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Karl Plattner – „Jugendsünden“

13. Januar 2011 Kommentare aus

Blick auf die Grablegung (fotografiert durch das Kirchenfenster der stets verschlossenen Marienkapelle von Alsack) Die Ausstellung „Jugendsünden“ auf dem Kloster Marienberg folgt den Spuren des Malers und vertieft sich in die Anfänge. Im Rahmen der Ausstellung vom Freitag, 21. Januar 2011 bis Sonntag, 20. März 2011 finden klassische Konzerte statt. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 13.00 bis 16.00 Uhr, museum@marienberg.it, Tel. 0039/0473 843980.

 

 

Zuerst ein Kriminalfall, nicht gerade ein Mord, aber immerhin ein Diebstahl. Bisher unaufgeklärt, aber vielleicht jetzt lösbar. Es handelt sich um ein Aquarell von Karl Plattner, entstanden vor 1950. Es zeigt den Glurnser Stadtplatz und wurde vor vielen Jahren gestohlen. Jetzt hängt es irgendwo in einem Privathaus; die Besitzer haben es wahrscheinlich ganz legal gekauft, über ein Aktionshaus. Gibt es Hinweise auf den Verbleib dieses Bildes?

Armstudien und Kriegskamerad

Immerhin zeugt diese Geschichte für die frühe Wertschätzung des Künstlers bei uns im Vinschgau. Dabei hatte Plattner bei der Entstehung des Bildes noch einen „unfertigen“ Malstil; die Ergebnisse hat er selbst als „Jugendsünden“ bezeichnet. Tatsächlich stand er in seinen frühesten Arbeiten der Maltradition der Jahrhundertwende nahe, was wir heute als „Nazarenerstil“ bezeichnen. Ein typisches Beispiel dafür ist das Wandgemälde „Chistus ruft die Kindlein zu sich“ in der Prader St.Johannkirche. Jesus als Kinderfreund, dahinter Vater, Mutter und sogar Spielzeug. Ein sehr seltenes Motiv, zumal in einem altehrwürdigen Kirchenbau neben romanischen Fresken. Es wurde schon überlegt, das Fresko abzunehmen oder zu übertünchen. Aber dann wurde Plattner immer berühmter und so hat man sich zurückgehalten. Warum sollte nicht eine neuzeitliche Malerei neben den vielen anderen Zeitdokumenten, den gotischen und barocken Denkmälern bestehen dürfen? Der aus dem Krieg heimgekehrte Künstler hat vielleicht lieber an die Jugend, als an Kruzifixe und Märtyrer gedacht. Die Schrecken des Krieges wollte er loswerden. Dass sie ihn noch lange verfolgen werden, zeigt der düstere Ernst vor allem in seinen Menschenbildern. Aber auch die Befreiung ist überall zu verspüren, vor allem auch im Finden eines eigenen künstlerischen Weges.

Auftragsarbeiten für den als Wandmaler handwerklich ausgebildeten Künstler gab es bereits in der Optionszeit, also seit 1939, als viele Südtiroler im Begriff waren, ihre Heimat für immer zu verlassen. Der vielseitig begabte Karl wurde beauftragt, ein letztes Bild des Hauses oder Hofes zu malen, als Erinnerung an die alte Heimat. Die engen Gassen der Vinschgauer Dörfer, die sich berührenden Dächer, zwischen denen der blaue Himmel durchblitzt, die Verwinkelung der immer wieder erweiterten Häuser … daraus hat sich ein eigener Stil entwickelt, der seit 1950 seine Malerei bestimmt. Verflechtungen überall, Verwerfungen scheinen durch das Gelände, die ganze Landschaft wird zum Akt und der Akt zur Landschaft. Diese Formelemente prägen alles, wo immer er malt, in Frankreich, in Brasilien oder eben im Vinschgau.

