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Archive for the ‘Geschichte’ Category

Den Schwabenkindern auf der Spur

7. April 2011 Kommentare aus

Die Geschichte der Schwabenkinder ist ein berührendes Spiegelbild von der einstigen Armut in Tirol, Vorarlberg und Graubünden und speziell auch im Vinschgau. Eltern waren gezwungen ihre Kinder zu begüterten Bauern nach Oberschwaben zu schicken, damit sie daheim „von der Schüssel waren“. Es gibt zahlreiche mündliche Überlieferungen über die einstigen Wanderungen und über das Los der Kinder. Doch eine wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung fehlt. Nun wird in einem Interreg IV-Forschungsprojekt das Thema „Die Schwabenkinder“ vom Vintschger Museum in Schluderns gemeinsam mit dem Bezirksmuseum Schloss Landeck erforscht.

von Magdalena Dietl Sapelza

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„Italien hat uns noch nie etwas geschenkt“

7. April 2011 Kommentare aus

Martha Stocker: „Mit welcher Dramatik um die UNO-Resolution gerungen wurde, ist unvorstellbar.“

Die Frage zur Selbstbestimmung kam gegen Ende des Abends auf den Tisch: „Warum ist es in all den Jahrzehnten nie zu Südtirols Selbstbestimmung gekommen?“ Karl Zeller antwortete mit deutlichen Worten: „Ein Freistaat Südtirol würde von den Staaten in der Europäischen Union nie anerkannt; darüber müssen wir uns im Klaren sein. Wir liegen in Italien – was die Finanzausstattung anbelangt – im Spitzenfeld und was die Kompetenzen angeht gut da, wenn auch das eine oder andere noch geholt werden könnte. Wir müssen auch einmal zufrieden sein.“ Vom Publikum – vornehmlich Schlanderser Schützen – gab’s dafür Applaus. Der ehemalige Senator Armin Pinggera – unterm Publikum – ergänzte: „Die Selbstbestimmungsdiskussion ist alles eher als eine gemähte Wiese. Die Selbstbestimmung ist eine scharfe Waffe und diese sollten wir uns aufheben für bittere Zeiten.“ Der Diskussion vorausgegangen war ein – von der Schützenkompanie Schlanders organisierter – Vortrag zum Thema „Südtirols Weg zur UNO-Resolution 1960 und zur Streitbeilegung 1992“.

 

Karl Zeller: „Wir haben Stück für Stück die Blumen am Weg gepflückt, um Südtirol international veranktert zu wissen.“

Die beiden Referenten Martha Stocker und Karl Zeller haben die Stationen dazu aufgezeigt: Der Pariser Vertrag als Ersatz für das Selbstbestimmungsrecht im Jahr 1946. Die Großkundgebung in Sigmundskron 1957, weil Italien seine 51-Prozent-Politik weiterführt. Die erste UNO-Resolution 1960, der drei Anläufe vorausgehen, weil kein Land sich gegen Italien als NATO-Staat zu stellen wagt. Stocker: „40 Redner sprachen im Sonderausschuss über Südtirol und das in der Hochphase des Kalten Krieges.“ Nach der Feuernacht 1961 die zweite Resolution und damit die endgültige Internationalisierung des Südtirol-Anliegens. Wenig später die Einsetzung der  19er Kommission, die sich um eine Lösung bemühen soll. Das Inkrafttreten des Pakets flankiert von einem Operationskalender im Jahr 1972, das bis 1991 in Gesetze und Durchführungsbestimmungen umgegossen und dann abgeschlossen wird. Zeller: „Die Strategie von Silvius Magnago und Alfons Benedikter auf eine langsame Umsetzung zu gehen, auf Inhalte und keinem verfrühten Schrumpfpaket zuzustimmen, war richtig.“ 1992 folgt die Streitbeilegungserklärung. Nur eine Sache aus dem Operationskalender sei nicht gemacht worden: ein Freundschaftsvertrag zwischen Österreich und Italien.

