Archiv

Posts Tagged ‘Nationalpark Stilfserjoch’

Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

10. Februar 2011 Kommentare aus

Verschiedene Vogelschutzorganisationen erwählen alljährlich eine Vogelart zum Vogel des Jahres. Dies geschieht, um z.B. auf den Bedrohungszustand dieser Art und ihr Schutzbedürfnis hinzuweisen, weil aus verschiedenen Gründen der Lebensraum negative Veränderungen erfährt. Der Vogel des  Jahres 2011 ist der Wiedehopf. Dieser Vogelart ist daher der heutige Beitrag gewidmet.

 

Verbreitung

Der Wiedehopf ist ein typischer Bewohner warmer Klimazonen. Als nördliche Verbreitungsgrenze in Europa gilt die Linie Belgien – Mitteldeutschland. In den Mittelmeerländern ist der Wiedehopf weiter verbreitet als im nördlicheren Europa. Der Wiedehopf ist bei uns ein Sommervogel. Als teilweise Langstrecken-Zieher überwintern die europäischen Wiedehopfe im südlichen Afrika, von wo sie Ende April zur Brut wieder nach Süd- und Mitteleuropa zurückkehren. Östliche Populationen der Hopfe überwintern in Indien.

 

Lebensraum

Der Wiedehopf bewohnt vorwiegend Laubmischwälder, bevorzugt Kastanienhaine mit einem reichen Höhlenangebot, aber auch trockene, offene Landschaften wie den Vinschgauer Sonnenberg, aufgelockerte Auwälder, Parklandschaften, Viehweiden, große Obstgärten, Weinberge und mit Vorliebe nicht bewirtschaftetes Ödland.

 

Kennzeichen

Der Wiedehopf ist eine auffallende Vogelgestalt mit exotisch anmutender Gefiederfärbung. Mit 28 cm Körperlänge ist er geringfügig größer als die Amsel, wirkt aber viel auffälliger. Das Körpergefieder ist hell rötlich sandfarben mit markanter schwarz-weißer Bänderung auf Flügeln und Schwanz. Der Schwanz hat eine auffällig breite schwarze Endbinde. Zwei weitere sichere Erkennungszeichen sind die Federhaube als Kopfschmuck und der nach unten gebogene Schnabel. Die Federhaube wird je nach Gemütslage und Laune zusammengefaltet und angelegt oder aufgefächert und aufgestellt getragen. Auch der Flug des Wiedehopfes ist charakteristisch: Durch den langsamen, unregelmäßigen und weit durchgezogenen Flügelschlag wird die Flugbahn wellenförmig mit Steig- und Sinkphasen. Der Flug selbst wirkt weich und schmetterlingsartig. Der Ruf des Wiedehopfes ist ein gedämpftes, dreisilbiges up-up-up, das im wissenschaftlichen Gattungsnamen Upupa wiederkehrt.

 

Nahrung

Der Wiedehopf sucht seine Nahrung vorwiegend am Boden. Das im Titel genannte Hüfen der Hopfe ist ein Schreiten mit meist aufgefächerter Kopfhaube, wobei mit dem Schnabel unermüdlich im Boden nach Nahrung gestochert wird. Die Nahrungssuche erfolgt dabei auf lichten Waldflächen, Ödländern, Garten- und Ackerflächen, gerne auch auf Viehweiden, auf denen der Wiedehopf alte Kuhfladen und anderen Viehdung nach Maden untersucht. Bevorzugte Beutetiere sind Maulwurfsgrillen und Nacktschnecken, aber auch Grillen, Raupen, Larven, Engerlinge, Spinnen, Asseln und Tausendfüßler. Der Bestandesrückgang des „Wildrösslers“, so der bei uns gebräuchliche Dialektname für diese Vogelart, ist auf Klimaschwankungen, mancherorts aber auch auf Intensivierungsprozesse in der Landwirtschaft zurückzuführen.

 

Vorkommen in Südtirol

Aus den Angaben der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde im Vogelatlas Südtirol kann angenommen werden, dass sich der Bestand in Südtirol nach einem Rückgang ab den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts leicht zu erholen scheint. An den Steppenhängen der Vinschgauer Leiten, wo die Nahrung nicht in den Obstkulturen gesucht wurde, blieb der Bestand über die Jahre nahezu konstant. Als Verbreitungsgrenze nach oben kann im westlichen Teil Südtirols in etwa die 900 Meter-Höhenlinie angegeben werden, im östlichen Teil die 800 m-Linie. Die Verbreitungskarte im Südtiroler Vogelatlas zeigt, dass das verhältnismäßig raue Klima des Pustertales größtenteils gemieden wird.

