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Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

24. Februar 2011 Kommentare aus

Mit den Fisch- und den Kriechtierarten Südtirols in Lebendtierhaltung hat das Nationalparkhaus aquaprad viele Ausstellungsattraktionen zu bieten. Bei einem Besuch können die Kenntnisse zu den zwei Klassen von Wirbeltieren erweitert oder aufgefrischt werden. Unser Schulwissen  über diese Tierklassen ist  meist recht schmal geblieben.

 

Die Gewässerökosysteme als gefährdete Lebensräume

Europa- und weltweit gehören die Wasserlebensräume und Feuchtgebiete zu den sensiblen und gefährdetsten Lebensräumen und Ökosystemen. Als offene Systeme unterliegen sie besonderen Gefährdungen etwa durch Eintrag belastender, ja gar toxischer Stoffe über die Wasserfracht. Das Fischsterben in einem Fluss oder Küstenstreifen ist dann  der auffällige und alarmierende Endpunkt einer Umweltkatastrophe.

Die Sensibilisierung für die empfindlichen Gewässerökosysteme war mit ein Grund, warum wir gemeinsam mit der Gemeinde Prad beim Bau und bei der Einrichtung des Nationalparkhauses aquaprad das Wasser und die Lebensräume am und im Wasser als Ausstellungsobjekte gewählt haben. Die Fische sind dabei  empfindliche Bioindikatoren und Überbringer einer Umweltbotschaft. In den Schau-aquarien haben wir versucht, die verschiedenen Lebensräume in Ausschnitten so naturgetreu als möglich nachzubauen und die Tiere so artgerecht als möglich zu halten.

 

Vom Quellbach zum Niederungssee

Die Gewässer Südtirols sind Süßgewässer. Wir unterscheiden zunächst zwischen Fließgewässern und stehenden Gewässern. Zu den Fließgewässern gehören etwa Quellbäche, Gebirgsbäche und Flüsse. Zu den langsam fließenden Gewässern zählen wir die häufig künstlich angelegten Kanäle und Abflussgräben in den Talsohlenböden. Sie wurden häufig zur Entwässerung landwirtschaftlicher Kulturflächen angelegt. Wegen des hohen Nährstoffeintrages weisen diese Abflussgräben oft einen dichten Pflanzenbewuchs auf. Sie sind Lebensraum für fast ein Dutzend kleiner Fischarten Südtirols, von denen die meisten zu den ganzjährig geschützten Arten gehören. Ein Beispiel für einen solchen Grabenbewohner ist die Elritze oder Pfrille.

Zu den stehenden Gewässern gehören die Seen. Im Gebirgsland Südtirol  können wir zwischen Hochgebirgsseen und Niederungsseen unterscheiden. Die alpinen Hochgebirgsseen weisen kalte Wassertemperaturen auf, sind mehrere Monate des Jahres zugefroren, dunkel und lebensfeindlich, sauerstoffreich, aber nährstoffarm. Nur extrem angepasste Spezialisten unter den heimischen Fischarten überleben unter solchen extremen Lebensraumbedingungen. Zu diesen Arten in Hochgebirgsseen zählt etwa der Seesaibling. In  den Oberläufen der Gebirgsbäche als Beispiel für ein Fließgewässer mit starker Strömung leben der Bachsaibling und die Bachforelle mit einer stromlinienförmigen Körperform, um der Strömung zu trotzen.

Unter den stehenden Gewässern Südtirols ist der Kalterer See der größte und bekannteste. Sein im Sommer warmes, nährstoffreiches, aber gegenüber Gebirgsbächen sauerstoffärmeres Wasser beherbergt die hochrückigen Fischarten wie Karpfen, Karauschen, Brachsen und weitere Arten der Familie der Karpfenartigen. Die Lebensgemeinschaft der Fische im Kalterer See besteht aus 12-15 Arten zwischen Pflanzenfressern und Fleischfressern. Pflanzenfressende Fische ernähren sich von Plankton, Algen, Mikrozoobenthos mit wirbellosen Tieren. Die fleischfressenden Fische sind Raubfische und bilden die oberen Glieder der Nahrungskette.

 

Das Seeaquarium

Im großen Seeaquarium des Nationalparkhauses aquaprad haben wir im Becken mit 170 m³ Wasservolumen diese Lebensgemeinschaft und Nahrungskette von Pflanzenfressern und Fleischfressern nachgebaut. Das Seeaquarium beherbergt Arten wie z.B. die pflanzenfressenden Rotaugen, Rotfedern und  Lauben und die fleischfressenden Arten wir Regenbogenforelle, Flussbarsch, Hecht und Wels. Durch die großen Panoramascheiben können die Fischarten in der ungewohnten Perspektive von der Seite und von unten beobachtet werden. Und eine Beobachtungsstunde im Glastunnel unter Wasser ist bei meditativer Musik beruhigender als jeder Fernsehfilm!

