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Archive for the ‘Archiv9 2005’ Category

Der Vinschgerwind blickt auf 2005 zurück

15. Dezember 2005 Kommentare aus

Vinschgerwind-Titel 17-05

Der „Vinschgerwind“ wagt einen besonderen Rückblick. Splitter aus dem vergehenden Jahr sind es, Splitter aus Politik und Gesellschaft. Bunt ist es zugegangen im Jahr 2005 im Vinschgau. Bunt ist deshalb auch der Rückblick. Vergnügliches Lesen wünscht

Erwin Bernhart

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Der Weg der „Lebenshilfe“

1. Dezember 2005 Kommentare aus

Vinschgerwind-Titel 16-05

Menschen mit Behinderung gebührt ein Platz im gesellschaftlichen Miteinander und in der Arbeitswelt. Sie haben ein Recht auf ein selbst bestimmtes Leben. Für einzelne Menschen braucht es aber auch geschützte Stätten, in denen sie Geborgenheit erfahren und Beschäftigung finden. Solche Stätten sind unter anderen die Einrichtungen des „Landesverbandes der Lebenshilfe“. Eine davon ist die Struktur der „Lebenshilfe Vinschgau“ in Schlanders.

von Magdalena Dietl Sapelza

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Otter und Schotter

17. November 2005 Kommentare aus

Vinschgerwind-Titel 15-05

Die Landesregierung hat in Sachen Landschaftsplan der Gemeinde Prad das letzte Wort. 30 Hektar Biotop in der Prader Sand reichen, hat der Gemeinderat mehrheitlich nach Berücksichtigung der Eingaben beschlossen. 50 Hektar hat die 1. Landschaftsschutzkommission vorgeschlagen. Appetit auf die Sand haben mehrere.

von Erwin Bernhart

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Vinschgau: Strom- und Umweltsalami

4. November 2005 Kommentare aus

Vinschgerwind-Titel 14-05

Um den Umweltplan wird hart gefeilscht. Fix ist, dass 30 Millionen Euro von der Seledison in den Vinschgau schwappen werden. Über das Wie scheiden sich die Geister der Vinschger Bürgermeister und jene der Sel AG. Derweil rüstet die Sel AG zum Sturm auf die Kraftwerke der Enel. Bleiben die Vinschger Gemeinden dabei außen vor?

Von Erwin Bernhart

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Stillstand oder steiler Aufstieg?

20. Oktober 2005 Kommentare aus

Vinschgerwind-Titel 13-05

Die Weichen für die Aufstiegsanlage Tarscher Alm werden in den kommenden Wochen gestellt. Ein steiles Stück für die Aufstiegsanlage und für die möglichen Geldgeber.

von Gabriele Markart

Die Verhandlungen um eine Realisierung des Sessellifts auf das Joch und der Talabfahrt gehen in die entscheidende Phase. Nachdem die Landesregierung Anfang dieses Jahres dem Projekt grünes Licht gegeben hat, liegt die Herausforderung darin, genügend Eigenmittel zusammenzutragen, um die Liftanlage auszubauen und zu sanieren. 24 Mio. Euro kostet das Gesamtprojekt, der Großteil soll anhand von Darlehen finanziert werden, 3,1 Mio. Euro erwartet man sich an Fördermitteln, 6,8 Mio. Euro müssen an Eigenkapital aufgebracht werden. Dabei rechnen die Betreiber mit der Unterstützung der lokalen Wirtschaft. Die Tourismusvereinsbetriebe, die Kaufleute, Handwerker, Banken und Sponsoren sind gefragt, mit ihren Beiträgen das Projekt möglich zu machen. Auch die Gemeinde Latsch als Hauptgesellschafter ist bereit ihren Beitrag zu bringen, wenn der Rest der Wirtschaft mitmacht. „Das Zusammenspiel muss passen,“ meint der Geschäftsführer der Liftanlage Georg Pegger. Wenn alle gemeinsam an einem Seil ziehen, stünde der Verwirklichung des Projekts nichts mehr im Wege. Die Seilschaft zu überzeugen, tatkräftig mitzuziehen, ist allerdings ein ganzes Stück Arbeit. Die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang ist für die Wirtschaftstreibenden: Wer zahlt? Und wieviel? Die Latscher Skicenter GmbH hat dafür einen Schlüssel für die Berechnung der Beiträge von den Hotel- und Gastbetrieben erarbeitet. Der Nächtigungsanteil auf 7 Jahre berechnet beträgt in etwa 0,70 Euro pro Person und Nacht. Auf den ersten Blick kein großer Betrag. Für einen Vier-Sterne-Betrieb können sich dabei aber Summen von einigen hunderttausend Euro ergeben, die jetzt eingezahlt werden müssten. In welcher Form diese Beiträge einzuzahlen sind, muss mit den einzelnen Betrieben ausgehandelt werden. Nicht jeder kann schließlich sofort über die angeforderten Summen verfügen. Pegger könnte sich einen Sponsorpool der Banken vorstellen. Die Details sind aber noch nicht klar definiert.

