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Archive for the ‘WIND-KOMMENTAR’ Category

Vinschgerwind Kommentar: Geißlers Geißel

7. April 2011 Kommentare aus

Heiner Geißler war Gast bei der SVP-Landesversammlung am 26. März in Meran. Geißler war unter anderm CDU-Generalsekretär (1977-1989), bis er sich mit dem mächtigen Helmuth Kohl überwarf. Geißler hat in der Vergangenheit immer schon polemische Positionen bezogen. Als Generalsekretär damals vor allem gegen die Grünen, gegen die SPD. Mit scharfer, jesuitisch geschliffener Rhetorik. Polemisch ist Geißler geblieben, die Positionen haben sich verschoben. Seit 2007 ist Geißler Mitglied von „attac“, einer globalisierungskritischen Gemeinschaft. Geißler ist ein eigener Kopf: Federführend bei den Schlichtungsgesprächen für Stuttgart 21 hat Geißler seine integrative Kraft bewiesen: Nach der Schlichtung war die Mehrheit für den Bau des neuen Bahnhofes. „Attac“ ist gegen einen Ausbau. Trotz Schlichtung.

Dieser Geißler hat der SVP ins Gewissen geredet. Zumindest hat er seine Position in Sachen direkte Demokratie dargelegt. „Wir brauchen eine Institutionalisierung der Bürgerbeteiligung“, sagte Geißler wörtlich. Die Schweiz mache das vernünftig, sagte Geißler. Das Argument, dass das „zu lange dauert, gilt und stimmt nicht.“ Fakten-Check, das Verhandeln von Gegenparteien auf Augenhöhe und totale Transparenz forderte Geißler.

Zuvor hatte der SVP-Obmann Richard Theiner, mit nicht ganz so großer Vehemenz wie Geißler – aber auch nicht ängstlich, ausgerufen, die SVP solle „keine Berührungsängste vor Volksabstimmungen“ haben.

Erwin Bernhart,  Chefredakteur

 

Vinschgerwind Kommentar: „Ich bin radioaktiv“

Zu Beginn der 90iger stand ich auf einem Atomreaktor, im Atominstitut der österreichsichen Universitäten – mitten in Wien – auf dem Forschungsreaktor TIGA Mark II. Mein Studium hatte mich dorthin geführt – und zwar lockte eine Messmethode, die es gestattet, einzelne Elemente quantitativ in Proben zu bestimmen. Neutronenaktivierungsanalyse (NAA) heißt diese Methode. Die Ironie wollte es so, dass meine Arbeit etwas mit Tschernobyl zu tun hatte und in der Untersuchung von Pilzen bestand. Dieses verdammte Caesium 137 spielte dabei eine Rolle.

Dieses 137Caesium spielt heute noch eine Rolle. Auch bei uns. 25 Jahre nach Tschernobyl ist es immer noch da, weil es eine Halbwertszeit von 30,17 Jahren hat. Das heißt, nach rund 30 Jahren ist die Hälfte der Ursprungskonzentration immer noch da. In der Natur gibt es dieses 137Caesium eigentlich nicht. Es wird gemacht – es entsteht bei einer Kernspaltung – in einem Atomreaktor etwa.

Ich erinnere mich an die damalige Diskussion rund um die Atomkraft: Damals ging es vordergründig darum, was man noch essen kann und was nicht. Pilze, vor allem den Steinpilz, hieß es, solle man meiden – zumindest nicht in rauhen Mengen essen. Die Milch, das Wildfleisch, der Salat: in einigen Landstrichen war ein Essverbot ausgeprochen – ist es teilweise heute noch.

Die Diskussion damals: Der Kernreaktor in Tschernobyl war ein russischer, ein schlecht gebauter, ganz miese Qualität, – Graphit-moderiert – schlechter geht’s kaum. Ein solches Unglück kann im Westen gar nicht vorkommen. Und nun fliegen Reaktoren in Japan in die Luft. Eines ist sicher: Dem 137Caesium – als radioaktives Beispiel – ist es egal, in welchem Reaktor es entsteht. Auch deshalb gehören sämtliche Atomreaktoren sofort abgeschaltet. Und auch, wiel es keine „Endlagerung“ für Atommüll geben kann.

von Chefredakteur Erwin Bernhart

 

Vinschgerwind – Kommentar: „Windkraft-Frei?“

24. Februar 2011 Kommentare aus

Zitat aus dem Landespresseamt vom vergangenen Montag: „Wir haben das Problem eingehend diskutiert und sind zum Schluss gekommen, dass Südtirol Windkraft-frei bleiben soll“, so Landeshauptmann Durnwalder. Eine Ausnahme, so die Landesregierung, soll es für die geplante Windkraftanlage am Sattelberg geben. Eine Ausnahme soll es, so die Landesregierung, für die zwei bestehenden Windgeneratoren auf der Malser Haide geben. „Nachdem in diese viel Geld investiert worden ist, wollen wir die Betreiber nicht vor vollendete Tatsachen stellen, sondern geben ihnen fünf Jahre Zeit, die Investitionen zu amortisieren“, so der Landeshauptmann am  vergangenen Montag. Nach Verstreichen dieser Frist müssen die Anlagen abgebaut werden.