 

Einheimisch und fremd

Die Fischfauna in den Gewässern Südtirols umfasst derzeit 35-37 Arten. Die Zahl der Arten schwankt, weil neue Arten einwandern oder z.B. sich nach ihrer Verwendung als Köderfische in der Sportfischerei vermehren. Ein solches Beispiel ist der Blaubandbärbling, der ursprünglich aus Südostasien stammt und sich inzwischen in den Überetscher Seen angesiedelt hat. Ein nunmehr schon älterer „Fremder“ ist der Sonnenbarsch aus Nordamerika. Er ist ein Fleischfresser. Im Kalterer See haben ihm die Umweltbedingungen dermaßen gut zugesagt, dass er sich stark vermehrt hat. Fremde Arten nennt man in der biologischen Fachsprache allochthone Arten, heimische Arten hingegen autochthone Arten. In der Südtiroler Fischfauna sind über 40 % der Arten allochthone Arten. Die künstliche Einsetzung oder die spontane Einbürgerung fremder Arten können das natürliche Gleichgewicht und die Nahrungskette unter den heimischen Arten nicht nur bei den Fischen empfindlich stören. Aus diesem Grund wird z.B. die Einsetzung von Welsen in Fischgewässern fachlich nicht mehr befürwortet: Welse sind raschwüchsige und langlebige Fleischfresser, welche anderen Gliedern der Nahrungskette die Futtergrundlage entziehen.

 

Drei Fischfamilien in Südtirol

Die meisten rezenten Fischarten in Südtirol können in der zoologischen Systematik drei Familien zugeordnet werden:

• den Forellenartigen oder Salmoniden

• den Karpfenartigen oder Cypriniden

• den Barschen

Die Forellenartigen umfassen die Bach-, Regenbogen-, See- und Marmorierte Forelle, den See- und den Bachsaibling, die Renke und die Äsche. Die Salmoniden sind Fleischfresser. Das morphologische Familienmerkmal ist die Fettflosse: Diese kleine Flosse ist zwischen Rücken- und Schwanzflosse angeordnet. Forellen und Saiblinge haben eine stromlinienförmige Körpergestalt und trotzen mit dieser Form der starken Strömung im Oberlauf von Bächen. Die sauerstoffreichen Gewässer der Gebirgsseen und der Bäche werden in der Fischökologie deswegen auch als „Forellenregion“ oder als Sauerstoffregion bezeichnet. Die Salmoniden sind Kaltwasserlaicher. Im Laichzug schwimmen sie bachaufwärts bis in die ruhigeren Gewässer der Quellbäche und legen ihre Eier in den Wintermonaten zwischen November und Jänner ab. Um den Nachwuchs zu sichern, gilt für die Salmoniden daher eine Schonzeit mit Fischereiverbot bis 15. Februar jeden Jahres.

Die Karpfenartigen hingegen sind Warmwasserbewohner, Pflanzen- oder Allesfresser  und Sommerlaicher. Sie leben in stehenden Gewässern und sind mit ihrer hochrückigen Körpergestalt anstelle der Stromlinienform an den Lebensraum See gut angepasst. Karpfen stellen geringere Ansprüche an die Wasserqualität als Forellen. Die Karpfen überleben auch im trüberen Wasser, das sich im Sommer auf über 20 °C erwärmt, sauerstoffärmer und nährstoffbelasteter ist als der Gebirgsbach.

Barsche wie der Flussbarsch, der Sonnenbarsch, der Forellenbarsch  oder der Zander sind Raubfische im Lebensraum  See und stehen mit dem Hecht am oberen Ende der Nahrungskette.

 

Neue Attraktion

Seit einigen Monaten halten wir im umgestalteten Aqua-Paludarium als zentrales Becken im Nationalparkhaus aquaprad mit den Griechischen Landschildkröten (Emys orbicularis) eine neue Attraktion für unsere Besucher bereit. Die Griechische Landschildkröte ist eine von weltweit ca. 40 Arten von Landschildkröten. Zoologisch gehört sie zu den Kriechtieren als einer der fünf Klassen von Wirbeltieren. Die Griechische Landschildkröte hat ihr natürliches Verbreitungsgebiet in Südeuropa auf dem Balkan (vorwiegend südlich der Donau), in Südfrankreich und auf den Balearen. Auch im österreichischen Nationalpark Donauauen östlich von Wien ist sie  heimisch. Landschildkröten sind meist morgens und abends aktiv. Während der übrigen Zeit des Tages ruhen sie.

Unsere Weibchen und Männchen der Griechischen Landschildkröte haben das künstliche Biotop in aquaprad gut angenommen und wechseln zwischen Schwimmen mit Nahrungsaufnahme und Sonnenbad zwischen Wasser und Land. Als wechselwarme Tiere wärmen sie sich unter der Wärmelampe als künstliche Sonne auf und sie sind schon zu den besonderen Lieblingen der Kinder unter unseren Besuchern geworden.

Weiterhin zu bestaunen: Südtirols Schlangen

Wenn Sie sich  jetzt in den Vorfrühlingstagen zu einer Radtour oder bei Schlechtwettertagen zu einer Eisenbahnfahrt mit der Vinschger Bahn  und etwa als Großeltern mit ihren Enkelkindern zu einem Besuch des Nationalparkhauses aquaprad entscheiden, können Sie weiterhin auch die Schlangenarten Südtirols bestaunen. Auch die Schlangen sind ja Tiere, zu denen wir von der Angst und von der Abscheu zu einer geänderten, neuen Einstellung finden sollten. Nichts ist dazu hilfreicher als ein Mehr an Wissen. Holen Sie es sich in aquaprad. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

 

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Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

10. Februar 2011 Kommentare aus

Verschiedene Vogelschutzorganisationen erwählen alljährlich eine Vogelart zum Vogel des Jahres. Dies geschieht, um z.B. auf den Bedrohungszustand dieser Art und ihr Schutzbedürfnis hinzuweisen, weil aus verschiedenen Gründen der Lebensraum negative Veränderungen erfährt. Der Vogel des  Jahres 2011 ist der Wiedehopf. Dieser Vogelart ist daher der heutige Beitrag gewidmet.

