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Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

24. Februar 2011 Kommentare aus

Mit den Fisch- und den Kriechtierarten Südtirols in Lebendtierhaltung hat das Nationalparkhaus aquaprad viele Ausstellungsattraktionen zu bieten. Bei einem Besuch können die Kenntnisse zu den zwei Klassen von Wirbeltieren erweitert oder aufgefrischt werden. Unser Schulwissen  über diese Tierklassen ist  meist recht schmal geblieben.

 

Die Gewässerökosysteme als gefährdete Lebensräume

Europa- und weltweit gehören die Wasserlebensräume und Feuchtgebiete zu den sensiblen und gefährdetsten Lebensräumen und Ökosystemen. Als offene Systeme unterliegen sie besonderen Gefährdungen etwa durch Eintrag belastender, ja gar toxischer Stoffe über die Wasserfracht. Das Fischsterben in einem Fluss oder Küstenstreifen ist dann  der auffällige und alarmierende Endpunkt einer Umweltkatastrophe.

Die Sensibilisierung für die empfindlichen Gewässerökosysteme war mit ein Grund, warum wir gemeinsam mit der Gemeinde Prad beim Bau und bei der Einrichtung des Nationalparkhauses aquaprad das Wasser und die Lebensräume am und im Wasser als Ausstellungsobjekte gewählt haben. Die Fische sind dabei  empfindliche Bioindikatoren und Überbringer einer Umweltbotschaft. In den Schau-aquarien haben wir versucht, die verschiedenen Lebensräume in Ausschnitten so naturgetreu als möglich nachzubauen und die Tiere so artgerecht als möglich zu halten.

 

Vom Quellbach zum Niederungssee

Die Gewässer Südtirols sind Süßgewässer. Wir unterscheiden zunächst zwischen Fließgewässern und stehenden Gewässern. Zu den Fließgewässern gehören etwa Quellbäche, Gebirgsbäche und Flüsse. Zu den langsam fließenden Gewässern zählen wir die häufig künstlich angelegten Kanäle und Abflussgräben in den Talsohlenböden. Sie wurden häufig zur Entwässerung landwirtschaftlicher Kulturflächen angelegt. Wegen des hohen Nährstoffeintrages weisen diese Abflussgräben oft einen dichten Pflanzenbewuchs auf. Sie sind Lebensraum für fast ein Dutzend kleiner Fischarten Südtirols, von denen die meisten zu den ganzjährig geschützten Arten gehören. Ein Beispiel für einen solchen Grabenbewohner ist die Elritze oder Pfrille.

Zu den stehenden Gewässern gehören die Seen. Im Gebirgsland Südtirol  können wir zwischen Hochgebirgsseen und Niederungsseen unterscheiden. Die alpinen Hochgebirgsseen weisen kalte Wassertemperaturen auf, sind mehrere Monate des Jahres zugefroren, dunkel und lebensfeindlich, sauerstoffreich, aber nährstoffarm. Nur extrem angepasste Spezialisten unter den heimischen Fischarten überleben unter solchen extremen Lebensraumbedingungen. Zu diesen Arten in Hochgebirgsseen zählt etwa der Seesaibling. In  den Oberläufen der Gebirgsbäche als Beispiel für ein Fließgewässer mit starker Strömung leben der Bachsaibling und die Bachforelle mit einer stromlinienförmigen Körperform, um der Strömung zu trotzen.

Unter den stehenden Gewässern Südtirols ist der Kalterer See der größte und bekannteste. Sein im Sommer warmes, nährstoffreiches, aber gegenüber Gebirgsbächen sauerstoffärmeres Wasser beherbergt die hochrückigen Fischarten wie Karpfen, Karauschen, Brachsen und weitere Arten der Familie der Karpfenartigen. Die Lebensgemeinschaft der Fische im Kalterer See besteht aus 12-15 Arten zwischen Pflanzenfressern und Fleischfressern. Pflanzenfressende Fische ernähren sich von Plankton, Algen, Mikrozoobenthos mit wirbellosen Tieren. Die fleischfressenden Fische sind Raubfische und bilden die oberen Glieder der Nahrungskette.

 

Das Seeaquarium

Im großen Seeaquarium des Nationalparkhauses aquaprad haben wir im Becken mit 170 m³ Wasservolumen diese Lebensgemeinschaft und Nahrungskette von Pflanzenfressern und Fleischfressern nachgebaut. Das Seeaquarium beherbergt Arten wie z.B. die pflanzenfressenden Rotaugen, Rotfedern und  Lauben und die fleischfressenden Arten wir Regenbogenforelle, Flussbarsch, Hecht und Wels. Durch die großen Panoramascheiben können die Fischarten in der ungewohnten Perspektive von der Seite und von unten beobachtet werden. Und eine Beobachtungsstunde im Glastunnel unter Wasser ist bei meditativer Musik beruhigender als jeder Fernsehfilm!

 

Einheimisch und fremd

Die Fischfauna in den Gewässern Südtirols umfasst derzeit 35-37 Arten. Die Zahl der Arten schwankt, weil neue Arten einwandern oder z.B. sich nach ihrer Verwendung als Köderfische in der Sportfischerei vermehren. Ein solches Beispiel ist der Blaubandbärbling, der ursprünglich aus Südostasien stammt und sich inzwischen in den Überetscher Seen angesiedelt hat. Ein nunmehr schon älterer „Fremder“ ist der Sonnenbarsch aus Nordamerika. Er ist ein Fleischfresser. Im Kalterer See haben ihm die Umweltbedingungen dermaßen gut zugesagt, dass er sich stark vermehrt hat. Fremde Arten nennt man in der biologischen Fachsprache allochthone Arten, heimische Arten hingegen autochthone Arten. In der Südtiroler Fischfauna sind über 40 % der Arten allochthone Arten. Die künstliche Einsetzung oder die spontane Einbürgerung fremder Arten können das natürliche Gleichgewicht und die Nahrungskette unter den heimischen Arten nicht nur bei den Fischen empfindlich stören. Aus diesem Grund wird z.B. die Einsetzung von Welsen in Fischgewässern fachlich nicht mehr befürwortet: Welse sind raschwüchsige und langlebige Fleischfresser, welche anderen Gliedern der Nahrungskette die Futtergrundlage entziehen.