Jugendsünden – gibt es das überhaupt? fragt ein Zweifler. Ist es nicht eher so, dass gerade die frühen „Wallungen“ unerschöpfliche Anregungen für die reife Zeit bieten? Was hat den Karl Platter existenziell bewegt, also sein Innerstes berührt? Dazu gehen wir am besten von der Planeiler Straße über den Weiler „Ulten“ in Richtung Plawenn zur Häusergruppe Alsack, wo fünf Bauern in den Jahre 1960/61unter großen Opfern eine neue Kapelle nach Plänen des Architekten Willi Gutweniger errichtet haben. Ausgestattet wurde diese Marienkapelle mit der Beweinung Christi, einem großen Ölbild von Karl Plattner. Es fand allerdings ursprünglich wenig Gegenliebe. Es gab fast einen Skandal, ähnlich wie mit anderen Werken des unbequemen Künstlers: Es wäre zu wenig religiös und zu sehr der Mode des Kubismus verpflichtet. (Das gemalte Kriegerdenkmal in Naturns wurde sogar teilweise zerstört und musste verhängt werden; die um ihren Sohn trauernde Mutter hat einen zu großen Busen!)

Die Alsacker Marienkapelle ist mittlerweile zu einer Pilgerstätte für Kunstfreunde geworden. In den umliegenden Höfen bekommen Besucher gerne den Schlüssel und wenn dies auch nicht immer gelingt, so wird das ergreifende Bild immerhin durch die Fensterscheibe sichtbar. Und so habe ich es eben durch die Verglasung angeschaut, mit allerhand Lichtreflexen und „kubistischen“ Elementen. In dieser Beweinung Christi ist der ganze Plattner enthalten, formal, farblich, inhaltlich. Die Malser Heide, die Mutter, Trauer, Tod, die Zusammenschau eines großen Meisters. Selbstverständliche Einheit, als könnte es gar nicht anders sein.

Das gestohlene Glurnser Bild wird sich wohl kaum auffinden lassen, aber die verschiedenen Werke werden nun überall sichtbar und gebührend geschätzt. Die Malser lassen sich allerhand einfallen und sind als erste Gemeinde dabei, eine Wallfahrt zu Kunststätten zu errichten, mit breiter Zustimmung der Bevölkerung.

Der junge Karl Plattner hat gerne Karten gespielt. Da er, bevor er als großer Künstler weitum bekannt wurde, wenig Geld hatte, bezahlte er seine Spielschulden oft mit Bildern. So hingen in manchen Gasthäusern seine Bilder mit Szenen aus dem Malser Volksleben: Im Gasthaus, beim Viehmarkt, Brautschau. Die beliebten Motive mussten allerdings, da es hier auch Diebe gibt, in Sicherheit gebracht werden. Desto erfreulicher ist die geplante Ausstellung im Kloster Marienberg mit vielen unbekannten „Jugendsünden“.

 

Hans Wielander

 

 

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Ökumenischer Brennpunkt Marienberg

7. Oktober 2010 Kommentare aus

v.l.: Innsbrucks Bischof Manfred Scheuer, Gastgeber Abt Bruno Trauner und der Brixner Bischof Karl Golser; Buchcover des neuen Buches von Gesprächsinitiator Hubert Rietzler

Die „ökumenischen Gespräche“, 1999 vom Kaunertaler Pfarrer Hubert Rietzler im Anschluss an politische Versammlungen im Gedenken an die Calvenschlacht 1499 angeregt, haben heuer ihr 10-jähriges Jubiläum. Kloster Marienberg hat vor gut einer Woche den würdigen Rahmen dazu geboten und der Einladung sind zahlreiche Geistliche, evangelische und katholische,  aus dem „Magischen Rätischen Dreieck“ gefolgt, darunter die Bischöfe Karl Golser (Diözese Bozen-Brixen) und Manfred Scheuer (Diözese Innsbruck).

Der evangelische Pfarrer Hans-Peter Schreich-Schuppan blickte in seinem Referat auf die Entstehung der Kirchengemeinden in diesem „Magischen Rätischen Dreieck“ zurück und schloss mit einem die Konfessionen einigenden und nicht unbedingt Mut machenden Ausblick: die aktive Beteiligung der Bevölkerung an Gemeindeleben und Gottesdientsfeier lasse rapide nach; immer weniger einheimische Seelsorger gebe es – im gesamten Grenzgebiet werden Pfarreien massiv zusammengelegt; und in absehbarer Zeit „werden wir mit massiv weniger finanziellen Mitteln auskommen müssen“. Eine überkonfessionelle Diskussion über diese drängenden Themen ging im neuen Museumstrakt über die Bühne.

Großer Beliebtheit erfreuen sich die „ökumenischen Gespräche“ bei den Teilnehmern. Mit Begeisterung schildern einige die zweimal jährlich in kleinerem Kreis stattfindenden Gedankenaustausche, welche abwechselnd in den drei Grenzregionen seit 10 Jahren stattfinden. (eb)

 

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Freundeskreis Marienberg in Klausur

25. März 2010 Kommentare aus

Balthasar Schrott informierte eine aufmerksame Zuhörerschar über die religiöse Vielfalt und über Marktangebote im „Heiligen Land Tirol“

Was an religiöser oder pseudoreligiöser Marktware in Südtirol alles so kreucht und fleucht, darüber informierte Balthasar Schrott.  Der wiederbestätigte Präsident des Freundeskreises Marienberg, Andreas Folie, konnte Schrott als Referent für den heurigen Einkehrtag in Marienberg gewinnen. Gut 30 Mitglieder des Freundeskreises haben am Sonntag vor einer Woche daran teilgenommen.

Im Vinschgau sind sogar Päpste am Werken. In Goldrain gibt es einen Papst „Pax Immanuel II“, der eine „christlich essenische Kirche“ vertritt,  „Papst Pedro II“, der die „palmarianische Kirche“ vertritt, hat einen religiösen Ableger im Vinschgau. Zwischen viele religiöse Splittergruppen mischen sich private Anbieter, von Geistheilern, fernöstliche Mischlehren, astrologische Anbieter, Selbstfindungskurse, Kinesiologie, Meditationen usw. Eine „Transzendentale Obdachlosigkeit“ ortet Schrott, auch weil die Bindungskraft der Großkirchen abnehme. „Jeder schneidert sich zusammen, was er zu brauchen glaubt, und findet diverse Angebote am Markt“, sagt Schrott. „Wir müssen lernen, mit dieser Pluralität umzugehen und eine Art friedliche Koexistenz anstreben.“ Schrott kann dem Treiben durchaus auch Positives abgewinnen: „Es ist spannend im Heiligen Land Tirol.“ Man verstaube nicht. Die katholische Kirche wird mit einem konkreten Lebensfeeling dagegen halten müssen.

Pater Markus Spanier, Prior in Marienberg, hieß die ehemaligen Klosterschüler und die Freunde Marienbergs in den heiligen Hallen willkommen.

Bei der Vollversammlung nach der gemeinsamen Vesper ließ Folie die vergangenen fünf Jahre Revue passieren. Die Vollversammlung bestätigte den amtierenden Vorstand per Akklamation und eine knappe Mehrheit stimmte dem Vorschlag des Präsidenten zu, in Zukunft auch Frauen in den Freundeskreis aufnehmen zu wollen. Abt Bruno Trauner bedankte sich beim Freundeskreis für sein Engagement. Bei einer Marende, zubereitet vom Freundeskreis-Mitglied Helmuth Kuenrath, klang der Einkehrtag in reger Diskussion aus. (eb)

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Der „Vinschgerwind“ blickt auf 2009 zurück

31. Dezember 2009 Kommentare aus

Wandern, Kultur und Kulinarium

8. Oktober 2009 Kommentare aus

„Freundeskreis“-Präsident Andreas Folie (links) überreichte jenen, die vor 50 Jahren in die erste Klasse in Marienberg eingestiegen sind, ein Buchgeschenk: Manfred Zangerle, Benedikt Pamer, Helmut Schöpf und Karl Egger