 

Verbreitung

Der Wiedehopf ist ein typischer Bewohner warmer Klimazonen. Als nördliche Verbreitungsgrenze in Europa gilt die Linie Belgien – Mitteldeutschland. In den Mittelmeerländern ist der Wiedehopf weiter verbreitet als im nördlicheren Europa. Der Wiedehopf ist bei uns ein Sommervogel. Als teilweise Langstrecken-Zieher überwintern die europäischen Wiedehopfe im südlichen Afrika, von wo sie Ende April zur Brut wieder nach Süd- und Mitteleuropa zurückkehren. Östliche Populationen der Hopfe überwintern in Indien.

 

Lebensraum

Der Wiedehopf bewohnt vorwiegend Laubmischwälder, bevorzugt Kastanienhaine mit einem reichen Höhlenangebot, aber auch trockene, offene Landschaften wie den Vinschgauer Sonnenberg, aufgelockerte Auwälder, Parklandschaften, Viehweiden, große Obstgärten, Weinberge und mit Vorliebe nicht bewirtschaftetes Ödland.

 

Kennzeichen

Der Wiedehopf ist eine auffallende Vogelgestalt mit exotisch anmutender Gefiederfärbung. Mit 28 cm Körperlänge ist er geringfügig größer als die Amsel, wirkt aber viel auffälliger. Das Körpergefieder ist hell rötlich sandfarben mit markanter schwarz-weißer Bänderung auf Flügeln und Schwanz. Der Schwanz hat eine auffällig breite schwarze Endbinde. Zwei weitere sichere Erkennungszeichen sind die Federhaube als Kopfschmuck und der nach unten gebogene Schnabel. Die Federhaube wird je nach Gemütslage und Laune zusammengefaltet und angelegt oder aufgefächert und aufgestellt getragen. Auch der Flug des Wiedehopfes ist charakteristisch: Durch den langsamen, unregelmäßigen und weit durchgezogenen Flügelschlag wird die Flugbahn wellenförmig mit Steig- und Sinkphasen. Der Flug selbst wirkt weich und schmetterlingsartig. Der Ruf des Wiedehopfes ist ein gedämpftes, dreisilbiges up-up-up, das im wissenschaftlichen Gattungsnamen Upupa wiederkehrt.

 

Nahrung

Der Wiedehopf sucht seine Nahrung vorwiegend am Boden. Das im Titel genannte Hüfen der Hopfe ist ein Schreiten mit meist aufgefächerter Kopfhaube, wobei mit dem Schnabel unermüdlich im Boden nach Nahrung gestochert wird. Die Nahrungssuche erfolgt dabei auf lichten Waldflächen, Ödländern, Garten- und Ackerflächen, gerne auch auf Viehweiden, auf denen der Wiedehopf alte Kuhfladen und anderen Viehdung nach Maden untersucht. Bevorzugte Beutetiere sind Maulwurfsgrillen und Nacktschnecken, aber auch Grillen, Raupen, Larven, Engerlinge, Spinnen, Asseln und Tausendfüßler. Der Bestandesrückgang des „Wildrösslers“, so der bei uns gebräuchliche Dialektname für diese Vogelart, ist auf Klimaschwankungen, mancherorts aber auch auf Intensivierungsprozesse in der Landwirtschaft zurückzuführen.

 

Vorkommen in Südtirol

Aus den Angaben der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde im Vogelatlas Südtirol kann angenommen werden, dass sich der Bestand in Südtirol nach einem Rückgang ab den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts leicht zu erholen scheint. An den Steppenhängen der Vinschgauer Leiten, wo die Nahrung nicht in den Obstkulturen gesucht wurde, blieb der Bestand über die Jahre nahezu konstant. Als Verbreitungsgrenze nach oben kann im westlichen Teil Südtirols in etwa die 900 Meter-Höhenlinie angegeben werden, im östlichen Teil die 800 m-Linie. Die Verbreitungskarte im Südtiroler Vogelatlas zeigt, dass das verhältnismäßig raue Klima des Pustertales größtenteils gemieden wird.

 

Fortpflanzung

Der Wiedehopf ist ein Höhlenbrüter, der sein Nest in Astlöchern, verlassenen Spechthöhlen, Mauer- oder Felsspalten und  Löchern in der Erde oder in Lesesteinhaufen anlegt. In seiner heutigen Wohnraumnot nimmt er auch größere Nistkästen an. Die Eiablage beginnt anfangs Mai. Das Gelege umfasst 5-6 hellgraue Eier. Das Weibchen bebrütet die Eier allein, ohne sich mit dem Männchen abzuwechseln. Die Brutdauer beträgt etwa 17 Tage, die Nestlingszeit weitere 23-25 Tage. Es erfolgt eine Jahresbrut. Nachdem das Weibchen vom ersten Ei an fest brütet, schlüpfen die Jungen gestaffelt und die erstgeschlüpften Jungen entwickeln sich deutlich kräftiger als die „Nachzügler“, welche oft aus der Fütterung verdrängt werden und kümmern.

 

Stinken Hopfe wirklich?

