wagnis nicht mehr eingehen. Damals aber trotzten wir allen Gefahren und hatten dabei viel Segen: Bis auf ein Tier haben wir alle (uns einbegriffen) heil herausbekommen. Am letzten Tag hatten wir das meiste Glück: Es war ausgeapert und man hatte die Schafe wieder herausgebracht. Unmittelbar nachdem wir mit der Herde bei Steinwand abgebogen waren, donnerte eine riesige Steinlawine ins Tal. Nicht sofort war klar, ob wir alle samt Vieh noch heil durchgekommen waren, aber wir hatten es Gott sei Dank geschafft.

Aber nicht nur das Hüten selbst ist eine große Herausforderung: Auch Klauenkrankheiten müssen effektiv behandelt, Fußbrüche versorgt und optimale Geburtshilfe geleistet werden – und dies alles direkt am Berg.

Dafür werden die Schafe 1-mal die Woche zusammengetrieben, ihnen Salz verabreicht, ihr Gesundheitszustand kontrolliert und Erkrankungen behandelt. Am Berg „gewordene“ Lämmer werden gemerkt und im Herbst dann dem rechtmäßigen Besitzer übergeben. Wenn einem ein Schaf „totgeht“, so ist das natürlich immer bedauerlich, aber so etwas passiert am Berg leider gelegentlich.

Das Weiden ist sehr wichtig für unsere Berge. Sonst verunkrautet alles. Es wachsen sofort Bäume und Stauden. Das „Kluage“ erstickt und das „Groube“ nimmt Überhand. Wenn nicht abgeweidet wird, ist auch die Lawinengefahr viel größer, da der „Lischt“ alles aalglatt macht, einmal abgesehen von den Erosionsschäden. Aber auch die Artenvielfalt verschwindet. Weiden ist sehr wichtig für die Berge. Das wird man sich heute auch immer mehr bewusst, denn wo es einmal weg ist, kommt es auch so schnell nicht mehr wieder. Verschwunden ist bald, neu aufgebaut aber schwierig und mühselig!“

Renate Eberhöfer

„…auiwärts di Benzinpump…“

4. Oktober 2009 Kommentare aus

Michl Hofer, Jahrgang 1919, Prad am Stilfserjoch: „Mai Auto brauch i, dass i zun Fischerteich kimm.“

Den wirtschaftlichen Aufschwung im vergangenen Jahrhundert und die wachsende Motorisierung nahm der „Hofer Michl“ als Mechaniker bewusster wahr als andere. Als er 1946 in einem alten Stadel in Prad seine Werkstatt einrichtete, gab es von Schlanders bis Reschen gerade einmal drei Autos und eine handvoll Traktoren. Die Zahl der Autobesitzer stieg und bald war er mit Reparaturarbeiten eingedeckt.

Dass er einmal Herr einer eigenen Werkstatt sein würde, hätte sich Michl als Bub nie träumen lassen. Zusammen mit sieben Geschwistern wuchs er in armen Verhältnissen in Stilfs auf. Seine Familie war in der „Armenliste“ der Gemeinde eingetragen. „Fa zwoa Goaß unt a pissl Hondlongergeld hoobm miar leebm gmiaßt“, erinnert er sich. Um das seine zum Unterhalt beizutragen, arbeitete Michl täglich nach Schulschluss als Hütbub. Obwohl er oft müde war, fand er sich in der italienischen Schule gut zurecht. Dass der Sohn italienisch sprach, kam dem Vater gelegen. Michl erinnert sich, dass er ihn ins italienisch besetzte Gemeindeamt geschickt hatte, mit dem Auftrag, die neu geborene Schwester anzumelden. Die Personen in der Armenliste fanden bei Arbeitsvergaben auch von Seiten der italienischen Besatzer gelegentlich Berücksichtigung. 1937 erhielt Michl eine Anstellung beim Bau der Kasernen in Mals und Glurns. Er kam allerdings nicht umhin, sich in die faschistische Partei eintragen zu lassen. „Ma hott sell holt toun, um a Orbat z` hoobm“, erklärt er. Von seinem neun Lire Verdienst blieb ihm wenig übrig, da sechs Lire für die Kost zurück behalten wurden. Seinen Arbeitsplatz erreichte er täglich mit einem alten Rad. Damit fuhr er auch nach Meran, nachdem sein Vater im dortigen Krankenhaus plötzlich verstorben war. Um das Begräbnis auszurichten, erbat die Mutter einen Vorschuss bei Michls Arbeitgeber und erhielt 15 Lire. Das reichte nicht für eine Überführung und sie musste ihren Mann in der Passerstadt begraben. Die jüngeren Kinder konnten nicht dabei sein, weil das Geld für die Zugfahrkarten fehlte. „Deis sein bittere Zeitn gweesn, dia si heint niamant mea vorstelln konn“, meint Michl. Auf dem Heimweg musste er sein Rad wegen eines Defekts von Naturns bis Stilfs schieben. Durch einen Unfall kam Michl zu einem neuen Rad. Auf der Fahrt zur Arbeit prallte er auf ein Auto. Seine Platzwunden im Gesicht erschreckten den Mailänder Autofahrer so sehr, dass er ihm einen großzügigen Geldbetrag übergab. Ende Dezember1939 verlor Michl seine Arbeitstelle, nachdem er und seine Familie für Deutschland optiert hatten. 1940 wanderte er über die grüne Grenze nach Tirol, wo er in Landeck kurzeitig als Bauarbeiter tätig war. Dort traf er die junge Antonia Muther aus Laas. Sie war ebenfalls ausgewandert. Von ihr erfuhr er, dass die Südtiroler, anders als die Propaganda verkündete, nicht mit offenen Armen empfangen wurden. Deshalb riet Michl seiner Mutter in Stilfs zu bleiben, was diese auch beherzigte. Dass sie deshalb mit „Buon Giorno“ gegrüßt wurde, erfuhr er später.

