Klöster und Kirchen – Burgen und Bunker im Vinschgau

Taufers im Münstertal

Acht-Kirchen-Wanderung

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Das Grenzdorf Taufers im Münstertal ist reich an kulturellen Schätzen unbezahlbarem Wertes. Acht Kirchen aus verschiedenen Epochen, entlang eines gut beschilderten Rundwanderweges durch Wiesen, Wälder und Dorf, vorbei an den zahlreichen denkmalgeschützten Gebäuden, vermitteln dem aufmerksamen Wanderer und Kulturfreund Einblicke.

Die Wanderung startet bei der St. Johannkirche am östlichen Ortseingang mit Parkmöglichkeit, Informationen und Kartenmaterial im Tourismusbüro.

St.Johann ist ein Juwel in der romanischen Kunstlandschaft, das größtenteils im 12. und 13. Jahrhundert in Form eines griechischen Kreuzes errichtet worden ist. Die Kirche zählt zu den wenigen erhaltenen Hospizkirchen unseres Landes. Ab dem Jahre 1264 scheint der Johanniterorden als Betreiber des Hospizes auf und ist bis zum Jahre 1509 hier nachweisbar. Öffnungszeiten in den Sommermonaten (Juni bis Oktober): 9.30 bis 17.00 Uhr (August 18.00 Uhr). Führungen durch die Kirche und die Ausstellung unter 0039/0473832167

Rechts vom alten Hospiz führt ein Wanderweg hoch zur St. Michaelskirche und zur Pfarrkirche St. Blasius.

Die St. Michaelskirche wurde im Jahr 1383 das erste Mal geweiht. Die heutige Gestalt geht auf die zweite Weihe im Jahr 1493 zurück. Die zweistöckige Kirche weist im oberen Stockwerk einen Wanderker mit sehr schönen gotischen Fresken auf, die um 1500 entstanden sind. Das Pfarrmuseum, mit einer reichlichen Sammlung von Heiligenstatuen, ist hier untergebracht. Öffnungszeiten: Dienstag von 10.00 – 11.00 Uhr und Samstag von 16.00 – 17.00 Uhr. Führungen für Gruppen, auch außerhalb der Öffnungszeiten, können im Pfarrhaus bei Pater Albert Obexer Tel. 0039 0473832162 oder bei Frau Rosina Spiess Tel. 0039 3478631315 vereinbart werden.

Die Pfarrkirche St. Blasius wurde im Jahr 1201 das erste Mal erwähnt. Der Turm wurde 1551 errichtet. Im Jahre 1660 wurde die Kirche teilweise abgebrochen, wieder aufgebaut und 1665 eingeweiht. Die Wandmalereien stammen aus der Zeit des Wiederaufbaus, der Hochaltar geht auf das 17. und 18. Jh. zurück. Die Kirche wurde 1719 um die Seitenkapelle erweitert.

Die Wanderung führt weiter über die Tella-Straße und dann links – abbiegend durch den Wald zum St. Martinskirchlein.

Im Jahr 1394 wird der Bau der St. Martinskirche erwähnt. Aus dieser Zeit stammt noch das Langhaus. Der Chor und die Leistendecke im Inneren stammen aus dem 17. Jh.. Dieses Kirchlein führte nach anfänglicher reicher Ausstattung während vieler Jahrhunderte ein verträumtes Dasein. Der spätgotische Flügelaltar aus der Zeit um 1520, der für längere Zeit in dieser Kirche stand, kann heute im Pfarrmuseum St. Michael bewundert werden. Das Glöcklein ist jüngeren Datums, da das Ursprüngliche im Jahr 1917 für Kriegszwecke eingeschmolzen wurde.

Von hier aus hat man eine wunderbare Aussicht über das Dorf und das Münstertal. Die Wanderung folgt einem Pfad zum St. Martinweg, in Richtung Sportplatz und von dort links abwärts über Petnal. Bald kommt eine Abzweigung, nahe einem Waal zum St. Antonius-Kirchlein.  Das einfache Kirchlein wurde im Jahr 1725 eingeweiht und der Altar stammt aus dem Jahre 1760. Die Kirche wurde im Zuge der Josephinischen Kirchengesetze um 1780 geschlossen und wurde erst ab dem Jahre 1875 erneut für sakrale Zwecke verwendet. Vom St. Antoniushügel abwärts durch einen Laubwald gelangt man in den Mühlweg. Über den St. Nikolausweg erreicht man an der Abzweigung zur St. Johannstraße die St. Nikolauskirche.

Diese Kirche wurde um 1400 errichtet. Einige Wandgemälde stammen aus dieser Zeit, andere hingegen auch aus dem 15. Jh.. Eine Kostbarkeit stellt der spätgotische Altar dar, der mit Figuren aus dem 14. und 16. Jh. besetzt ist. Im Jahre 1897 fielen der Turm und die Glocke dem Feuer des Dorfbrandes zum Opfer, der Turm konnte aufgrund der großen Opferbereitschaft bereits im selben Jahr erneuert werden. Der St. Johannstraße in Richtung Schweizer Grenze folgend führt die Wanderung in das Ortsteil Puntweil zur St. Rochuskirche. Die alte St. Rochuskirche wurde bereits gegen Ende des 13. Jh. erwähnt. Sie ist dem Pestheiligen Rochus geweiht. Die heutige Kirche wurde im 17. Jh. gebaut, wobei auch der Altar und die Bilder aus dieser Zeit stammen. Zu Pestzeiten pilgerten viele Menschen nach Puntweil. In jüngster Vergangenheit wurde die Kirche in vorbildlicher Weise restauriert.

Nun überquert man den Rambach, auf dem Radweg gelangt man talauswärts nach Rifair zur  St. Valentinkirche: Nach der Zerstörung der alten, bereits 1201 erwähnten St. Valentinskirche oberhalb der Straße an der Calven, wurde diesem hochgeschätzten Heiligen um 1499 eine neue Kirche errichtet. Der heutige Bau wurde 1521 geweiht. Der Altar und einige Statuen stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jh., die Mittelfigur hingegen aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. und die Bischofsfiguren aus dem Anfang des 14. Jh..

Von Rifair führt ein gut ausgeschilderter Weg wieder hinauf nach Taufers. Die Wanderung ist an einem halben Tag gut zu bewältigen.

Brigitte Thoma

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Festung und Bunker:   Nauders, Reschen, Mals und Töll

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Die Panzersperren auf Plamort gehören zu den kuriosesten Sehenswürdigkeiten dieses von Mussolini errichteten Grenzwalles; zu Fuß erreichbar in einer Stunde über die Wege 1 und 2 von Reschen aus. Foto Martin Geier

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Die Verteidigung des Landes Tirol erfolgte immer wieder an Engstellen; dies galt vor allem für das Mittelalter, wurde aber fortgesetzt bis in die Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Während die dauerhaft bewohnten Burgen einigermaßen gemütlich waren, wurden die modernen Bunker für die Besatzung Orte des Schauderns. Dies kann einprägsam erfahren werden gelegentlich der Bunkerführungen, die vom Verkehrsverein Mals mit Armin Plagg (348/2829110) organisiert werden und zwar jeden Donnerstag vom 24. Juni bis 16. September 2010. Treffpunkt ist das Tourismusbüro Mals; die Führung dauert 2,5 Stunden.

Wir beginnen aber mit der Festung Nauders. Sie ist eine Straßensperre und liegt nördlich des Dorfes Nauders auf Nordtiroler, also auf österreichischer Seite und wurde von 1834 bis 1840 unter Kaiser Franz I. und Ferdinand I. an der Passstraße über den Reschen erbaut. Es sollte das Inntal vor möglichen Truppeninvasionen aus der Lombardei und aus dem Engadin schützen. (Zur gleichen Zeit wurde am Eingang zum Pustertal die Franzensfeste erbaut.)

Die fünfgeschossige Befestigungsanlage besteht aus gewaltigen, mit Natursteinen verkleideten Mauern. Der nördliche Anbau ist vierachsig und der südliche dreiachsig. Die unterschiedlichsten Arten und Formen der Geschützscharten und Fenster unterstreichen den fortifikationischen Charakter des Bauwerks. Die Festung Nauders liegt in einer Schlucht „im ausspringenden Radius einer doppelten Kurve“ und galt dadurch als praktisch unangreifbar. Sie war in den Kriegen 1848, 1859, 1866 und das letzte Mal zum Beginn des Krieges gegen Italien 1915 verteidigungsbereit armiert.

Die architektonisch beachtliche Anlage ist heute Museum und kann vom 23.Mai bis 10.Oktober 2010 jeden Mittwoch und Sonntag jeweils um 15 Uhr besichtigt werden. Auskunft Tourismusverein Nauders 0043/5473/87220.

Und nun zu den zahlreichen Bunkern auf Südtiroler Seite, die vor etwa 70 Jahren im faschistischen Italien unter Mussolini gebaut wurden. Insgesamt gibt es in Südtirol etwa 360 mehr oder weniger versteckte Wehranlagen. (Ähnlich ist die Anzahl der Burgen aus dem Mittelalter.) Etwa 70 Bunker – in Eisenbeton gegossen oder aus dem Felsen gemeißelt – sollten hier zwischen Mals und Schleis die Grenze gegen einen Überfall vom Reschen her sichern. Gegen wen? Sicher nicht gegen Österreich, wohl aber gegen den landhungrigen Hitler, der 1938 Österreich annektiert hatte.

Italien grenzte plötzlich direkt an Deutschland – Mussolini bekam es mit der Angst zu tun! Überall wurden neue Grenzanlagen errichtet und befestigt, mit Straßen erschlossen, mit Panzersperren gesichert – am eindrucksvollsten auf Plamort. Über diese kleine, sumpfige Hangebene am Fuße der „Klapoarspitz“ hätten die deutschen Eroberer mit Panzern ins Land eindringen können.

Von Nauders kommend biegt vor dem Reschenpass rechts eine schmale Straße ab, die zum Urlaub-Berghof Tenderes führt. Am beginnenden Berghang liegt eine natürliche Felsgruppe, die teilweise als Bunker ausgebaut wurde. Davor steht eine Wachhütte aus Eisen. Schön verrostet, ein gepanzerter Sarg, wenn es zu Kriegshandlungen gekommen wäre.

Überall gibt es hier aus dem Fels gesprengte Bunkersysteme, die aber so gut getarnt sind, dass sie kaum auffallen. Eine äußerst ungemütliche Erinnerung an das Höhlendasein der Soldaten unter Beton. Makabre Kunstwerke, die nicht wirklich zum Einsatz kamen, als die deutsche Wehrmacht 1943 in Italien einfiel. Deutsche Truppen überschritten die Grenzen, um die Anhänger Mussolinis gegen jenen Truppenteil Italiens zu stützen, der zu den Allierten, also zu den Amerikanern und Engländern übergegangen war. Aber das Kommando des hier zahlreich zusammengezogenen Militärs war unentschieden, auf welcher Seite sie eingreifen sollten; dadurch wurde kaum Widerstand geleistet. Die Bunker kamen also fast überhaupt nicht zum Einsatz.

Eines dieser Bauwerke befand sich in der Nähe der Benediktkirche, auf dem Weg von Mals nach Schleis. Es ist vor wenigen Jahren abgebrochen worden; dadurch entstand ein hochbegehrter Parkplatz für die Besucher des Heiligtums mit den kostbaren Fresken aus karolingischer und gotischer Zeit.

Besucht kann auch ein anderes „Heiligtum“ werden und zwar das Bunkermuseum auf der Töll. An dieser Talenge, also am Ende des Vinschgaus, wo die Etsch steil in das Becken von Meran abfällt, befand sich einst eine Zollstation, worauf der Name Töll hinweist. Wer hier mit dem Auto in Richtung Meran fährt, kann links über den Häusern der Töllsiedlung, mitten in Obstwiesen, einen freistehenden Bunkererkennen. Unter dem abbrechenden Tarnbewurf drohen immer noch gewaltige Schießscharten, die auf die Straße zielen. Besucht werden kann der Kunstbunker des Matthias Schönweger, der auf der orographisch rechten Etschseite in einem Wäldchen nahe der Etschschleuse liegt, nur an wenigen Tagen und zwar am 22. Juni, 20. Juli, 24. August und 14. September 2010, immer von 16 bis 18 Uhr; Auskunft beim Tourismusbüro Partschins 0473/967157.

Dieses Museum bietet Einblick in die Skurrilität militärischen Denkens, in die feuchte „Bewohnbarkeit“, enthält jetzt statt der Waffen historischen Schutt: ausgediente Wecker, Barbiepuppen, Spielautos zu Tausenden, bekümmerte Espressomaschinen. Schulklassen sind begeistert, erfassen blitzschnell den Witz, der sich gegen die Anhäufung falscher Ideale richtet. Spielerischer Umgang mit dem Größenwahn.

Hans Wielander

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Ausstellung Anno ’09

Ein Bergvolk wehrt sich

Nicht das Schwert ist unsre Waffe, nein, das Wort, Licht und Gesetz!“

Anastasius Grün (1831, Spaziergänge eines Wiener Poeten)

Tirol, das Land im Gebirge, hat seit jeher eine wichtige strategische Funktion im Herzen Europas. Deshalb kam es wiederholt unter Druck. Ob der Freiheitskampf 1809 nun taktisch klug oder überhaupt sinnvoll, ob Andreas Hofer dabei strahlender Held oder Bauernopfer war, der Krieg bleibt Fakt – seine Auswirkungen waren verheerend.

Heute ist Hofer wesentlicher Teil der miteinander verbundenen Geschichte aller fünf Landesteile und damit Integrationsfigur für ein modernes Tirol-Verständnis. Denn das Erbe des alten Tirol, das wir auch der Identität stiftenden Figur Hofers verdanken, lebt fort – im Bundesland Tirol, in Südtirol, Trentino (Welschtirol) und in mehreren Gemeinden der Belluneser Dolomiten (Anpezo-Hayden und Buchenstein).

„Ich sehe darin mehr Möglichkeit als Schicksal. Denn auf der Basis unserer geschichtlichen Einheit, des

Reinhold Messner

Schengen-Abkommens im Rahmen der EU als Aufhebung von Grenzen und Überwinden von Kriegsgeschichte, liegt es an uns, in Tirol Lebensqualität und Zukunft zu gestalten. Das heutige Tirol ist nicht mehr das Opfer irgendeiner Niedertracht, sondern die Summe von Menschen verschiedener Sprachen und Kulturen, von Bodenschätzen wie Wasser und Berge sowie unverwechselbaren Landschaftsbildern. Was diesem Tirol an Größe fehlt, gilt es mit Einsatz als das Gemeinsame zu verantworten. Unsere Waffe dabei sei das Wort.“ Reinhold Messner

Anno ’09 – Ein Bergvolk wehrt sich

Anlässlich des Gedenkjahres 200 Jahre Tiroler Freiheitskämpfe erläutert Reinhold Messner in seinem Bergmuseum die Stationen, welche ein Bergvolk, in diesem Fall Tiroler Bauern, dazu gebracht haben, sich gegen die großen bayrischen und napoleonischen Heere zu verteidigen. Bilder von Künstlern jener Zeit, Erinnerungen der Protagonisten, Reliquien aus dem Jahr 1809 und Werke zeitgenössischer Künstler bringen uns die Figur Andreas Hofer und die Tragik der damaligen Ereignisse näher.

Die Ausstellung ist Teil des Rundganges im Messner Mountain Museum Firmian auf Schloss Sigmundskron, und ist vom 1. März bis 15. November 2009 zugänglich.

Ausstellungsdauer: 01.03. – 15.11.2009

Öffnungszeiten: 10.00 – 18.00 Uhr

Montag Ruhetag

Das Projekt

“Messner Mountain Museum”

Mit einem zentralen Museum in Sigmundskron und vier Ablegern, in denen Einzelthemen behandelt werden, schafft Reinhold Messner ein Berg-Museum, das einmalig ist. Als seinen „15. Achttausender“ bezeichnet Messner selbst dieses Projekt. Hier gibt er sein Wissen, seine Erfahrungen und die Geschichten, welche aus den Begegnungen zwischen Mensch und Berg entstehen, an den Besucher weiter.

Das Projekt beinhaltet derzeit vier Museen: MMM Firmian im Schloss Sigmundskron bei Bozen ist das Zentrum des Bergmuseums; MMM Ortles in Sulden widmet sich den Gletschern, dem ewigen Eis; MMM Dolomites, auf dem Monte Rite südlich von Cortina, befasst sich mit dem Thema Fels und dem Alpinismus in den Dolomiten. Für das Jahr 2010 ist die Eröffnung des fünften Bergmuseums geplant:  das MMM Ripa im Schloss Bruneck wird sich mit dem Thema Bergvölker befassen.

Das Museum

„Messner Mountain Museum Firmian“

In den alten Mauern des Schlosses Sigmundskron, ergänzt durch eine moderne Struktur aus Stahl und Glas, schlägt das kreative Herz des gesamten Museumskonzeptes. Der Ausstellungsparcour führt durch Bögen, Aufgänge und Innenhöfe und bietet dem Besucher eine Gesamtvision des Universums Berg. Bilder, Skulpturen, symbolische Gegenstände und Erinnerungen wurden von Reinhold Messner ausgewählt und geben Einblick in die enge Verbindung zwischen Mensch und Berg, die Entstehung von Bergketten, die Beziehung zwischen Religion und Berg, aber auch in die Alpingeschichte und den heutigen Alpintourismus. Zudem beherbergt der Große Saal  jedes Jahr eine Sonderausstellung. Während der Sommermonate wird Schloss Sigmundskron auch Schauplatz für kulturelle Veranstaltungen mit Musik, Tanz und Theater.

Messner Mountain Museum Firmian, Schloss Sigmundskron, Bozen

Tel. +390471 631264

Fax+390471 633884

http://www.messner-mountain-museum.it

MMM Firmian für eine sanfte Mobilität

20’ zu Fuß von Sigmundskron, Wanderweg Nr. 1

25’ mit Fahrrad von Bozen Stadt

30’ Zugfahrt von Meran + 20’ Wanderung

ab Bahnhof Sigmundskron

SALIAMO AL MUSEO!

MMM Firmian per una mobilità sostenibile

20’ a piedi da Ponte Adige, sentiero nr. 1

25’ in bicicletta dal centro di Bolzano

30’ in treno da Merano + 20’ di passeggiata dalla stazione di Ponte Adige




Matsch, Churburg, Marienberg und das Vintschger Museum

Die Vinschgauer sind eine sehr vielschichtige Gesellschaft: Sie haben eine Stadt, einen Abt und einen Grafen – mehr brauchen sie nicht. Die Stadt ist zwar sehr klein, aber alt und geheimnisvoll; auch der Abt Bruno stammt aus dieser Stadt. Die Grafenfamilie besaß einst die halbe Stadt Glurns, mittlerweile ist das

links: viel Renaissance: Kamine, Zinnen und Fresken; rechts: Wasserspeier auf der Churburg

nicht mehr so.

Aber der Graf Johannes Trapp kümmert sich immer noch um seine Leute, also um die Vinschger. Ganz im Gegensatz zu anderen Grafen, die sich nur um sich, um die eigenen Kreise kümmern. Der Graf ist wichtig für die Schludernser Ritterspiele, für die Churburger Wirtschaftsgespräche und natürlich für die Churburg als Museum. Die Vorfahren mussten einst als Vögte das Kloster Marienberg beschützen, deshalb befindet sich dort auch ein Totenschild der Familie. Zum heutigen „sprechenden“ Wappen: Zwei Laufvögel – die Trappen – rote Sparrenbalken auf silbernem Grund und im Herzschild drei blaue Flügel auf Silber, das ererbte Wappen der Vögte von Matsch.