 

Drei Fischfamilien in Südtirol

Die meisten rezenten Fischarten in Südtirol können in der zoologischen Systematik drei Familien zugeordnet werden:

• den Forellenartigen oder Salmoniden

• den Karpfenartigen oder Cypriniden

• den Barschen

Die Forellenartigen umfassen die Bach-, Regenbogen-, See- und Marmorierte Forelle, den See- und den Bachsaibling, die Renke und die Äsche. Die Salmoniden sind Fleischfresser. Das morphologische Familienmerkmal ist die Fettflosse: Diese kleine Flosse ist zwischen Rücken- und Schwanzflosse angeordnet. Forellen und Saiblinge haben eine stromlinienförmige Körpergestalt und trotzen mit dieser Form der starken Strömung im Oberlauf von Bächen. Die sauerstoffreichen Gewässer der Gebirgsseen und der Bäche werden in der Fischökologie deswegen auch als „Forellenregion“ oder als Sauerstoffregion bezeichnet. Die Salmoniden sind Kaltwasserlaicher. Im Laichzug schwimmen sie bachaufwärts bis in die ruhigeren Gewässer der Quellbäche und legen ihre Eier in den Wintermonaten zwischen November und Jänner ab. Um den Nachwuchs zu sichern, gilt für die Salmoniden daher eine Schonzeit mit Fischereiverbot bis 15. Februar jeden Jahres.

Die Karpfenartigen hingegen sind Warmwasserbewohner, Pflanzen- oder Allesfresser  und Sommerlaicher. Sie leben in stehenden Gewässern und sind mit ihrer hochrückigen Körpergestalt anstelle der Stromlinienform an den Lebensraum See gut angepasst. Karpfen stellen geringere Ansprüche an die Wasserqualität als Forellen. Die Karpfen überleben auch im trüberen Wasser, das sich im Sommer auf über 20 °C erwärmt, sauerstoffärmer und nährstoffbelasteter ist als der Gebirgsbach.

Barsche wie der Flussbarsch, der Sonnenbarsch, der Forellenbarsch  oder der Zander sind Raubfische im Lebensraum  See und stehen mit dem Hecht am oberen Ende der Nahrungskette.

 

Neue Attraktion

Seit einigen Monaten halten wir im umgestalteten Aqua-Paludarium als zentrales Becken im Nationalparkhaus aquaprad mit den Griechischen Landschildkröten (Emys orbicularis) eine neue Attraktion für unsere Besucher bereit. Die Griechische Landschildkröte ist eine von weltweit ca. 40 Arten von Landschildkröten. Zoologisch gehört sie zu den Kriechtieren als einer der fünf Klassen von Wirbeltieren. Die Griechische Landschildkröte hat ihr natürliches Verbreitungsgebiet in Südeuropa auf dem Balkan (vorwiegend südlich der Donau), in Südfrankreich und auf den Balearen. Auch im österreichischen Nationalpark Donauauen östlich von Wien ist sie  heimisch. Landschildkröten sind meist morgens und abends aktiv. Während der übrigen Zeit des Tages ruhen sie.

Unsere Weibchen und Männchen der Griechischen Landschildkröte haben das künstliche Biotop in aquaprad gut angenommen und wechseln zwischen Schwimmen mit Nahrungsaufnahme und Sonnenbad zwischen Wasser und Land. Als wechselwarme Tiere wärmen sie sich unter der Wärmelampe als künstliche Sonne auf und sie sind schon zu den besonderen Lieblingen der Kinder unter unseren Besuchern geworden.

Weiterhin zu bestaunen: Südtirols Schlangen

Wenn Sie sich  jetzt in den Vorfrühlingstagen zu einer Radtour oder bei Schlechtwettertagen zu einer Eisenbahnfahrt mit der Vinschger Bahn  und etwa als Großeltern mit ihren Enkelkindern zu einem Besuch des Nationalparkhauses aquaprad entscheiden, können Sie weiterhin auch die Schlangenarten Südtirols bestaunen. Auch die Schlangen sind ja Tiere, zu denen wir von der Angst und von der Abscheu zu einer geänderten, neuen Einstellung finden sollten. Nichts ist dazu hilfreicher als ein Mehr an Wissen. Holen Sie es sich in aquaprad. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

 

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Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

10. Februar 2011 Kommentare aus

Verschiedene Vogelschutzorganisationen erwählen alljährlich eine Vogelart zum Vogel des Jahres. Dies geschieht, um z.B. auf den Bedrohungszustand dieser Art und ihr Schutzbedürfnis hinzuweisen, weil aus verschiedenen Gründen der Lebensraum negative Veränderungen erfährt. Der Vogel des  Jahres 2011 ist der Wiedehopf. Dieser Vogelart ist daher der heutige Beitrag gewidmet.

 

Verbreitung

Der Wiedehopf ist ein typischer Bewohner warmer Klimazonen. Als nördliche Verbreitungsgrenze in Europa gilt die Linie Belgien – Mitteldeutschland. In den Mittelmeerländern ist der Wiedehopf weiter verbreitet als im nördlicheren Europa. Der Wiedehopf ist bei uns ein Sommervogel. Als teilweise Langstrecken-Zieher überwintern die europäischen Wiedehopfe im südlichen Afrika, von wo sie Ende April zur Brut wieder nach Süd- und Mitteleuropa zurückkehren. Östliche Populationen der Hopfe überwintern in Indien.

 

Lebensraum

Der Wiedehopf bewohnt vorwiegend Laubmischwälder, bevorzugt Kastanienhaine mit einem reichen Höhlenangebot, aber auch trockene, offene Landschaften wie den Vinschgauer Sonnenberg, aufgelockerte Auwälder, Parklandschaften, Viehweiden, große Obstgärten, Weinberge und mit Vorliebe nicht bewirtschaftetes Ödland.

 

Kennzeichen

Der Wiedehopf ist eine auffallende Vogelgestalt mit exotisch anmutender Gefiederfärbung. Mit 28 cm Körperlänge ist er geringfügig größer als die Amsel, wirkt aber viel auffälliger. Das Körpergefieder ist hell rötlich sandfarben mit markanter schwarz-weißer Bänderung auf Flügeln und Schwanz. Der Schwanz hat eine auffällig breite schwarze Endbinde. Zwei weitere sichere Erkennungszeichen sind die Federhaube als Kopfschmuck und der nach unten gebogene Schnabel. Die Federhaube wird je nach Gemütslage und Laune zusammengefaltet und angelegt oder aufgefächert und aufgestellt getragen. Auch der Flug des Wiedehopfes ist charakteristisch: Durch den langsamen, unregelmäßigen und weit durchgezogenen Flügelschlag wird die Flugbahn wellenförmig mit Steig- und Sinkphasen. Der Flug selbst wirkt weich und schmetterlingsartig. Der Ruf des Wiedehopfes ist ein gedämpftes, dreisilbiges up-up-up, das im wissenschaftlichen Gattungsnamen Upupa wiederkehrt.

