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Archive for the ‘Bezirksgemeinschaft’ Category

Wieder auf Augenhöhe

7. April 2011 Kommentare aus

VEK-Präsident Albrecht Plangger: sofort nachgezogen

Stichtag ist der heutige 7. April. Heute läuft die Frist ab, innerhalb der das Vinschger Enerigekonsortium (VEK) Rekurs gegen die provisorische, dreimonatige Konzessionsvergabe für die Hydros am Marteller Stausee einreichen kann. Man wird die Unterlagen hinterlegen. Zudem wären die Vinschger Stromkämpfer fast ins Hintertreffen geraten. Aber nur fast. Mit der Hydros und dem Land war Anfang des Jahres vereinbart worden, den Prozesstermin im März, bei dem der VEK-Rekurs gegen die eigentliche Konzessionsvergabe für die Hydros vor gut einem Jahr behandelt werden sollte, gemeinsam auf den Herbst zu vertagen. Die Hydros beantragte keine Vertagung. Das hat der Rekurssteller, VEK-Präsident Albrecht Plangger, selbst tun müssen. Um dann feststellen zu müssen, dass die Anwälte der Hydros, die große Anwaltsozietät um Gerhard Brandstätter, ihre prozessrelevanten Dokumente  hinterlegt hat. Der VEK hat sofort nachgezogen und seine Dokumente gesammelt, um bei einem möglichen Prozess im Herbst nicht ins Hintertreffen zu geraten. Derweil stocken die Verhandlungen zwischen Gemeindenverband und dem Land, bei dem es um eine Art Streitbeilegung auch in Sachen Strom gehen soll. (eb)

 

 

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Goldiger Weg?

7. April 2011 Kommentare aus

„Vinschgerwind“-Titel am 3. Dezember 2009

Das Bildungshaus Schloss Goldrain hat bei der externen Qualitätskontrolle von EFQM (European Foundation for Quality Management) und AICQ (Associazione Italiana Cultura Qualità) über 400 Punkte und somit das international anerkannte Qualitätszertifikat „Recognised for excellence“ (4 star) erreicht. Damit erfährt die engagierte Qualitätsarbeit, die das Bildungshaus Schloss Goldrain in den letzten Jahren kennzeichnete, eine würdige Auszeichnung.“ So ist es auf der Webseite des Schlosses zu lesen und zu Recht stolz auf diese Auszeichnung ist man in Schloss Goldrain. Und – es ist Ruhe eingekehrt ins Schloss. Man arbeitet auf exzellentem Bildungsniveau mit guter Auslastung – man bilanziert seit zwei Jahren, 2009 und 2010, ausgeglichen, konnte aus dem Jahr 2009 sogar einen kleinen Teil der Schulden tilgen. In der Öffentlichkeit ausgetragene Reibereien zwischen Vorstandsmitgliedern und der Gemeinde Latsch oder der Bezirksgemeinschaft, wie es in der Vergangenheit beinahe auf der Tagesordnung gestanden hat, sind weitgehend ausgeblieben.

Hinter den Kulissen ist doch einiges in Bewegung. So hat es Ende Jänner ein Treffen zwischen Ernst Steinkeller, dem Obmann der Genossenschaft Schloss Goldrain, Vertretern der Bezirksgemeinschaft mit Präsident Andreas Tappeiner, dem Latscher Vorstandsmitglied Christian Stricker und dem Präsidenten des GWR in Spondinig, Sepp Hofer, gegeben. Inhalt der Aussprache: eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Schloss Goldrain und GWR. Vor gut einem Jahr hat die Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung (GWR), auf ausdrücklichem Wunsch von Vorstandsmitgliedern von Schloss Goldrain um Mithilfe gebeten, ihre grundsätzliche Bereitschaft für eine Zusammenarbeit signalisiert und Vorschläge unterbreitet. „Nur wenn dies in Schloss Goldrain gewünscht wird“, betont Hofer. Bisher ist vom Vorstand von Schloss Goldrain keine offizielle Antwort, weder ein Ja noch ein Nein, noch ein Kompromiss, noch ein Gegenvorschlag gekommen. Bisher ist es bei Gesprächen geblieben. Es hat zwar einen regen Briefwechsel zwischen dem Interimspräsidenten Hermann Schönthaler und Sepp Hofer gegeben – allerdings ohne konkretem Ergebnis. Die Anregung einer gemeinsamen Plattform auf dem Weiterbildungssektor stößt zwar auf Konsens, den Weg dahin kennzeichnen allerdings unterschiedliche Vorstellungen. Einen goldenen Mittelweg hat man wohl noch nicht gefunden. Bezirkspräsident Andreas Tappeiner hat den Punkt Schloss Goldrain am vergangenen Dienstag im Bezirksausschuss auf die Tagesordnung gesetzt. Für ein grundsätzliches Gespräch, sagt Tappeiner. Vertiefen wolle man das Verhalten der Gemeinden gegenüber der Genossenschaft dann in einer Bürgermeisterrunde. (eb)