 

Zellers Fazit: „Das ist auch gut so. Rückblickend sind die Winkeladvokaterie und die Verteidigungsstrategie Italien zum Bumerang geworden und haben uns letztendlich mehr gebracht, als man je geglaubt hätte. Natürlich haben wir auch darum gekämpft. Gratis hat uns Italien nie was gegeben. Das war damals so und ist auch heute noch so.“  (ap)

 

 

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Das Fenster – Nachdenken über Tirol

24. Februar 2011 Kommentare aus

Der über 82jährige Wolfgang Pfaundler, langjähriger spiritus rector der Tiroler Kulturzeitschrift „Das Fenster“ beim ARUNDA Fest 2006 im Schlosshof der Schlandersburg, daneben der frühere Landeshauptmann von Tirol, Wendelin Weingartner, Großenkel des Kunsttopographen Josef Weingartner

Wolfgang Pfaundler von Hadermur, geboren am 1. Jänner 1924 in Innsbruck, ist Volkskundler, Schriftsteller, Fotograf und Aktivist aus Tirol – so die Information aus dem Internet.

Er war jahrzehntelang instiktsicherer Redakteur der Tiroler Kulturzeitschrift „Das Fenster“ und so kam er zusammen mit Wendelin Weingartner, dem ehemaligen Landeshauptmann von Nordtirol, anlässlich der Dreißigjahrfeier der Südtiroler Kulturzeitschrift ARUNDA als Gast zum Fest in die Schlandersburg.

Weingartner, dessen Vorfahren aus Osttirol stammen, erzählt in seinem Artikel über „Obertilliach und das Cadore“ liebevoll von seinem italienischen Urgroßvater Giovanni, der aus dem Cadore kam (in „Tirol an Isel und Drau“, ARUNDA 65). In seinem Buch „Nachdenken über Tirol“ (erschienen 1993 im Innsbrucker Haymon Verlag) schreiben er und zahlreiche Mitarbeiter über das alte und ewig junge Thema zum Tiroler Selbstverständnis. Seit Jahren erscheinen in der Südtiroler Sonntagszeitung „Zett“ kulturpolitische Glossen aus seiner Feder.

Was aber bedeutet – auf Pfaundler bezogen – die Bezeichnung „Aktivist aus Tirol“? Im Zweiten Welt-krieg kämpfte er gegen das Hitler-Regime, wo er gemeinsam mit Hubert Sauerwein Initiator und Leiter der Widerstandsgruppe im Ötztal war. Im Gebirge konnte sich diese Gruppe bis Kriegsende erfolgreich vor den Nationalsozialisten verstecken und übernahm im Mai 1945 die Macht im Ötztal, die sie darauf hin den kampflos einmarschierenden Amerikanern übergaben. 1958 veröffentlichte Pfaundler „Südtirol – Versprechen und Wirklichkeit“, ein Kompendium der diplomatischen Verhandlungen und politischen Geschehnisse in und um Südtirol seit 1919. Als es dem Nachschlagewerk allerdings nicht gelang, die Öffentlichkeit für die Sache der unterdrückten Südtiroler zu mobilisieren, griff Pfaundler zu radikaleren Methoden, um seinem Wunsch nach „Freiheit für Südtirol“ nachzuhelfen. Selbst habe er nach eigener Aussage aber nie Bomben gezündet. Er trat vielmehr als „logistischer“ Helfer und Ratgeber auf den Plan.

Der aus Rovereto stammende Rechtsanwalt Sandro Canestrini hat wiederholt die Südtiroler Rebellen und Freiheitskämpfer vor Gericht verteidigt, dahinter seine Frau Martha, vielen bekannt als erfahrene Gärtnerin, als Wissende in Dingen des Wachsens.

Dennoch wurde Pfaundler 1962 in einem Mailänder Sprengstoffprozeß beschuldigt, die berüchtigten Herz-Jesu-Nacht vom Juni 1961, in der 48 Strommasten gesprengt wurden, organisiert zu haben und wurde in Abwesenheit zu zwanzig Jahren und elf Monaten Haft verurteilt, woraufhin er über Jahrzehnte nicht die italienische Grenze passieren konnte. Erst im Jänner 1998 informierte der italienische Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro Bundespräsident Thomas Klestil, daß er vier ehemalige Südtirolaktivisten, nämlich Dr. Heinrich Klier, Peter Matern, Prof. Wolfgang Pfaundler und Gerhard Pfeffer begnadigt habe.