 

Nahrung

Der Wiedehopf sucht seine Nahrung vorwiegend am Boden. Das im Titel genannte Hüfen der Hopfe ist ein Schreiten mit meist aufgefächerter Kopfhaube, wobei mit dem Schnabel unermüdlich im Boden nach Nahrung gestochert wird. Die Nahrungssuche erfolgt dabei auf lichten Waldflächen, Ödländern, Garten- und Ackerflächen, gerne auch auf Viehweiden, auf denen der Wiedehopf alte Kuhfladen und anderen Viehdung nach Maden untersucht. Bevorzugte Beutetiere sind Maulwurfsgrillen und Nacktschnecken, aber auch Grillen, Raupen, Larven, Engerlinge, Spinnen, Asseln und Tausendfüßler. Der Bestandesrückgang des „Wildrösslers“, so der bei uns gebräuchliche Dialektname für diese Vogelart, ist auf Klimaschwankungen, mancherorts aber auch auf Intensivierungsprozesse in der Landwirtschaft zurückzuführen.

 

Vorkommen in Südtirol

Aus den Angaben der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde im Vogelatlas Südtirol kann angenommen werden, dass sich der Bestand in Südtirol nach einem Rückgang ab den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts leicht zu erholen scheint. An den Steppenhängen der Vinschgauer Leiten, wo die Nahrung nicht in den Obstkulturen gesucht wurde, blieb der Bestand über die Jahre nahezu konstant. Als Verbreitungsgrenze nach oben kann im westlichen Teil Südtirols in etwa die 900 Meter-Höhenlinie angegeben werden, im östlichen Teil die 800 m-Linie. Die Verbreitungskarte im Südtiroler Vogelatlas zeigt, dass das verhältnismäßig raue Klima des Pustertales größtenteils gemieden wird.

 

Fortpflanzung

Der Wiedehopf ist ein Höhlenbrüter, der sein Nest in Astlöchern, verlassenen Spechthöhlen, Mauer- oder Felsspalten und  Löchern in der Erde oder in Lesesteinhaufen anlegt. In seiner heutigen Wohnraumnot nimmt er auch größere Nistkästen an. Die Eiablage beginnt anfangs Mai. Das Gelege umfasst 5-6 hellgraue Eier. Das Weibchen bebrütet die Eier allein, ohne sich mit dem Männchen abzuwechseln. Die Brutdauer beträgt etwa 17 Tage, die Nestlingszeit weitere 23-25 Tage. Es erfolgt eine Jahresbrut. Nachdem das Weibchen vom ersten Ei an fest brütet, schlüpfen die Jungen gestaffelt und die erstgeschlüpften Jungen entwickeln sich deutlich kräftiger als die „Nachzügler“, welche oft aus der Fütterung verdrängt werden und kümmern.

 

Stinken Hopfe wirklich?

Wiedehopfen wird seit alters her nachgesagt, dass sie stinken! Dies stimmt nur teilweise. Die Jungen in der meist bodennahen Nesthöhle haben im Laufe der Evolution dieser Art verschiedene Abwehrreaktionen entwickelt, welche sich gegen Säugetiere als Nestplünderer bewähren. Zunächst geben die Jungvögel bei Störung ein zischendes Fauchen von sich. Dann drücken sie sich mit dem Vorderkörper auf den Boden der Nesthöhle und richten den Hinterleib zum Höhleneingang auf. Sodann geben sie als nächste Abwehrreaktion den dünnflüssigen Inhalt des Enddarmes ab. Diese Kotspritzer sind aber geruchlos und werden von kleinen Jungen noch ungezielt abgegeben. Mit zunehmendem Alter jedoch kann der Kot ganz gezielt auf den Störenfried gerichtet werden. Zur Nestlingszeit entwickelt sich außerdem die Bürzeldrüse sehr stark. Gleichzeitig mit der gezielten Kotabgabe tritt dann aus der Bürzeldrüse in kleinen Tropfen ein schwarzbraunes Sekret aus, das einen üblen Geruch verbreitet. In dieser Lebensphase stinken Hopfe wirklich. Das brütende und hudernde Weibchen kann zur Verteidigung der Brut gegen Fraßfeinde  ebenfalls dieses übel riechende Sekret aus der Bürzeldrüse abgeben.

Erwachsene Wiedehopfe haben weitere wirksame Möglichkeiten, Fraßfeinden zu entgehen: Der an sich auffallend gezeichnete Vogel legt sich manchmal zum Sonnenbad mit ausgebreiteten Flügeln und aufgefächertem Schwanz auf den Boden. Dabei verschmilzt er farblich förmlich mit den Farben der Umgebung. In der Fachsprache nennt man diese Art der Tarnung „Somatolyse“. Es werden gewissermaßen die Körperkonturen aufgelöst. Die wörtliche Übersetzung des lateinischen Begriffes bedeutet ja auch „Körperauflösung“.

 

 

Bildernachweis: Internet (2), Andrea Buffa (1), Archiv Nationalpark Stilfserjoch (1).

 

 

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Von Uhu, Kauz und offenen Türen

18. November 2010 Kommentare aus

v.l.: Gastgeberin Ilona Ortler, Bernardo Pedroni mit Ehefrau Luisa

Zahlreiche Besucher gaben sich am 24. Oktober anlässlich des Tags der offenen Tür im Nationalparkhaus von Trafoi die Ehre. Allein die aktuellen Ausstellungen „Eulen und Käuze“ und „Leben an der Grenze“ wären allein für sich schon einen Besuch wert. Diesmal wartete „naturatrafoi“ jedoch mit einer Steigerung auf: Einerseits konnte eine geführte Besichtigung der gesamten Ausstellung in Anspruch genommen werden, andererseits durften seltene Exemplare der Gattung Uhu und Waldkauz „in vivo“ erlebt und von den Couragiertesten sogar berührt werden. Dieser unüblich enge Kontakt mit den ansonst äußerst scheuen Jägern der Nacht war vor allem für die vielen kleinen Besucher ein besonders fesselndes Highlight. Gastgeberin und Parkhausleiterin Ilona Ortler war es gelungen, ganz spezielle Gäste für diesen Tag zu gewinnen: den Naturforscher und Biologen Bernardo Pedroni mit Frau Luisa, welche eigens für diesen Zweck zahmere Mitglieder der Gattung Uhu und Waldkauz aus dem Naturpark der Veltliner Oroben mitgebracht hatten. Im Laufe des unterhaltsamen Nachmittags hielt Pedroni einen überaus interessanten Diavortrag, welcher die wissbegierigen Zuhörer kompetent in die faszinierende und spannende Welt unserer Alpenfauna entführte. Draußen erlebte währenddessen das prickelnde Frischluft-Sausen mit der Bergrettung Trafoi regen Zustrom durch kleine, mutige Besucher. Fürs leibliche Wohl aller sorgten die Frauen der Pfarrgemeinde und rundeten dieses Event gekonnt lecker ab. (re)

 

 

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Nationalpark Stilfersjoch Im Vinschgerwind

7. Oktober 2010 Kommentare aus

Bei einem Besuch am Stallwieshof  in Martell im heurigen  Sommer hat mir Eduard Stricker, Bauer und Gastwirt am Stallwieshof am Marteller Waldberg, die Frage gestellt, wo denn wohl die im Martelltal freigelassenen Bartgeier verblieben. Auch mancher seiner Gäste würde sich dafür interessieren. Im heutigen Beitrag möchte ich daher versuchen,  einen zusammenfassenden Überblick über den Verbleib der Marteller Geier zu geben. Die verwendeten Angaben stammen vom IBM, dem Internationalen Bartgeier Monitoring, an welchem unser Nationalpark beteiligt ist und welches von Richard Zink im tirolischen Anteil des  Nationalparks Hohe Tauern koordiniert wird.

