Archiv

Archive for the ‘12/10’ Category

Biosfera – Ehre und Verpflichtung

17. Juni 2010 Kommentare aus

Vinschgerwind - Titel 12/10

Weltweit gibt es 553 UNESCO Biosphärenreservate. Nach dem Entlebuch ist es unseren Schweizer Nachbarn, dem Val Müstair mit dem Nationalpark gelungen, die Auszeichnung als Biosphärenreservat zu bekommen. Die Zusammenarbeit mit Südtirol, vorwiegend mit dem Obervinschgau, Glurns und Taufers, sowie dem Nationalpark Stilfserjoch, und die Bemühungen der Münstertaler Bevölkerung zur Anerkennung als Naturpark von nationaler Bedeutung haben die UNESCO in Paris davon überzeugt, dass der Schweizerische Nationalpark gemeinsam mit dem Val Müstair ein Biosphärenreservat bilden soll. Die Ehre bedeutet auch Verpflichtung.

von Brigitte Thoma

Der Schweizerische Nationalpark  im Engadin ist das älteste Biosphärenreservat der Schweiz. Durch den Zusammenschluss mit dem Val Müstair wurde die Fläche mehr als verdoppelt und es erfüllt nun teilweise die seit 1995 gültigen Vorgaben der UNESCO. Diese hat der Erweiterung am 02. Juni 2010 zugestimmt, aber gleichzeitig bis 2013 die vollständige Erfüllung der Vorgaben verlangt. Der Nationalpark im Kanton Graubünden wurde 1979 zum ersten UNESCO Biosphärenreservat der Schweiz erklärt. 31 Jahre später wird das streng geschützte Gebiet mit dem Val Müstair durch eine Pflege- und Entwicklungszone im Sinne der Sevilla-Strategie der UNESCO ergänzt. Die UNESCO hat diese Erweiterung gutgeheißen, obwohl die Vorgaben noch nicht vollständig erfüllt sind. Eine Schweizer Delegation, mit der Biosfera-Direktorin Gabriella Binkert  und Bruno Stephan Waldner vom Bundesamt für Umwelt, hat dem Entscheidungsgremium des UNESCO MAB-Programms (Man and Biosphere), dem Internationalen Koordinationsrat (ICC) und seinem Ausschuss in Paris das Projekt und die spezielle Situation eines demokratischen Vorgehens zusätzlich erläutert. Ende Januar hatte das zuständige UNESCO-Expertengremium das Gesuch noch zur Zurückweisung empfohlen. In der Kommission, der Binkert und Walder vorsprachen  saßen Österreich, Argentinien, Benin, Ägypten und Russland. Der Präsident stammt aus Südkorea. Über die internationalen Verbindungen, die Idee die Biosfera nach Südtirol auszuweiten, zeigte sich der Ausschuss erfreut. In seinem Entscheid hat der ICC insbesondere die Anstrengungen der Bevölkerung im Val Müstair gewürdigt, auf demokratischem Weg einen regionalen Naturpark zu errichten und zusammen mit dem Schweizerischen Nationalpark langfristig ein UNESCO Biosphärenreservat zu betreiben. Gleichzeitig hat der ICC übereinstimmend mit dem 2008 in Madrid beschlossenen Aktionsplan (Madrid Action Plan) von der Schweiz verlangt, dass die Anforderungen an eine Pflegezone, welche die Kernzone Nationalpark vollständig umgeben muss, bis Ende 2013 gesamthaft erfüllt sind.

