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Archive for the ‘Flora’ Category

Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

26. August 2010 Kommentare aus

„Rezia“ heißt der botanische Garten des Nationalparks Stilfserjoch am Hangfuß des Bormianer Hausberges Cresta del Reit. Der Garten in der Örtlichkeit „Rovinaccia“ beherbergt auf einer Fläche von ca. 1,5 ha ca. 1.300 Pflanzenarten aus der Alpinflora des Nationalparks Stilfserjoch, aber darüber hinaus eine Vielzahl von Blütenpflanzen aus Europa und aus außereuropäischen Gebirgszonen. Der Artenreichtum kommt durch den Austausch von Samen und Korrespondenz mit insgesamt 121 botanischen Gärten der ganzen Erde zustande.

Terrassengarten aus Schotterbruch

Der Alpengarten Rezia ist in den Jahren 1979-82 auf dem Gelände einer vormaligen Schottergrube angelegt worden. Für die Anlage der Beete sind Terrassierungen aufgeschüttet und verbindende Gehwege angelegt worden. Mentor und Kurator des Alpinariums Rezia war Giovanni Fornaciari (1907-1991), gebürtig aus Modena,Universitätslehrer für Systematische Botanik an der Universität Padua und Begründer auch des Botanischen Gartens in Udine.  Heute wird der Garten „Rezia“ von unserem Gärtner Valentino Martinelli  und seiner Mitarbeiterin Patrizia Castellazzi betreut, die in den Sommermonaten von saisonalen Arbeitskräften unterstützt werden.

Lernort und Erholungsraum

Der Alpingarten „Rezia“ dient verschiedenen Zielsetzungen:

• Er stellt viele Blütenpflanzen des Nationalparks Stilfserjoch vor;

• ist Studien- und Beobachtungsort für botanische Studien;

• ist ein beliebter Ort für Pflanzenfoto- grafen;

• ist Samenbank und  Keimplatz für heimische Pflanzenarten zu deren  Wiederausbringung am vormaligen Standort;

• ist Tauschort von Samen an und von anderen Gärten und wissenschaft- lichen Instituten;

• ist eine Augenweide und ein Kraftort für die Seele;

• und er kann ein Vorschlag für ein interessantes Ausflugsziel auch für Vinschgauer Pflanzenfreunde sein, gleich erholsam wie lehrreich.

Am 1. September dürfen wir die Lehrer des Schulsprengels Prad begrüßen.

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Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

29. Juli 2010 Kommentare aus

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Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

22. April 2010 Kommentare aus

2010: Das Jahr der Biodiversität

Das Jahr 2010 ist von den Vereinten Nationen zum Jahr der Biodiversität ausgerufen worden. Biodiversität bedeutet Vielfalt und Reichtum von pflanzlichen und tierischen Arten aber auch von Lebensräumen. Der  Artenreichtum kann nur durch Vielfalt, Intaktheit und Erhalt von Lebensräumen gewährleistet werden. Es gibt keinen Artenschutz ohne den Schutz des Lebensraumes. Zwei einfache Beispiele aus der Pflanzen- und Tierwelt sollen den Zusammenhang zwischen Artenschutz und Lebensraumschutz deutlich machen: Es gibt keine Seerose ohne den See oder Teich. Und keinen Wiedehopf ohne Viehweide und ohne Nisthöhle im Totholz eines Baumes.

Die globale Situation

Die Biosphäre verändert sich als Folge menschlicher Aktivitäten: Der Treibhauseffekt führt zur Erwärmung der Erde,  der CO2-Gehalt der Atmosphäre nimmt kontinuierlich zu, die schützende Ozonschicht leidet, das Klima verändert sich. Die Temperaturzunahme auf der Erde beschleunigt das Abschmelzen der Eisschilder an den Polkappen. Die geeigneten Lebensräume für die Eisbären in der Arktis und für die Pinguine in der Antarktis werden eingeengt. Der Meeresspiegel steigt, die Wassertemperaturen ebenfalls, einige Korallenarten und Nahrungsketten in den Riffen und Atollen sind gefährdet. Katastrophale Folgen auch für den großräumigen Wasserhaushalt, für den Boden und für die pflanzliche und tierische Artenvielfalt haben die Abholzungen der Tropenwälder. Erosion und Wüstenbildung breiten sich aus, die Trockengebiete auf der Erde werden größer.