2006 saßen also die verschiedensten Temperamente, die sich allerdings in einer besonderen Weise gegenseitig ergänzten, hier beim Fest im Schlosshof zusammen. Unter anderem auch Martha, die charmante Frau des Rechtsanwaltes Sandro Canestrini. Er hat wiederholt die Südtiroler Freiheitskämpfer vor Gericht verteidigt. Er, Sohn einer alten Roveretaner Familie, die einst für die Autonomie des Trentino gekämpft hat, weiß genau, dass das Freiheitsrecht für alle gelten muss. Was für die Trentiner Irredentisten ein Anliegen war, muss auch den Südtirolern zugestanden werden. Eine Überzeugung, die er immer wieder durch großen Einsatz unterstrichen hat; dafür bekam er auch das Tiroler Verdienstkreuz, worüber er sich sehr gefreut hat. Das Fest zu diesem Anlass auf Schloss Tirol, die Feier mit den Psairer Schildhofbauern, die Trachten, die Erinnerung an den Ursprung Tirols hier in diesem Land – all das hat ihn, den gebildeten Weltmann, sehr gefreut.

Freude auf einem ganz anderen Gebiet bereitet seine Frau Martha Debiasi (geboren 1942 in Schlanders, ihr Vater war Stationsvorsteher) mit zahlreichen Sendungen über Blumen und Gärten und mit ihrem Buch über „Bauerngärten in Tirol und im Trentino“. Diese 1987 erschienene Arbeit ist noch in italienischer Sprache lieferbar: „Orti in Tirolo e Trentino“. Gemeint ist damit natürlich ganz Tirol, das bis Ala reichte. Wobei die Gartenspezialistin – wollte sagen „die Blumenkönigin“ – den Bauerngärten brauchtumsmäßig, geographisch und klimatisch bis in den angrenzenden Süden folgte und dabei uralte Wurzeln freigelegt und das Verbindende zwischen Tirol und Trentino aufgewiesen hat.

Ein Fenster öffnen, in alle Richtungen, das war auch das Anliegen der 1967 von Fritz Prior gegründeten Tiroler Kulturzeitschrift „Das Fenster“. Bis in unser Jahrtausend von Wolfgang Pfaundler betreut, enthielt es ausgezeichnete, das ganze Tirol umfassende Kulturreportagen und eigene Werke auf dem Gebiet der Volkskunde und Fotografie.

„Das Fenster“ kam allerdings dem Südtiroler Athesia Verlag in die Quere und wurde anfangs buchstäblich sabotiert, mit allerhand warnenden Analysen, unter anderem mit dem Hinweis auf die „zu modische Aufmachung“. Und, ohne es auszusprechen, wegen der liberalen Ausrichtung, besonders auch in literarischen und künstlerischen Fragen.

Wolfgang Pfaundler, einst Widerstandskämpfer gegen die Ideologie der Nazi, aber auch gegen die Hybris des italienischen Staates, eckte schon wieder an! Er gleicht und erfüllt die Aufgabe der drohenden Wächterfiguren des Kapellenportals von Schloss Tirol.

Hans Wielander

Schützen vor dem Kapellentor auf Schloss Tirol bei der Ehrung für die Empfänger des Tiroler Verdienstkreuzes, über das sich Sandro Canestrini besonders gefreut hat.

 

 

Das Kegelspiel

10. Februar 2011 Kommentare aus

Die Großfamilie Hans und Martha Dietl

Beim Kegelspiel im alten Sporthotel Kurzras. Dahinter (über seinem Kopf) erkennbar Martha Dietl und neben ihr das befreundete Ehepaar Andorfer. Aufnahme etwa 1970; Hans Dietl ist 1977 verstorben.

Eine Familie ist kein Kegelspiel, wenngleich vieles daran erinnern mag. Dazu einige Gedanken, besonders das weiblich Oberhaupt der Familie betreffend.

Martha Dietl, geboren Lechner, ist am 2. Februar 2011 im neunzigsten Lebensjahr verstorben und wurde am Mittwoch, 4. Februar im Friedhof zu St. Martin in Göflan begraben. Sie hatte mit dem aus Göflan stammenden Politiker Hans Dietl 13 Kinder und war zeitlebens eng mit den Menschen dieses Dorfes verbunden.