Erwartungen. Die Verantwortlichen erhoffen sich vom neuen Lift und der Sanierung der bestehenden Anlagen eine höhere Wirtschaftlichkeit des Ski- und Wandergebiets. Die Besucherzahlen sollen bereits 2006/2007 verdoppelt werden, wenn der neue Lift auf das Joch in Betrieb genommen werden kann. Danach wird bis zum Jahr 2009 mit steigenden Besucherzahlen von fast dem Vierfachen des heutigen Stands gerechnet. Auch die Auslastung in der Sommersaison soll konstant um 10% wachsen. Die Zuwächse sollen vor allem mit Gästen erreicht werden. Dafür müsse die Attraktivität des Urlaubsziels Mittelvinschgau erhöht werden. Mit dem Zusammenschluss der Tourismusvereine Latsch und Martell wurde bereits ein wichtiger Grundstein für die Zusammenarbeit an einer attraktiven Struktur für den Tourismus im Mittelvinschgau gelegt. „Mit Martell ergänzen wir uns sehr gut. Es hat die Struktur für Langlauf und Biathlon und wir bieten dem Gast Ski Alpin,“ führt Pegger die Vorteile aus. Wünschenswert wäre auch ein Zusammenschluss mit Ulten. Dieser ist zwar zur Zeit nicht genehmigt worden, aber langfristig möchten die Betreiber der Aufstiegsanlage auf jeden Fall darauf hinarbeiten. Da Latsch besser erreichbar ist als Ulten, könnte dies für den Mittelvinschgau weitere Gäste anziehen.

Auslastung. „Die Bettenkapazität ist auf jeden Fall vorhanden. Zusammen mit den umliegenden Gemeinden Kastelbell, Martell und Schlanders verfügen wir über knapp 5.200 Betten. Die Auslastung im Winter hält sich allerdings in Grenzen: zwischen 6% und 13% bzw. zwischen 9 und 20 Tagen. Mit dem neuen Lift kann die Auslastung der Tourismusbetriebe im Winter vervielfacht werden,“ ist Geschäftsführer Pegger überzeugt. Das Ziel sollte ein konstant ausgelasteter Jahrestourismus sein. Und der Präsdient der Latscher Skicenter GmbH Thomas Rinner rechnet in der Broschüre, die im Frühjahr dieses Jahres an die Latscher Haushalte verteilt wurde, für die Gemeinde Latsch vor: „Wenn die vorhandene Bettenzahl 30 Tage länger ausgelastet würde, würde bei 80 Euro Tagesverbrauch durch jeden Gast eine Wertschöpfung von 5.824.800 Euro in der Gemeinde Latsch bleiben. Umsatz- und Vermögenssteuern fließen bekanntlich in die Landes- und Gemeindekassen und würden in kürzester Zeit Landes- und Gemeindebeiträge wieder erwirtschaften lassen.“

Rentabilität. Auch das Skigebiet selbst soll sich in seiner Rentabilität steigern. In fünf bis sechs Jahren soll die neue Liftanlage bereits einen Überschuss von 5 Mio. Euro abwerfen. Die Verwaltung rechnet bis zum Jahr 2017 mit einem Überschuss an 12 Mio. Euro. „Diese Beträge sind notwendig, da die Bestimmungen und gesetzlichen Vorgaben für Liftanlagen alle 10-15 Jahre eine gründliche Erneuerung vorsehen,“ erklärt Geschäftsführer Pegger.