 

Fortpflanzung

Der Wiedehopf ist ein Höhlenbrüter, der sein Nest in Astlöchern, verlassenen Spechthöhlen, Mauer- oder Felsspalten und  Löchern in der Erde oder in Lesesteinhaufen anlegt. In seiner heutigen Wohnraumnot nimmt er auch größere Nistkästen an. Die Eiablage beginnt anfangs Mai. Das Gelege umfasst 5-6 hellgraue Eier. Das Weibchen bebrütet die Eier allein, ohne sich mit dem Männchen abzuwechseln. Die Brutdauer beträgt etwa 17 Tage, die Nestlingszeit weitere 23-25 Tage. Es erfolgt eine Jahresbrut. Nachdem das Weibchen vom ersten Ei an fest brütet, schlüpfen die Jungen gestaffelt und die erstgeschlüpften Jungen entwickeln sich deutlich kräftiger als die „Nachzügler“, welche oft aus der Fütterung verdrängt werden und kümmern.

 

Stinken Hopfe wirklich?

Wiedehopfen wird seit alters her nachgesagt, dass sie stinken! Dies stimmt nur teilweise. Die Jungen in der meist bodennahen Nesthöhle haben im Laufe der Evolution dieser Art verschiedene Abwehrreaktionen entwickelt, welche sich gegen Säugetiere als Nestplünderer bewähren. Zunächst geben die Jungvögel bei Störung ein zischendes Fauchen von sich. Dann drücken sie sich mit dem Vorderkörper auf den Boden der Nesthöhle und richten den Hinterleib zum Höhleneingang auf. Sodann geben sie als nächste Abwehrreaktion den dünnflüssigen Inhalt des Enddarmes ab. Diese Kotspritzer sind aber geruchlos und werden von kleinen Jungen noch ungezielt abgegeben. Mit zunehmendem Alter jedoch kann der Kot ganz gezielt auf den Störenfried gerichtet werden. Zur Nestlingszeit entwickelt sich außerdem die Bürzeldrüse sehr stark. Gleichzeitig mit der gezielten Kotabgabe tritt dann aus der Bürzeldrüse in kleinen Tropfen ein schwarzbraunes Sekret aus, das einen üblen Geruch verbreitet. In dieser Lebensphase stinken Hopfe wirklich. Das brütende und hudernde Weibchen kann zur Verteidigung der Brut gegen Fraßfeinde  ebenfalls dieses übel riechende Sekret aus der Bürzeldrüse abgeben.

Erwachsene Wiedehopfe haben weitere wirksame Möglichkeiten, Fraßfeinden zu entgehen: Der an sich auffallend gezeichnete Vogel legt sich manchmal zum Sonnenbad mit ausgebreiteten Flügeln und aufgefächertem Schwanz auf den Boden. Dabei verschmilzt er farblich förmlich mit den Farben der Umgebung. In der Fachsprache nennt man diese Art der Tarnung „Somatolyse“. Es werden gewissermaßen die Körperkonturen aufgelöst. Die wörtliche Übersetzung des lateinischen Begriffes bedeutet ja auch „Körperauflösung“.

 

 

Bildernachweis: Internet (2), Andrea Buffa (1), Archiv Nationalpark Stilfserjoch (1).

 

 

Schlagwörter:

Nationalpark Stilfserjoch

16. Dezember 2010 Kommentare aus

Bormio, Chiesa di Santo Spirito, profanierte Kirche zum Heiligen Geist, dokumentiert seit dem Jahre 1304: Fresken aus dem 16. Jahrhundert im Tonnengewölbe, der Malschule von Cipriano Valorsa zugeschrieben, die Dreifaltigkeit, Engel und Evangelisten-Symbole darstellend.

Bormio liegt an der alten Kaiserstraße. So ist etwa auch Karl der Große durch den Oberen Vinschgau, das Münstertal und das Veltlintal nach Rom gezogen, um sich im Jahre 800  von Papst Leo III zum deutschen Kaiser krönen zu lassen. Die Kaiserkrönung fand in der Vorgängerkirche des heutigen Petersdomes im Vatikan statt. Eine Bodenplatte in rotem Stein hinter dem Haupteingang von St. Peter erinnert im Inneren der Basilika heute noch an diesen Krönungsakt. Das Benediktiner-Kloster von St. Johann im Schweizer Grenzort  Münster ist eine Stiftung Karls des Großen. Früher war St. Johann  ein Männerkloster, heute ist es ein Frauenkloster, wegen seiner kunst- und kulturgeschichtlichen Wertigkeit und Stellung ausgezeichnet mit dem Gütesiegel eines Weltkulturgutes der UNESCO.

