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Posts Tagged ‘Taufers’

„I bin a schlechter Kämpfer gweesn“

10. Februar 2011 Kommentare aus

Heinrich Peer, geb 1920, Taufers i. M., ist der Zweit-älteste im Ort : „I moan dr Hergott hot mi vergessn.“

Ein Brief aus Rom schockte 1930 die Familie Peer in Taufers. Der zehnjährige Heinrich stand neben seinem Vater, als dieser aufgeregt mit den italienischen Sätzen kämpfte. Er konnte ihm nicht helfen, obwohl er die italienische Schule besuchte. Ein Zollbeamter übersetzte das Schreiben schließlich. Der Wegmacher war nach Piemont versetzt worden. Sollte er sich nicht fügen, würde er vom Dienst suspendiert. „Deis hot inz in groaße Verzweiflung gstürzt“, erinnert sich Heinrich. Aus Sorge, seine sechs Kinder nicht mehr ernähren zu können, beugte sich der Vater dem Bescheid. Vor dem schmerzlichen Abschied notierte er sich einige italienische Wörter wie „pane“, „bere“, „mangiare“ und brach nach Carignano in der Provinz Turin auf. Drei Jahre später wurde der Ort auch Heinrichs Zuhause. Die Menschen dort waren freundlich, wunderten sich jedoch, dass die Familie Südtirol verlassen hatte, wo doch Mussolini in Bozen Fabriken baute. Heinrich suchte den Kontakt zu Jugendlichen, vertiefte sein Italienisch, besuchte zusätzlich Englisch- und Französisch-Kurse und richtete seinen Blick auf das Gastgewerbe. 1938 fand er im „Hotel Alfieri“ in Alassio eine Stelle. Von Vorteil waren seine Deutschkenntnisse, denn die Mehrzahl der Gäste kam aus dem „Deutschen Reich“. Heinrich wunderte sich über das eingestempelte „J“ in deren Pässen. Bald war ihm klar, es waren Juden, die sich verzweifelt um Plätze auf Schiffen bemühten. Unzählige verließen das Land.

1939 erreichte den Vater erneut ein Brief. Er sollte sich entscheiden, ob er in Italien bleiben oder auswandern wollte. Es fehlte ihm die Kraft für einen erneuten Ortswechsel. Nach Ausbruch des Krieges musste Heinrich den Dienst im Hotel quittieren und mit den „Bersaglieris“ in Albanien gegen Griechenland kämpfen. Deutsche Truppen schlossen sich an und kurz darauf war Athen erobert, wo Heinrich eine pompöse Siegesfeier miterlebte. Ein deutscher Soldat verriet ihm, dass es nun nach Russland gehe. Das schreckte Heinrich auf. „I bin a schlechtr Kämpfer gweesn“, betont er. Um nicht an die Front zu müssen, bemühte er sich um einen Job in der italienischen Botschaft.Wieder halfen ihm seine Deutschkenntnisse. Bis 1943 konnte er dort bleiben, dann überschlugen sich die Ereignisse. Im Frühjahr erfuhr er vom Tod seines Bruders und im Herbst vom Tode seines Vaters. „Dr Bruadr isch pan Militär drkronkt, unt in Votr isch mit 56 Johr s Herz brochn“. Für Unsicherheit in der Botschaft sorgten Mussolinis Verhaftung und dessen Befreiung. Doch bald zeichnete sich das Ende des Krieges ab und Heinrich kehrte unversehrt zu seiner Familie zurück.

Als ihn seine  Mutter 1946 nach Taufers schickte, um nach ihrer Wohnung zu sehen, blieb er dort hängen. Beruflich fand er seinen Weg als „messo scrivano“ im Gemeindeamt, und privat fand er sein Glück mit der neun Jahre jüngeren Amalia Fliri aus Algund, die regelmäßig ihre „Sommerfrische“ in Taufers verbrachte. Im Juni 1954 führte er seine „Lia“ zum Traualtar und sechs Monate später schenkte sie ihm den Sohn Elmar. Auf die „frühe“ Geburt angesprochen erklärte Heinrich  humorvoll: „Di Unterlandler trogn nit längr“. Sechs Jahre später erblickte Sohn Herbert das Licht der Welt. 1973 zog die Familie in ihr neues Heim im Ortsteil „Pradatsch“. Nach seiner Pensionierung 1985 begann Heinrichs politische Karriere. Er wurde  in den Gemeinderat gewählt  und Vizebürgermeister. „ I bin pa dr oan Tür ausi unt pa dr ondr inni“, scherzt er. Bereits ein Jahr später war er Bürgermeister und blieb das neun Jahre lang.

