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Archive for the ‘glosse’ Category

glosse: freiwilliger abgang?

7. April 2011 Kommentare aus

es ist amüsant zu sehen, wie die leute erwarten, dass die politiker von sich aus, also freiwillig  von der politischen bühne abtreten, egal ob es bürgermeister sind oder staatspräsidenten. es wäre sicher liebenswürdig, wenn z. b. die diktatoren afrikas so nett wären und einsehen würden, dass ihre zeit vorbei ist, und aus freien stücken das feld räumen würden. (damit will ich unsere politiker aber keineswegs mit typen wie ghadaffi vergleichen) die italiener fragen scheinheilig, wie lange wohl berlusconi sich noch in szene setzen will, dabei vergessen sie, dass der herr silvio zwar kandidiert, sich aber nicht selber gewählt hat. viele südtiroler möchten gerne wissen, ob durnwalder noch einmal landeshauptmann werden will, als ob das nur von ihm abhängt! und sie fragen sich sogar, wen er zu seinem nachfolger „bestimmen“ wird, falls er sich nicht selber nachfolgt. ja, ist die landesregierung jetzt ein erbhof? es wäre wohl realistischer und demokratiebewusster, wenn die wählerinnen und wähler die frage anders stellen würden, nämlich ob sie selber den luis noch einmal haben wollen bzw. wen sie zu seinem nachfolger wählen möchten. was da gegenwärtig in rom und bozen abläuft, kommt mir vor, wie wenn man von einem platzhirsch oder steinbock erwarten würde, dass er sich selber abschießt. das kann man ihm nun wirklich nicht zumuten! außerdem: wie würden die jäger da enttäuscht sein! das abschießen war und ist immer noch das privileg der jäger (und wilderer).

y

 

 

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fastenkurorte

24. März 2011 Kommentare aus

wie inzwischen bekannt, haben die grünen vorgeschlagen, an einem tag in der woche fleischfrei zu essen, und zwar am freitag, in der annahme, diesen tag hätten die tiroler ja eh schon als fasttag in fleisch und blut. die argumente für den sog. veggieday sind überzeugend, unter anderem weil die fleischproduktion sehr kostenintensiv ist. der vorschlag ist an sich also gut, aber wenn man schon einen bestimmten wochentag empfehlen will, dann sollte es nach meiner erfahrung nicht der freitag, sondern der montag oder evtl. der sonntag sein, und als übungsfeld schlage ich den vinschgau vor (mit ausnahme von latsch, denn latsch ist luftkurort). bei uns fällt es an diesen beiden tagen nämlich nicht nur leicht, auf fleisch zu verzichten, sondern auf das essen überhaupt – falls jemand auf gasthäuser angewiesen sein sollte. denn viele gasthäuser beginnen, möglicherweise noch einem alten heidnischen brauch folgend (wie die friseure), die arbeitswoche – sozusagen  vorbeugend – mit einem ruhetag. und so bietet sich folgendes bild: von den gastbetrieben, die nicht an diesen beiden tagen ruhetag halten, hat der eine z. z. seinen wohlverdienten urlaub, der andere kocht nur für hausgäste, ein dritter nur auf vorbestellung, ein vierter nur toastbrot.

vielen menschen wird von den diätistinnen empfohlen, allgemein weniger zu essen und nach 18 uhr überhaupt nichts mehr – ihnen kann geholfen werden!

y

 

vinschgerwind – glosse: „ja-durfen’s-denn-des“

10. Februar 2011 Kommentare aus

das soll kaiser ferdinand gefragt haben, als das volk protestieren ging. so ähnlich scheinen heute noch manche „macht-haber“ zu fragen. was ist bloß in diese völker afrikas gefahren? ohne anpeitscher, ohne revolutionsführer, einfach aus eigenem antrieb, aus berechtigter unzufriedenheit protestieren sie, unter lebensgefahr, für eine gerechtere welt. im gegensatz zu den europäischen staaten haben diese länder kaum erfahrung mit demokratie. aber auch in europa schlucken die bürger nicht mehr alles, was politiker wollen: siehe gorleben, stuttgart 21, referenden gegen privatisierung von trinkwasser, gegen atomkraftwerke, für mehr demokratie… das volk will mitsprache, und zwar nicht erst, wenn die entscheidungen schon gefallen sind. der franzose stéphane hessel prangerte missstände des 21. jh. an: die wachsende armut, den nihilismus der konsumgesellschaft, die gier der banker, die zerstörung des planeten. das buch trägt den titel: „empört euch!“ und wurde in frankreich das meistverkaufte buch des jahres!