Die Rechnung steht und fällt natürlich mit den erwarteten Besucherzahlen. Die Betreiber der Anlage sind sich allerdings sicher, dass die Besucher kommen werden. Die Attraktivität würde sich durch die neue Liftanlage erhöhen. Die Voraussetzungen für ein gut gehendes Skigebiet sehen die Verantwortlichen gegeben: Einmal beschneit, wäre die Anlage schneesicher aufgrund der geringen Sonneneinstrahlung. Außerdem läge noch Potential im Wintertourismus. „Im Sommer konkurriert unser Gebiet mit Destinationen in aller Welt. Die Auswahl an Sommerurlaubsgebieten ist riesig. Wer aber Skiurlaub machen möchte, der konzentriert sich zwangsläufig auf den Alpenraum,“ ist Pegger überzeugt. Von daher könne man guten Gewissens mit einem Zuwachs an Wintergästen rechnen.

Befürchtungen. Der Präsident der Umweltschutzgruppe Vinschgau Peter Gasser ist da nicht ganz so zuversichtlich: „Wir haben zahlreiche Skigebiete im Vinschgau, die die besseren Voraussetzungen als Latsch haben und auch die kämpfen um ihre Gäste. Einige rentieren sich seit Jahren nicht mehr und es sieht nicht so aus, als würde sich das in den nächsten Jahren ändern.“ Eine unrentable Anlage nur aufgrund von öffentlichen Fördermitteln aufrechtzuerhalten sei wirtschaftlich nicht sinnvoll. Außerdem könne man im Hinblick auf die EU-Richtlinien in Zukunft auch nicht mehr mit diesen Mitteln im bisherigen Umfang rechnen. Gasser erinnert im Zusammenhang mit den schrumpfenden Förderungen an einen Ausspruch des Landeshauptmanns: „Es kann nicht jedes Dorf ein eigenes Skigebiet haben. Die Vinschger müssen sich entscheiden, welche Gebiete förderungswürdig sind.“ Die Umweltschutzgruppe sieht diese Skigebiete eher im Obervinschgau als in Latsch. Vor allem auch daher, weil diese Gebiete vom Wintertourismus leben müssen, wohingegen Latsch einen gut funktionierenden Sommertourismus hat und wirtschaftlich, was Industrie und Handwerk angeht, ebenfalls auf starken Beinen steht. Gasser fordert von den Vinschger Politikern den Mut, sich mit der ganzen Angelegenheit ernsthaft zu befassen und klare Aussagen zu treffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Umweltschutzgruppe ist die Regelung des Verkehrs in Tarsch. Durch einen größeren Zulauf an Gästen würde natürlich auch mehr Verkehr durch den Ort fließen. Dies ist insbesondere kritisch, weil es an einigen Stellen nicht möglich wäre, die Straße dementsprechend auszubauen. Außerdem bedeutet das für die Anwohner eine größere Lärm- und Abgasbelastung.

Ideen. Für Pegger wäre die Einrichtung eines Gästebusses, der regelmäßig und häufig zirkuliert, eine gute Möglichkeit, das erhöhte Verkehrsaufkommen abzufangen. Eventuell könnten sich einige Hoteliers zusammenschließen und einen Shuttledienst für ihre Gäste einrichten, wie es auch andernorts gehandhabt wird. In letzter Konsequenz wird sogar überlegt, ob man nicht einen Zubringerlift errichtet, der unterhalb von Tarsch liegt. Das ist allerdings noch sehr ferne Zukunftsmusik.

Zu einer Skischaukel Latsch-Ulten spricht die Umweltschutzgruppe auf jeden Fall ein klares ‚Nein‘ aus. Möglicherweise kommt es jedoch gar nicht so weit.