 

 

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Abwässer nach Glurns leiten?

24. Februar 2011 Kommentare aus

Der Gemeindenpräsident der Gemeinde Val Müstair Arno Lamprecht: Beide Varianten werden überprüft und, wenn alles klappt, im Juni darüber in der Gemeindenversammlung entschieden

Neu belebt wird das Ansinnen im Val Müstair, seine Abwässer nach Glurns leiten zu können. Eine Anfrage an die Bezirksgemeinschaft Vinschgau ist unterwegs, in der nochmals die Bereitschaft der Vinschger Verwalter eruiert werden soll, ob sich die Gemeinde Val Müstair an die Kläranlage in Glurns anschließen könnte. In der vergangenen Woche hat sich zudem der Gemeindenpräsident von Val Müstair Arno Lamprecht und der Gemeindetechniker Anton Waldner  mit dem Tauferer Gemeindeausschuss getroffen, um über eine mögliche Abwasserleitung von Puntweil bis nach Rifair zu beraten. Zwischen Taufers und Rifair würde die mögliche neue Leitung in den Hauptsammler einmünden. Konkret wurde die Idee, mit den Abwässern über die Grenze zu fahren, im vorigen Jahr, weil in der Schweiz ein Gesetzesentwurf über den Finanzausgleich an die Gemeinden diskutiert worden ist, der den Gemeinden unter anderem keine finanzielle Unterstützung bei der Sanierung oder Erweiterung von Kläranlagen mehr gewähren wollte. Seit Sommer vergangenen Jahres liegt den Schweizern ein rudimentäres Angebot von Seiten der Vinschger Bezirksgemeinschaft für einen Anschluss in Glurns vor. Weil der Gesetzesentwurf dann doch nicht Realität geworden ist, hat die Gemeinde Val Müstair noch etwas Luft bekommen. Klar ist, dass in der Kläranlage Glurns, die auf 30.000 Einwohnergleichwerte ausgelegt ist, noch Kapazitäten frei sind. Der Gemeindetechniker vom Val Müstair AntonWaldner sieht noch einigen Klärungsbedarf, einmal die Berechnung der Einwohnergleichwerte des Val Müstair, einmal jene Kosten, die für einen Einkauf in den Restwert der Glurnser Kläranlage anfallen könnten.

Nun sollen Details, sämtliche Kosten betreffend, geklärt werden, die ein Anschluss an die Kläranlage Glurns mit sich bringen würde. Auch sollen die Möglichkeiten einer Mitsprache für künftige Entscheidungen ausgelotet werden. Parallel dazu werden die Kosten erhoben, die eine Erweiterung – eine zusätzliche Reinigungsstufe –  der bestehenden Kläranlage hinter der Grenze bei Puntweil kosten würde. Beide Kostenvoranschläge sollen dann, so Lamprecht, im Sommer in der Gemeindeversammlung für einen Entscheid vorgelegt werden. (eb)

 

 

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„Wir haben keinen Plan B.“

10. Februar 2011 Kommentare aus

Der Malser BM Ulrich Veith ist der Sprecher der Arbeitsgruppe Tourismus, die Vorschläge für eine Weiterentwicklung des Tourismus im Vinschgau ausgearbeitet hat

„Vinschgerwind“: Der Tourismusverband soll sich selbst abschaffen, eine neue Gesellschaft bzw. ein neues Kompetenzzentrum für den Tourismus soll in Glurns entstehen. Für die finanzielle Ausstattung der neuen Gesellschaft sollen die Tourismustreibenden tiefer in die eigene Tasche greifen als bisher. Das sind unter anderem die Vorschläge, die die Arbeitsgruppe Tourismus kürzlich präsentiert hat. Starker Tobak?

