Wandern an Waalen

Wie grüne Lebensadern

Waalschelle am Tscharser Waalweg: „Die Waalschell hell erklingt, solang das Wasser rinnt. Und bleibt das Wasser einmal aus, so muss der Waaler aus dem Haus“

Im niederschlagsarmen Vinschgau, vor allem am trockenen Sonnenberg, war der Mensch seit altersher gezwungen, ein ausgedehntes Netz von Bewässerungskanälen anzulegen. Die hier ‚Waale’ genannten, künstlichen Wasserläufe leiten das Wasser zu den einzelnen Höfen hin. Wie grüne Lebensadern durchziehen sie die trockenen Hänge.

In alten Urkunden ist ersichtlich, dass die Waale bereits im Mittelalter angelegt worden sind. Aus den Bächen höher gelegener Täler wurde das Wasser abgeleitet. Je nach Gelände floss das Wasser in Erdkanälen sowie Rinnen oder Holzröhren, die in den Fels geschlagen worden waren, bergab. Wo einst 200 Waale wasserführend waren, deren Hauptadern an die 600 km betrugen, sind heute nur noch etwa 15 Waale in Gebrauch.

Entlang der Waale verlaufen Steige, die für die Instandhaltung von äußerster Wichtigkeit waren. Der Waaler, zuständig für ungehinderten Wasserlauf, musste täglich den Waal begehen, um eventuelle Verschmutzungen, Schäden oder Verstopfungen zu beheben. Mit der Wasser- oder Waalerhaue auf dem Rücken bewältigte er auch die gefährlichsten, teils stark ausgesetzten, Stellen. Eine wichtige Unterstützung bei den Kontrollgängen stellte die Waalschelle dar. Sie wird durch das Fließwasser des Waales betrieben und berichtet durch das gleichmäßige Klopfen dem Waaler, ob die Wasserversorgung störungsfrei gewährleistet ist. Auch oblag dem Waaler die Kontrolle über die jeweiligen Nutzungsrechte, denn nicht selten gab es Streitigkeiten um das kostbare Nass.

Als um 1950 die Technisierung der Landwirtschaft einsetzte, übernahm der Beregnungswart die Aufgaben des Waalers. Streckenweise fließt das Wasser nun durch unterirdisch verlegte Metallrohre, und doch bieten heute die Wanderungen entlang der Waale Einblicke in die Geschichte und Kultur einer früheren Epoche.

Maria Gerstgrasser

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