Sollten die momentanen Verhandlungen nicht das gewünschte Ergebnis bringen, so wollen die Verantwortlichen zwar trotzdem noch nicht aufgeben. „Die kommende Sommer- und Wintersaison wird die Anlage garantiert laufen, das steht außer Frage,“ versichert Georg Pegger. Wenn sich aber auch auf lange Sicht keine Einigung erzielen ließe, müsse entschieden werden, wie es mit der Anlage überhaupt weitergehen kann. Der Geschäftsführer sieht die Zukunftsaussichten ohne die neue Aufstiegsanlage düster: „Bis zum 31.12.2008 müssen alle Revisionen abgeschlossen sein, damit wir den Betrieb weiterführen können. Wenn die Mittel dafür nicht reichen, wird der Lift mit dem Jahr 2009 wohl still stehen.“ Eine Entwicklung, die die Attraktivität des Urlaubsziels Mittelvinschgau im Allgemeinen und Latsch im Besonderen im Winter stark einschränken würde, ist Pegger überzeugt. Die Verhandlungen mit den Wirtschaftsverbänden und den umliegenden Gemeinden laufen deshalb momentan auf Hochtouren. Innerhalb Oktober soll sich die Sicht über die Zukunft der Aufstiegsanlage klären.

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Pflegenetzwerk wird aufgebaut

6. Oktober 2005 Kommentare aus

Vinschgerwind-Titel 12-05

Die Zahl der alten Menschen steigt. Deren Pflege und Betreuung wird zu einer Herausforderung für die Zukunft. Das grenzüberschreitende INTERREG – Projekt „Pflegende Angehörige“, getragen vom Regionalentwicklungszentrum GWR (Vinschgau), dem Regionalverein MIAR (Tirol) und den Sozial- und Gesundheitssprengeln der Bezirke Vinschgau, Landeck und Imst, spürte den Bedürfnissen der Pflegenden nach und will den Aufbau eines Netzwerkes vorantreiben, damit Pflege zu Hause nicht zur Überforderung führt. Ein viel versprechendes Projekt, als neue Perspektive für die Pflege.

von Magdalena Dietl Sapelza

Ein Schlaganfall warf das Leben der 75-jährigen Anna K. von einem Tag auf den anderen aus den gewohnten Bahnen. Bisher hatte sie sich selbst versorgt. Nun lag sie halbseitig gelähmt im Krankenhaus und hatte Schwierigkeiten sich mitzuteilen. Ihre Tochter war mit der Gegebenheit konfrontiert, dass ihre Mutter künftig regelmäßiger Pflege bedurfte. Sie durchlebte traumatische Momente, auf die sie sich nicht vorbereitet hatte. Durch die Pflege der Mutter veränderte sich nach und nach auch ihr Leben. Die Betreuung rund um die Uhr zehrte an ihren Kräften. Sie versuchte alles richtig zu machen und wurde dennoch von Schuldgefühlen geplagt. Ihre eigenen Bedürfnisse stellte sie hinten an. Die Dienste der Haus- und Hauskrankenpflege nahm sie nicht in Anspruch. Die Leute sollten nicht denken, dass sie es nicht allein schaffte. Und irgendwann war sie überfordert. Es folgten der körperliche und seelische Zusammenbruch. Die Mutter musste ins Altersheim gebracht werden. Neue Schuldgefühle drückten. Die Tochter machte sich nun den Vorwurf, nicht imstande gewesen zu sein, die eigene Mutter daheim zu pflegen.

Überforderung

Beim Punkt Überforderung setzt das grenzüberschreitende Interregprojekt „Pflegende Angehörige“ an. Getragen wird es vom Regionalentwicklungszentrum GWR, dem Regionalverein MIAR, und den Sozial- und Gesundheitssprengeln Mittel- und Obervinschgau. Für die Direktorin der Sozialdienste Martha Stecher ist es richtungsweisend, dass am Regionaltisch der Bezirksgemeinschaft Vinschgau neben wirtschaftlichen Themen auch soziale Themen Platz gefunden haben. Gereift war die Sache nicht zuletzt aus dem Bewusstsein heraus, dass das starke Pflegeaufkommen der Zukunft zu immer größeren finanziellen Belastungen führen wird,  was dem öffentlichen Haushalt zusetzt. Pflege zu Hause soll so organisiert werden, dass die Belastung nicht zu groß wird. Rund dreiviertel der alten Menschen werden derzeit im Familienkreis gepflegt und das soll auch zukünftig so bleiben können. Eine wesentliche Voraussetzung für die Pflege zu Hause ist, dass der Dauerdruck, der auf Pflegende lastet, abgefedert werden kann.  Im Vinschgau wird das Projekt „Pflegende Angehörige“ von den Sprengelleiterinnen Ladurner Irmgard (Mittelvinschgau) und Karin Tschurtschenthaler (Obervinschgau) in Zusammenarbeit mit den Einsatzleiterinnen der Hauspflege Lydia Riedl und Sonja Hölbling betreut. Pate stand ein Pilotprojekt im Bezirk Lienz, das im Jahre 2003 erfolgreich durchgeführt worden war.