Die Situation im Engeren

Aber nicht nur weltweit ist die Vielfalt der Lebensräume und der Pflanzen und Tierarten bedroht, sondern auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Für den Artenschwund gibt es verschiedene Ursachen: Intensivierung in der Landnutzung, Bodenverbrauch durch Verbauung, Erschließungen, Zerstückelung von Arealen, Verinselungen von Lebensräumen sind nur einige der Gründe.

Arteninventar von Wirbel-tieren im Nationalpark

Stilfserjoch

In Zeiten, in denen die Roten Listen der gefährdeten Arten immer länger werden, ist die Kenntnis der Arten in einem Gebiet wichtig. Für den Nationalpark Stilfserjoch haben wir letzthin die Artenliste der Wirbeltiere aktualisiert. In der nachfolgenden Tabelle finden Sie die Zusammenfassung der derzeit im Nationalpark Stilfserjoch vorkommenden Arten aus den fünf Klassen der Wirbeltiere:

Um die Zahlen der Tabelle in einen vergleichenden Zusammenhang zu stellen, seien folgende Daten wiedergegeben: Weltweit sind heute ca. 1.700.000 Tierarten beschrieben, davon entfallen 700.000 Arten allein auf die Insekten. In Italien wurden bisher 57.500 Tierarten erfasst, wovon 98% auf die wirbellosen Tiere entfallen. Die Flora Italiens umfasst ca. 13.300 Pflanzenarten, hinzu kommen ca. 20.000 Arten an Pilzen.

Die Situation der Lurche

Besonders kritisch ist die Situation der Lurche. Wie die Bezeichnung Amphibien sagt, wandeln  die Lurche in ihrer Entwicklung gleichsam  zwischen zwei Welten: In ihrem Jugendstadium sind sie wasserbewohnende Kiemenatmer. Nach der Metamorphose von der Kaulquappe zum Frosch oder Feuersalamander sind sie Lungenatmer und auch Landbewohner. Wegen ihrer austrocknungsempfindlichen Haut brauchen sie aber auch im Erwachsenenstadium das Wasser und die Feuchtigkeit. In  ihrem Anspruch an den Lebensraum sind sie also insofern anspruchsvoll, als dass er Wasserflächen und Landbiotope beinhalten muss. Durch Trockenlegungen von Feuchtflächen, Verlegen von Drainagen, Verrohrungen von Kanälen und Abflussgräben, Absenkung des Grundwasserspiegels, Schwallbetrieb an E-Werken werden die geeigneten Lebensräume für Lurche immer weniger. Auf ihren Wanderungen vom Überwinterungsquartier zum Laichgewässer sind etwa Erdkröten und Grasfrösche zusätzlich stark gefährdet, wenn eine Straße den Weg kreuzt.

Lokal handeln: Die Alpenmolche von Sasso Prada

Der Berg- oder Alpenmolch (Triturus alpestris) gehört zu den gefährdeten Amphibienarten. Im Veltlintal hatte er in einem Weiher in einer kleinen Senke auf einem Weideboden bei Sasso Prada noch  einen geeigneten Laichplatz. Diese  Örtlichkeit befindet sich  auf dem Weg zum Passo delle Scale und zum Cancano-Stausee. Die Hochebene von Cancano liegt zwischen dem Brauliotal und der Valdidentro.  In den letzten Jahren  ist der Weiher in einem Föhrenwald mit  Erlengebüsch wegen der Abtrennung der Wasserversorgung wiederholt ausgetrocknet, was zum Absterben der Kaulquappen geführt hat. Im letzten Sommer haben die Saisonarbeiter des Nationalparks  den Weiher mit Folie und Lehm abgedichtet und die Wasserzufuhr wieder hergestellt. Damit wurden die Voraussetzungen für das Überleben dieses Schwanzlurches an diesem Standort geschaffen. Wie bereits gesagt: Es gibt keinen Artenschutz ohne Lebensraumschutz.