Für den Kaiserweg durch das Münstertal und das Veltlin ist in Bormio heute noch die italienische Bezeichnung „Via imperiale“ erhalten und gebräuchlich. An der alten Kaiserstraße gibt es eine auffällige Häufung von romanischen Kirchenbauten. Das Interreg-Projekt „Die kleine Straße der Romanik“ hat sich der Aufwertung dieser kulturgeschichtlichen Schätze an Sakralbauten im Rhätischen Dreieck gewidmet.

 

Die Comasiner Schule

In Größe, Proportion, Form und Ornamentik gibt es verblüffende Ähnlichkeiten zwischen den romanischen Apsiden von heute noch bestehenden Kirchen  etwa in verschiedenen Ortschaften am Comosee und der Apsis an der Pfarrkirche St. Johannes in Laas. Sie unterscheiden sich nur  im  Baumaterial. Es wurde jeweils der lokale Stein verwendet:  In Laas ist es der weiße Marmor, im Veltlin und am Comosee der grüne Stein aus der Val Malenco bei Sondrio oder aus der Val Campello.

Eine kunsthistorische Deutung zur Herkunft der Steinmetz- und Bildhauerarbeiten an der Laaser Kirchenapsis aus dem 11. Jahrhundert besagt ja, dass diese Meisterwerke der Steinbearbeitung von lombardischen Bildhauern der sogenannten „Comasiner Schule“ stammen. Die Schöpfer der Kunst in Marmor an der Laaser Apsis sollen sich auf dem Weg vom Comosee in den süddeutschen Raum befunden, in Laas zum Kirchenbau Halt gemacht und sich so im weißen Marmor verewigt haben.

 

Die Kirchen von Bormio

Allein im Markt Bormio gibt es heute noch vier romanische Kirchen, zwei davon sind mit Fresken aus verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte ausgeschmückt. Ein Gutteil dieser Fresken ist uns bis in die Jetztzeit erhalten geblieben. Neben der Pfarr- und Dekanalkirche zu den Heiligen Protasius und Gervasius und der Jesuitenkirche zum Heiligen Ignatius gibt es in Bormio  Kleinodien des frühen Kirchenbaues:

• die Kirche zum Heiligen Antonius Abt, auch als Kirche mit  dem wundertätigen Kruzifix  (Chiesa del SS. Crocifisso) im Ortsteil Combo;

• die Kirche zur Heiligen Barbara, an der Ortseinfahrt von Bormio gelegen vom Stilfserjoch kommend;

• die Kirche zum Heiligen Vitalis in der Fußgängerzone in der Rom-Straße;

• und die profanierte Kirche zum

Heiligen Geist, ebenfalls in der Rom- Straße in der Fußgängerzone.

Passend zu dieser Weihnachtsnummer der Zeitung möchte ich einige der Fresken aus den Bormianer Kirchen vorstellen. Dies geschieht aus zwei Gründen: Ich möchte einen Brückenschlag in die Geschichte herstellen. Nicht nur deutsche Kaiser sind über den oberen Vinschgau, das Münstertal und das Veltlin nach Rom gezogen, sondern diese Route über Jöcher zwischen den Nachbartälern war in der Zeit der Saumpfade Handelsweg, zum Beispiel zum Tauschhandel für Salz aus Tirol und Wein aus dem Veltlin. Und der zweite Grund: Ich möchte Sie, geschätzte Leserin und geschätzten Leser, neugierig machen auf einen Besuch beim Nachbarn, der nur durch einen Gebirgszug vom Vinschgau entfernt ist. Im Sommerhalbjahr, wenn die Passstraßen wieder geöffnet sind, sollte dieser Vorschlag für kunsthistorisch interessierte Menschen ein guter Reisetipp für einen Sonntagsausflug sein.

Besinnliche und friedliche Weihnachtstage.