Sich helfen lassen

„Ungehört, ungesehen, unbemerkt“, so beschreibt die Expertin für Altenbetreuung, Iren Steiner aus Altbach, die Pflegewirklichkeit. „Die Pflege zu Hause ist viel zu oft eine Privatsache und daraus entstehen vielschichtige Probleme“. Wenn pflegende Angehörige glauben, alles alleine schaffen zu müssen, beginnt sich ein Teufelskreis  aus Distanz, Unverständnis, mangelnder Resonanz und persönlicher Beschämung zu drehen. Steiner spricht von einem „inneren und äußeren Dschungel“, in dem Angehörige gefangen sind. Der „innere Dschungel“ entsteht, wenn es die Bereitschaft zu einem großen Leidendruck verhindert, professionelle Hilfestellungen in Anspruch zu nehmen. Das heißt, die Pflegenden haben oftmals ein großes Probleme, sich helfen zu lassen. Eine „äußerer Dschungel“ entsteht angesichts der Schwierigkeiten im Umgang mit den helfenden Einrichtungen und Strukturen, die nach eigenen Logiken und oft einseitigen Hilfskonzepten arbeiten. Diese Barrieren gilt es zu Gunsten eines partnerschaftlichen Umgangs zu überwinden. Die Pflegearbeit soll zu einer gemeinschaftlichen Verantwortung aller darin eingebundener Institutionen werden, damit sich Pflegende nicht allein gelassen fühlen und nicht in Isolation und Depression geraten. „Unsere Versorgungs- und Unterstützungslandschaft muss intelligenter werden“, so Steiner. Pflegende Angehörige sollten beispielsweise Wertschätzung erfahren, persönliche Freiräume nutzen und auch Urlaube genießen können. Die pflegenden Angehörigen müssen in einem Netzwerk bestehend aus professioneller Altenbetreuung, medizinischer Versorgung und dem Volontariat eingebettet werden. Nur durch ein Zusammenspiel aller Kräfte kann es gelingen, einem möglichen künftigen Pflegenotstand vorzubeugen.

Bedürfnisse ernst nehmen

Erster Schwerpunkt des Interregprojektes war die Erhebung der Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen mittels Fragebögen. Es ging um Information, Bekanntheitsgrad der Sprengeldienste, der Hauspflege und Hauskrankenpflege, um Beratung und Wünsche bezüglich Entlastungsbetreuung und Fortbildung. Die Erstinformationen halten nur 10 % der Befragten für nicht ausreichend. Viele holen sich diese bei Hausärzten (30 %) und in den Sozialsprengeln (20 %). Bessere Beratung fordern pflegende Angehörige über finanzielle Hilfen (78%), Heilbehelfe (77%), Krankheitsbild (77%), Pflegetechniken (74%) Entlastungsmöglichkeiten (71%), Versicherungsmöglichkeiten ( 59%), Konfliktbewältigung (51%).  Zu wenig informiert sind die Befragten über Kurzzeitpflege beziehungsweise über Tagespflegeheime. Gewünscht werden außerdem mehr Pflegebetten für die Kurzzeitpflege und längere Öffnungszeiten der Tagespflegeheime. Entlastungsbetreuungen werden als hilfreich angesehen, um sich erholen zu können. Gewünscht werden mehr Hausarztbesuche, eine Erhöhung des Pflegegeldes und Gespräche mit anderen Betroffenen. Als hilfreich werden Fortbildungen angesehen, unter anderem zu den Themen: Leben mit der Pflege zu Hause, seelische und körperliche Belastung, Sterben und Tod, rechtliche und finanzielle Aspekte, Entlastungsmöglichkeiten und Pflegetechniken. Selbsthilfegruppen und Fortbildungsveranstaltungen sind ebenfalls gewünscht. Allerdings sollte eine Teilnahme daran auch erleichtert werden, indem eine Betreuung des zu Pflegenden während dieser Zeit gewährleistet wird. Das österreichische Modell könnte beispielsweise Schule machen: Dort übernehmen professio-nelle Kräfte in diesen Fällen die Betreuung zu günstigen Tarifen.