Ulrich Veith: Sicher beinhalten unsere Vorschläge starke Veränderungen. Ich glaube aber nicht, dass es starker Tobak ist. Ich bin der Meinung, dass es für die gesamte Wirtschaft im Tal notwendig ist, dass der Tourismus gestärkt wird. Die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge sehen wir als gute Investition in die künftige Entwicklung des Tourismus. Wenn man zudem bedenkt, dass das Land bzw. die Steuerzahler nochmal soviel drauflegen, müsste jeder Touristiker sagen, da mach ich mit. Natürlich muss ein künftiges Kompetenzzentrum besser funktionieren als es heute der Fall ist.

 

Die Arbeitsgruppe hat festgestellt, dass es den Tourismusbetrieben aufgrund der Auslastungstage, im Schnitt 104 Tage, und aufgrund des Preisniveaus wirtschaftlich nicht sonderlich gut geht.

Es ist klar, dass eine Kombination von geringer Auslastung und niederem Preisniveau automatisch zu einer schlechten Wirtschaftlichkeit führt. Wird aber in schwierigen Zeiten noch weniger investiert, ist man morgen noch weniger konkurrenzfähig, dann fühlen sich die Gäste noch weniger wohl, dann kommen immer weniger Gäste. Das ist eine Spirale, die nach unten führt. Ich glaube, dass man sich besonders in schwierigen Zeiten aufraffen und gemeinsam in die Zukunft investieren muss. Man darf nicht vergessen, dass auch die Politik mithilft: das Land gibt etwas dazu, die Gemeinden unterstützen die Tourismusvereine. Die Konkurrenz schläft nicht. Beispielsweise wird im benachbarten Österreich laufend investiert.

 

Will man bei den Betrieben, was Nächtigungen betrifft, noch eine Feinanalyse machen?

Das muss man sogar. Unser Vorschlag der Beitragszahlungen ist eine Staffelung nach Kategorien. Aber es ist ein Vorschlag.

 

Warum hat man nicht vorgeschlagen, die Vi.P mit ins Boot zu nehmen? Die Vi.P ist schließlich auf den Zielmärkten des Vinschgaus mit der Apfelvermarktung operativ.

In der Arbeitsgruppe war das immer wieder Diskussionsthema. Wir haben uns aber primär darauf geeinigt, dass zuerst ein Kompetenzzentrum aufgebaut werden soll, das sich vorerst um den Tourismus kümmern soll. Die anderen Bereiche sollen später miteingebaut werden. Um ein möglichst breit aufgestelltes Spektrum an landwirtschaftlichen Produkten miteinbeziehen zu können, haben wir die Mitarbeit der Landwirtschaft im Allgemeinen vorgeschlagen. Mit der Vi.P wurden allerdings konkrete Gespräche geführt und sie hat Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert.

Als Sprecher der Arbeitsgruppe dürfte Ihr Terminkalender derzeit prall gefüllt sein. Der Vorschlag, den die Arbeitsgruppe „der Vinschger Weg“ nennt, soll den Tourismusvereinen in getrennten Sitzungen vorgestellt werden. Die Diskussion soll rasch über die Bühne gehen. Mitte 2011 sollte, so der Vorschlag der Arbeitsgruppe, die neue Organisation operativ sein. Ist das realistisch?

Meiner Meinung nach ja. Bis Ende Februar sollen die Vorschläge allen Tourismusvereinen vorgestellt sein. Anfang März soll der Tourismusverband die Entscheidung treffen, ob er diesen Weg gehen will oder nicht. Ist die Entscheidung in unserem Sinne, muss sofort mit der Umsetzung begonnen werden. Laut unserem Vorschlag soll ein externer Berater die Umsetzung begleiten. Auch soll dieser Berater mit den Vereinen intensiv zusammenarbeiten, die Vereine schulen.