Es ist ein spätes Erwachen der Landesregierung in Sachen Windkraft. Man hat in Bozen wohl abgewartet, wohin der Wind im Vinschgau weht bzw. ob Gegenwind gegen Windgeneratoren aufkommen wird und wie stark dieser sein wird. Denn die Landesregierung, zumindest Teile davon, ist mit größter Wahrscheinlichkeit über die Umweltverträglichkeitsstudie auf der Malser Haide von Beginn an informiert gewesen. Der Gegenwind ist unüberhörbar geworden und hat Bozen erreicht.

Fraglich ist allerdings, ob die von Bozen aus dekreatierte Galgenfrist für die zwei bestehenden Windräder auf der Malser Haide den Gegenwind wird aufhalten oder beruhigen können. Denn die bisherige Diskussion hat im oberen Vinschgau unweigerlich einige Wunden aufgerissen und hinterlassen, deren Heilung bis zur Unsichtbarkeit schwierig sein wird und nur die Hoffnung auf schonende Vernarbung bleibt.

Erwin Bernhart, Chefredakteur

 

Vinschgerwind – Kommentar: Pro und Contra

10. Februar 2011 Kommentare aus

Ist’s windstiller geworden rund um die Windräder auf der Malser Haide? Oder laufen Murren und Protest, Dafürhalten und Überzeugungsarbeit in den Winkeln und Gassen, in den Stuben und an den Theken ab? Hat so den Anschein. Vor gut zwei Wochen wollte der Eberhard Daum vom Sender Bozen ein Pro und Contra zu den Windrädern zusammenbringen. S’ist ihm, erstaunlicherweise, nicht gelungen. Die Vinschger sind eigentlich nicht auf den Mund gefallen, im Gegenteil, einige oft wahre Meister in Wortgefechten. Daum hat für das Contra schnell einen gefunden, der nach Bozen gefahren wäre und sich vehement gegen die Errichtung von Windrädern auf der Malser Haide gestemmt hätte. Der Peppi Stecher, der Malser Hirschenwirt, der Bezirkssprecher der Freiheitlichen hätte sich wahrlich kein Blatt vor den Mund genommen. Auch wenn die Angelegenheit der Windräder keine politische sein sollte, sondern eine sachliche. Allerdings hat sich keiner für das Pro vor die Kameras getraut. Der Uli Veith nicht, der Georg Wunderer nicht und auch nicht der Peter Gasser. Alle drei hätten das rhetorische und auch das inhaltliche Potenzial gehabt, für die Errichtung der Windräder einzutreten. So wurde nichts aus dem Pro und Contra. Auch hat die Miteigentumsgemeinschaft Windkraft Marein am vergangenen Montag eine Sitzung vertagt, in der man über weiterführende Schritte beraten hätte sollen. Ist man verunsichert? Überfordert? Allerdings sei darauf hingewiesen, dass man gerade in Mals politisch unter anderem damit angetreten ist, dem Volk Gehör zu schenken, die Leute in Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen. Wie das ablaufen wird, darauf kann man gespannt sein.

Erwin Bernhart, Chefredakteur

 

 

Vinschgerwind-Kommentar: Hollawind

2. Dezember 2010 Kommentare aus

Die Studenten sind es, die den Blick über den Reschen- und Haidersee auf den Ortler einatmen wie ein Lebenselixier. Das hat was, das hat was mit Heimat zu tun. Man ist angekommen. Ich erinnere mich daran, als wir in der Studentenzeit von Innsbruck über den Reschen „hineingefahren“ sind. Gäste, die zu uns kommen, dürften das Schauspiel auch genießen. Tatsächlich, da dürfte wohl wenig widersprochen werden, ist das Kapital, das wir haben, unsere Landschaft. Nun sollen, geht es nach den Verantwortlichen in der „Windkraft Marein“, mehrere verdammt hohe Windräder auf der Malser Haide aufgestellt werden. Windenergie ist eine saubere Energieform, das mag sein. Allerdings hat die Windenergie, so wie sie geplant ist, einen hohen Preis: die Landschaft – der einmalige Ausblick auf den Ortler – das Kapital, mit dem wir leben und mit dem wir Gäste anlocken, geht unwiederbringlich verloren. Wenn Visionen, eine Energie-Genossenschaft in der Gemeinde Mals etwa, oder eine Energie-Genossenschaft im oberen Vinschgau, wahr werden sollen und es dazu noch einige Stromerzeuger brauchen wird, dann ist mir, im Zweifelsfall, eine Erschließung des Rombaches lieber, als Windräder auf der Malser Haide.