Hier, im Göflaner Schallerhof, wurde mit den vielen Kindern im Sommer gelebt, hierher kam der politisch engagierte Ehemann immer zurück, wenn er Kraft schöpfen wollte. Hier fand er Geselligkeit, Erholung, Verständnis, lange Zeit auch breite Zustimmung für seine politische Linie. Bis er ausschwenkten, neue Wege aufzuweisen begann, sich plötzlich als Außenseiter wiederfand und von der Partei isoliert wurde.

Diesen Weg hat Hans Karl Peterlini in seinem Buch über den Politiker „Hans Dietl – Biografie eines Südtiroler Vordenkers und Rebellen, mit Auszügen aus seinen Tagebüchern“ (Raetia Verlag Bozen 2007) ausführlich dargestellt; darin wird auch sein inniges Familienleben sichtbar.

Es gibt ein Bild, das zeigt den Politiker Hans Dietl beim Kegelspiel im Schnalstal. Dort, im ehemals bescheidenen und soliden Alpengasthof, hatte ich Gelegenheit, mit dem Politiker zu sprechen. Dazu wäre viel zu sagen; ich denke jetzt aber vor allem an seine gescheite und tapfere Frau, die ihren Mann immer ermutigte. Ohne sie hätte er nie den politischen Mut und die Kraft gehabt, gegen den Strom zu schwimmen. Hans Dietls Hauptleistung kann so gesehen werden: Er ist der Vater der Südtiroler Autonomie, die er gegen den Widerstand der Trentiner und vieler Südtiroler Parteigenossen durchsetzte; das „Los von Trient“ ist seine Leistung. Er ist aber auch ein Vordenker, was das Zusammenleben der Volksgruppen betrifft. Er hat mit viel Arbeitseinsatz und finanziellen Opfern (und wenig Gegenliebe durch die Partei) eine italienischsprachige Zeitschrift herausgebracht -Realtá sudtirolese-, in der erstmals den Italienern die Vorteile der Autonomie für alle erklärt werden konnten. Diese Politik wird erst jetzt in ihrer Weitsicht erkannt. Er war schon sehr früh davon überzeugt, dass Südtirol eine Parteien- und Medienvielfalt braucht.

Das Ehepaar Martha und Hans Dietl mit den Kindern Christl und Walter in der Sommerfrische, Sarnthein 1946.

Und hinter all dem steht seine Frau Martha, vor allem durch ihre herzliche Großzügigkeit. Die Vielfalt der Begabung ihrer Kinder, die zahlreich gebotenen Anregungen, die in unseren Breiten keineswegs selbstverständliche Toleranz, all das hat mit dieser Frau zu tun. Sie, die Boznerin, hat in jeder Hinsicht mitgespielt hat, nicht nur politisch, auch beim Kegelspiel.

Eine Familie ist kein Kegelspiel. Auch die Politik ist kein Kegelspiel. Trotzdem ist das Spiel, verstanden als Spielraum, eine sehr ernste Sache. Es gibt viele Sagen, die sich mit dem „goldenen Kegelspiel“ befassen; darin ist Spiel mehr als nur Belustigung. In diesen Geschichten wird Schicksal gespielt mit Hinweisen auf Schuld und Sühne. Kegelspiel als Spielraum, als Freiraum. Hans Dietls Wurf traf „alle Neune“. Er hat immer wieder ins Volle getroffen, nicht zuletzt durch die fröhlich aufopferungsvoller Hilfe einer Frau, die hinter ihm stand. Wie hier auf dem Bild mit dem Kegelspiel, dahinter die ruhende Kraft: Seine Frau Martha.