Wiedehopfen wird seit alters her nachgesagt, dass sie stinken! Dies stimmt nur teilweise. Die Jungen in der meist bodennahen Nesthöhle haben im Laufe der Evolution dieser Art verschiedene Abwehrreaktionen entwickelt, welche sich gegen Säugetiere als Nestplünderer bewähren. Zunächst geben die Jungvögel bei Störung ein zischendes Fauchen von sich. Dann drücken sie sich mit dem Vorderkörper auf den Boden der Nesthöhle und richten den Hinterleib zum Höhleneingang auf. Sodann geben sie als nächste Abwehrreaktion den dünnflüssigen Inhalt des Enddarmes ab. Diese Kotspritzer sind aber geruchlos und werden von kleinen Jungen noch ungezielt abgegeben. Mit zunehmendem Alter jedoch kann der Kot ganz gezielt auf den Störenfried gerichtet werden. Zur Nestlingszeit entwickelt sich außerdem die Bürzeldrüse sehr stark. Gleichzeitig mit der gezielten Kotabgabe tritt dann aus der Bürzeldrüse in kleinen Tropfen ein schwarzbraunes Sekret aus, das einen üblen Geruch verbreitet. In dieser Lebensphase stinken Hopfe wirklich. Das brütende und hudernde Weibchen kann zur Verteidigung der Brut gegen Fraßfeinde  ebenfalls dieses übel riechende Sekret aus der Bürzeldrüse abgeben.

Erwachsene Wiedehopfe haben weitere wirksame Möglichkeiten, Fraßfeinden zu entgehen: Der an sich auffallend gezeichnete Vogel legt sich manchmal zum Sonnenbad mit ausgebreiteten Flügeln und aufgefächertem Schwanz auf den Boden. Dabei verschmilzt er farblich förmlich mit den Farben der Umgebung. In der Fachsprache nennt man diese Art der Tarnung „Somatolyse“. Es werden gewissermaßen die Körperkonturen aufgelöst. Die wörtliche Übersetzung des lateinischen Begriffes bedeutet ja auch „Körperauflösung“.

 

 

Bildernachweis: Internet (2), Andrea Buffa (1), Archiv Nationalpark Stilfserjoch (1).

 

 

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Nationalpark Stilfserjoch

13. Januar 2011 Kommentare aus

Die Verwaltung des Nationalparks Stilfserjoch wird an die Länder Südtirol, Trentino und Lombardei übertragen. Das Konsortium Nationalpark Stilfserjoch als bisherige Führungsstruktur wird aufgelöst. Die Zwölferkommission hat am 30. November 2010 einen diesbezüglichen Textvorschlag zur Abänderung einer Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut der Region Trentino Südtirol diskutiert und verabschiedet. Der Ministerrat hat diese Durchführungsbestimmung in seiner Sitz-ung vom 22. Dezember im Beisein von Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder genehmigt. Die Durchführungsbestimmung erreicht Rechtskraft, wenn sie vom Staatspräsidenten als Dekret unterzeichnet und im staatlichen Gesetzesanzeiger veröffentlicht wird.

Mein heutiger Beitrag ist dem Thema Neuorganisation der Verwaltung des Nationalparks Stilfserjoch  gewidmet, welches von autonomiepolitischer Relevanz ist.  Ich will versuchen, einen hoffentlich verständlichen und nicht zu fachlich trockenen Beitrag zur Information zu leisten.

Die Gründe

Ich sehe vier Gründe, welche die Änderung der Zuständigkeiten zur Verwaltung des Nationalparks erklären:

• die starke Kürzung der Finanzmittel an das Umweltministerium aus dem

Staatshaushalt von 1.800 Mio. Ä auf 1.000 Mio. Ä und als Folge davon die

Halbierung der Gelder an die italie-

nischen Nationalparke von 50 Mio. auf 25 Mio. Ä für das Jahr 2011;

• den Ansatz  der Ersatzfinanzierung

aus den Finanzmitteln der Autonomen Provinzen Bozen Südtirol und Trient

gemäß dem sogenannten „Mailänder

Abkommen“ aus dem Jahre 2009 bei gleichzeitigem Übergang von Ver- waltungskompetenzen vom Staat an die Länder;

• die im Zuge der 15 Jahre gereifte Erkenntnis, dass das sogenannte „Abkommen von Lucca“ aus dem Jahre 1992 nachverhandelt werden sollte, weil sich die darin konzipierte Verwaltung als zu schwerfällig und zentralistisch erwiesen hat;

• die schmalen Mehrheitsverhältnisse im italienischen Parlament zum Wei- terbestand der Mitte Rechts-Regierung.

Der Ansatz

Den Nationalpark in Landeskompetenz zu übernehmen, ist eine sehr alte autonomiepolitische Forderung. Sie stand bereits seit den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auf der Verhandlungsliste der Landesregierung unter Landeshauptmann Silvius Magnago und seines Stellvertreters Alfons Benedikter.

Mit dem Ansatz „Übernahme von zusätzlichen Kompetenzen vom Staat bei Finanzierung der Kosten aus Landesmitteln“ ist es Landeshauptmann L. Durnwalder und Landesrat M. Laimer als Mitglieder der Landesregierung und den Parlamentariern K. Zeller und S. Brugger als Mitglieder der Zwölferkommission gelungen, den Ministerrat zu überzeugen, die Verwaltung des Nationalparks Stilfserjoch in die Kompetenz der gebietsmäßig zuständigen Länder zu übertragen. Der Nationalpark wird dabei ein Nationalpark bleiben und das zu seiner Verwaltung zu verabschiedende Landesgesetz muss sich am staatlichen Rahmengesetz über die geschützten Gebiete orientieren.