 

Wird das Konzept auch dem Vorstand des Verbandes vorgestellt oder geht man vom Automatismus aus, dass die Verbandsmitglieder eh aus den Vorständen der einzelnen Vereine kommen?

Im Verband sind die Präsidenten oder Aufsichtsratsmitglieder der Tourismusvereine vertreten. Wenn wir das Konzept in den Vereinen vorstellen, haben wir bereits mit den Verbandsvorständen Kontakte. Aber es ist sicher sinnvoll und notwendig, das Gespräch in der Runde der Vorstände des Tourismusverbandes zu führen. Im Endeffekt entscheidet ja der Vorstand des Verbandes über dessen Auflösung.

 

Welche Rückmeldungen haben Sie bisher?

Ich habe einen hohen Prozentsatz an positiven Rückmeldungen. Es kommen Leute, die sagen, dass man noch hätte einen Schritt weiter gehen können. Es kommen Leute, die die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge kritisch sehen, weil es sich immerhin um eine 50-prozentige Erhöhung handeln soll. Wenn danach die Qualität passt, das sind die meisten Rückmeldungen, sind die Leute bereit, auch mehr zu zahlen. Zudem ist das Zuckerle von Landesrat Berger, die Mitgliedsbeiträge nochmals zu verdoppeln, ein Anreiz, der auszunutzen ist.

 

Schnals gehört zur Bezirksgemeinschaft Vinschgau, der Tourismusverein ist in der Marketinggesellschaft Meran eingebunden. Soll Schnals auf dem „Vinschger Weg“ mitgenommen werden?

Schnals wurde in den ganzen Diskussionen informiert. Dass der Schnalser BM bei der Präsentation in Schlanders anwesend war, war ein Signal, dass Schnals zum Vinschgau gehört. Wir wollen ja eine intensive Zusammenarbeit mit Meran suchen, so dass es keinen wesentlichen Unterschied macht, wo ein Tourismusverein Mitglied sein wird. Natürlich wär’s schön, wenn der Vinschgau touristisch bis zur Töll ginge. Ich würde da bei den politischen Grenzen nicht Halt machen. Der Gast macht das ja auch nicht.

 

Als eines der großen Eigenarten des Vinschgaus hat die Arbeitsgruppe die Landschaft ausgemacht. Stehen die geplanten Windräder im Widerspruch zu diesem Potenzial?

Das Landschaftsbild würde durch die Windräder sicher verändert, das ist ganz klar. In diesem Sinne kann man schon sagen, dass es ein Widerspruch ist, wenn man sagt, dass die unberührte Naturlandschaft verändert wird.

 

Zu den Eigenarten des Vinschgaus zählt auch die, wie es der Bezirkspräsident Andreas Tappeiner ausgedrückt hat, „Vielfalt der Meinungen“. Gibt es zum Vorschlag der Arbeitsgruppe einen Plan B?

Eigentlich nicht. Wir haben uns an die Leitplanke gehalten, dass der Vinschgau als eigenständige Marke positioniert werden soll. Wir haben in der Arbeitsgruppe viele verschiedenen Modelle durchdiskutiert und wir sind zum Schluss gekommen, dass der vorliegende der sinnvollste Vorschlag ist. Ehrlich gesagt, wir haben keinen Plan B.

Interview: Erwin Bernhart

 

 

Nein zu Bezirks-Polizei

13. Januar 2011 Kommentare aus

Mammutrunde der Bürgermeister sagt nein zu Mammutpolizei; i. B. Bezirkspräsident Andreas Tappeiner

Eine Vinschger Bezirkspolizei wird’s nicht geben. Widerstand gegen das Ansinnen einer Gigabehörde, jüngst im Bezirk vorgeschlagen, ist vor allem aus dem Obervinschgau gekommen. Der Grund: Das geografische Territorium für einen übergemeindlichen Polizisten-Pool, von Schlanders aus gesteuert,  sei zu groß und die Wege, die zurückgelegt werden müssten, demnach zu lang. Von einem Effizienzgewinn könne keine Rede sein.