 

Schlagwörter:

Wilderer-Omertá im Nationalpark

21. Oktober 2010 Kommentare aus

Die Wilderer im Nationalpark StilfserJoch sollen derzeit Hochkonjunktur haben. Gesprochen wird von Hundertschaften, die an Wochenenden unterwegs sind, im Schatten der Nacht und technisch bestens ausgerüstet. Die Aufsichtskräfte hätten kaum eine Chance, sie zu stellen. Aus  vielen ehemaligen Jägern seien Wilderer geworden. Der Nationalpark sei ein wahres Wilderer-Paradies – sagen die einen, die vom Nationalpark schauen weg – sagen andere.

von Magdalena Dietl Sapelza

Weiterlesen …

Nationalpark Stilfersjoch Im Vinschgerwind

7. Oktober 2010 Kommentare aus

Bei einem Besuch am Stallwieshof  in Martell im heurigen  Sommer hat mir Eduard Stricker, Bauer und Gastwirt am Stallwieshof am Marteller Waldberg, die Frage gestellt, wo denn wohl die im Martelltal freigelassenen Bartgeier verblieben. Auch mancher seiner Gäste würde sich dafür interessieren. Im heutigen Beitrag möchte ich daher versuchen,  einen zusammenfassenden Überblick über den Verbleib der Marteller Geier zu geben. Die verwendeten Angaben stammen vom IBM, dem Internationalen Bartgeier Monitoring, an welchem unser Nationalpark beteiligt ist und welches von Richard Zink im tirolischen Anteil des  Nationalparks Hohe Tauern koordiniert wird.

Elf Bartgeier freigelassen

In den Jahren 2000 -2008 wurden im Marteller Schludertal in 5 Aktionen insgesamt 11 junge, in Zuchtstationen erbrütete und noch nicht flügge Bartgeier in einer künstlichen Horstnische  freigesetzt. Die Freilassungen erfolgten in den geraden Jahren 2000 (2 Bartgeier), 2002 (2), 2004 (2), 2006 (3) und 2008 (2). 7 von den 11 Junggeiern waren Weibchen, 4 dagegen Männchen. Nach unserem derzeitigen Wissenstand haben 9 Tiere überlebt, 2 sind gestorben.

Im Jahr der jeweiligen Freilassung sind die Junggeier nach dem Ausfliegen aus dem Kunsthorst bis in die Herbstwochen noch relativ oft in das Marteller Schludertal als den Ort ihrer Freilassung zurückgekehrt. Längst aber sind die Marteller Geier alpenweit unterwegs. Manche von ihnen haben sich nach der Geschlechtsreife mit Geiern von anderen Freilassungsorten oder aus Naturbruten verpaart und erfolgreich  Junge aufgezogen.

Nachfolgend also die „Kurzbiographien“ der Marteller Bartgeier nach Freilassungsjahren:

2000: Interreg und Retia

Der Vogel „Interreg“ ist ein Männchen, das im Zoo von Prag am 28. Februar 2000 geschlüpft und am 3. Juni des gleichen Jahres in Martell freigelassen wurde. David Jenny hat den Vogel im März 2009 im Flugfoto porträtiert und an den Fußringen sind Vogel und Name zuordenbar.

„Retia“ ist ein Weibchen, das am 3. März 2000 in der Zuchtstation Haringsee bei Wien geboren wurde. Dieses Weibchen ist seit der Geschlechtsreife mit dem Männchen „Livigno“ verpaart und brütet seit dem Jahr 2007 erfolgreich im Territorium Ofenpass. Mehrere Jungvögel dieses Paares sind schon ausgeflogen.  Am  31. Juli 2009 ist David Jenny ein Porträtfoto von „Retia“ im Flug gelungen. Bekanntlich werden Bartgeier erst im 5-7 Lebensjahr geschlechtsreif. Sie sind Winterbrüter, legen zwei Eier je Brut, aber nur ein Jungtier wird aufgezogen.

2002: Stift und Martell

Der Bartgeier „Stift“ ist ebenfalls weiblichen Geschlechts. Er wurde am 2. März 2002 in Haringsee geboren und am 1. Juni 2002 im Marteller Kunsthorst freigesetzt. Am 12. Oktober 2008 ist in Ramosch im Unterengadin eine Feder gefunden worden, welche nach der genetischen Analyse diesem Geier zugeordnet werden kann.

„Martell“ ist eine Bartgeierdame, welche am 8. März im Schweizer Tierpark Goldau aus dem Ei geschlüpft und am 1. Juni 2002 in Martell freigelassen worden ist. Dieses Tier ist inzwischen ebenfalls verpaart und bildet mit seinem Partner das Paar im Territorium Tantermozza in der Schweiz. Seit 2008 brütet das Paar erfolgreich.