Elf Bartgeier freigelassen

In den Jahren 2000 -2008 wurden im Marteller Schludertal in 5 Aktionen insgesamt 11 junge, in Zuchtstationen erbrütete und noch nicht flügge Bartgeier in einer künstlichen Horstnische  freigesetzt. Die Freilassungen erfolgten in den geraden Jahren 2000 (2 Bartgeier), 2002 (2), 2004 (2), 2006 (3) und 2008 (2). 7 von den 11 Junggeiern waren Weibchen, 4 dagegen Männchen. Nach unserem derzeitigen Wissenstand haben 9 Tiere überlebt, 2 sind gestorben.

Im Jahr der jeweiligen Freilassung sind die Junggeier nach dem Ausfliegen aus dem Kunsthorst bis in die Herbstwochen noch relativ oft in das Marteller Schludertal als den Ort ihrer Freilassung zurückgekehrt. Längst aber sind die Marteller Geier alpenweit unterwegs. Manche von ihnen haben sich nach der Geschlechtsreife mit Geiern von anderen Freilassungsorten oder aus Naturbruten verpaart und erfolgreich  Junge aufgezogen.

Nachfolgend also die „Kurzbiographien“ der Marteller Bartgeier nach Freilassungsjahren:

2000: Interreg und Retia

Der Vogel „Interreg“ ist ein Männchen, das im Zoo von Prag am 28. Februar 2000 geschlüpft und am 3. Juni des gleichen Jahres in Martell freigelassen wurde. David Jenny hat den Vogel im März 2009 im Flugfoto porträtiert und an den Fußringen sind Vogel und Name zuordenbar.

„Retia“ ist ein Weibchen, das am 3. März 2000 in der Zuchtstation Haringsee bei Wien geboren wurde. Dieses Weibchen ist seit der Geschlechtsreife mit dem Männchen „Livigno“ verpaart und brütet seit dem Jahr 2007 erfolgreich im Territorium Ofenpass. Mehrere Jungvögel dieses Paares sind schon ausgeflogen.  Am  31. Juli 2009 ist David Jenny ein Porträtfoto von „Retia“ im Flug gelungen. Bekanntlich werden Bartgeier erst im 5-7 Lebensjahr geschlechtsreif. Sie sind Winterbrüter, legen zwei Eier je Brut, aber nur ein Jungtier wird aufgezogen.

2002: Stift und Martell

Der Bartgeier „Stift“ ist ebenfalls weiblichen Geschlechts. Er wurde am 2. März 2002 in Haringsee geboren und am 1. Juni 2002 im Marteller Kunsthorst freigesetzt. Am 12. Oktober 2008 ist in Ramosch im Unterengadin eine Feder gefunden worden, welche nach der genetischen Analyse diesem Geier zugeordnet werden kann.

„Martell“ ist eine Bartgeierdame, welche am 8. März im Schweizer Tierpark Goldau aus dem Ei geschlüpft und am 1. Juni 2002 in Martell freigelassen worden ist. Dieses Tier ist inzwischen ebenfalls verpaart und bildet mit seinem Partner das Paar im Territorium Tantermozza in der Schweiz. Seit 2008 brütet das Paar erfolgreich.

2004: Culan und Ortler

„Culan“ ist ein Männchen, geboren am 28. Feburar 2004 im französischen Zoo von La Garenne und freigelassen am 5. Juni des gleichen Jahres in Martell. Das Tier wurde am 7. April 2005 im Matscher Tal tot aufgefunden. Es war zum Zeitpunkt des Auffindens bereits ziemlich stark verwest. Verschüttung durch Lawinen und Verbrennungen durch Kollision mit  Elektroleitungen konnten als Todesursachen noch ausgeschlossen werden.

„Ortler 1804“, so benannt weil sich im Freilassungsjahr 2004 die Erstbesteigung des Ortlers zum 200. Mal jährte, ist ein Weibchen, das am 29. Februar 2004 in der Aufzuchtstation Cria Guadalentin in Spanien geboren worden ist. Nach seiner Freilassung am 5. Juni ist der Vogel am 28. Juni 2004 aus dem Marteller Kunsthorst ausgeflogen. Die letzte sichere Zuordnung der Identität von „Ortler 1804“ ist im Oktober 2006 im französischen Nationalpark La Vanoise geglückt.

Wenn die Bartgeier nach ca. drei Jahren ihre Flügel- und Schwanzfedern des Jugendgefieders wechseln, welche zu ihrer individuellen Erkennung vor der Freilassung durch Bleichung markiert worden sind, ist eine individuelle Identifikation des Vogels  im Flugbild nicht mehr möglich, außer es sind die Fußringe erkennbar. Das Fehlen von sicheren Beobachtungen bedeutet aber nicht, dass der Vogel nicht mehr am Leben ist.

2006: Temperatio, Voltoi

und Zufall

„Temperatio“ ist ein Bartgeierweibchen, das am 28. Februar 2006 in der Zuchtsstation Haringsee geschlüpft und am 27. Mai des gleichen Jahres gemeinsam  mit den zwei Bartgeiern Voltoi und Zufall in die Marteller Horstnische gesetzt wurde. Am 9. Juli 2006, relativ spät, ist der Vogel flügge geworden. Zwei Jahre später ist er am 6. Oktober 2008 noch einmal in die Nähe der Horstnische in das Marteller Schludertal zurückgekehrt. Es war dies die letzte sichere Zuordnung von Vogel und Namen.

„Voltoi“ ist der ladinische Name für die Geier (italienisch: „Avoltoi“). Dieses Bartgeierweibchen wurde 2006 in der Zuchtstation Haringsee erbrütet. Von diesem Vogel sind keine rezenten Beobachtungen zu vermelden.

Der Name „Zufall“ für den dritten 2006-er Vogel hat eine Doppelbedeutung: Als Name steht er für die Marteller Bergspitze. Und nur zufällig ist der Vogel nach Martell gekommen: Er war für eine Freilassung in Frankreich vorgesehen, durfte aber wegen der Präventionsmaßnahmen zur Vogelgrippe nicht nach Frankreich einreisen. Die letzte sichere Beobachtung des Weibchens „Zufall“ gelang im Mai 2008 in Madulain im schweizerischen Oberengadin. Den Satellitensender hat der Bartgeier inzwischen verloren.