ein südtiroler politiker sagte einmal, südtirol sei ein land von
protestierern. ich nehme das als kompliment, denn in meinen augen ist es immer noch zu sehr ein land der jasager. aber es tut sich schon etwas: es wird schwieriger, entscheidungen in politik, wirtschaft und umwelt im alleingang durchzusetzen. es wird schwieriger, auf drei sesseln zu kleben und entsprechend abzukassieren. einst anerkannte staatliche und kirchliche „autoritäten“ haben ihre glaubwürdigkeit verloren. dafür haben heute immer mehr menschen den mut, sich ihres eigenen verstandes zu bedienen, ohne zu fragen, ob sie das dürfen – das gibt hoffnung!

y

 

 

vinschgerwind – glosse: die trotzdem-logik

27. Januar 2011 Kommentare aus

brecht schrieb: „das denken ist das größte vergnügen der menschlichen rasse.“ wenn das denken etwas mit logik zu tun hat, muss man die richtigkeit dieser aussage sehr bezweifeln. beispiele? bitte sehr!

schifahren ist out, das ist die bilanz der touristiker nach dem ende der winterferien. die statistiken sagen, dass die zahl der schifahrer um ca. 10 prozent abgenommen hat, weil sich immer weniger familien diesen luxus leisten können. trotzdem baut man neue aufstiegsanlagen, z. b. am kronplatz, trotzdem plant man zusammenschlüsse von schigebieten: schöneben – haider alm, latscher alm – ulten, langtaufers – kaunertal, martell – sulden…. wir alle wollen weniger verkehr, trotzdem bauen wir neue zufahrten, bergstraßen, parkplätze…wir sind umweltfreundlich und wollen nur sanften tourismus, trotzdem schlagen wir neue schneisen in den wald, bauen autobahnen auf die almen und zu privaten ferienhütten, zerstören einmalige schutzgebiete wie die seiser alm, verpesten die luft …der vinschgau ist energiemäßig voll versorgt, er kann strom verkaufen, trotzdem werden aus purer geldgier in jedem seitental an jedem bächlein drei kraftwerke errichtet oder geplant, ohne rücksicht auf flora und fauna, trotzdem wird bald ein windpark eine uralte vinschger kulturlandschaft zieren. die erhaltung des landschaftsbildes ist uns allen ein großes anliegen, trotzdem schauen wir zu, wie es von jahr zu jahr durch immer mehr hagelnetze verunstaltet wird. ich weiß, all diese dinge will niemand mehr hören – ich schreibe trotzdem darüber.

y

 

 

vinschgerwind – glosse: schwarze rauchsignale

13. Januar 2011 Kommentare aus

bekanntlich lässt man im vatikan bei einer papstwahl weißen rauch aufsteigen, wenn die wahl geglückt ist, schwarzen rauch hingegen, wenn die wahl kein ergebnis gebracht hat. im vinschgau, ja sogar in einer gemeinde, die sonst angeblich ganz anders ist als alle anderen, kann man im winter, mit vorliebe in den frühen morgen- und in späten abendstunden, also zu einer zeit, wo man glaubt, dass die meisten leute noch bzw. schon schlafen, aus manchen kaminen von privathäusern (also nicht industriebetrieben) braunen, grauen, schwarzen rauch aufsteigen sehen und vor allem riechen. solltest du also, lieber leser, zufällig durch einen der hier nicht näher genannten orte unterwegs sein und diese intensive rauchentwicklung wahrnehmen, dann sollst du wissen, der rauch kommt nicht von der verbrennung von altem, faulem oder nassem holz, nicht von pressplatten und leimbindern, nicht von plastik, milchpackungen, alten schuhen oder stiefeln oder anderem müll, nein, wozu auch, wir sind ja an die fernheizung angeschlossen. nein, es handelt sich nur um die mitteilung, dass noch kein papst gewählt wurde. falls dir aber einfällt, dass der alte papst ja noch gar nicht gestorben ist und somit zurzeit überhaupt keine papstwahl fällig ist, dann solltest du dir vielleicht doch deine gedanken machen und sicherheitshalber die feuerwehr anrufen oder wenigstens den kaminkehrer. die nachbarn und anrainer werden es dir danken!