Vorgeschlagen worden war, die Dorfpolizisten der Vinschger Gemeinden in einer Mammutbehörde zu bündeln und als Bedienstete der Bezirksgemeinschaft zu führen. Nachtdienste, Urlaubsvertretungen und Dienste, die von mindestens zwei Polizisten versehen werden müssen, hätten so gewährleistet werden können. Verständigt hat man sich nun auf keine zentrale Einheit, sondern, so Bezirkspräsident Andreas Tappeiner, „auf mehrere kleinere Einheiten.“ Konkret: Laas, Schluderns, Prad und Stilfs könnten in Zukunft eine, Kastelbell, Latsch und Martell eine weitere und der obere Vinschgau eine dritte Einheit bilden. Entsprechende Vereinbarungen sollen das Ganze auf eine rechtliche Basis stellen. (ap)

 

 

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Rückblick 2010

16. Dezember 2010 Kommentare aus

Vinschgerwind-Splitter aus dem Jahr 2010


Unglück. Am 12. April geschieht zwischen Latsch und Kastelbell Unfassbares: Der Vinschgerzug wird von einer Mure erfasst, Schlamm dringt in die Waggons, 11 Menschen sterben, mehr als 30 werden verletzt. Landesweite Bestürzung herrscht über den Unfall, die mediale Beachtung des Unglücks ist riesengroß und reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. Die Bergungsaktion verläuft reibungslos, Retter sind sofort zur Stelle. Die Landesregierung sagt eine finanzielle Soforthilfe für die Hinterbliebenen und für die Verletzten zu. Bischof Karl Golser hält in der Pfarrkirche von Schlanders einen Trauergottesdienst ab. Der Hergang des Unfalls wird später die Staatsanwaltschaft beschäftigen. Als gesichert gilt, dass eine „Wassertasche“ die Schlammlawine explosionsartig gelöst hat. Wo die Verantwortlichkeit für diese „Wassertasche“ liegt, versucht die Staatsanwaltschaft durch Experten herauszufinden. Ersten Verdachtsmomenten, eine defekte Beregnungsleitung oberhalb des Unfallortes könnte die Mure ausgelöst haben, treten die Verantwortlichen des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau vehement entgegen. Es gebe zwar eine defekte Beregungsleitung, so Bonifizierungsobmann Lothar Burger, diese könne allerdings niemals allein für die Mure verantwortlich sein.

Iyhaa. Sepp Noggler, „Sepp Rambo“, wird der „Wind“-Betitelung nach den Landtagswahlen im Jahr 2008 mehr als gerecht. Zu Beginn des Jahres lässt Noggler, damals noch VEK-Präsident, gegen die Landesregierung einen Rekurs schmieden und zwar gegen die Konzessionsvergabe am Marteller Stausee. Die „Hydros“ (60% SEL AG und 40% Edison) hat sich als Hydra erwiesen und ihr wurde die Konzession zugesprochen. Das Urteil  ist noch ausständig. In dieser Dicke ging es unters Jahr weiter und endete kürzlich damit, dass es Noggler, fraktionszwangsbefreit, erreichte,  einen Energieartikel aus dem Omnibusgesetz vertagen zu lassen. Noggler fühlt sich ausschließlich seinen Vinschger Wählern verpflichtet.