Das Rechtsinstrument

Das Rechtsinstrument zur Neuregelung bot die alte Durchführungsbestimmung zum Sonderstatut der Autonomen Region Trentino Südtirol aus dem Jahr 1974. Die-se Durchführungsbestimmung, als Dekret des Staatspräsidenten D.P.R. Nummer 279/1974 erfasst, hatte den beiden Autonomen Provinzen Bozen Südtirol  und Trient ein Mitspracherecht im Sachbereich Landschaftsschutz für das  Gebiet des Nationalparks Stilferjoch eingeräumt. In diesem Dekret war als rechtliche Form zur länderübergreifenden  Führung des Nationalparks ein Konsortium vorgesehen worden.

Diese Durchführungsbestimmung D.P.R. Nr. 279/974 ist nunmehr in ihrem Artikel 3 auf Initiative der Zwölferkommission mit der eingangs zitierten Entscheidung des Ministerrates abgeändert worden.

Das Finanzierungsinstrument

Das Konsortium Nationalpark Stilfserjoch hatte  im Mittel der letzten 5 Jahre  einen Finanzhaushalt von 12 Mio. Ä. Zu dessen Finanzierung hat das Umweltministerium jährlich mit ca. 5 Mio. Ä  aus dem Staatshaushalt beigetragen. Die anderen Finanzmittel kamen von den Autonomen Provinzen Bozen und Trient, von der Region Lombardei, aus Eigeneinahmen und aus Finanzmitteln der EU-Strukturfonds.

Das bereits zitierte „Mailänder Abkommen“ wurde im Jahre 2009 vom Finanzminister G. Tremonti und den beiden Landeshauptleuten L. Durnwalder und L. Delai für die Länder Südtirol und Trentino unterzeichnet. Das Abkommen regelt den Beitrag der beiden Länder zum Stabilitätspakt zwischen dem Staat und den Regionen. Die beiden Länder müssen jährlich einen finanziellen Beitrag von je 100 Mio. Ä zum Stabilitätspakt leisten. Von diesen je 100 Mio. Ä sind je 40 Mio. Ä reserviert für Vorhaben der an Trentino und Südtirol  angrenzenden Nachbargebiete (im Italienischen als „comuni confinanti“ definiert). Aus diesem Topf werden in Zukunft die Finanzmittel zur Abdeckung der Kosten des Nationalparks Stilfserjoch in seinem lombardischen Flächenanteil entnommen. Ebenso werden Bozen und Trient die Ersatzfinanzierung der ausbleibenden Gelder aus dem Staatshaushalt übernehmen.

Zur Erinnerung sei hier zusammengefasst: Der Nationalpark Stilfserjoch umfasst eine Gesamtfläche von 131.000 Hektar, davon liegen 45 % in der Lombardei, 41 % in Südtirol und 14 % im Trentino.

Die Ziele

Die Hauptziele der Reform zur Verwaltung des Nationalparks Stilfserjoch sind:

• die Vereinfachung von Verwaltungs- abläufen,

• die Erhöhung der Akzeptanz des Natio- nalparks in der Wohnbevölkerung,

• autonomere Entscheidungsbefugnisse

losgelöst etwa von den einschnei- denden Ausgabenlimits, wie sie in den letzten Jahren von den staatlichen

Finanzgesetzen vorgeschrieben

worden sind. Diese gesetzlichen Li- mits haben in den letzten Jahren  in mehreren Aufgabenfeldern die Aktivi- täten des Nationalparks erschwert.

Die Chancen

Die Chancen der neuen Regelung liegen u.a. darin, das „Innenleben“, die Programme, Projekte und Aktivitäten autonomer und unabhängiger von den Schwerfälligkeiten und Konditionierungen Roms umzusetzen. Der Nationalpark ist aber nicht nur ein Hemmschuh, sondern er stellt ein großes Entwicklungspotential mit Alleinstellungswert darin. Wir sollten m.E. diese Chance unvoreingenommener und stärker nutzen und in gemeinsamer Anstrengung unter den verschiedenen Interessensgruppen weiterentwickeln über das Ressentiment hinaus, dass der Nationalpark nur ein faschistisches Relikt aus dem Jahre 1935 darstellt.

Die Risiken

In der Erfolgseuphorie über den weiteren Autonomiebaustein sollten wir meines Erachtens nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und drei wesentliche Dinge nicht aus den Augen verlieren:

• Langfristig konzipierter Landschafts- und Naturschutz muss in einem größe-

ren, überörtlichen Kontext und ganzheitlichen Ansatz von Prozess- schutz gedacht und umgesetzt wer den. Es besteht die Gefahr, dass er zu sehr  lokalem Druck oder dem Lobby- ing einzelner Interessensgruppen unterliegt.

• Es gibt Aufgabenbereiche, wie etwa die wissenschaftliche Forschung, die sinnvoller Weise in einer größeren Dimension als dem einzelnen Länderanteil angegangen werden müssen. Wenn wir beispiels- weise an das Monitoring von bedroh- ten Tierarten denken: Der Bartgeier und der Steinbock kennt keine Länder- grenzen.

• Das Denken in einem größeren Ganzen dürfen wir als Vision auch

aus anderen Gründen nicht verlieren:

Der Nationalpark Stilfserjoch kann mit den benachbarten Schutzgebie- ten wie dem Nationalpark Schweiz, den italienischen Regionalparken und den Trentiner und Südtiroler Landes-

naturparken ein Kristallisations- kern von Schutzgebieten im Raum der

Zentralalpen werden. In anderen

Sachbereichen wie etwa dem Verkehr,

der Raumplanung, der Berglandwirt-

schaft, dem Schutz des Bergwaldes  oder der Energie denken wir auch zu- nehmend überregional, transnational, europäisch. Die Alpenstaaten haben die Alpenschutzkonvention und nach- folgend weitere Protokolle in mehre- ren Bereichen unterzeichnet.