Der Alpennmolch gehört zu den Schwanzlurchen. In der Paarungszeit tragen die Männchen ein auffälliges Hochzeitskleid mit lebhaften Farben an der Bauchseite. Zum Balzkleid des Männchens gehört auch der auffällige Rückenkamm. Dem Weibchen fehlt ein Kamm.  Bei allen Schwanzlurchen tragen die Kaulquappen Außenkiemen am Kopf. Die Jugendstadien der schwanzlosen Lurche wie der Frösche und Kröten hingegen haben interne Kiemen.

Der Alpenmolch ist weiter verbreitet als sein Name andeutet: Vom Westen Russlands bis Ostfrankreich und von Dänemark bis Norditalien kommt er vor. Durch die Trockenlegung vieler Kleingewässer ist dieser Schwanzlurch in den Talböden Südtirols fast völlig verschwunden. In seiner Lebensweise ist er sehr aquatisch, fast immer in oder in der Nähe von Wasser. In kalten, nahezu pflanzenlosen Waldtümpeln, Teichen, wassergefüllten Randfurchen, Seen und langsam fließenden Bergbächen. Am Land meist an sehr kühlen, feuchten Stellen. In den südlichen Verbreitungsgebieten streng montan. Kann bis auf 2.500 m MH vorkommen.

Drei Hinweise

• Die nationale Konferenz zur

Biodiversität in Rom:

Vom 19. – 23. Mai d.J. findet in Rom die italienische nationale Konferenz zur Biodiversität statt. Im Jahre 1992 war in Rio de Janeiro die Konvention zum Erhalt der Biodiversität ausverhandelt und beschlossen worden. Der Staat Italien hat die Konvention in der Folge ratifiziert. Auf der nationalen Konferenz sollen nun Strategien diskutiert werden, um konkrete Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität umzusetzen. Die drei Kernthemen „Biodiversität und Ökosysteme“, „Biodiversität und Klimawandel“ und „Biodiversität und Wirtschaftspolitik“ sollen in 13 Arbeitsfeldern näher aufgeschlüsselt werden.

• Ausstellung Eulen und Käuze

im Nationalparkhaus naturatrafoi:

Im Nationalparkhaus naturatrafoi ist seit Ende März eine neue Wechselausstellung zu sehen. Die Ausstellung „Eulen und Käuze – Jäger der Nacht“ ist den Nachtgreifvögeln gewidmet. Auch diese Vogelfamilie gehört zu den gefährdeten Arten, welche von Rückgängen ihrer Anzahl  betroffen ist. Die Ursachen liegen auch hier hauptsächlich in der Veränderung der Lebensräume für die Eulen.

• Ausstellung Schlangen

im Nationalparkhaus aquaprad:

Vor Schlangen fürchten sich viele Menschen. Auch daher wird manche völlig harmlose Schlange immer noch totgeschlagen. Auch Schlangen brauchen daher Lobbying: Im Nationalparkhaus aquaprad wird die Ausstellung über den Steinbock im Mai abgebaut und eine neue Sonderausstellung „Schlangen“ aufgebaut. Im Rahmen dieser Ausstellung werden die acht in Südtirol vorkommenden Schlangenarten als Lebendtiere in Terrarien zu sehen sein.

Beide Ausstellungen wurden uns dankenswerter Weise vom Südtiroler Landesamt für Naturparke zur Verfügung gestellt. Dafür sei auch an dieser Stelle dem Direktor des Amtes Dr. Artur Kammerer und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern freundlich gedankt.