Zukunft nach innen

Über die „Pufferzone“, rund um den Nationalpark, soll der Bund gemeinsam mit den Gemeinden im Engadin (von Schanf bis Scuol) entscheiden. Zudem verlangt die UNESCO bis zu diesem Zeitpunkt einen Managementplan für die gesamte Biosphäre. Die Fläche des Biosphärenreservats hat sich mehr als verdoppelt auf 371 Quadratkilometer und es umfasst neu nicht ausschließlich Wildnisgebiet, sondern auch Kulturlandschaft, die über eine hohe Biodiversität verfügt. Um diese zu sichern, ist eine nachhaltige Nutzung in der Pflegezone erforderlich, mit dem Ziel, störende Einflüsse auf die Kernzone möglichst zu beschränken. Damit ist die Pflegezone vorwiegend für die land- und waldwirtschaftliche Nutzung vorgesehen. Die Entwicklungszone dient als Siedlungs- und Wirtschaftsraum mit vielfältiger nachhaltiger Nutzung des Bodens. Die Voraussetzungen dazu hat das Val Müstair mit der Charta für einen Regionalen Naturpark geschaffen. Die UNESCO Biosphäre Val Müstair-Parc Naziunal entspricht nun weitgehend den Anforderungen der UNESCO an ein modernes Biosphärenreservat. Noch hängig ist das Gesuch des Kantons Graubünden, das er im Januar 2010 beim Bundesamt für Umwelt BAFU zur Verleihung des Labels Regionaler Naturpark an die Biosfera Val Müstair eingereicht hatte. Das BAFU entscheidet im Spätsommer darüber. Geld von der UNESCO, gibt es keines. Die Inhalte des Biosfera – Programmes werden in Zusammenhang mit dem Nationalpark von nationaler Bedeutung finanziell unterstützt. Das Label fördert den Bekanntheitsgrad. Die  Besucherzahlen des Klosters St. Johann in Müstair haben sich vervielfacht, seit es in das UNESCO – Programm als Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Biosfera-Direktorin Gabriella Binkert: Das UNESCO - Label wird sich positiv auf die ganze Region auswirken Fotos: ivo illuminato andri

Am 23. Juni 2010 ist die erste Sitzung des Biosfera-Rates nach der Verleihung des Labels. Zum Rat gehören: der Nationalrat Andrea Hämmerle, der Vize-Georg Fallet, der Geschäftsführer Flurin Filli und die Mitglieder Heiner Haller (Nationalparkdirektor), Robert Giacometti (Nationalparkpräsident), Aldo Rodigari (Gemeindevorstand) und Gabriella Binkert (Direktorin der Biosfera). Dieses Gremium wurde vor einem Jahr gegründet, ihm obliegt die Führung des Biosphärenreservates, der Nationalpark ist zuständig für die Forschung über Biologie und Geologie.

Zukunft nach außen

Unsere Schweizer Nachbarn haben in den letzten Jahren einen konsequenten Weg beschritten, der es einerseits ermöglicht, einen nachhaltigen Tourismus auszuweiten und trotzdem die besonderen Naturlandschaften zu erhalten und sogar aufzuwerten.

Mit Teilprojekten wird die Bevölkerung miteingebunden. Die Ideen kommen direkt vom Volk, von Teilprojektleitern betreut, eine Motivation für den Einzelnen. Hauptsächlich geht es dabei um die Vermarktung der heimischen Produkte, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die touristische Zukunft, und das Erhalten einer intakten Natur und der landschaftlichen Vielfalt.

Auch für den Oberen Vinschgau und besonders für Taufers im Münstertal wäre eine Ausweitung des Reservates eine große Chance, eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit ebenfalls in diese Richtung zu bewegen. Erste Gespräche darüber, wurden bereits geführt. Wie die Kreispräsidentin und Direktorin von Biosfera Val Müstair Gabriella Binkert anlässlich der Erlebniswanderung „An den Ufern des Rambaches“ am 5. Juni 2010 betont hat, legt die UNESCO großen Wert darauf, dass sich ein Biosphärenreservat weiter entwickelt. Auch der Großrat Georg Fallet sieht in einer diesbezüglichen Zusammenarbeit eine große Chance für das gesamte Tal. Auf Schweizer Seite besteht also großes Interesse für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Sinne einer Weiterentwicklung dieses  Biosphärenreservates. Viele Möglichkeiten, in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Stilfserjoch würden sich dadurch ergeben. Erste Gespräche mit den Verantwortlichen wurden bereits geführt, wie die Weiterführung des Projektes „An den Ufern des Rambaches“ von der Quelle bis zur Mündung in die Etsch. Derzeit endet der Wanderweg an der Grenze, mit entsprechenden Foldern und Tafeln wird auf die Flora und Fauna, zur Kultur und Geschichte des Bachs sowie die einzelnen Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht. Ein weiteres Projekt ist die Ansiedelung der schwarzen Biene, die damit verbundene Vermarktung eines Biosfera-Honigs, im Slow-Food Bereich.

Das UNESCO – Label wird sich positiv auf die ganze Region auswirken, denn diesen ehrenvollen Titel zu haben, ist  an und für sich schon eine Exklusivität. Das magische Dreieck wird somit touristisch wie langfristig auch wirtschaftlich attraktiv und sollte auch  von allen Seiten genutzt werden. Dem Südtirol bietet sich die einmalige Chance sich durch gute und innvative Projekte anzubinden und so vom Erfahrungsreichtum unserer Nachbarn im Val Müstair zu profitieren.

Weiterlesen …

Schlagwörter: ,