Trotzdem: Eine gediegene Diskussion, ein offenes Forum, ein Austausch der Meinungen und der Standpunkte soll es geben. Muss es geben. Bevor eine politische Entscheidung gefällt ist. Eines ist auch klar: Einen Gewöhnungseffekt an die zwei bestehenden Windräder hat es bislang nicht gegeben.

Erwin Bernhart, Chefredakteur

 

Vinschgerwind – Kommentar:Reportagen für Menschen

4. November 2010 Kommentare aus

Adelina Wallnöfer aus Prad überreichte mir vor ungefähr einem Jahr ein kleines, hundertdreißig Seiten umfassendes Buch mit dem Hinweis: Wäre das nicht was für den Bildungsausschuss Mals? Das Buch beinhaltete zehn Reportagen aus aller Welt, welche in bekannten Magazinen wie Stern, der Spiegel, GEO, ZEITMagazin veröffentlicht, prämiert und in Buchform anlässlich der Vergabe des Hansel-Mieth-Journalismus-Preises 2009 herausgegeben wurden. Die Frage von Adelina verstand ich dann beim Lesen der elften Reportage, als der Namen Gabriel Grüner in den Vordergrund trat. Über das Schicksal Gabriel Grüners hat im Kulturteil dieser Ausgabe sein Freund und Berufskollege Uli Reinhardt von der Agentur Zeitenspiegel (Stuttgart) einen Gastbericht verfasst. Im Bildungszug hingegen wird auf die Veranstaltungen „Gabriel Grüner – Reportagen für Menschen“ hingewiesen, welche vom 11. bis 21. November in Mals stattfinden. Sie stellen den Menschen Gabriel Grüner in den Mittelpunkt, aber auch das Genre der Reportage, ergänzt mit einer beeindruckenden Fotoausstellung. Das oben genannte Buch kann dabei natürlich erworben werden. So bin ich Adelina dankbar für den Anstoß und vor allem für ein interessantes Jahr des Austausches und der Zusammenarbeit mit den Geschwistern Grüner und den vielen Freunden von Gabriel Grüner aus nah und fern. In diesem Erfahren kann ich Petra Meyer, ehemalige Pressesprecherin von „Ärzte ohne Grenzen“, nur beipflichten, die sich wie folgt an Gabriel Grüner erinnert: „Er hat viel berührt und bewegt und das ist selbst zehn Jahre später noch spürbar“.

von Ludwig Fabi

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Vinschgerwind – Kommentar: Schlau oder Chance?

21. Oktober 2010 Kommentare aus

Der Albin Thöni, ins Wipptal verzogener Prämajurer Geburtsdoc, ist in Pension gegangen. Erhobenen Hauptes geht er. Hat er doch die Geburtenstation am Sterzinger Krankenhaus mit der Wasserwannengeburt dermaßen aufgemöbelt, dass, neben den normalsterblichen Südtiroler Frauen, viel kaprizierte Prominenz aus dem Stiefel mit Wonne in die Thöni’sche Wanne gestiegen sind. Auch mit viel Wirbel in der italienischen Presse. 1996, daran sei erinnert, stand die Geburtenabteilung in Sterzing vor der drohenden Schließung. „Einen Albin Thöni müsste man haben…“ hat 2002 der damals noch Athesia-unabhängige ‚Vinschger’ im Hinblick auf mögliche Neuerungen im Krankenhaus Schlanders geschrieben.

Thönis Ideen – auf andere Abteilungen umgemünzt – könnten Vorbild sein. Vorbild für Findigkeit von Ärzten und Primaren. Die klinische Reform ist in Schlanders bereits fortgeschritten, es wurde in der Vergangenheit rationalisiert, andere Teile der Reform sind nun gedanklich angestupst. Aufhalten wird man sie nicht mehr können, vielmehr gilt es, wie es der ärztliche Leiter Anton Theiner ausdrückt, die Reform als Chance zu nutzen. Zweckoptimismus ist das, aber nicht nur. Trotz oder gerade wegen politischer Vorgaben wird es den Primaren und den Oberärzten in Schlanders Herausforderung sein müssen, für das Schlanderser Krankenhaus, für die Vinschger Bevölkerung und für künftige kluge Medizinköpfe in den Arbeitsgruppen Bestmögliches herauszuholen. Politisch schlau gemacht, das muss man zugeben, ist es, die Verantwortung für die klinische Reform den Krankenhäusern, den Ärzten dort, zuzuschieben. Das kann die Chance sein, letztlich gestärkt aus den Diskussionen hervorzugehen.

Erwin Bernhart, Chefredakteur