Nationalpark Stilfserjoch im „Vinschgerwind“

11. Februar 2010 Kommentare aus

Der Süßkirschenbaum im herbstlichen Blattschmuck und in der Blütenpracht des Frühjahrs

Von verschiedenen Naturschutzorganisationen oder -einrichtungen werden jedes Jahr andere Pflanzen und Tiere zu den Stars des Jahres auserkoren. Die Wahl zur Pflanze oder zum Tier des Jahres kann verschiedene Gründe haben. Immer geht es um Lobbying für eine gefährdete oder wenig bekannte Art. Und als Folge des dadurch gesteigerten Bekanntheitsgrades sollen bei uns Menschen die Bereitschaft und Verantwortung zum Erhalt der auserkorenen Art erhöht werden. Für das Jahr 2010 wurden u.a. ausgewählt:

• Als Baum des Jahres die Vogel- kirsche (Prunus avium),

• als Vogel der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus),

• als Schmetterling der Schönbär oder die Spanische Fahne

(Callimorpha dominula),

• als Wildtier der Dachs

(Meles meles),

• oder als Orchidee des Jahres der

Frauenschuh (Cypripedium calceolus).

Den Baum und den Vogel des Jahres 2010 stelle ich heute vor.

Die Vogelkirsche

(Prunus avium)

Die Vogelkirsche (Prunus avium) gehört botanisch  zur Familie der Rosengewächse. Sie ist ein Laubbaum mit bis zu 20 Metern Höhe und blüht zeitig im Frühjahr schon im April. Dann überzieht sich der Baum mit einem schneeweißen Blütenmeer, und die Kirschbäume, welche oft als Solitäre an Feldrainen oder Waldrändern stehen, fallen während der Blütezeit in der offenen Landschaft ein erstes Mal besonders auf. Ein zweites Mal prunken die Bäume mit ihrem orangen bis purpurroten Laub im Herbst.

Außer an den allgemein bekannten Früchten erkennt man die Vogelkirsche noch gut an den länglichen, verkehrt eiförmigen Blättern, welche am Rand gezähnt sind und oben an den Stielen zwei rote Nektardrüsen aufweisen. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die glatte, rotbraune Rinde mit ihren Korkporen (Lentizellen). Diese Korkporen rufen die charakteristische Querbänderung des Stammes hervor, an der man die Kirschbäume gut erkennen kann.

Die Vogelkirsche ist die Wildform aller Süßkirschen-Züchtungen. Die Süßkirsche wurde geschichtlich schon sehr früh gezüchtet, und die Römer haben sie nach Mitteleuropa mitgebracht. Bereits bei der wilden Vogelkirsche sind die langgestielten Steinfrüchte, die sich von Grün über Rot bis zur Reife fast schwarz verfärben, süß und saftig und mit einem glatten, runden Kirschkern ausgestattet. Dieser Kern ist bei der Vogelkirsche aber nur dünn von süßem und aromatisch schmeckendem Fruchtfleisch umkleidet. Erst die kultivierten Süßkirschen sind in ihrem Fruchtfleisch dick und knackig. Kissen aus Kirschkernen erleben heute wieder eine Renaissance als Fußwärmer und Bettflasche oder Kopfkissen. Auch Allergiker vertragen sie gut.

Die Vögel, vor allem die Stare, fallen in ganzen Scharen auf die Kirschbäume mit reifenden Kirschen ein und fressen das Fruchtfleisch. Die Kerne werden danach noch von den Kernbeißern geknackt, die den Samen verzehren. Die Fruchtfresser unter den Vögeln und Kleinnagern tragen die Früchte häufig ein Stück fort und sorgen dadurch für die Verbreitung der Art. Dass selbst dem Fuchs herabgefallene Kirschen schmecken, beweist zur Zeit der Reife der Kirschen seine mit Kernen durchsetzte Losung. Leider trägt auch die Kirschfliege als Schädling in den letzten Jahren zur Rodung manchen alten Kirschbaumes bei. In ihrem Entwicklungszyklus vom Ei zum Vollinsekt durchlebt sie das Ei- und Larvenstadium in der Kirschfrucht. Die Larve ist die wurmförmige Made in der Kirsche. Das Puppenstadium verbringt die Kirschfliege im Boden, um im Frühjahr als Fliege zu schlüpfen und mit ihrem Legestachel je ein Ei in viele der heranreifenden Kirschen zu legen.