Nun ist es ruhig um Heinrich geworden und er kämpft gegen die kleinen Beschwerden des Alters. Schlimm empfindet er die schwindende Sehkraft und die fehlende Mobilität mit dem Auto. Die derzeitigen Turbulenzen um die faschistischen Relikte verfolgt er mit Kopfschütteln. Es ärgert ihn, dass sich manche Menschen so ereifern. Er hat beide Seiten kennengelernt und schätzt Deutsche und Italiener. „Iaz wars gaach Zeit, dass ma mitnond auskimmp“, betont er. „Denn a setta schockierende Briaf wia vor 80 Johr kriag heint niamat mea.“

Magdalena Dietl Sapelza

 

 

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Frauenduo?

13. Januar 2011 Kommentare aus

Die Tauferer Gemeindesekretärin winkt energisch ab. „Ich gebe dazu keine Auskunft“, sagt Monika Platzgummer-Spiess (im Bild). Hartnäckig halten sich in Mals und Umgebung jene Gerüchte, die besagen, dass Platzgummer-Spiess den pensionierten Generalsekretär Anton Patscheider beerben will. Ausgeschrieben ist das Generalsekretariat noch nicht. „Wir haben es nicht eilig“, sagt BM Ulrich Veith zum „Wind“.  Derweil führt die Vize-Generalsekretärin Katja Götsch die Malser Gemeindegeschäfte weiter. Will die Tauferer Gemeindesekretärin doch, könnte es an der Malser Verwaltungs-Spitze ein Frauenduo geben. Und: Eine übergemeindliche Zusammenarbeit auf Sekretariatsebene zwischen Taufers und Mals. Schlanders und Glurns haben’s vorgemacht. Veith: „Ich persönlich begrüße jede Zusammenarbeit“. (ap)

 

 

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Demokratie-Stilblüten

18. November 2010 Kommentare aus

v.l.: Wolfgang Kapeller und Margit Gaiser, BM Hermann Fliri: zack - keine Lorbeeren für die Opposition

Der Opposition, der Bürgerliste „Für Taufers“, den Freiheitlichen und der Süd-Tiroler Freiheit, wollte die Tauferer SVP bei der letzten Ratssitzung keinen Triumph gönnen. Die vereinigte Opposition hatte einen Beschlussantrag auf die Tagesordnung gebracht, in dem über die Vereinbarung mit der Volksanwaltschaft abgestimmt werden sollte. BM Hermann Fliri und sein Ausschuss, in den letzten Jahren einer derartigen Vereinbarung die kalte Schulter zeigend,  setzten, kurzerhand und zack, denselben Punkt auf die Tagesordnung. Wolfgang Kapeller, Sprachrohr der „Liste für Taufers“ freute sich mit Häme. Eine der letzten Gemeinden sei Taufers, die eine derartige Vereinbarung noch nicht getroffen habe. Margit Gaiser, ebenfalls „Liste für Taufers“ hakte um eine Begründung für das bisherige Sträuben nach. „Wir haben’s auf den neuen Rat verschoben“, war die lapidare Antwort von VizeBM Roselinde Koch Gunsch. Die einstimmige Annahme war dann Formsache. Was aber mit dem Beschlussantrag tun, der kurz vor dem „Allfälligen“ zur Debatte stand? Der Teufel steckte zudem im Detail, denn es hieß auf der Tagesordnung lediglich „Behandlung des Beschlussantrages“ nicht aber „Genehmigung…“. Im allgemeinen Abstimmungschaos, in dem die Gemeindesekretärin Monika Platzgummer Spieß schließlich um Vernunft bat, wurden dann demokratiepolitisch Stilblüten geboren: Man solle den Antrag auf Rücknahme des Punktes stellen, forderte etwa Luis Hellrigl von der SVP. Das gehe gar nicht, wir haben den Punkt gar nicht eingebracht, musste Koch-Gunsch belehren. Die „Liste für Taufers“ stimmte bei zwei Abstimmungen nicht ab.  Schließlich wurde der Punkt mit den Enthaltungen der SVP nicht behandelt.