Im Mai 1940 wurde Michl zur Wehrmacht einberufen und kam zur Ausbildung in die Motorsportschule am Kochelsee, wo er sich das Rüstzeug für seinen späteren Beruf aneignete. Mit seiner Marschkompanie kam er als Besatzer nach Norwegen. Seine Hauptaufgabe bestand darin, defekte Fahrzeuge funktionstüchtig zu machen. Den ersten Heimaturlaub konnte er erstmals 1942 antreten. „Bis Stilfs honn i 32 Tog braucht“, erzählt er. Schnee und Eis versperrten ihm den Rückweg zu seiner Einheit und er landete mitten im Kriegsgeschehen in der Ukraine, wo die Partisanen wüteten. Granatsplitter erwischten auch Michl am Rücken. Er wurde in einen Lazarettzug gebracht. Kurz nachdem sich dieser in Bewegung gesetzt hatte, hörte er einen fürchterlichen Knall und der Waggon kollerte über einen Abhang. Partisanen hatten die Gleise gesprengt. Die Folgen waren Kopfverletzungen. Michl erreichte schließlich das Lazarett in Darmstadt und dann jenes in Vorarlberg. Seine Verwundung bedeutete für ihn das Ende des Kriegsdienstes und ein Wiedersehen mit Antonia, mit der er in ständigem Briefkontakt gewesen war. Drei Monate vor Kriegsende kam Michl heim nach Stilfs. Da ihn Antonia wegen fehlender Dokumente nicht begleiten konnte, nahm er regelmäßig 15 Stunden Fußmarsch auf sich, um sie in Landeck zu treffen. 1947 brachte Antonia einen Sohn zur Welt. Daraufhin schmuggelte Michl Mutter und Kind in den Vinschgau. Noch im selben Jahr feierte das Paar seine Hochzeit. Die junge Frau schenkte noch fünf Kindern das Leben,  führte den Haushalt und unterstützte ihren Mann beim Aufbau des Mechanikerbetriebes. Dieser begann zu florieren, sodass er 1952 ein Grundstück kaufen und eine eigene Werkstatt bauen konnte. Bis zu dreimal am Tag wurde er zu defekten Autos gerufen, die auf der Stilfserjoch Straße stecken geblieben waren. „Gwesn ischas auiwärts di Benzinpump unt oiwärts di Brems“, betont er. Bis zu 12 Mitarbeiter konnte er zeitweise beschäftigen. 1973 eröffnete er in der Gewerbezone eine zweite Werkstatt für Lastwagen und Traktoren. Seit dem 85. Lebensjahr genießt er den Ruhestand. Eines lässt er sich auch mit 90 nicht nehmen, und zwar seinen Fiat Punto.

Magdalena Dietl Sapelza

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Porträt – Leben pflegen

24. September 2009 Kommentare aus

„Palliativarbeit ist wirklich das Meine“, sagt Annelies Müller und ihr ist anzusehen, wie diese Aufgabe sie wirklich voll und ganz zufriedenstellt

Annelies Müller geb. Haller erblickte am 15. 10. 1958 das Licht der Welt und wuchs auf einem Bergbauernhof in Partschins auf. Sie erlebte noch den bergbäuerlichen Alltag der damaligen Zeit und erfuhr die Freude und Zufriedenheit, die ein einfaches Leben erbringen kann.

Durch den direkten Kontakt mit der Natur und den Tieren wusste sie bald, wie schützenswert jedes Leben ist. Annelies wuchs in einer achtköpfigen Kinderschar auf, und zusehends verstärkte sich ihr Wunsch, Krankenpflegerin zu werden, um dadurch dem Leben dienen zu können. Vorerst besuchte sie die Handelsschule in Meran und verbrachte drei Jahre im Heim. Dann konnte sie sich in die Krankenpflegeschule einschreiben und kam so ihrer ureigensten Bestimmung, „Leben zu pflegen“ etwas näher.