Die Blüten der Kirschbäume gehören zu den frühen Pollenspendern für die Honigbienen. Pollenstaub enthält Eiweiß für die Bienenbrut. Damit sich das Bienenvolk aus der Wintertraube im Frühjahr kräftig entwickelt und zum Zeitpunkt der Apfelblüte möglichst eine große Stärke erreicht, ist für die Bienen diese frühe Pollennahrung besonders wichtig. Und bevor die Motorsäge an einem großen Kirschbaum zu dessen Rodung angesetzt wird, weil er vielleicht einen Schatten wirft, sollen wir eben auch bedenken, dass dieser Baum nicht nur das Landschaftsbild bereichert und Lebensraum für viele Kleintierarten ist, sondern auch Pollenspender für Bestäubungsinsekten wie die Honigbiene. In Deutschland gibt es bereits weite Landstriche, in denen die Honigbienen schon völlig fehlen. Im Apfelland Südtirol sollte der Schulterschluss zwischen Imkern und Obstproduzenten gepflegt, erhalten und verstärkt werden.

Der Gartenrotschwanz

(Phoenicurus phoenicurus)

Den Gartenrotschwanz  nennen wir in unserer Dialektsprache „Prantele“. Er ist ein Insektenfresser. Schon seine Schnabelform verrät diese seine Ernährungsweise. Als Insektenfresser ist er ein Zugvogel: Weil in unserem kontinentalen Klima in den Wintermonaten die Insektennahrung fehlt, muss der Vogel unsere Breiten verlassen. Er zieht in Gebiete West- und Zentralafrikas. Im Frühjahr kommen die Männchen etwas früher aus den Winterquartieren zurück und beziehen ihre Reviere. Dann fallen sie als Sänger auf erhöhten Sitzwarten wie Fernsehantennen auf. Mit ihrem Balzgesang umwerben sie ein Weibchen, um es in ihr Revier zu locken und zur gemeinsamen Brut zu bewegen. Die Männchen sind weit auffälliger gefärbt als die Weibchen. Diese unterschiedliche Gefiederfärbung der beiden Geschlechter kommt in der Vogelwelt häufig vor. In der Fachsprache wird die verschiedene Färbung als Farbdimorphismus bezeichnet. Die unscheinbarere Färbung der Weibchen dient der besseren Tarnung der Brut. Der Gartenrotschwanz ist ein Höhlenbrüter. Er kommt in Südtirol von der Talsohle bis auf etwa 1.500 m vor, im Vinschgau sogar bis auf 1.800 m. Er brütet in Ortschaften, bei  Bauernhöfen, Heuschuppen, Wassermühlen und ähnlichen Strukturen, aber auch in lockeren Lärchenwäldern. Baumhöhlen zieht er als Brutplatz den Mauerlöchern vor. Mit dem Aufhängen von Nistkästen können wir seine Wohnraumnot lindern in einer Landschaft, in der alte Hochstammbäume mit ausfaulenden Astlöchern zunehmend fehlen.

Wie der weniger auffällig und dunkler gefärbte Hausrotschwanz (das „Jochprantele“, mit wissenschaftlichem Namen Phoenicurus ochrurus) gehört auch der Gartenrotschwanz zu den häufigsten Kuckuckswirten. Doch negative Auswirkungen auf den Bestand des Gartenrotschwanzes hat dieses Brutschmarotzen durch den Kuckuck nicht. Die Bestandsrückgänge des Gartenrotschwanzes von den 70-er bis in die 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts scheinen eher mit Trockenperioden in der Sahelzone als Überwinterungsgebiet zusammenzufallen. Auch ist möglicherweise ein Zusammenhang mit dem Einsatz von Insektiziden in den   Brut-, Durchzugs- und Überwinterungsgebieten gegeben.