2004: Culan und Ortler

„Culan“ ist ein Männchen, geboren am 28. Feburar 2004 im französischen Zoo von La Garenne und freigelassen am 5. Juni des gleichen Jahres in Martell. Das Tier wurde am 7. April 2005 im Matscher Tal tot aufgefunden. Es war zum Zeitpunkt des Auffindens bereits ziemlich stark verwest. Verschüttung durch Lawinen und Verbrennungen durch Kollision mit  Elektroleitungen konnten als Todesursachen noch ausgeschlossen werden.

„Ortler 1804“, so benannt weil sich im Freilassungsjahr 2004 die Erstbesteigung des Ortlers zum 200. Mal jährte, ist ein Weibchen, das am 29. Februar 2004 in der Aufzuchtstation Cria Guadalentin in Spanien geboren worden ist. Nach seiner Freilassung am 5. Juni ist der Vogel am 28. Juni 2004 aus dem Marteller Kunsthorst ausgeflogen. Die letzte sichere Zuordnung der Identität von „Ortler 1804“ ist im Oktober 2006 im französischen Nationalpark La Vanoise geglückt.

Wenn die Bartgeier nach ca. drei Jahren ihre Flügel- und Schwanzfedern des Jugendgefieders wechseln, welche zu ihrer individuellen Erkennung vor der Freilassung durch Bleichung markiert worden sind, ist eine individuelle Identifikation des Vogels  im Flugbild nicht mehr möglich, außer es sind die Fußringe erkennbar. Das Fehlen von sicheren Beobachtungen bedeutet aber nicht, dass der Vogel nicht mehr am Leben ist.

2006: Temperatio, Voltoi

und Zufall

„Temperatio“ ist ein Bartgeierweibchen, das am 28. Februar 2006 in der Zuchtsstation Haringsee geschlüpft und am 27. Mai des gleichen Jahres gemeinsam  mit den zwei Bartgeiern Voltoi und Zufall in die Marteller Horstnische gesetzt wurde. Am 9. Juli 2006, relativ spät, ist der Vogel flügge geworden. Zwei Jahre später ist er am 6. Oktober 2008 noch einmal in die Nähe der Horstnische in das Marteller Schludertal zurückgekehrt. Es war dies die letzte sichere Zuordnung von Vogel und Namen.

„Voltoi“ ist der ladinische Name für die Geier (italienisch: „Avoltoi“). Dieses Bartgeierweibchen wurde 2006 in der Zuchtstation Haringsee erbrütet. Von diesem Vogel sind keine rezenten Beobachtungen zu vermelden.

Der Name „Zufall“ für den dritten 2006-er Vogel hat eine Doppelbedeutung: Als Name steht er für die Marteller Bergspitze. Und nur zufällig ist der Vogel nach Martell gekommen: Er war für eine Freilassung in Frankreich vorgesehen, durfte aber wegen der Präventionsmaßnahmen zur Vogelgrippe nicht nach Frankreich einreisen. Die letzte sichere Beobachtung des Weibchens „Zufall“ gelang im Mai 2008 in Madulain im schweizerischen Oberengadin. Den Satellitensender hat der Bartgeier inzwischen verloren.

2008 Haristraufu und Ikarus

Das Männchen „Haristraufu“ ist am 26. Februar 2008 in Haringsee geschlüpft, am 7. Juni in der Horstnische in Martell freigelassen worden und am 26. Juni des gleichen Jahres ausgeflogen. Aus neuerer Zeit gibt es von dem Tier keine zuordenbaren Sichtbeobachtungen.