Ausblick

Aus Platzgründen muss ich hier unterbrechen. In einem nächsten Beitrag möchte ich auf die Leistungen des Konsortiums Nationalpark Stilfserjoch im Südtiroler Länderanteil in den letzten 15 Jahren von 1995 – 2010 zurückkommen, aber auch versuchen die nächsten Schritte einer arbeitsintensiven Phase der Umstellung zu beschreiben. Auch  die Ängste im lombardischen Parkanteil und die Reaktionen und  Bedenken verschiedener Naturschutzvereinigungen  sollen zusammengefasst  werden.

Nationalpark Stilfserjoch

16. Dezember 2010 Kommentare aus

Bormio, Chiesa di Santo Spirito, profanierte Kirche zum Heiligen Geist, dokumentiert seit dem Jahre 1304: Fresken aus dem 16. Jahrhundert im Tonnengewölbe, der Malschule von Cipriano Valorsa zugeschrieben, die Dreifaltigkeit, Engel und Evangelisten-Symbole darstellend.

Bormio liegt an der alten Kaiserstraße. So ist etwa auch Karl der Große durch den Oberen Vinschgau, das Münstertal und das Veltlintal nach Rom gezogen, um sich im Jahre 800  von Papst Leo III zum deutschen Kaiser krönen zu lassen. Die Kaiserkrönung fand in der Vorgängerkirche des heutigen Petersdomes im Vatikan statt. Eine Bodenplatte in rotem Stein hinter dem Haupteingang von St. Peter erinnert im Inneren der Basilika heute noch an diesen Krönungsakt. Das Benediktiner-Kloster von St. Johann im Schweizer Grenzort  Münster ist eine Stiftung Karls des Großen. Früher war St. Johann  ein Männerkloster, heute ist es ein Frauenkloster, wegen seiner kunst- und kulturgeschichtlichen Wertigkeit und Stellung ausgezeichnet mit dem Gütesiegel eines Weltkulturgutes der UNESCO.

Für den Kaiserweg durch das Münstertal und das Veltlin ist in Bormio heute noch die italienische Bezeichnung „Via imperiale“ erhalten und gebräuchlich. An der alten Kaiserstraße gibt es eine auffällige Häufung von romanischen Kirchenbauten. Das Interreg-Projekt „Die kleine Straße der Romanik“ hat sich der Aufwertung dieser kulturgeschichtlichen Schätze an Sakralbauten im Rhätischen Dreieck gewidmet.

 

Die Comasiner Schule

In Größe, Proportion, Form und Ornamentik gibt es verblüffende Ähnlichkeiten zwischen den romanischen Apsiden von heute noch bestehenden Kirchen  etwa in verschiedenen Ortschaften am Comosee und der Apsis an der Pfarrkirche St. Johannes in Laas. Sie unterscheiden sich nur  im  Baumaterial. Es wurde jeweils der lokale Stein verwendet:  In Laas ist es der weiße Marmor, im Veltlin und am Comosee der grüne Stein aus der Val Malenco bei Sondrio oder aus der Val Campello.

Eine kunsthistorische Deutung zur Herkunft der Steinmetz- und Bildhauerarbeiten an der Laaser Kirchenapsis aus dem 11. Jahrhundert besagt ja, dass diese Meisterwerke der Steinbearbeitung von lombardischen Bildhauern der sogenannten „Comasiner Schule“ stammen. Die Schöpfer der Kunst in Marmor an der Laaser Apsis sollen sich auf dem Weg vom Comosee in den süddeutschen Raum befunden, in Laas zum Kirchenbau Halt gemacht und sich so im weißen Marmor verewigt haben.

 

Die Kirchen von Bormio

Allein im Markt Bormio gibt es heute noch vier romanische Kirchen, zwei davon sind mit Fresken aus verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte ausgeschmückt. Ein Gutteil dieser Fresken ist uns bis in die Jetztzeit erhalten geblieben. Neben der Pfarr- und Dekanalkirche zu den Heiligen Protasius und Gervasius und der Jesuitenkirche zum Heiligen Ignatius gibt es in Bormio  Kleinodien des frühen Kirchenbaues:

• die Kirche zum Heiligen Antonius Abt, auch als Kirche mit  dem wundertätigen Kruzifix  (Chiesa del SS. Crocifisso) im Ortsteil Combo;

• die Kirche zur Heiligen Barbara, an der Ortseinfahrt von Bormio gelegen vom Stilfserjoch kommend;

• die Kirche zum Heiligen Vitalis in der Fußgängerzone in der Rom-Straße;

• und die profanierte Kirche zum

Heiligen Geist, ebenfalls in der Rom- Straße in der Fußgängerzone.

Passend zu dieser Weihnachtsnummer der Zeitung möchte ich einige der Fresken aus den Bormianer Kirchen vorstellen. Dies geschieht aus zwei Gründen: Ich möchte einen Brückenschlag in die Geschichte herstellen. Nicht nur deutsche Kaiser sind über den oberen Vinschgau, das Münstertal und das Veltlin nach Rom gezogen, sondern diese Route über Jöcher zwischen den Nachbartälern war in der Zeit der Saumpfade Handelsweg, zum Beispiel zum Tauschhandel für Salz aus Tirol und Wein aus dem Veltlin. Und der zweite Grund: Ich möchte Sie, geschätzte Leserin und geschätzten Leser, neugierig machen auf einen Besuch beim Nachbarn, der nur durch einen Gebirgszug vom Vinschgau entfernt ist. Im Sommerhalbjahr, wenn die Passstraßen wieder geöffnet sind, sollte dieser Vorschlag für kunsthistorisch interessierte Menschen ein guter Reisetipp für einen Sonntagsausflug sein.