Die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, die sich mit dem Rombach auseinandersetzen und nach einer definierten Arbeitszeit (acht Monate) eine Bürgerbefragung vorbereiten soll, ging kompromisswillig über die Bühne. BM Hermann Fliri, Luzia Tischler, Wolfgang Kapeller, Roland Bucher und Stefan Vidal bilden diese Arbeitsgruppe. Links liegen gelassen wurde der Vorschlag der „Liste für Taufers“ Rudi Maurer von der Umweltschutzgruppe hineinzunehmen. (eb)

 

 

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Wilderer-Omertá im Nationalpark

21. Oktober 2010 Kommentare aus

Die Wilderer im Nationalpark StilfserJoch sollen derzeit Hochkonjunktur haben. Gesprochen wird von Hundertschaften, die an Wochenenden unterwegs sind, im Schatten der Nacht und technisch bestens ausgerüstet. Die Aufsichtskräfte hätten kaum eine Chance, sie zu stellen. Aus  vielen ehemaligen Jägern seien Wilderer geworden. Der Nationalpark sei ein wahres Wilderer-Paradies – sagen die einen, die vom Nationalpark schauen weg – sagen andere.

von Magdalena Dietl Sapelza

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Stehen Änderungen an?

26. August 2010 Kommentare aus

Heißt der neue Mann im SVP-Bezirks Helmuth Fischer (links) oder bleibt die Parteisoldatin und mittlerweile Tauferer Vize-BM Roselinde Koch Gunsch?

Ende November wird es, wie in anderen Bezirken auch, Neuwahlen für die SVP-Bezirksspitze im Vinschgau geben. Ob die bisherige Bezirkschefin Roselinde Koch Gunsch  nochmals antreten will, ist ihr nicht zu entlocken. „Ich werde zuerst parteiintern bekannt geben, ob ich nochmals antreten werde oder nicht“, sagt Koch Gunsch dem „Vinschgerwind“. Tatsächlich ranken sich bereits Gerüchte und Namen um eine Nachfolge. Auffallend häufig genannt wird der Latscher Helmuth Fischer, der als BM-Kandidat gegen Karl Weiss ohne Fortüne geblieben ist. Auch aufgrund der wackeligen Regierung in Rom sind die SVP-Bezirkswahlen nicht ohne Bedeutung. Kracht die Regierung im Frühjahr zusammen, wie es prognostiziert wird, wird die SVP ihre Kandidaten für Senat und Parlament in Vorwahlen ermitteln. Der Modus der Vorwahlen ist parteiintern noch nicht geklärt. Und Lust auf Senat oder auf Kammer könnten im Lande viele haben: mehrere Landesräte etwa. Deshalb könnten derzeit amtierende Senatoren bereits jetzt schon auf dem Schleudersitz sitzen. (eb)