Für beide Rotschwänze, den Hausrotschwanz und den Gartenrotschwanz ist das Schwanzzittern und das Knicksen im Kniegelenk ein charakteristisches Erkennungsmerkmal.

Avimundus Schlanders

Ab dem Frühjahr werden viele der einheimischen Vogelarten, so auch der Gartenrotschwanz als Vogel des Jahres 2010, wieder als präparierte Vogelbälge im Informationszentrum Avimundus in Schlanders zu bestaunen sein. Sie finden unseren Ausstellungsraum zur Ornithologie am Beginn der Schlanderser Fußgängerzone gegenüber dem Kapuzinerkloster. Der Zutritt ist unentgeltlich.

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Nationalpark Stilfserjoch: Maler Herbst – Die Zwergstrauchheide

8. Oktober 2009 Kommentare aus

Die Farbveränderungen in den Blättern von laubwerfenden Bäumen und Sträuchern sind die auffälligsten und weithin sichtbaren Herbstboten. In den Gebirgsgegenden steigt Maler Herbst von oben nach unten ab. Im Frühling ist es umgekehrt, wenn die Lärchen als sommergrüne Bäume vom Talboden nach oben ergrünen. Jetzt im Herbst fallen die strohgelben Lärchen mit ihren Hochstämmen besonders auf, wenn sie als Solitär im Latschengürtel stehen. Die Legföhren ihrerseits sind immergrün, niederliegend, mit vielfach verzweigten Kriechstämmen und Säbelwuchs, der sie in Lawinenbahnen und Geröllhalden ausharren lässt. Das Dunkelgrün der Latschennadeln bildet im Herbst einen auffallenden Kontrast zur verfärbenden Lärche als waldgrenzbildende Baumart. Farblich ebenfalls auffällig sind die Gelbtöne der Zitterpappeln oder Ahorne oder die Orange-Brauntöne der Eberesche oder Vogelbeere. Die scharlachroten Beeren dieses Laubbaumes sind begehrte Nahrung für Drosselarten, Gimpel und andere Vogelarten, wie es der  Name bereits verrät.

Die Heidelbeere

Über der Waldgrenze sind die Heidelbeer-Heiden im Spätherbst besonders eindrucksvoll, wenn sich weite Flächen im Zwergstrauchgürtel leuchtend rot verfärben. Unter ihrem Dialektnamen Schwarzbeere ist die Heidelbeere allgemein bekannt. Vaccinium myrtillus  heißt sie mit dem lateinischen Namen in der Systematik der Pflanzen. Wie weitere Arten des Zwergstrauchgürtels, so etwa die Preiselbeere (Vaccinium vitis idaea, ital.: Mirtillo rosso) und die Moos- oder Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) gehört die Heidelbeere zur Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse oder Ericaceae. Die Triebenden der Schwarzbeeren sind unverholzt, vierkantig und grün. Die Blätter sind nach dem Austrieb bis zur herbstlichen Verfärbung hellgrün und am Blattrand gezähnt. Die Schwarzbeere ist laubwerfend. Die Blüten sind blass grün, rosa überlaufend. Die Frucht ist eine blauschwarze, essbare Beere, welche früher bei noch größerem Vorkommen zu einer geschätzten Marmelade verkocht wurde. Getrocknete Schwarzbeeren wurden bei Durchfall gegessen. Als Anspruch an den Wuchsstandort braucht die Schwarzbeere den Schutz der winterlichen Schneebedeckung und siedelt daher in den Schneetälchen als Geländemulden. Windapere Grate meidet sie.