Besinnliche und friedliche Weihnachtstage.


 

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Von Uhu, Kauz und offenen Türen

18. November 2010 Kommentare aus

v.l.: Gastgeberin Ilona Ortler, Bernardo Pedroni mit Ehefrau Luisa

Zahlreiche Besucher gaben sich am 24. Oktober anlässlich des Tags der offenen Tür im Nationalparkhaus von Trafoi die Ehre. Allein die aktuellen Ausstellungen „Eulen und Käuze“ und „Leben an der Grenze“ wären allein für sich schon einen Besuch wert. Diesmal wartete „naturatrafoi“ jedoch mit einer Steigerung auf: Einerseits konnte eine geführte Besichtigung der gesamten Ausstellung in Anspruch genommen werden, andererseits durften seltene Exemplare der Gattung Uhu und Waldkauz „in vivo“ erlebt und von den Couragiertesten sogar berührt werden. Dieser unüblich enge Kontakt mit den ansonst äußerst scheuen Jägern der Nacht war vor allem für die vielen kleinen Besucher ein besonders fesselndes Highlight. Gastgeberin und Parkhausleiterin Ilona Ortler war es gelungen, ganz spezielle Gäste für diesen Tag zu gewinnen: den Naturforscher und Biologen Bernardo Pedroni mit Frau Luisa, welche eigens für diesen Zweck zahmere Mitglieder der Gattung Uhu und Waldkauz aus dem Naturpark der Veltliner Oroben mitgebracht hatten. Im Laufe des unterhaltsamen Nachmittags hielt Pedroni einen überaus interessanten Diavortrag, welcher die wissbegierigen Zuhörer kompetent in die faszinierende und spannende Welt unserer Alpenfauna entführte. Draußen erlebte währenddessen das prickelnde Frischluft-Sausen mit der Bergrettung Trafoi regen Zustrom durch kleine, mutige Besucher. Fürs leibliche Wohl aller sorgten die Frauen der Pfarrgemeinde und rundeten dieses Event gekonnt lecker ab. (re)

 

 

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Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

18. November 2010 Kommentare aus

Am vergangenen 21. Oktober fand am Sitz des Nationalparks Schweiz in Zernez die 7. Generalversammlung des Netzwerkes der alpinen Schutzgebiete Alparc statt. Diese Generalversammlung wird im Zweijahresrhythmus abgehalten und ist am darauffolgenden Tag immer mit einer wissenschaftlichen Tagung kombiniert. Das Jahr 2010 war von den Vereinten Nationen zum internationalen Jahr der Biodiversität ausgerufen worden. Folgerichtig war die diesjährige Tagung im Rahmen der Generalversammlung von Alparc dem Thema „Wildnis und Biodiversität“ gewidmet. Die Referenten, Forscher aus den naturwissenschaftlichen Disziplinen sowie Leiter und Mitarbeiter von verschiedenen Schutzgebieten im Alpenraum, haben versucht die Frage aus verschiedenen Blickwinkeln auszuleuchten, ob die alpine Natur sich selbst überlassen werden kann.

Im heutigen Beitrag möchte ich das Netzwerk der alpinen Schutzgebiete und seine Tätigkeiten etwas näher vorstellen.

Wer ist Alparc?

Alparc ist der Zusammenschluss der Schutzgebiete in den Alpen. Das Netzwerk versammelt alle Kategorien von großflächigen Schutzgebieten im Einzugsgebiet der Alpenkonvention. Alparc wurde 1995 auf Vorschlag Frankreichs errichtet. Das Ziel des Netzwerkes ist die konkrete Umsetzung des Artikels „Naturschutz und Landschaftspflege“ der Alpenkonvention. Die Unterzeichnerstaaten der Alpenkonvention sind Deutschland, Frankreich, Italien, die Herzogtümer Liechtenstein und Monaco, Österreich, Schweiz und Slowenien. Die Organe des Netzwerkes Alparc sind die Generalversammlung und der internationale Lenkungsausschuss. Die operative Koordinationseinheit wird als „Task Force“ bezeichnet, besteht aus einem kleinen Stab von 8 Personen unter Direktor Guido Plassmann und agiert vom Sitz in Chambery in Südfrankreich aus. Im Jahre 2006 wurde die Koordinationseinheit an das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention angegliedert. Bekanntlich hat das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention seinen Sitz unter dem Goldenen Dachl in Innsbruck. Die Alpenkonvention verfügt weiters über ein ständiges Sekretariat und ein Übersetzungsbüro in Bozen, untergebracht am Sitz der Europäischen Akademie. Alparc publiziert in den vier Alpensprachen Deutsch, Italienisch, Französisch und Slowenisch, weiters in der internationalen Sprache Englisch.

Ziele

Das Netzwerk Alparc verfolgt das Ziel, den Austausch unter den Verwaltern von Schutzgebieten in den Alpen zu fördern. Dieser Austausch betrifft mehrere Bereiche und zwar den Austausch von Kenntnissen, Erfahrungen und Methoden.