Auf allen Stationen des Krankenhauses Meran konnte sie als Urlaubsvertretung ihre Erfahrungen sammeln und verblieb dann fünf Jahre im OP der HNO-Abteilung und weitere fünf Jahre auf der HNO Station.

1986 kam sie durch ihre Heirat nach Naturns, wo sie seither mir ihrem Mann und den beiden Söhnen lebt. Die Verlegung des Wohnsitzes nach Naturns erfolgte für sie zu einem willkommenen Zeitpunkt, der ihrer beruflichen Tätigkeit eine Wende gab. Gerade jetzt wurde die Errichtung des Sprengelsitzes von Naturns geplant, woran sie sich maßgeblich beteiligen konnte. Die Aufbauarbeit lastete auf ihren Schultern. 1990 wurde der Sprengelsitz eröffnet. In einem leeren Raum ist sie mit zwei Teilzeitkolleginnen gestartet, und bald funktionierte der Dienst zur Zufriedenheit aller. Auch der Aufbau der Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige geht auf ihre Ideen und ihren Einsatz zurück.

Als im Jahre 2002 in Martinsbrunn das erste Palliativzentrum des Landes eingerichtet wurde, war dies für Annelies ein neuer Anreiz, ihrer Devise, „das Leben zu pflegen“ noch intensiver folgen zu können. Obwohl sie im Sprengelsitz Naturns fest verwurzelt war und Leitungspositionen inne hatte, wagte sie einen Neuanfang in diesem neuen Betätigungsfeld. Auf der Palliativstation werden Patienten, die an einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung leiden, betreut. Das Ziel ist es, den Patienten die bestmöglichste Lebensqualität zu bieten und auch schwerkranke Patienten im letzten Lebensabschnitt zu begleiten. Zu einem großen Prozentsatz sind dies Tumorpatienten, aber auch Patienten mit anderen Diagnosen werden aufgenommen. Gegen die landläufige Meinung, das Palliativzentrum wäre eine Sterbestation, wehrt sich Annelies vehement, denn es können immerhin ca. 60% der Patienten wieder entlassen werden.

Annelies war am Aufbau beteiligt und auch Anfangsschwierigkeiten blieben ihr nicht erspart. Doch heute widerspiegelt die familiäre Atmosphäre auf der Station, das Wirken eines gut funktionierenden Teams. Verschiedene Höhepunkte, wie Geburtstage und Jubiläen werden feierlich gestaltet. Zu den schönen Momenten zählten auch eine Taufe, damit die Oma teilnehmen konnte und eine Hochzeit, bei der ein Patient seiner Lebenspartnerin das Ja-Wort gab.

Für Annelies ist die Arbeit mit den Angehörigen sehr wichtig, denn der Angehörige wird als große Ressource für den Patienten gesehen.

Nach dem Motto: „Nicht nur am Leben sein, sondern ein Leben haben,“ geschieht die Krankenpflege immer im Sinne einer ganzheitlichen, umfassenden und intensiven Betreuung. Die liebevolle Pflege schließt Aufmerksamkeit, das Trost- und Haltgeben und das Lindern von Schmerzen mit ein. Genauso bedeutsam sind das Achten der Menschenwürde und eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit.

Für Annelies ist es beglückend, wenn sie ein zufriedenes Lächeln erwecken kann, und es tut ihr manchmal Leid, dass sie nicht noch mehr Patienten auf diese Art und Weise betreuen kann.

Sie hat gelernt, mit dem Thema Tod und Sterben umzugehen, sich den Grundfragen des Lebens zu stellen und sich mit Thematiken auseinander zu setzen, die man gewohnt war, zu verdrängen.

Persönlich kann Annelies mit den Belastungen gut umgehen. Auf der Fahrt nach Meran bereitet sie sich gedanklich vor, auf der Heimfahrt macht sie sich den Kopf frei, um daheim den Alltag bewältigen zu können.

Als Ausgleich geht sie regelmäßig einmal in der Woche zum Tanzen, sie fährt mit dem Rad und wandert viel auf die Berge. Durch ihre Arbeit hat sie gelernt, Kleinigkeiten zu schätzen, jeden Tag zu genießen und auszuleben. Unzufriedenen Nörglern möchte sie sagen, wie nichtig oft ihre Probleme angesichts derer ihrer Patienten sind.

Annelies möchte bis zu ihrem Ruhestand auf dieser Station weiter arbeiten, und dann, sollte sie selbst einmal dem Tode nahe sein, wünscht sie sich in einem genauso warmen Umfeld sterben zu können.

Maria Gerstgrasser

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