Gemeinsam Netzwerke aufbauen

Die Fragebogenauswertung bildet die Grundlage für weitere Planungen und neue Initiativen der Sozialdienste. Schwerpunkte werden drei Säulen sein: 1. Ausbau der Information. Unter anderem wird eine umfassende und leicht verständliche Informationsbroschüre erstellt. 2. Beratung der pflegenden Angehörigen in rechtlichen, finanziellen, pflegetechnischen und seelischen Belangen. 3. Stärkung und Aufbau von Netzwerken zwischen den Strukturen im Sozial- und Sanitätsbereich unter Einbeziehung des Volontariats mit den Freiwilligen, sowie die Aktivierung der Selbsthilfegruppe, die es gibt, aber derzeit nicht tätig ist.

Aufgrund der Wünsche werden ab Jänner 2006 entsprechende Fortbildungen angeboten.

Weichen stellen

Vorstellung des INTERREG-Projektes „Pflegende Angehörige“ in Graun: v. l. Mario Massimo (MIAR), Gustav Tschenett (GWR), Andreas Fabi (Generaldirektor Sanitätsbetrieb Meran), Iren Steiner (Referentin), Christa Gangl (Tiroler Landesrätin) Peter Gohm (Projektkoordinator MIAR), Martha Stecher (Direktorin der Sozialdienste), Karin Tschurtschenthaler (Sprengelleiterin Obervinschgau), Irmgard Ladurner (Sprengelleiterin Mittelvinschgau) und Claudia Nolf („Humanocare“ Tirol)

In Zukunft wird sich die Zahl der professionelle Pflegerinnen und Pfleger erhöhen müssen. Und es wird Aufgabe der politischen Entscheidungsträger sein, die richtigen Weichen zu stellen. Einiges muss neu überdacht werden, so beispielsweise die Doppelgleisigkeit von Hauspflege und Hauskrankenpflege. Als hinderlich wirkt sich die Tatsache aus, dass die Hauspflege dem Sozialbereich unterstellt ist und die Hauskrankenpflege dem Sanitätsbereich. „Das ist viel zu schwerfällig und kostet zudem viel Geld“, erkärt Martha Stecher. „Wir haben zwei Dienste für letztendlich ein Anliegen, nämlich die Pflege zu Hause.“ Landesrat Richard Theiner verspricht Abhilfe. Eine bereits eingesetzte Arbeitsgruppe soll Vorschläge ausarbeiten, um die zwei Strukturen unter einen Hut zu bringen. Ein wichtiges Thema ist die Einführung einer Pflegeversicherung, ohne die zukünftige Pflege wohl nicht mehr bezahlt werden kann. Sie wird derzeit kontrovers diskutiert. Bislang wird über Höhe der Beiträge gestritten und darüber, wer die Einzahlungslasten zu tragen hat. Eine Lösung muss ehestens gefunden werden, um der ansteigenden Zahl an pflegebedürftigen alten Menschen gerecht zu werden und ihnen auch weiterhin einen Lebensabend in Würde ermöglichen zu können. Neu diskutiert werden muss nicht zuletzt die Höhe des Pflegegeldes und die Rentenabsicherung für Pflegende.

Es bedarf großer Anstrengungen und weitsichtiger politischer Entscheidungen, damit es nicht schon bald zu einem Pflegekollaps kommt.

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Kampf um Zukunft

22. September 2005 Kommentare aus

Vinschgerwind-Titel 11-05

Im Tourismusverband Vinschgau soll es Neuwahlen gegeben. Die Personalsituation an der Verbandsspitze zeigt sich verfilzt, weil die neu gegründete „Vinschgau Incomming GmbH“ den „Alten“ ihren Platz für vier Jahre sichert.

von Erwin Bernhart

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