Auch „Ikarus“ war ein Männchen. Der Vogel ist am 5. März 2008 im Zoo von Hannover geschlüpft und am 19. Dezember 2009 in der Zucht- und Pflegestation Haringsee gestorben. Zwischen diesen zwei Daten liegt eine bewegte Geschichte: Erste Freilassung als noch flugunfähiger Jungvogel im Marteller Horst am 19. Juni 2008. Am 28. Juni 2008 ist der Junggeier flügge, am 19. Dezember 2008 wird der Bartgeier auf verschneiten Hausdächern im hinteren Rabbital von Trentiner Parkförstern gesichtet und wieder eingefangen. Das Tier zeigt Lähmungserscheinungen. Nach einer Erstversorgung am Vogelpflegezentrum der LIPU (Lega Italiana Protezione Uccelli) in Trient wird der Vogel in das Zucht- und Pflegezentrum Haringsee überstellt. Dort wird aus den Blutanalysen eine Bleivergiftung diagnostiziert. Das Blei stammt offenbar aus der Aufnahme von Nahrung aus Resten von geschossenen Wildtieren mit Bleirückständen. Nach der Pflege in Wien wird der wieder flugfähige und mit einem neuen Satellitensender bestückte Vogel am 20. Juni 2009 an der Furkelhütte am Kleinboden in Trafoi ein zweites Mal in die Freiheit entlassen. In den Folgemonaten wird der Vogel mehrfach in  der Zentralschweiz geortet, wo er dann am 10. November wieder entkräftet am Boden aufgefunden wird. Trotz intensiver Bemühungen zu seiner Pflege zuerst im Schweizer Tierpark Goldau, dann in Haringsee verendet Ikarus am 19. Dezember 2009 in seinem 2. Lebensjahr. Todesursache: Eine Infektion an Leber und Nieren.

Ein Zwischenstand

Im Rahmen des Wiederansiedlungsprojektes „Die Rückkehr des Bartgeiers in die Alpen“ wurden zwischen den Jahren 1986 und 2010 insgesamt 175  Junggeier aus Volierenzuchten freigelassen. Der westlichste  Ort der Freilassungen waren dabei die französischen Seealpen, der östlichste der Kärntner Anteil des Nationalparks Hohe Tauern. Bisher haben sich im Alpenbogen 17 Brutpaare gebildet. Aus den Zählungen, welche seit mehreren Jahren alpenweit gleichzeitig an einem festgelegten Zähltag im Herbst erfolgen, wird die Bartgeierpopulation in den Alpen heute auf 135-140 Individuen geschätzt. Neben den Seealpen im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien sind die Täler rund um das Stilfserjoch und im Engadin ein Kernzone für Bruterfolge der Bartgeier in den Alpen geworden: In den Zentralalpen haben sich 6 Brutpaare etabliert, drei davon im lombardischen Anteil des  Nationalparks  Stilfserjoch.  Und  diese 6 Paare haben seit 1998 30 Jungvögel erfolgreich aufgezogen.

Ein Blick über die Alpen

hinaus

Nach seiner Ausrottung in den Alpen im Jahre 1930 hat der Bartgeier in Europa  in den spanischen Pyrenäen, auf der Insel Korsika und auf dem Balkan überlebt. In der Ausgabe Nr. 44 vom April 2010 der Fachzeitschrift „Ficedula“, welche in der italienischen Schweiz erscheint, gibt Enrico Bassi folgende Bestandszahlen an: 133 Brutpaare von Bartgeiern in den Pyrenäen, 10 auf Korsika, 6 auf Kreta und 17 poten-tielle Brutpaaren für die Alpen.

Wie aus den Biographien der   „Marteller Auswanderer“ zu erkennen ist, braucht die Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen seine Zeit. Weil  die Geschlechtsreife erst nach 5-7 Jahren eintritt, der Bruterfolg etwa durch Eisbildung im Horst gefährdet ist und Junggeier bereits vor ihrer Fortpflanzungsfähigkeit zu Tode kommen, ist der Bestand von ca. 140 Bartgeiern alpenweit  noch keine endgültige Garantie für die dauerhafte Wiederbesiedlung der Alpen durch diese attraktive Vogelart, obwohl das Wiederansiedlungsprojekt einen guten Verlauf genommen hat.  Die Fortsetzung des extensiven Monitorings und der Schutzmaßnahmen macht also durchaus Sinn.

Schlagwörter:

Erfolg unabhängig vom Wetter

9. September 2010 Kommentare aus

v.l.: Positiv ist der autofreie Tag für Gustav Thöni, im Bild mit Gino Recla. Für die 13 Kiosk-Verkäufer (im Bild Otto und Helga Angerer) bringt der Radtag nicht viel; als das Ski-Duo Wagmeister-Fill (rechts) um 10 Uhr hinaufradelte, waren die Radler noch spärlich, später wurden sie immer mehr

Das Stilfserjoch ist für Fahrradfahrer eine enorme Attraktion. Auch wenn das Wetter nicht ideal ist. Heuer nahmen 7000 gezählte Radfahrer teil,  sehr viele aus Italien, aus Deutschland, der Schweiz, Holland aber auch aus Polen. usw., die durchs Internet auf die Veranstaltung aufmerksam wurden.  Regenfest gekleidet, ist eine Schar von jungen und älteren Radlern ununterbrochen geradelt. Freunde, Familie, Vereine in fröhlicher Stimmung sind auf das Joch gekommen. Tausende haben beim Würstelstand und in den sieben  Restaurants am Joch gegessen.  Nur drei Radler mit kleinen Rutsch-Unfällen sind die positive Bilanz des von Klaus Obwegeser geleiteten Sanitäter-Teams.