Hans Wielander

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Burgeiser Meister des Barock

13. Januar 2011 Kommentare aus

Die TeilnehmerInnen der Bildungsfahrt vor dem Tiroler Landesmuseum

Im vergangenen Jahr feierte die Dorfgemeinschaft von Burgeis  den dreihundertsten Geburtstag ihres berühmten Sohnes, den Barockmaler Johann Evangelist Holzer. Eine Sonderausgabe der Kulturzeitschrift „Der Schlern“ erschien und als europäisches Projekt folgten im Laufe von 2010 und 2011 drei große Sonderausstellungen. Die Stadt Augsburg mit dem dortigen Diözesanmuseum St. Afra, das Domschatz- und Diözesanmuseum Eichstätt und das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum beteiligten sich an diesem  Ausstellungsprojekt.  Auf Einladung des Bildungsausschusses der Gemeinde Mals wurde  kurz nach Ausstellungseröffnung im Dezember eine Bildungsfahrt nach Innsbruck organisiert. Als Einstimmung wurde ein Abstecher nach Garmisch-Partenkirchen gemacht, wo Johann Ev. Holzer in der Wallfahrtskirche St. Anton die Kuppel ausgemalen hat.   Die Ausstellung in Innsbruck, welche noch bis dreizehnten März  läuft, zeigt einen Querschnitt von Holzers reichhaltigem künstlerischen Schaffen und seine geniale Begabung, Licht und Schatten besonders in der  Freskenmalerei  Ausdrucksstärke zu verleihen. (lu)

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In memoriam Johann Evangelist Holzer: Uraufführung

16. Dezember 2010 Kommentare aus

Eine Abordnung der Kapelle bei der Entgegennahme der neuen Messe in Bozen: v.l.: Thomas Wegmann (Jugendreferent MK Burgeis), Landeskapellmeister VSM Sigisbert Mutschlechner, der Komponist der Messe Hansjörg Mutschlechner, Landesverbandsobmann VSM Pepi Fauster, Lukas Telser (Obmann MK Burgeis), Hermann Brunner (Kapellmeister MK Burgeis)

Ein Jahr geht nun bald zu Ende, das zu Recht den 300. Jahrestag des wohl berühmtesten Burgeisers gefeiert hat: Johann Evangelist Holzer.

Nicht nur in Burgeis hat man wieder an diesen großen Sohn der Malerei erinnert, sondern vor allem auch in den Städten seines Wirkens und Lebens: Augsburg, Eichstätt, Sögel, um die wichtigsten zu nennen.

Es ist verwunderlich, dass ein begnadeter Maler wie Holzer in der Erinnerung seines Heimatdorfes lange Zeit ein verhältnismäßig so schattenhaftes Dasein fristete, wenn man bedenkt, dass er zu seinen Lebzeiten mit Raffael verglichen und im 19. Jh. sogar einmal Rembrandt gleichgestellt wurde.

Ein Reisender, der kurz nach der Lebenszeit Holzers durch das damals aufblühende Augsburg kam, ließ sich zu dem euphorischen Satz hinreißen:  »Hätte Augsburg nichts als seine vielen herrlichen Gemälde von Holzer, so würde sie schon immer für den Liebhaber der Kunst eine wichtige Stadt bleiben.«

Wie sehr Holzer sich zu Lebzeiten selbst in das Gedächtnis der einfachen Menschen gemalt hatte, beweist eine, wohl erfundene Geschichte, die man sich in Augsburg erzählte, die nichtsdestoweniger aber überzeugend darstellt, welchen Ruf der Maler einmal selbst im einfachen Volk besaß: »Zu Augsburg erzählte man ehemals es sei, da Holzer an diesem Gemälde (Die Fabel von Castor und Pollux, Fresko am  Haus des Kupferstechers Pfeffel) arbeitete, ein ihm abgeneigter Maler zu ihm auf das Gerüst gestiegen, in der Erwartung, da Stoff zu finden, um sich über den jungen Mahler lustig machen zu können. Er sei aber durch die Vortrefflichkeit der Arbeit so überrascht worden, dass er auf der Stelle vom Schlage gerührt worden sei.«

Allein dadurch, dass allzu viele seiner Werke verlorengegangen sind, lässt sich der Dornröschenschlaf erklären, den Holzers Name vor allem im 20. Jahrhundert durchgemacht hat, ansonsten müsste heute der Name Johann Evangelist Holzer einen klingenderen, freudigeren und würdigeren Namen in Burgeis besitzen.