Rotwild und Auerhuhn

Heute sind fruchtende Schwarzbeeren seltener als früher. Wo der Wald vordringt, verändern sich die Lichtverhältnisse. Aus wissenschaftlichen Erhebungen verdichtet sich die Annahme, dass Rotwild und Auerhuhn in einer Nahrungskonkurrenz stehen. Wo der Hirsch in großen Dichten vorkommt und Schwarzbeersträucher frisst, fehlen dem Auerhuhn die Beeren. Das Auerhuhn ernährt sich saisonal auch von Schwarzbeeren. Unsere Erhebungen  der Rotwildpopulationen im Nationalpark und die Zählungen und Beobachtungen der Raufußhühner erhärten diese Annahme. Störungen im Lebensraum verschiedener Ursache verschärfen noch weiter die Bestandsabnahme  des Auerhuhns

Krähenbeere und Bärentraube

Die Preiselbeere als weitere Charakterart der Zwergstrauchheide mit ihren korallenroten Beeren ist allgemein bekannt und als Glanenmarmelade veredelt ebenso begehrt. Die heimische Küche bietet die Preiselbeermarmelade zu Wildfleisch an.

Die Rauschbeere oder Moosbeere (Vaccinium uliginosum) ist sommergrün, die dunkelblauen Früchte sind mit jenen der Heidelbeere (Schwarzbeere) verwechselbar, haben aber kein Kelchgrübchen. Die italienische Bezeichnung „Mirtillo falso“ bezeichnet treffend diese Verwechslung mit der Schwarzbeere. Der deutsche Name Rauschbeere kommt daher, weil sich der Fruchtzucker in den Beeren  nach den ersten herbstlichen Frostnächten in Alkohol umwandelt. In den skandinavischen Zwergstrauchheiden bildet die Rauschbeere großflächige Bestände. Wenn Rentiere große Mengen dieser Beeren aufnehmen, zeigen sie Anzeichen von Berauschung.

Die Zwergstrauchheide beherbergt weitere Straucharten, welche im Herbst Beerenfrüchte tragen und teilweise ein spektakuläres Farbkleid anziehen. Zwei weniger bekannte Arten möchte ich hier noch vorstellen:

Die Bärentraube

Die Bärentraube kommt in zwei Arten vor:

Die immergrüne Bärentraube (Arctostaphylos uva ursi, ital.: Uva ursina)) ist ein niederliegender, lang kriechender und Matten bildender Kleinstrauch. Die ovalen und dunkelgrün ledrigen und ganzrandigen Blätter sind immergrün, wie dies treffend im Namen verankert ist. Diese Art wächst auf saurem Boden trockener und felsiger Heiden bis auf 2.800 Metern Höhe. Die Frucht ist eine rote, mehlige Beere (Dialektname „Mehlbeere“). Der Beere der Bärentraube fehlt das Kelchgrübchen der Preiselbeere und sie ist dadurch von der Preiselbeere zu unterscheiden.

Die Alpen-Bärentraube(Artostaphylos alpina) ist hingegen laubwerfend, mit hellgrünen, behaarten Blättern und leuchtend oranger  bis roter Herbstfärbung. Die Beere ist schwarz. Die Pflanze gedeiht auf Kalkböden.

Die Krähenbeere

Die Krähenbeere (Empetrum nigrum) ist ein immergrüner Zwergstrauch mit nadelförmigen, dunkelgrünen Blättern, welche gegenständig angeordnet sind und einen eingerollten Rand haben. Männliche und weibliche Blüten sind auf zwei verschiedene Pflanzen verteilt. In der Botanik nennt man solche Arten von eingeschlechtigen Blütenpflanzen, welche vom Bauplan der Zwitterblüte abweichen, zweihäusige Pflanzen: Weibchen und Männchen sind auf zwei Häuser verteilt.

Die Frucht der Krähenbeere ist eine kugelige schwarze Beere. Der deutsche Pflanzenname erinnert an das Schwarz der Krähen und im Italienischen heißt dieses Zwergsträuchlein bezeichnend „Moretta“.

von Nationalparkdirektor Wolfgang Platter

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