Bleibt die Frage, wie viele bei sonnigem und warmem Wetter gewesen wären. Der behinderte Verkehr nach der Wiedereröffnung am 16.00 Uhr lässt die Einheimischen intensiv von einer Maut-Einführung reden. Der nächste Radtag ist für den 3.09.2011 festgesetzt. (lp)

Schlagwörter:

Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

9. September 2010 Kommentare aus

„Loch“ und „Bremsberg“ heißen  im Laaser Volksmund  die Tal- bzw. Bergstation an der Schrägseilwinde zum Abtransport der Marmorblöcke aus dem Bauch der Jennwand. Die Schrägbahn wurde im Jahre 1929 erbaut und im Oktober 1930 in Betrieb genommen. Demnach erreicht sie heuer 80 Dienstjahre. Die Laaser Schrägbahn ist ein elektrisch betriebenes, schienengestütztes und wintertaugliches  Transportmittel,  das zudem die Wohnumgebung des Dorfes ausspart: emissionsfrei, lärmarm, ökologisch, zukunftsorientiert.  Sie ist weiter ein technisches Kulturgut Südtirols, ein Laaser Wahrzeichen mit touristischem  Potential. Dies alles sind Gründe, die Schrägbahn zu erhalten.

Das Geschenk zum 80. Geburtstag

Am Sonntag, 29. August d. J. wurde der Schrägbahn vom Verein „Freunde der Schrägbahn“ zum 80. Geburtstag ein Fest ausgerichtet. Im Rahmen dieses Festes wurde der  neue „Schrägbahnsteig“  vom Laaser Ortspfarrer Hochw. Artur Werth gesegnet, nachdem am Morgen des gleichen Tages  eine erste Begehung mit Führung stattgefunden hatte. Die Marmorschrägbahn verläuft innerhalb der Grenzen des Nationalparks Stilfserjoch. In Zusammenarbeit zwischen dem Verein der Freunde der Schrägbahn, der Eigenverwaltung für Bürgerliche Nutzungsrechte und der Betreibergesellschaft des Laaser Marmorwerkes und Weißwasserbruches hat der Südtiroler Führungsausschuss im Konsortium Nationalpark Stilfserjoch in den heurigen Sommerwochen den „Schrägbahnsteig“ anlegen lassen. Gleichsam als Geburtstagsgeschenk für die alte Dame. Der Steig wurde als Themenlehrweg zu diesem technischen Kulturgut möbliert.

Hilfestellung

Zu den institutionellen Zielen und Aufgaben der Nationalparke als Schutzgebiete gehören u.a.:

• der Landschaftsschutz,

• der Erhalt der Biodiversität der Lebensräume und der pflanzlichen und tierischen Artenvielfalt,

• die Sensibilisierung und Umweltbildung,

• die wissenschaftliche Forschung,

• die wirtschaftliche und touristische Nutzung der Ressourcen in umweltverträglichen  Vorhaben und Formen,

aber  etwa auch

• die Bewahrung naturräumlicher, kulturhistorischer,  volkskundlicher und architektonischer Elemente und Werte, Traditionen und Nutzungen.

Und die Marmorschrägbahn ist, wie weiter oben schon betont, ein technisches Kulturgut Südtirols. Von dieser Wertigkeit waren die verantwortlichen Entscheidungsträger im Nationalpark Stilfserjoch überzeugt, als sie das Projekt „Schrägbahnsteig“ befürwortet und  die finan-zielle Abdeckung der Kosten aus Mitteln des Nationalparkhaushaltes beschlossen haben.