y

 

glosse im Vinschgerwind: tiroler reform?

2. Dezember 2010 Kommentare aus

im sog. „tagblatt der südtiroler“ schrieb ein heimattreuer brixner vor kurzem, dass für ihn die kenntnis des heimatlieds „wohl ist die welt so groß und weit“ sowie „zu mantua in banden“ wesentliche elemente für die erziehung eines jungen menschen im labyrinth des lebens, zur heimatliebe, zur heimattreuen persönlichkeit darstelle. wer „kein ziel, keinen ausweg weiß“, dem könne somit geholfen werden. das sind endlich einmal klare worte in diesem labyrinth der schulreform, und das obgenannte blatt ordnet diesen leserbeitrag bezeichnenderweise unter die überschrift „allgemeinbildung“ ein.

nun ist zwar das eine lied, das sog. bozner bergesteigerlied, genau wie das andere lied, so etwas wie die geheime tiroler landeshymne, und beide werden daher gerne gesungen. aber wenn es sich zeigen sollte, dass die aussagen dieser beiden lieder zu prägenden „bildungsinhalten“ erhoben werden sollen, dann muss ich – im widerspruch zu einer meiner früheren glossen – wieder eine lanze für das griechische brechen, denn das ist eindeutig  ehrwürdiger als das heimatlied von karl felderer und das andreas-hofer-lied von julius mosen.

gewiss, das eine schließt das andere nicht aus, und die oben zitierte forderung ist ja nur ein einzelfall. aber wenn sich unsere vorstellung von bildung auf diesem niveau einpendeln sollte, dann kann ich nur sagen: ach himmel, es ist verspielt!

y

 

 

Vinschgerwind – glosse: verwirrer und verhinderer

18. November 2010 Kommentare aus

die erfinder der verwirrungstaktik sind eigentlich unsere bauern. sie haben eine praxis entwickelt, mit der es möglich ist, in ihren kulturen die verbreitung unliebsamer lebewesen zu verhindern oder zumindest einzugrenzen: diese sog. verwirrer sollen durch imitation von sexualgeruch die männchen ablenken, auf die falche fährte, in eine tödliche falle locken und so daran hindern, ihre weibchen zu befruchten und so ihre spezies fortzupflanzen. finderisch sind ja nicht nur unsere bauern, sondern auch unsere politiker (zwischen bauern und politik besteht ja bekanntlich eine starke affinität), und so haben diese die biologische methode, gegen die im obstbau ja eigentlich nichts einzuwenden ist, auf die politik, genauer gesagt, auf die direkte demokratie übertragen, die sie offensichtlich fürchten wie ein ungeziefer. das prinzip ist dasselbe: es soll befruchtung und verbreitung von unliebsamen elementen bzw. ideen verhindert werden. man will das vorhandene potenzial für mehr demokratie durch gezielte verwirrung ins leere laufen lassen, wie man sieht, mit erfolg. und weil leistung immer preiswürdig ist, schlage ich vor, einen preis zu stiften mit dem titel: „der verwirrer des jahres“. als preisträger für das jahr 2009 würde ich (post festum) einen gewissen parteiobmann und für 2010 einen gewissen bürgermeister aus der östlichen landeshälfte vorschlagen (ich weiß, das ist ungerecht, weil es auch andere leute im lande gäbe, die diesen titel verdienen würden, aber man kann halt nur die besten prämieren!). man kann gespannt sein, ob die bewerber für 2011 schon in den startlöchern sind.

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