 

Arbeitsbereiche

Die drei Hauptbereiche der Arbeit von Alparc sind:

• das thematische Netzwerk

• das ökologische Netzwerk

• das Netzwerk der Kommunikation

Im thematischen Netzwerk werden Erfahrungen und Know-how zwischen den alpinen Schutzgebietsverwaltern in gemeinsamen Themenbereichen ausgetauscht. Das thematische Netzwerk arbeitet nach dem System von Arbeitsgruppen. Zu den folgenden 10 Themenbereichen sind derzeit Arbeitsgruppen eingerichtet und mehr oder weniger aktiv: Große Säugetiere und Greifvögel; große Beutegreifer; Habitate; nachhaltiger Tourismus, Kulturerbe und sanfte Mobilität; Berglandwirtschaft und Qualitätsprodukte; gemeinsame Kommunikation und Umweltbildung; traditionelles Know-how und ökologische Bauweisen in Schutzgebieten; Ressource Wasser; Datenbank und geographisches Informationssystem GIS; ökonomische Bewertung ökologischer Dienstleistungen und Ökobilanz.

Das ökologische Netzwerk ist eines der zentralen Ziele von Alparc und der Alpenkonvention. Dabei geht es um die Schaffung eines ökologischen Verbundes durch die Verbindung von Schutzgebieten mittels ökologischer Korridore,  durch Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes und durch eine  nachhaltige Raumplanung.

Das Netzwerk der Kommunikation will die Öffentlichkeit und die lokale Bevölkerung zur Bedeutung der Natur und Kultur in den Alpen sensibilisieren, informieren und fortbilden und von der Notwendigkeit des Erhaltens überzeugen.

Die Alpen, eine Region unter Druck

Die Alpen zählen ungefähr 14 Millionen Einwohner auf ca. 190.000 km² Fläche. Diese Fläche entspricht ca. 25 Mal der Landesfläche Südtirols. Die Einwohnerdichte in den Alpen variiert stark je nach Region, besonders zwischen den sehr urbanisierten Tälern und den ländlichen, isolierten oder höher gelegenen Zonen. Jährlich besuchen etwa 120 Millionen Menschen die Alpen.

Der Alpenbogen unterliegt großen Herausforderungen aufgrund verschiedener Belastungen. Solche Belastungen sind:

Ÿ Transport und Straßenverkehr

Ÿ wachsende Erschließung

Ÿ Zersiedlung der Landschaft

Ÿ Niedergang der Landwirtschaft in

manchen Hochlagen gefolgt von

Landflucht

Ÿ Wintertourismus-Industrie

Ÿ Massentourismus

Ÿ Intensivierung der Landwirtschaft in den Talböden

Ÿ Verlust von Biodiversität

Ÿ Klimawandel

 

Die neuen

Herausforderungen

Dieser gewaltige Druck auf den Alpenraum ist natürlich bis in die Schutzgebiete hinein zu spüren, insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels. Daher sind neue Herausforderungen entstanden:

Ÿ die Notwendigkeit zur Schaffung einer sanften Mobilität in den Schutzgebieten

Ÿ die Schaffung eines transalpinen

ökologischen Netzwerkes

Ÿ die Förderung der ökologischen

Bauweise und die energetische

Sanierung von bestehenden Gebäuden

Ÿ die Unterstützung einer umweltfreund- lichen, qualitativ hochwertigen

Landwirtschaft

Ÿ die  Verwaltung der Wasserressourcen

Ÿ Maßnahmen gegen den Klimawandel.

 

Die Rolle der Schutzgebiete

Die Schutzgebiete sind Bezugs- und Experimentiergebiete. Sie können Forschungslabors werden, um ein nachhaltiges Leben für die ländlichen Bergregionen zu ersinnen. Folglich sind das Experimentieren, die Innovation und später der Austausch von guten Praktiken, erfolgreichen Beispielen und Erfahrungen zwischen den Schutzgebieten auf internationaler Ebene von großer Bedeutung. Dieses Anliegen verfolgt auch die Alpenkonvention mit dem Netzwerk der alpinen Schutzgebiete Alparc.

 

 

Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

4. November 2010 Kommentare aus

In den letzten fünfzig Jahren sind die landwirtschaftlich genutzten Kulturflächen in der Talsohle im Unter- und Mittelvinsch-gau fast gänzlich von der milchviehhaltenden Landwirtschaft auf den Obstbau umgestellt worden. Die allermeisten Viehstallungen in unseren Dörfern sind leer geworden. Spezialisierung auf eine bestimmte Produktpalette ist ein häufiger  Ansatz vieler landwirtschaftlicher Produzenten. Der Bauernhof als Selbstversorger-Oase und als kleiner Mikrokosmos ist ein Bild aus der Vergangenheit. Nicht nur die Stadtkinder, sondern auch die Kinder vom Lande können heute die verschiedenen Arten von Haustieren am Bauernhof von früher kaum oder überhaupt nicht mehr erleben. Wie viele Kinder können heute noch saugende Ferkel am Schwein beobachten? Biologielehrer berichten, dass sie von Stadtkindern auf die Frage nach der Herkunft der Kuhmilch die Antwort erhalten, diese stamme aus dem Automaten.

 

Mein heutiger Beitrag ist für die Großeltern und Enkelkinder geschrieben. Er will mit Bildern zum Erzählen anregen:

• Erzählen über Haustiere und das Weitergeben von Wissen von Alt zu Jung,

 

• Erzählen als Vorbeugung gegen zunehmende Blindheit für schützenswertes, schmerzempfindliches Leben, für anmutige Mitgeschöpfe, für Schönes und Wertvolles,

 

• Erzählen gegen die Gefahr und den Verlust von Beziehungen und Bindungen zwischen Mensch und Tier und für das bewusste Erleben von Werden und Vergehen, Gebären und Sterben.