Die Trasse des neuen Steiges

Zwischen der Talstation der Marmorschrägbahn auf 876 Metern Meereshöhe und der Bergstation am Bremsberg auf 1.355 m MH ist ein Höhenunterschied von 479 m zu bewältigen. Der Schrägbahnsteig wurde daher in Serpentinen angelegt, welche an mehreren Stellen die Geleise der Schrägbahn berühren. Im steilen Gelände sollten die weniger geübten Berggeher oder etwa die Familien mit Kindern nicht vom Erlebnis Schrägbahn ausgeschlossen werden. Wo vorhanden, wurden bestehende Steige und Wege in die Steigtrasse eingebunden und neues Graben im Gelände vermieden. An verschiedenen Stellen wurden Rastplätze mit Sitzbänken eingerichtet. Am „Wechsel“ der Ladebrücken, also auf halber Höhe der Schrägbahntrasse wurde eine Aussichtskanzel angelegt und mit Bänken und Tischen aus Lärchenholz möbliert. Dieser Punkt ist auch ein hervorragender Fotostandort und Aussichtspunkt auf Laas und den Vinschgauer Sonnenberg am Gegenhang. Vorher führt die östlichste Kehre des Steiges bis zur St. Martinskirche. Auch am Kirchlein besteht  eine großartige Aussicht auf Laas, Allitz, den Gadriaschuttkegel und die Leiten.

Als Gehzeit muss man ca. 1 Stunde und 30 Minuten für den Aufstieg bis zum Bremsberg einplanen. Festes Schuhwerk wird angeraten. Der Steig verläuft im Schatten des Fichten-Lärchen-Waldes.

Der Beitrag des

Nationalparks

Der Beitrag der Nationalparkverwaltung bei der Anlage des neuen Schrägbahnsteiges bestand in folgenden Arbeiten:

• Aufnahme des Geländes und Grobplanung der Trasse,

• Projektbeschreibung und Kostenschätzung,

• Beschlussmaßnahme im Führungsausschuss mit Bereitstellung der Finanzmittel,

• Händische Ausführung der Grabarbeiten im Gelände. Für den Durchbruch der Steigtrasse wurden 100 Mann-Tage bei Einsatz verschiedener Mannschaften unserer Saisonsarbeiter aufgewendet,

• Errichten von Aussichtsplattformen und Rastplätzen,

• Herstellen von Tischen und Bänken in unserer Tischlerei und Aufstellen derselben im Gelände,

• Beschilderung des Steiges mit Weghinweisschildern eigener Herstellung,

• Ankauf und Montage von Trägerstrukturen in Korten-Stahl für die Bild-Texttafeln.

Die Informationstafeln

Entlang des Schrägbahnsteiges wurden fünf Informationstafeln aufgestellt. Die deutschen Texte wurden von Frau Sigrid Zagler im Auftrag des Vereines „Freunde der Schrägbahn“ erstellt und von Mike Frajria in die italienische Sprache übersetzt. Die historischen Bilder stammen aus dem Archiv von Oskar Federspiel,  die aktuellen Fotos von verschiedenen Leihgebern. Thematisch betreffen die fünf Schautafeln:

• die Talstation im Loch und die Baugeschichte der Schrägbahn ab dem Jahre 1929;

• die technischen Daten zur Schrägbahn;

• die  St. Martinskirche aus dem 17. Jhdt. und  den Marmortransport in Zeiten vor dem Bau der Schrägbahn, als die Blöcke über Bremsrutschen, Hanfseil-Flaschenzügen und Tieflader-Wagen mit Ochsenfuhrwerk  mühsam zu Tal gebracht wurden;

• die Bergstation am Bremsberg mit dem Maschinenhaus, dem Antriebsmotor  und der Trommelseilwinde;

• ein kurzes Firmenporträt des Laaser Marmorwerkes und die Aufzählung der historischen Abbaustätten.

Die Schrägbahn als Teil eines größeren Ganzen

Zwischen dem Marmorbruch „Weißwasser“ als Untertagebau an der Westflanke der Jennwand im Mittellauf des Laaser Tales und dem Marmorlager und Verarbeitungsgelände in der Talsohle am Laaser Bahnhof sind insgesamt vier Transportelemente mit einer Gesamtlänge von 4.025 Metern in Funktion:

• die elektrobetriebene Seilbahn am Stolleneingang des Bruches überspannt das Laaser Tal und senkt die gebrochenen Marmorblöcke in die Örtlichkeit „Aufleig“ ab;

• die obere Eisenbahn mit Diesellokomotive bringt die Blöcke über ein insgesamt 1800 m langes Geleis bis zum Bremsberg;

• die Schrägbahn senkt die Blöcke von 1.355 m MH auf 876 m in die Talsohle ab;

• die ebenfalls dieselbetriebene untere Eisenbahn bringt die Steine von der Talstation im „Loch“ über die „Eiserne Brücke“ an der Etsch unter die Kräne im Marmorlager.

Schlagwörter:

Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

29. Juli 2010 Kommentare aus

Schlagwörter: