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Berufung ist Gnade

12. August 2010 Kommentare aus

Diakon Robert Agostini erlebt große Genugtuung durch seine Aufgabe, würde sich aber auch sehr freuen, wenn noch mehr Menschen ihn zu Kranken- und Hausbesuchen einladen würden

Man muss glauben und innerlich überzeugt sein. Besonders auch von dem, was man selber sagt“, erklärt Robert Agostini. Er ist einer der sechzehn Diakone in der Diözese Bozen-Brixen und übt sein Amt nun seit ca. drei Jahren in der Pfarre Naturns aus.

Diakone sind beim derzeitigen Priestermangel und dem notwendigen Zusammenschluss mehrerer Pfarreien zu Seelsorgeeinheiten unentbehrlich geworden. Obwohl es bereits seit der ersten christlichen Zeit Diakone gibt, hat heute gar mancher keine klare Vorstellung darüber. So wird Robert Agostini irrtümlicherweise des Öfteren mit „Pfarrer“ angesprochen. Er ist dann gerne bereit, über seine Aufgaben in der Pfarrei und seinen Werdegang zu berichten.

Seine Eltern sind im Zuge der Option nach Österreich gekommen, und 1940 wurde er in Oberwart geboren. 1945 kehrte die Familie wieder nach Meran zurück Nach der Pflichtschule in Meran stieg der Jugendliche in den Malerbetrieb seines Vaters ein, den er dann selbständig weiterführte.

Schon von frühester Jugend an empfand Robert Agostini eine besondere Liebe zur Kirche und zur Religion, die bis heute andauert. Der übliche Traditionsglaube genügte ihm nicht, und es war vor allem die Neugierde, die ihn antrieb, sich ein fundierteres Wissen anzueignen. Der Priesterberuf kam damals für den jungen Mann jedoch nicht in Frage, heute aber würde er diesen Schritt sofort ohne Zweifel wagen.

Mit 26 Jahren trat er der „Charismatischen Erneuerung“ bei, die damals in Südtirol erstmals Fuß gefasst hatte.
Diese Bewegung kam seinem Drang sehr gelegen und brachte ihn in die Tiefe des Glaubens. In dieser Zeit begann er verschiedene Dienste in der Pfarrei Maria Himmelfahrt in Meran zu übernehmen. Dort war er Lektor und einer der ersten Kommunionhelfer Südtirols. Mit Gesang und Gitarrenklängen verschönerte er die Gottesdienste und war durch Jahre hindurch Mitglied des Pfarrgemeinderates.

Robert Agostini übersiedelte mit seiner Familie nach Naturns, stellte sich aber für längere Zeit noch in den Dienst der Pfarre Maria Himmelfahrt.

Im Laufe der Jahre wurde ihm immer wieder das Diakonat anempfohlen, doch er hatte jedes Mal abgewiesen, ohne sich eines fundierten Grundes zu entsinnen. Erst die internationale Tagung der „Charismatischen Erneuerung“ in Luxemburg brachte eine tiefe Erfahrung und seinem Leben eine entscheidende Richtung. Bei den jeweiligen Vorträgen kam immer wieder der Aufruf der verschiedenen Referenten: „Warum zögerst du, dich für die Kirche intensiver einzusetzen?“ In den drei Tagen des Treffens wiederholte sich immer wieder dieser Appell, und Robert fühlte sich in seinem Innersten angesprochen, verspürte Klarheit und Kraft genug, Diakon zu werden und sagte tiefbewegt sein Ja dazu. Das einzige, das ihn bei dieser Entscheidung noch bedrückte, war das Alter, denn er war inzwischen 63 Jahre alt geworden.

Dieses Problem wurde dann im Priesterseminar in Brixen ohne Umstände gelöst und so konnte Robert sein dreijähriges Theologiestudium beginnen. Im vierten Jahr erhielt er in Naturns durch Bischof Wilhelm Egger die Diakonweihe, die sich zu einer erhebenden Feier für die ganze Pfarrgemeinde gestaltete.

Durch seine Ehefrau Christa hat er sowohl bei seiner Entscheidung als auch bei der Ausübung der liturgischen Dienste, immer spürbare Unterstützung und großes Verständnis erfahren. Sie musste bereits vor der Weihe mündlich und schriftlich ihr Jawort zu seiner Entscheidung geben, die von den Kindern anfänglich mit etwas Befremden wahrgenommen wurde. Inzwischen äußern sie sich aber recht glücklich und stolz über die Begeisterung und die Einsatzfreude ihres Vaters und freuen sich über die Anerkennung und Wertschätzung als Diakon.

Die Arbeit in der Pfarre Naturns und neuerdings in der Seelsorgeeinheit bietet ein abwechslungsreiches Betätigungsfeld. Die Spendung der Taufe und des Ehesakramentes, Beerdigungen, sämtliche Segnungen, Prozessionen, Predigten, Wortgottesfeiern und die Kinderkatechese fallen in den Bereich seiner Befugnisse.

Sein Dienst am Diakonat bereitet ihm große Freude, besonders der Umgang mit älteren Menschen bei Hausbesuchen, verbunden mit Kommunion-spende oder pastoraler Begleitung. Robert Agostini fühlte sich gleich offen, schnell und wohlwollend von der Bevölkerung in Naturns und den Priestern aufgenommen, gerne würde er aber noch mehr Menschen zu Hause besuchen. „Die Anonymität in der heutigen Gesellschaft stellt für mich die größte Not dar. Auch für dieses Problem könnte das Diakonat als Hilfestellung gesehen werden“, appelliert er.

Der Diakon sieht nun eine radikale Umwälzung auf die Kirche zukommen. „Die Volks- und Versorgungskirche hat ausgedient, was bleibt ist eine Kirche wie sie eigentlich gedacht war. Das soll nicht pessimistisch klingen, denn eine Umwälzung kann nur Gutes bringen. Die Geschichte hat schön öfters bewiesen, dass nach einem Tief ein großes Hoch gekommen ist“, resümiert Robert Agostini und blickt positiv in die Zukunft.

Maria Gerstgrasser

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