2008 Haristraufu und Ikarus

Das Männchen „Haristraufu“ ist am 26. Februar 2008 in Haringsee geschlüpft, am 7. Juni in der Horstnische in Martell freigelassen worden und am 26. Juni des gleichen Jahres ausgeflogen. Aus neuerer Zeit gibt es von dem Tier keine zuordenbaren Sichtbeobachtungen.

Auch „Ikarus“ war ein Männchen. Der Vogel ist am 5. März 2008 im Zoo von Hannover geschlüpft und am 19. Dezember 2009 in der Zucht- und Pflegestation Haringsee gestorben. Zwischen diesen zwei Daten liegt eine bewegte Geschichte: Erste Freilassung als noch flugunfähiger Jungvogel im Marteller Horst am 19. Juni 2008. Am 28. Juni 2008 ist der Junggeier flügge, am 19. Dezember 2008 wird der Bartgeier auf verschneiten Hausdächern im hinteren Rabbital von Trentiner Parkförstern gesichtet und wieder eingefangen. Das Tier zeigt Lähmungserscheinungen. Nach einer Erstversorgung am Vogelpflegezentrum der LIPU (Lega Italiana Protezione Uccelli) in Trient wird der Vogel in das Zucht- und Pflegezentrum Haringsee überstellt. Dort wird aus den Blutanalysen eine Bleivergiftung diagnostiziert. Das Blei stammt offenbar aus der Aufnahme von Nahrung aus Resten von geschossenen Wildtieren mit Bleirückständen. Nach der Pflege in Wien wird der wieder flugfähige und mit einem neuen Satellitensender bestückte Vogel am 20. Juni 2009 an der Furkelhütte am Kleinboden in Trafoi ein zweites Mal in die Freiheit entlassen. In den Folgemonaten wird der Vogel mehrfach in  der Zentralschweiz geortet, wo er dann am 10. November wieder entkräftet am Boden aufgefunden wird. Trotz intensiver Bemühungen zu seiner Pflege zuerst im Schweizer Tierpark Goldau, dann in Haringsee verendet Ikarus am 19. Dezember 2009 in seinem 2. Lebensjahr. Todesursache: Eine Infektion an Leber und Nieren.

Ein Zwischenstand

Im Rahmen des Wiederansiedlungsprojektes „Die Rückkehr des Bartgeiers in die Alpen“ wurden zwischen den Jahren 1986 und 2010 insgesamt 175  Junggeier aus Volierenzuchten freigelassen. Der westlichste  Ort der Freilassungen waren dabei die französischen Seealpen, der östlichste der Kärntner Anteil des Nationalparks Hohe Tauern. Bisher haben sich im Alpenbogen 17 Brutpaare gebildet. Aus den Zählungen, welche seit mehreren Jahren alpenweit gleichzeitig an einem festgelegten Zähltag im Herbst erfolgen, wird die Bartgeierpopulation in den Alpen heute auf 135-140 Individuen geschätzt. Neben den Seealpen im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien sind die Täler rund um das Stilfserjoch und im Engadin ein Kernzone für Bruterfolge der Bartgeier in den Alpen geworden: In den Zentralalpen haben sich 6 Brutpaare etabliert, drei davon im lombardischen Anteil des  Nationalparks  Stilfserjoch.  Und  diese 6 Paare haben seit 1998 30 Jungvögel erfolgreich aufgezogen.

Ein Blick über die Alpen

hinaus

Nach seiner Ausrottung in den Alpen im Jahre 1930 hat der Bartgeier in Europa  in den spanischen Pyrenäen, auf der Insel Korsika und auf dem Balkan überlebt. In der Ausgabe Nr. 44 vom April 2010 der Fachzeitschrift „Ficedula“, welche in der italienischen Schweiz erscheint, gibt Enrico Bassi folgende Bestandszahlen an: 133 Brutpaare von Bartgeiern in den Pyrenäen, 10 auf Korsika, 6 auf Kreta und 17 poten-tielle Brutpaaren für die Alpen.

Wie aus den Biographien der   „Marteller Auswanderer“ zu erkennen ist, braucht die Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen seine Zeit. Weil  die Geschlechtsreife erst nach 5-7 Jahren eintritt, der Bruterfolg etwa durch Eisbildung im Horst gefährdet ist und Junggeier bereits vor ihrer Fortpflanzungsfähigkeit zu Tode kommen, ist der Bestand von ca. 140 Bartgeiern alpenweit  noch keine endgültige Garantie für die dauerhafte Wiederbesiedlung der Alpen durch diese attraktive Vogelart, obwohl das Wiederansiedlungsprojekt einen guten Verlauf genommen hat.  Die Fortsetzung des extensiven Monitorings und der Schutzmaßnahmen macht also durchaus Sinn.

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Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

23. September 2010 Kommentare aus

Im Juli dieses Jahres ist im hinteren Ultental  ein

Wolf aufgetreten. Auf der Londai-A

lm, an der orographisch rechten Seite zwischen St. Nikolaus und St. Gertraud gelegen, hat der Wolf gealpte  Haustiere  gerissen. Der Wolf konnte auch fotografiert werden. Die Herkunft dieses ersten Wander- oder Streifwolfes seit fast 100 Jahren in Südtirol ist derzeit noch nicht bekannt. Gerüchte, dass in Ulten ein Wolfrudel unterwegs sei, stimmen nicht.

Das Auftreten des Wolfes in Hinterulten nehme ich zum Anlass, um eine sachliche Information über die spontane Rückkehr des Wolfes in die Alpen zu versuchen.

Vom Apennin in die Alpen

In den Apenninen hat der Wolf überlebt. Jetzt kommt er von Westen in die Zentralalpen zurück. Es

handelt sich um eine spontane Rückkehr und nicht um ein künstliches Wiederansiedlungsprojekt. Die Italien-Wölfe (Canis lupus italicus) haben aus dem mittleren Apennin zuerst den gesamten tosko-emilianischen und ligurischen Apennin und im Jahre 1992 die See-Alpen der italienischen und französischen Südabdachung wiederbesiedelt. Im Piemont ist der Wolf ab 1995 wieder aufgetreten. Es ist absehbar, dass Wölfe aus dem Westen die Zentralalpen durchdringen und bis zu den Wolfpopulationen Sloweniens und des Balkans vorstoßen. In den Alpen war der Wolf um das Jahr 1930 ausgestorben, als die letzten Exemplare in Piemont abgeschossen worden waren. Die italienischen Wölfe sind mit einem Maximalgewicht von 40 kg kleiner als die Wölfe im hohen Norden, wo sie 80 kg Körpergewicht erreichen und Tiere bis zur Größe von Elchen jagen.

Eine anpassungsfähige Art

In seiner zoologischen Einordnung gehört der Wolf zur Familie der Hundeartigen (Canidae). Prof. Luigi Boitani ist Zoologe an der römischen Universität La Sapienza und gilt in Italien und europaweit als einer der führenden Wolf-Experten. Prof. Boitani charakterisiert den Wolf in seinen Lebensraumansprüchen so: „Der Wolf hat beachtliche Fähigkeiten, sich zu vermehren und große Distanzen zurückzulegen: Wenn ein Wolf etwa zwei Jahre alt ist, verlässt er seine Stammfamilie und macht sich auf die Suche nach einem neuen Partner und einem neuen Territorium. Bei dieser Gelegenheit ist es normal, dass er innert weniger Tage mehr als hundert Kilomet

er zurücklegt. Außerdem findet der Wolf an verschiedensten Orten Nahrung. Sicher sind große Huftiere wie Hirsche, Rehe, Gämsen oder auch Wildschweine seine bevorzugte Beute, aber er kann auch mit Abfällen, Nagetieren oder anderer kleiner Beute überleben.“

Vorprogrammierte Konflikte

Der große Beutegreifer Wolf ist also eine sehr anpassungsfähige Art. In der Regel jagt er im Rudel. Wo sich die Gelegenheit ergibt, greift er auch Haustiere an. Schäden für die lokale Landwirtschaft entstehen vor allem im Sommer durch die Tötung von gealpten Weidetieren. Dies ist der schwierigste Punkt für die Erhaltung des Wolfes. In ländlichen Räumen, wo der Haltung von Rindern, Ziegen und Schafen und der Almwirtschaft eine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung zukommt, bringt die Rückkehr des Wolfes Probleme mit sich, die nicht einfach zu lösen sind.

Der Gefährdungsgrad

Der Wolf ist weltweit betrachtet nicht vom Aussterben bedroht. In Kanada, Alaska und anderen Teilen Nordamerikas sowie in weiten Teilen Asiens gibt es Tausende von Wölfen. Die Art Canis lupus hatte in geschichtlichen Zeiträumen das größte natürliche Verbreitungsgebiet, das eine Säugetierart auf der Welt je besetzte: Es reichte über drei Kontinente, über ganz Europa von der Arktis bis nach Nordafrika, in Asien von Sibirien bis Indien, und in Amerika von den nördlichen Polargebieten bis Mittelamerika.

Bestandeszahlen

Für das Ende der 1990-er Jahre gibt L. Boitani den Bestand der Wölfe im nördlichen und mittleren Apennin mit rund 500 Tieren an. Für die Schweiz wurden im Jahre 2009 12 Individuen genetisch nachgewiesen, darunter 2 Weibchen.  Die Anwesenheit von weiteren 5-6 Wölfen in der Schweiz ist wahrscheinlich. 7 Wölfe wurden bisher in der Schweiz nach behördlicher Genehmigung legal abgeschossen, 3 Fälle von Wilderei sind amtlich dokumentiert.

In jenem Teil des westlichen Alpenbogens, der sich vom Mittelmeer bis zum Genfer See erstreckt, leben derzeit etwa 70 Wölfe in Italien in 15-17 Familien und 140-160 Wölfe in bekannten 19 Rudeln in Frankreich.

Die Wölfe der Lausitz in den deutschen Bundesländern Sachsen und Brandenburg stammen aus Polen und gehören nicht zur Unterart Canis lupus italicus. Der Bestand der Wölfe in Deutschland wird derzeit mit 50 Tieren angegeben.

Der Wolfbestand in Europa wird auf 20.000 Tiere geschätzt.

Rechtlicher Schutzstatus

Der Wolf genießt durch nationales, europäisches und internationales Recht einen sehr strengen Schutz. Das italienische Jagdrahmengesetz Nr. 157 aus dem Jahre 1992 sieht für die illegale  Tötung eines Wolfes eine Strafe bis 2.065 Ä oder Haft bis zu 8 Monaten vor. Der Berner Konvention zum Artenschutz von 1979 ist Italien mit Gesetz Nr. 503/1981 beigetreten. Im Weiteren  ist der Wolf durch die Habitat-Richtlinie 92/43 der Europäischen Gemeinschaft geschützt sowie international durch die C.I.T.E.S.-Bestimmung

en und die Rote Liste der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (I.U.C.N.).

Störung, Fang, Erlegen, Besitz, Halten, Transport und Vermarktung von – aus freier Wildbahn entnommenen- Wölfen sind untersagt. Ausnahmen dazu kann in Italien, nach Anhören des nationalen wildbiologischen Institutes I.S.P.R.A. nur der Umweltminister erteilen. Die Kompetenz, Wölfe etwa als Schadwölfe zu klassifizieren und  zu fangen oder abzuschießen, liegt nach derzeit gültiger  Gesetzesnorm also beim Umweltminister in Rom, nicht beim Landeshauptmann in Bozen.

Wolf-Report

Piemont 1999-2010

Wie bereits weiter oben gesagt, ist der Wolf Mitte der 1990-er Jahre in das Gebiet der Region Piemont zurückgekehrt. Im Winter 2008/09 gab es Wölfe in den drei piemontesischen Provinzen Cuneo, Turin und Alessandria.

Seit der Bildung der ersten Wolfrudel in Piemont  hat die Regionalverwaltung einen Stab von Naturwissenschaftlern, Veterinärmedizinern und anderen Technikern eingerichtet. Das Team ist für das Wolf-Monitoring zuständig. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe  beobachtet, forscht, dokumentiert, informiert, hält Kontakte zu den Viehhaltern, berät zu Vorbeugemaßnahmen zur Schadensverhütung und erhebt und vergütet aufgetretene Schäden an Haustieren. Seit einigen Jahren erscheint in der Region Piemont ein amtlicher Wolf-Report.

Der 130-seitige Wolf-Report Piemont 1999-2010 fasst neben Themen zur Biolgie und Ökologie des Wolfes  10 Jahre Erfahrung in der schwierigen Koexistenz zwischen Viehhaltern und Wolf zusammen. Der piemontesische  Report  gilt derzeit als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Informationsquellen über den Wolf im Alpenraum. Er gibt Aufschluss zu Status, Verteilung, Ausbreitungstendenz des Wolfes, weiters  zu seiner Ernährungsökologie, zu den Schadensrissen von Haustieren und zu möglichen Vorbeugemaßnahmen. Im Rahmen des hier verfügbaren Platzes fasse ich ein paar Kernaussagen  aus diesem  Bericht zusammen:

• Je nach Territorium des jeweiligen Wolfsrudels bilden Rehe, Wildschweine, Gämsen und Hirsche die Hauptnahrung der piemontesischen Wölfe. Während der Almsömmerung reißen die Wölfe auch Haustiere. Im Jahre 2009 ist es in den 3 Provinzen Cuneo, Turin und Alessandria zu 117 Wolfsattacken mit 293 Rissen von Haustieren gekommen. 85 % der getöteten Haustiere waren Schafe und Ziegen, 15 % Rinder und hier vorwiegend frische Kälber von Mutterkühen, welche im Freien  auf der Alm abgekalbt haben.

Die gerissenen Haustiere sollen in das Verhältnis der gealpten Tiere gesetzt werden: Auf 2.100 bestoßenen Almen wurden in Piemont insgesamt 93.500 Rinder und 113.000 Schafe und Ziegen gealpt. Die Alpungszahlen beziehen sich auf das Jahr 2008 und  stammen vom Veterinärmedizinischen Dienst der Region.

Interessehalber sei  wiedergegeben, dass zur Abgeltung der Haustier-Risse durch Wölfe in Piemont im Jahre 2009 69.145 Ä aufgewendet wurden.

• Das Verhältnis zwischen viehhaltenden Landwirten und Wolf ist in jenen  Gebieten, in welche der Wolf neu zugewandert ist, konfliktbeladener als in den Gebieten, in die der Wolf schon seit Längerem zurückgekehrt ist.

• Nach 15 Jahren Wolfpräsenz in Piemont zeigt sich, dass die Anzahl der gealpten Weidetiere im Bewertungszeitraum 1998-2008 nicht rückläufig ist.

• Auf jenen Almen, wo Herdenschutzmaßnahmen gesetzt werden, sind Wolfattacken auf Haustiere fast völlig ausgeblieben.

Herdenschutzmaßnahmen sind:

– die Behirtung der Alm mit dauernder Anwesenheit des Hirten,

– der Einsatz von Schutzhunden (vorwiegend der Rasse Pastori maremmani abruzzesi),

– die nächtliche Koppelhaltung der Weidetiere in Elektroschutzzäunen.

• Zur Abdeckung der Mehrkosten zum Herdenschutz durch Behirtung und den Einsatz von Schutzhunden schüttet die Region eine erhöhte Alpungsprämie aus, welche nach einem Kriterienkatalog mit Punktesystem zuerkannt wird.

Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

12. August 2010 Kommentare aus

Im Zeitraum zwischen dem 5. und 17. Juni war im Vinschgau wieder ein Braunbär unterwegs. Das Tier hat Spuren hinterlassen an den Vorhöfen in Morter  und im Martelltal, weiters  auf der Tschenglser Alm, in Außersulden und in Trafoi. Am 17. Juni ist der Bär beim Übergang in das Münstertal am Umbrailpass von Graubündner Kantonspolizisten gesehen worden. In der Folge ist der Bär über Zernez weitergewandert  bis in das Unterengadin bei Tarasp. Aus dem Vinschgauer Gebiet des Nationalparks Stilfserjoch sind uns 7 Risse von Schafen gemeldet worden. Auf der Alp Plavna im Unterengadin hat der Bär in der zweiten Junidekade laut Angaben in Schweizer Medien  weitere drei Schafe gerissen.

Zwischen dem 25. und 27. Juni hat ein Braunbär Bienenvölker an der Auffahrt zur Glurnser Alm, am Prader Berg und im Tschenglser Tal zerstört, um sich Honig und Bienenbrut als Nahrung zu erschließen.

An verschiedenen Orten konnten die Förster im Aufsichtsdienst des Nationalparks Haarproben von Bären sicherstellen. Diese Proben wurden zur DNA-Analyse an das Institut für Umweltforschung in Bologna geschickt.

Genetische Identifikation

Am 2. August d. J. ist die  genetischen Untersuchung  der Haarproben abgeschlossen worden: Beim Braunbären, welcher im Juni dieses Jahres im Vinschgau war, handelt es sich um einen männlichen Jungbären, der als M2 bezeichnet wird und aus einem Wurf der Bärin Daniza  aus dem Jahre 2008 stammt. Das Weibchen Daniza ist ein slowenischer Bär aus der Population der Brentabären im Trentino. Nach dem Abschluss der genetischen Analysen kann nunmehr mit Sicherheit festgestellt werden, dass es sich im Falle der Schafrisse und der Zerstörung von Bienenvölkern im Juni d. J. im Vinschgau um ein und denselben Bären handelt. Der Bär ist somit  von seiner Wanderung in das Unterengadin Ende Juni wieder in den Vinschgau zurückgekehrt.

Aktuelle Meldung

Die bis zum Redaktionsschluss dieser Zeitungsnummer letzte Meldung lautet, dass am Abend des 2. August ein Braunbär am Tarscher See gesichtet und beobachtet worden ist. Aus den letzten  7-8 Tagen vor diesem Datum stammen Meldungen von 3-4 Schafrissen in der Gegend oberhalb der Latscher Alm. Unser Mitarbeiter Andrea Buffa von  der Parkstation Laas fungiert als Koordinator zwischen allen vier Aufsichtsstationen  sammelt alle Daten und Beobachtungen  zum Braunbären und den großen Beutegreifern  im Südtiroler Anteil des Nationalparks Stilfserjoch.

Der 3. Trentiner Bärenreport

Der Wiederauftritt des Braunbären im Vinschgau nach den Jahren 2005 und 2007 ist mir Anlass, die wesentlichen Inhalte und Angaben aus dem 3. Trentiner Bärenreport auf diesen Zeitungsseiten zusammenzufassen. Die herumwandernden Bären sind junge Männchen aus der Trentiner Population in der Brentagruppe. Ziel ist, den Leserinnen und Lesern eine sachliche Information zur  Entwicklung der Trentiner Bärenpopulation zu geben.  Der  Report wird vom Amt für die Wildtierfauna in der Trentiner Landesverwaltung herausgegeben. Im Jänner dieses Jahres ist der 3. Bericht veröffentlicht worden, der sich auf das Jahr 2009 und die Jahre davor bezieht.

Die Trentiner Bärenpopulation

Im Jahre 2009 wurden im Trentino 25 Braunbären genetisch erfasst, davon 13 Männchen und 12 Weibchen. Das Kerngebiet der Bärenpopulation ist die Brenta-Gruppe und der Gebirgsstock  der Presanella im westlichen Trentino. Im Berichtsjahr waren im Trentino 2 Würfe mit insgesamt 3 Jungen zu verzeichnen. Im Jahre 2002 waren die ersten Jungen von eingesetzten Bären aus Slowenien geboren worden. Im Zeitraum 2002-2009 sind somit mindestens 18 Würfe bekannt geworden mit mindestens 38 Jungen (21 Männchen, 17 Weibchen). Die mittlere Wurfgröße liegt bei 2,11 Jungen.

Die „theoretische“ Größe der Brenta-Bärenpopulation liegt bei 48 Individuen. Davon konnten im Jahre 2009, wie oben dargestellt, 25 genetisch erfasst werden, 5 Bären konnten 2009 nicht erfasst werden und 18 Tiere werden als fehlend geführt. Als „fehlende“ Bären sind jene definiert, welche tot aufgefunden, erschossen, in die Haltung im Gehege zurückgeführt oder in den letzten 2 Jahren nicht mehr erfasst wurden.

Die toten Bären im Zeitraum 2002-2009 sind insgesamt 7: Drei sind eines natürlichen Todes gestorben, einer nach einem Autounfall, zwei wurden mit behördlichen Erlässen als „Problembären“ eingestuft und in der Folge   abgeschossen (JJ1 „Bruno“ 2005 in Bayern und JJ3 „Lumpatz“ 2007 in Graubünden), ein Bär ist nach der Narkotisierung zur Ausstattung mit einem Senderhalsband im Toblino-See ertrunken.

Bildernachweis: Naturpark Adamello-Brenta (Marincic, 2), Österreichische Bärenanwaltschaft (2)

Zur Raumnutzung

Von den 25 im Jahre 2009 genetisch identifizierten Braunbären sind 22 innerhalb der Trentiner Landesgrenzen verblieben. Außerhalb der Trentiner Landesgrenzen waren 2009 mit Sicherheit 5 Bären feststellbar. Mit dem Bärenmännchen M5 war im Jahre 2009 erstmals ein Braunbär aus dem Osten (vermutlich Slowenien) eingewandert, das nicht aus dem Trentiner Aussiedlungsprojekt Life Ursus 1999 stammt. Dieser Bär ist in der Gegend des Primiero im östlichen Trentino gefangen, besendert, in seinem genetischen Code bestimmt und an Ort und Stelle wieder freigelassen worden.

Zur Ausbreitung

Im Zeitraum 2005-2009 haben insgesamt 9 männliche Jungbären das Stammgebiet der Brentagruppe verlassen, 5 davon sind noch am Leben.

Die Bärenweibchen, Junge führend und ohne Jungen, halten sich nach wie vor in einem Kerngebiet von 955 km² zwischen Sulzberg, Nonsberg, Brenta, Presanella, Judikarien und Gardasee im westlichen Trentino auf. Das Streungebiet der (jungen) Männchen umfasst mit 18.238 km² die 20-fache Fläche des Areals, welches die Weibchen besetzen. Die äußersten Punkte des Polygons, welches das Areal der Männchen umgrenzt, liegen: im Westen zwischen den Bergamasker Alpen im Süden und dem Ötztal im Norden, im Osten zwischen den Voralpen um Vicenza und den Belluneser Dolomiten und dem Tauernkamm im Norden.

Gefahr für den Menschen?

Zur häufig gestellten Frage, ob der Bär für den Menschen gefährlich ist, wurden im Trentino seit dem Jahre 2007 256 Begegnungen zwischen Menschen und Bären ausgewertet. In 60 % des Aufeinandertreffens hat sich der Bär schnell vom Menschen entfernt, in 36 % der Fälle ist der Bär an der Stelle verweilt, weil er Junge geführt oder den Menschen nicht wahrgenommen hat. Sobald der Bär den Menschen wahrgenommen hat, hat er sich in 78 % der Fälle ebenfalls entfernt. In keinem Fall ist es zu einem Angriff des Bären auf den Menschen gekommen.

Aus der Fachliteratur für ein weites geo-graphisches Gebiet sind zu den Begegnungen zwischen Bären und Menschen folgende Angaben bekannt: Die wenigen bekannten Angriffe von Braunbären auf Menschen sind Verteidigungsangriffe, nicht Beuteangriffe. In den letzten 150  Jahren sind in Italien weder aus den Alpen noch aus dem Apennin Angriffe von Bären auf den Menschen dokumentiert.  In den skandinavischen Ländern wurde eine umfassende Studie zur Gefährlichkeit des Bären für den Menschen geführt. Aus Schweden ist die letzte Tötung eines Menschen durch einen Bären über Hundert Jahre zurückliegend, als ein verletzter Bär einen Jäger angegriffen hatte. Die Bärenpopulation in Schweden zählt heute ca. 2.000 Tiere. In Norwegen fällt die letzte Tötung eines Menschen durch einen Bären in das Jahr 1906, als ein Hirte den Bären über seiner Beute überrascht hat. Auch in Russland wurde eine spezifische Studie erstellt: In 704 dokumentierten Fällen von Nahbegegnungen zwischen Menschen und Bären ist es nie zu einem Bärenangriff und zu Verletzungen gekommen. In Österreich ist nach der Einsetzung von slowenischen Braunbären ebenfalls eine Auswertung der Begegnungen Mensch – Bär erfolgt: Zwischen den Jahren 1989 und 1996 waren 516 Begegnungen zu registrieren, in keinem Fall ist ein Mensch zu Schaden gekommen. Grundsätzlich scheut der Bär den Menschen.

Da der Braunbär ein Tier ist, das sich vor allem mit der Nase und den Ohren orientiert, kann folgende Verhaltensregel empfohlen werden: Wer einem Bären begegnet, sollte sprechen, um sich für den Bären bemerkbar zu machen.

Auf Tuchfühlung mit den Uhus

12. August 2010 Kommentare aus

Erste Flugversuche, Falknerin Janine Weinberger

Zwei interessante Waldbewohner der Gattung Bubo bubo waren am 1. August die Attraktion des Nationalparkhauses „naturatrafoi“. Bei herrlichstem Wetter und passend zur aktuellen Ausstellung „Jäger der Nacht-Eulen und Käuze“ zogen der weibliche Junguhu Athene und ihr männlicher Artgenosse Zeus das zahlreich anwesende Publikum in ihren Bann. Der Falkner Ernst König aus Brixlegg – assistiert von Jungfalknerin Janine Weinberger – erklärte ausführlich Eigenheiten und Besonderheiten des größten heimischen Eulenvogels. Dank perfekter Übersetzung des Forstbeamten Andrea Buffa kamen auch die vielen italienischsprachigen Zuhörer in Sachen Ornithologie voll auf ihre Kosten. So hörten viele hier erstmals, dass dieser scheue und lautlose Nachtschwärmer bis zu 50 Jahre alt werden kann und durch seinen beispiellosen Gehörsinn selbst eine Maus noch auf 400 m Entfernung präzise lokalisieren kann.

Auf Nachfrage einiger Naturfreunde erläuterte König, dass alle Uhus der Falknerei in Gefangenschaft schlüpfen und der überwiegende Teil davon von Hand aufgezogen wird. Dies erst ermöglicht das Entstehen jener unabdingbaren Bindung zwischen Tier und Mensch, welche beide ohne Zwänge und Sender immer wieder zueinanderfinden lässt. Allein der ungewohnte Rummel vermochte Uhu Zeus ein wenig bei seinen Flugversuchen zu verunsichern, trotzdem aber war die Veranstaltung ein voller Erfolg und Parkhausleiterin Ilona Ortler gelang es mit dieser Aktion eindrucksvoll, die heimischen und geheimnisumwitterten Nachtgreife allen etwas näher zu bringen. (re)

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