Aber Schluderns hat neben der Churburg auch noch das Vintschger Museum mit einer hervorragenden Dokumentation zur ländlichen Kultur und Wirtschaft. Die Sammlung mit Funden aus der Frühgeschichte wird ständig erweitert.

Hans Wielander




St. Veit auf dem Tartscher Bichl

Der Wanderspaß lässt sich mit einer Zeitreise in die Geschichte fast nirgendwo so gut verbinden, wie in der Ferienregion rund um den „Tartscher Bichl“. Überall trifft man auf Zeugen aus der Vergangenheit. Eine der interessantesten kulturhistorischen Rundwanderungen kann man in Schluderns beim „Vintschger Museum“ am Fuße der Churburg beginnen. Der Weg führt über „Waalwege“ zur prähistorischen Ausgrabungsstätte „Ganglegg“, am „Tartscher Bichl“ nach Mals und ins mittelalterliche Städtchen Glurns.

Der „Bergwaal“ und der „Leitenwaal“ bei Schluderns zählen zu den schönsten des Landes. Die Waale werden teilweise heute noch so genutzt wie vor Hunderten vor Jahren. Sie sind beeindruckende Reste des einst kapillar verzweigten und ausgeklügelten Bewässerungssystems, das einst die Hänge des gesamten Tales durchzog und die Lebensader für die Bauern im niederschlagsarmen Vinschgau darstellte. Der „Waaler“ überwachte den Fluss des Wassers und teilte den einzelnen Fluren das kostbare Nass zu. Am „Bergwaal“ können Wanderer noch heute dem „Waaler“ begegnen, der sich gelegentlich in seiner „Waalerhütte“ aufhält. Ein Steg in der Saldurbach Klamm stellt die Verbindung zum „Leitenwaal“ her, der zur prähistorischen Ausgrabungsstätte „Ganglegg“ führt. Dort geht der „Leitenwaal“ über in den Wanderweg Richtung Tartsch und gibt schon bald den Blick frei auf den„Tartscher Bichl“ mit dem Kirchlein St. Veit. Auf dem mystischen Hügel wurden ebenfalls prähistorische Mauerstücke ausgegraben und Schalensteine lassen darauf schließen, dass die Ur-Vinschger dort ihren Göttern geopfert haben. Auf dem Kultplatz ist die Kirche gebaut, deren Turm in die romanische Zeit weist. Doch so ganz ließen sich die heidnischen Rituale bis heute nicht verdrängen. Beim „Scheibenschlagen“ am ersten Fastensonntag machen es die heutigen Vinschger ihren Urahnen nach und vertreiben den Winter mit glühenden Scheiben, die sie durch die dunkle Nacht schleudern. An der Matscher Straße kann sich der Wanderer entscheiden, ob er den längeren Weg über „Malettes“ nach Mals wählt, oder den kürzeren über den Gehsteig. Der Hauptort des oberen Vinschgaus besticht durch seine Türme, die von einst gelebter christlicher Volksfrömmigkeit zeugen. Zu den Kostbarkeiten zählt die St. Benediktskirche aus karolingischer Zeit. Mals beeindruckt durch seine gepflegten Ansitze und seine verwinkelten Gassenstrukturen. Von Mals aus führt ein Gehsteig in die mittelalterliche Stadt Glurns. Die Armut der Menschen vergangener Jahrhunderte hatte einen positiven Nebeneffekt. Die Stadt ist in ihrer ursprünglichen Form, mit Stadtmauern und Toren erhalten geblieben. Ein Rundgang über den Stadtplatz und durch die malerischen Gassen vermittelt den Besuchern einen hautnahen Eindruck vom Leben im Mittelalter. Und wenn’s heiß ist, finden Sie an den Brunnen und in den Lauben des so genannten „Unterstadtl“ oder am „Mühlbachl“ Abkühlung.

Magdalena Dietl Sapelza

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