Gebrütet. Früh hat er sich ins Fenster gestellt, um seinen Anspruch als Bezirkspräsident anzumelden: der Laaser BM Andreas Tappeiner. Ernsthafte Konkurrenz hatte er nicht zu befürchten. Gelungen ist ihm, den Bezirksausschuss so zusammenzustellen, wie er es in seiner Laaser Gemeinde gewohnt ist: mit „seinen“ Leuten. Roselinde Koch Gunsch, wenn auch nicht wortgewandte so doch wortgewaltige VizeBM in Taufers und SVP-Bezirksobfrau, sollte unbedingt in den Ausschuss. Der SVP-Obmann Richard Theiner und der SVP-Senator Manfred Pinzger stellten sich dermaßen hinter „ihre“ Roselinde und setzten Tappeiner mächtig und dermaßen unter Druck, dass der Schlanderser Psychologe Harald Tappeiner, frischgebackener Präsident des SVP-Bezirkssozialausschusses,  mediativ eingreifen musste. Koch-Gunsch kam dennoch nicht in den Bezirksausschuss, wurde allerdings – als Kompromiss – mit den Interregprogrammen beauftragt. Trotzdem – Koch Gunsch war politisch beleidigt – stimmte sie dem Tappeiner’schen Ausschuss in der konstituierenden Sitzung nicht zu. Tappeiner hat sich seine Wunschkandidatin in den Ausschuss geholt: die Kastelbeller VizeBMin Rita Gstrein.


Gluckig. Ein Teil der VizeBM ist im Vinschgau weiblich. Sibille Tschenett ist die VizeBMin in Mals, Karoline Gasser in Graun, Roselinde Koch Gunsch in Taufers, Monika Holzner Wunderer in Schlanders und Rita Gstrein in Kastelbell. Mindestens zwei davon hätten das Potenzial gehabt, ganz vorne mitzumischen. Beide haben sich nicht getraut, konnten oder durften nicht. Beide haben jungen, polithungrigen Männern den Vortritt gelassen. Die Gentlewomen, die das Bemuttern vorgezogen haben, sind Karoline Gasser in Graun und Monika Wunderer in Schlanders.


Eiszeit. In Mals wird tabula rasa gemacht. BM Ulrich Veith setzt einen neuen Touristik &Freizeit Vorstand ein und fegt damit Albert Hutter & Co von der Watles-Bühne. Dann lässt Veith in Mals Bäume aufstellen – in Töpfen – weil alles versiegelt ist. Der Oberwind hat was dagegen und lässt die Bäume purzeln. Eine teure schlossermäßige Verankerung wird daraufhin den Bäumen verpasst. Dann ist Spatenstich in Planeil. Das neue SEL-Gemeinde-FraktionPlaneil-E-Werk wird in Angriff genommen. Dann kommt, vor dem Gemeindeleitbild, der Energieleitplan und das Ansinnen sickert durch, dass auf der Malser Haide insgesamt 7 Windräder aufgestellt werden sollen. Es regt sich Widerstand. Die Touristiker sind dagegen, eine Gegner-Gruppe beginnt sich zu bilden. Zwischen den Obervinschger Gemeinden Graun und Mals herrscht wegen der Windräder Eiszeit. BM Heinrich Noggler lässt eine Volksbefragung vorbereiten.

Vernetzt. Georg Lechner, der Geschäftsführer der Lasa Marmo, vernetzt sich. Seit Jänner hängt das Betriebsgelände am Netz des Laaser Fernheizwerkes. Netze spannt Lechner auch andere. Der Architekt Siegfried Tappeiner entwirft einen Plan, um die gesamte Marmorgeschichte touristisch zu erschließen. Dazu will man eine Gesellschaft gründen. Plan und Gesellschaft reifen immer noch in der Schublade. Dafür war der Nationalpark fixer und macht Nägel mit Köpfen: Zum 80-jährigen Jubiläum der Laaser Schrägbahn, der grand Dame der Vinschger Industrie, brachte der Park – in Zusammenarbeit mit dem Verein Freunde der Schrägbahn, der Fraktion Laas und der Lasa Marmo –  ein herrlich Geschenk mit ein: den Schräbahnsteig, einen Themenlehrweg. Die touristische Nutzung hat einen Angelpunkt.

Freudig. Die Verkehrsproblematik im oberen Vinschgau steht an einem Wendepunkt. „Beim Ausbau der Staatsstraße wird in der bevorstehenden Amtsperiode der Verwirklichung des Projekts Umfahrung Kastelbell weiterhin höchste Priorität eingeräumt. Anschließend muss eine Verkehrsberuhigung von Tartsch angegangen werden. Sollte eine Gesamtlösung im Abschnitt Spondinig – Mals in Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden Schluderns, Mals, Glurns und Prad am Stj. realisierbar sein, ist dies anzugehen“, hat Bezirkspräsident Andreas Tappeiner in seiner Programmschrift festgehalten. Mit ihrer Unterschrift haben der Prader BM Hubert Pinggera und der Malser BM Ulrich Veith dies besiegelt. Freuen dürfte sich der Schludernser BM Erwin Wegmann.

Frech. Latsch, Glurns, Graun, Mals und Partschins jeweils 3; in Schluderns 2, Taufers, Naturns und Schlanders 1 Ratssitz: Die Freiheitlichen haben bei den Gemeinderatswahlen im Mai frech aufgetrumpft. In Schlanders wollten die Freiheitlichen kurz vor den Wahlen das Handtuch werfen und nicht mehr kandidieren. In Unkenntnis dieses Umstandes hat der „Wind“ über die F-Kandidaten berichtet. Danach hat man sich bemüßigt gefühlt, doch zu kandidieren. Jungspund Lukas Theiner ist dann – nolens volens – in den Rat katapultiert worden. Mittlerweile ist ein Ober-Freiheitlicher für den Bezirk gewählt, ein Bezirkssprecher nennt das die F-Truppe. Peppi Stecher, ein 68er Jahrgang und Sepp Nogglers Schwager, soll die Freiheitlichen im Vinschgau koordinieren. Nicht mehr an vorderster F-Front ist der Laaser Oswald Angerer.

Verlierer. Die Allianz mit mächtigen Bauern im Hintergrund half dem Partschinser Sportvereinspräsident und Arbeitnehmerkandidat Stefan Ganterer wenig. Nicht ausreichend hieß es für den Lehrer im Stechen um den Bürgermeistersessel in Partschins. Platz zwei. Setzen.

Anders ist der Kastelbeller Johannes Kofler an die Bürgermeister-Wahl herangegangen. Mit Klinken putzen wollte sich der eloquente Kofler die Tür zum Rathaus öffnen. Sein Nimbus reichte nicht. Seine politische Graswurzelarbeit ebenso wenig. Mit nur einem Platz im Ausschuss wurden Kofler und seine Arbeitnehmerinnen abgespeist.

Was am Gasthaus-Pudel ausgekungelt wurde, sollten sich die Schlanderser Bauern zu eigen machen und einen Rescher Wirtschaftler ins Rathaus hieven. Aus der geplanten Abnickwahl wurde nichts. Die Bauern verweigerten die Gefolgschaft und Erwin Dilitz führte die Schlanderser Wirtschaft ins größte Debakel ihrer Geschichte. Der wirtschafts-politische Einsatz als einfaches Ratsmitglied des Anwalts bis heute: Null komma Josef.

Im politischen Fleischwolf fand sich der Marteller Seewolf, Hans Fleischmann wieder. Der Hintermarteller Wirt wollte das Tal von hinten aufrollen. Um zehn Stimmen musste er sich dem Briefträger geschlagen geben. Mit zusammengebissenen Zähnen folgte auf vollmundige Worte vor der Gemeinderatswahl ein kleinlauter Rückzug nach der Gemeinderatswahl.

Gebeutelt.Hans Berger, der Landesrat für Tourismus und Landwirtschaft, stellt den Vinschger Tourisitkern die Rute ins Fenster. So gehe es nicht, sagt Berger und nimmt Bezug auf diverse Pilgerfahrten von Touristikern in sein Büro. Berger zitiert die BM nach Bozen und macht den Tourismus damit zum lokalen Politikum. Fazit I: Eine Arbeitsgruppe, von lokalpolitischer Seite unterstützt, wird eingesetzt. Die soll den Vinschgau, auf dem Papier, auf Vordermann bringen und Ergebnisse bis Ende September liefern. Sind die Ergebnisse dann da, so ward’s ausgemacht, tritt der Verbandspräsident Karl Pfitscher zurück. Einen „dead man walking“ nannte der „Vinschgerwind“ Pfischter. Fazit II: Ergebnisse sind bisher keine auf dem Tisch. Pfitscher walkt immer noch. Vor Jänner 2011 seien Ergebnisse nicht zu erwarten, heißt es. Derweil soll der Tourismusverband das Programm und die Werbung für das kommende Jahr unter Dach und Fach bringen. Fazit III: Der Verband wird in der Luft hängen gelassen. Fazit IV: Goßer Sturm im Wasserglas? Denn der Tourismus im Vinschgau steht ganz so schlecht nicht da. Natürlich gibt es da und dort Verbesserungsbedarf. Durchgesickert ist bislang nur eines: Einen Zusammenschluss mit dem Burggrafenamt wird es wohl nicht geben.