Dem traditionellen Motto „Wandern, Kultur und Kulinarium“ sind heuer wieder viele Mitglieder des „Freundeskreises Marienberg“ der Einladung von Präsident Andreas Folie zur Herbstwanderung gefolgt. Ziel war am Sonntag vor einer Woche, vom Latscher Bierkeller startend, die überaus sehenswerte St.  Stephanskirche bei Obermontani. Maler aus der lombardischen, niederländischen und bayrischen Schule haben im 15. Jahrhundert dort einmalige Freskenzyklen geschaffen. Den interessierten Freunden von Marienberg erklärte der rührige Castellan von Obermontani, Luis Peer, die Besonderheiten der Schlosskapelle, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass der bekannte Marienberger Sprössling Beda Weber im Jahre 1834 eine der ältesten Überlieferungen des Nibelungenliedes in der Burg Obermontani gefunden hat. Die Burg selbst, 1228 von Graf Albert II. von Tirol als Trutzburg gegen die Churer Bischöfe erbaut, eine leidvolle Geschichte hinter sich habend und mittlerweile in Landesbesitz, ist auf Geheiß von

Landeskonservator Leo Andergassen und sehr zum Verdruss vom fast 90 Lenze zählenden Luis Peer, derzeit, nicht mehr zugänglich.

Der Rückweg führte die Freunde von Marienberg nach Untermontani und von dort über den Waalweg zurück zum Bierkeller. Von einer zünftigen Marende begleitet wurden dort in angeregten Diskussionen Gedanken ausgetauscht, zumal der Freundeskreis nicht mehr nur aus ehemaligen Klosterschülern besteht, sondern sogar Landesgrenzen gesprengt hat. (eb)

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VINSCHGERWIND-KOMMENTAR: „Auf’s Volk geblickt“

Abt Bruno hat’s gut. Er kann von der Höhe des Klosters Marienberg auf das Wuseln des Volkes blicken. Als Abt macht er das seit 25 Jahren. 25 durchaus erfolgreiche Jahre, die wir in der Titelgeschichte – weltlich – nachzuzeichnen versuchen. Eine Art Mandatsbeschränkung hat auch ein Abt. Mit 75 soll Schluss sein. Wenn es nicht anders geht, wenn die Umstände dafür sprechen, Personlamangel und so – kann ein Abt auch länger bleiben. Das Kongregationskapitel, das ist die siebenköpfige Äbtegemeinschaft der Schweizerischen Benediktinerkongregation, zu der auch Marienberg gehört, kann das verfügen.

Anders läuft es beim Volk, welches grad am Fuße des Klosters, in der Gemeinde Mals, am vergangenen Sonntag ihr Gemeindeparlament samt Bürgermeister gewählt hat. Knapp ein Drittel der Bürger ist nicht zu den Wahlen gegangen. Trotz Plattform für mehr Demokratie, trotz SVP-Vorwahlen, trotz vier Listen, die tatsächlich eine demokratische Auswahl ermöglicht haben. Das ist der Wermutstropfen dieser Wahl. Wermutstropfen gibt es noch einige mehr, aber die sind ad personam. Zufrieden ist einer: Der frische und stark gewählte BM Ulrich Veith.

Vom Kloster aus gesehen weiter unten im Tal, wo die Etsch etwas breiter ist, ist die Wahl des Bürgermeister so eindeutig nicht ausgegangen. Trotzdem: Jürgen Klotz ist in Plaus der Nachfolger vom breite Spurten hinterlassenden Arnold Schuler. Das Plauser Volk rund um den Stecher’schen Totentanz hat der SVP eine starke Opposition beigewählt.

Klar dürfte eines sein: Gemeinderatswahlen folgen anderen Regeln als Landtags- oder gar Parlamentswahlen. Näher am Hemd eben.

Erwin Bernhart

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Kloster Marienberg: Abt Bruno – Der Erneuerer

7. Mai 2009 Kommentare aus

Vinschgerwind-Titel 9-09

Seit 25 Jahren ist Pater Bruno Trauner Abt von Marienberg. Zuvor war er knapp 15 Jahre lang Verwalter im Kloster. Der „Wind“ wagt mit dem Abt einen Rückblick, eine Art Spurensuche seines Wirkens. Ein Porträt eines Gottesmannes, der die Geschicke des Klosters seit 40 Jahren maßgeblich mitbestimmt und für die Zukunftssicherung der höchstgelegenen Abtei Europas beigetragen hat.

von Erwin Bernhart

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