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Suche nach Schutz

12. August 2010 Kommentare aus

Der Gewässernutzungsplan“, so der Malser BM Ulrich Veith, „liegt bereits in Rom.“ Im Gewässernutzungsplan, im Vorfeld auf breiter Basis diskutiert, ist ein Schutz für den Rambach nicht enthalten. Man hätte, so Veith, eine Unterschutzstellung in diesen Gewässernutzungsplan heineinbringen können. Dieser Zug ist abgefahren. Vor allem in Taufers werden Stimmen immer lauter, den Rambach vor einer Großableitung zu schützen. Die Gemeinde Mals hat, in Absprache mit den BM von Taufers, Glurns und Schluderns, nun einen Vorstoß gewagt: In einem Schreiben hat BM Veith die für den Landschaftsschutz zuständige Dienststellenkonferenz um Rat gefragt, welche Schritte die Gemeinden, betroffen sind die Gemeinden Taufers und Mals, unternehmen müssten, um den Rambach unter Schutz zu stellen. Und zwar vor Großableitungen. Sollte ein solcher Weg ausschließlich in Händen der Gemeinden liegen, will man ihn gehen. Ganz unter Schutz stellen will man den Rambach allerdings nicht. Man will, so Veith, mit der Bevölkerung über eine Klein-Ableitung, d.h. über ein kleineres E-Werk am Ram, diskutieren. „Man hat gesehen, dass es mit einer Kleinableitung auch gehen müsste“, sagt dazu der Tauferer BM Hermann Fliri. Das aktuelle Projekt, welches die vier Gemeinden Mals, Taufers, Glurns und Schluderns über die E-AG eingereicht haben, sieht eine Ausbeute von 33 Mio. kWh im Jahr vor, jenes der SEL liegt auch über der 30 Mio. kWh-Schwelle und das dritte, von Helmut Frasnelli eingereicht, sieht 38 Mio. kWh vor. 30 Mio. kWh ist die Schwelle für eine Großableitung. Mit einer Unterschutzstellung will man mehrere Fliegen auf einen Schlag treffen: der derzeitige Kampf um die Konzession wäre beendet, die Bevölkerung würde beruhigt und bei einer Kleinableitung, für deren Konzessionserteilung die Grundverfügbarkeit Bedingung ist, hätten die Anrainergemeinden beste Karten. (eb)

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Das Wunder von Taufers

12. August 2010 Kommentare aus

Da dürften die Verwalter der Gemeinde Taufers nicht wenig gestaunt haben, als sie unlängst die Angebote der Bieter öffneten, welche für den Bau der neuen Grundschule ein Offert eingereicht hatten. Die Kosten für die gesamten Hochbauarbeiten sowie für die Inneneinrichtung waren auf Grund der Einheitspreise des Landes mit 2,7 Millionen Euro veranschlagt, wobei Abgebote in der Größenordnung von 20% „noch drin“ gewesen wären. Doch einer der Bieter, nämlich die IPE-Group aus Modena, machte ein Abgebot von gleich 45%! Damit waren die übrigen Konkurrenten, darunter drei Vinschger Firmen, aus dem Rennen.

Und nun stellte sich dem Bürgermeister Herman Fliri die Frage: Was tun mit diesem unerwarteten „Geschenk“? Die Arbeiten waren, da weit oberhalb des Schwellenwertes, europaweit ausgeschrieben worden. Schon von daher waren die Verwalter verpflichtet, europäisches Vergaberecht anzuwenden. In der Ausschreibung war zwar nicht der niedrigste Preis, sondern das wirtschaftlich günstigste Angebot als Kriterium für den Zuschlag vorgesehen. Doch damit war man das Problem mit dem ungewöhnlich niedrigen Anbieter noch nicht los. Das Dilemma für die öffentlichen Auftraggeber ist dabei, sich einem Billiganbieter auszuliefern, der zu „Ausverkaufspreisen“ offeriert, um sich irgendwie den Auftrag zu „ergattern“, und dann unterwegs entweder einen „Aufschlag“ fordert oder Konkurs anmeldet. Beides kann letztendlich kostspielig sein und sich „unter dem Strich“ zu einem Verlust summieren.

Um aus dieser Zwickmühle herauszukommen, haben die Tauferer Gemeindeväter den Billiganbieter einem Prüfungsverfahren unterworfen. Damit wurde die IPE aus Modena aufgefordert, schriftliche Aufklärungen über die Einzelposten ihres Angebotes abzugeben und dadurch dessen Seriosität darzulegen.
Diese Erklärungen wurden dann von einer technischen Kommission nachgeprüft, welche das Abgebot für gerechtfertigt fand.

Wir warten nun gespannt darauf, ob die Firma aus Modena nach „Ferragosto“ mit den Arbeiten beginnt und diese dann auch tatsächlich innerhalb der vertraglich vorhergesehenen 480 Kalendertage beendet. Dann wäre das Wunder von Taufers perfekt!

Peter Tappeiner,

Rechtsanwalt

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