Als krönenden Abschluss dieses Gedenkjahres wird am Montag, 27. Dezember 2010 um 17:00 Uhr in der Klosterkirche von Marienberg eine Messe in memoriam Johann E. Holzer von der Musikkapelle Burgeis unter der Leitung von Hermann  Brunner uraufgeführt werden. Sie wurde von der Kapelle gemeinsam mit dem Südtiroler Blasmusikverband beim bekannten Südtiroler Komponisten Hansjörg Mutschlechner in Auftrag gegeben. Da in seinem Heimatdorf so wenige Werke an Holzer erinnern, soll vielmehr diese Messe von nun an ein bleibendes Zeichen der Erinnerung an ihn werden. Alle Kunstsinnigen und Musikinteressierten sind herzlich zu dieser Uraufführung eingeladen.

 

 

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Eine Weihnachtsgeschichte: „Iaz kimmp s’Christkindl nimmr“

16. Dezember 2010 Kommentare aus

Franziska Rudigier Ritsch, geboren 1922 in Nauders, und jetzt zu Hause im Seniorenheim von Laas.

Bereits am Vormittag des Heiligen Abends stieg die Spannung bei den zehn Kindern der Familie Rudigier in Nauders, als sie beobachteten, wie ihr Vater mit einer Säge in den verschneiten Wald stapfte. Es fehlte nur noch der Christbaum. Die Krippe stand bereits. Gespannt warteten die Kleinen auf die Rückkehr des Vaters. Die sechsjährige Franziska schuf sich mit ihrem warmen Hauch ein Guckloch im Eisblumengebilde auf dem Stubenfenster und drückte sich erwartungsvoll die Nase daran platt. Es dauerte nicht lange und der Vater kehrte zurück, mit einem buschigen Grün im Schlepptau. Kurz darauf betrat er mit einem Tannenbaum den Raum. Die Kinder stürmten ihm schwatzend und lachend entgegen und zupften den Schnee von den Ästen, der in der warmen Stube sofort zwischen den Fingern zerrann. Mit energischer Stimme ermahnte er die Sprösslinge damit aufzuhören und etwas leiser zu sein, damit er den Christbaum aufstellen könne. Es kehrte kurz Ruhe ein, bis der Baum stand und der Vater den Raum verlassen hatte, um den Christbaumschmuck zu holen. „Norr sein miar obr umma grennt unt hooba an Lorm kett“, erzählt Franziska. Alle waren aus dem Häuschen und nicht zu bändigen. Draußen erhob sich erneut die laute Stimme des Vaters. Und er drohte, den Baum zu zerhacken, wenn nicht sofort Stille einkehre. Die Machtworte wirkten einige Augenblicke, dann schnatterte die Schar wieder drauflos, auch weil sie Vaters Drohung nicht ernst nahmen. Niemals würde er das am Heiligen Abend tun, waren sie sich sicher. Doch plötzlich stand der Vater wütentbrannt mit einem Beil in der Tür, packte den Baum, zog ihn in den Hausgang und hackte auf ihn ein. Verdutzt standen die Kinder vor den grünen Stücken und begannen bitterlich zu weinen.  Der Vater schickte sie daraufhin in den Stall. Dort sollten sie zum Christkind beten und es für ihre Unfolgsamkeit um Verzeihung bitten. Tiefe Traurigkeit war dem Übermut gewichen. „Iaz kimmp s’Christkindl nimmer“, stammelte Franziska und Tränen kullerten über ihre Wangen. Eine Stunde später läutete dann doch das Glöcklein. Die Kinder schlichen sich muxmäuschenstill nach oben. Durch den Türspalt schimmerte ein Lichterschein aus der Stube. Vater und Mutter standen davor, schmunzelten und forderten  auf, die Tür zu öffnen. In diesem Augenblick glänzten zehn Augenpaare. „S betn hot gholfn, s Christkindl isch decht kemman“, rief Franziska und wieder kullerten die Tränen. Freudentränen waren es dieses Mal. Unter dem Christbaum lagen Selbstgestricktes, Äpfel, Nüsse, Kekse und die Kinder freuten sich riesig und  sangen bewegt das „Stille Nacht“. Erst später erfuhren sie, dass der Vater zwei Christbäume aus dem Wald mitgebracht hatte. Nachdem er einen ersten Baum gefällt hatte, stach ihm ein noch schönerer ins Auge und er nahm diesen ebenfalls mit. (mds)

 

 

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