Gegangen. In Schlanders hat wohl kein Generalsekretär eine kürzere Amtszeit auf dem Buckel. Nach  gut dreieinhalb Jahren warf Christian Messmer das Handtuch und löste im Tal eine wahre Sekretärsrochade aus. Erst wollte er nicht, dann wollte Georg Sagmeister, der Glurnser Stadtsekretär doch. Sagmeister, für seine eiserne Hand und stramme Verwaltung bekannt, ist beim Wettbewerb vor allem auf eins geprüft worden: seine Führungsqualitäten. Vielfachfunktionär ist Sagmeister seitdem: Glurnser Stadtsekretär, Schlanderser Teilzeitsekretär und Göflaner Fraktionssekretär. Messmer hingegen wurde zum Provisorium und besetzt bis zur Genesung von Konrad Raffeiner, dem Schludernser Sekretär, den vakanten Posten im Generalsekretariat der Bezirksgemeinschaft von Alfred Kaserer. Kaserer und der Malser Generalsekretär Anton Patscheider wählten einen leisen Abgang: die Pensionierung.

Slalom. Das Skigebiet Schöneben mag die Haideralm. Lieben ist etwas anderes. Zum wiederholten Male kochen heuer wieder Fusionsgelüste auf. AltBM Albrecht Plangger blieb die Fusionierung seiner Skigebiete versagt. Mit dem neuen BM Heinrich Noggler keimt auf Haider Seite wieder Hoffnung auf. Die Haider suchen Halt. Mal tuscheln sie mit dem Watles, mal kuscheln sie mit Schöneben. Neues Jahr, neues Spiel, neues Glück? Die Trafoier haben ebenfalls Halt gesucht. War im vorigen Winter der Schönblicklift zu, die Schönaussichten trüb, ist es den Trafoiern gelungen, heuer den Spieß umzudrehen. Was Sulden erwirtschaftet, wird in Trafoi gesteckt, so die Devise von Werner Netzer, Chef der Walter Klaus Holding. Olé, sagt da Jaime Lorenzo Blanco hoch oben auf der Tarscher Alm und verspricht weiße Weihnachten in Tarsch und Latsch: Nadal Blanco. Blanco steckt heuer einen Haufen Geld in die alten Anlagen, revisioniert diese und will zu Weihnachten mit umgebauter und vom höhenerprobten Arthur Gfrei geführten Bergstation eröffnen.

 

Abgesang. Der eine, Kulturgeist Konrad Meßner, verabschiedet seinen Xong pompös mit einem „Schwanenxong“. Nach der 12. Ausgabe scheint Schluss zu sein. Finanzielle Probleme. Der andere, Kurt Ziernöld, Präsident der Kaufleute und
Dienstleister im Tal, macht einem jüngeren Platz. Der Laaser Dietmar Spechtenhauser wird hds-Bezirkspräsident. Ziernhöld staucht den „Vinschgerwind“ in Kortsch bei seiner Abschiedsrede vor versammelter Kaufleutemann- und -frauschaft zusammen. Der „Wind“ hatte sich erlaubt, „Ziernhölds Idee“ eines „Vinschger Handelsfenster“ ins richtige Licht zu rücken. Würdevoller ist ein „Politfossil“, wie ihn der „Wind“ bezeichnete, gegangen: der Partschinser BM Robert Tappeiner. 46 Jahre lang hat er die Geschicke der Kleingemeinde als BM geleitet.

Gebürstet. Latsch ist, weil mehrfach gespalten, immer ein spannendes Pflaster. Auch heuer. Die Wahlen der Tourismusspitze waren so ein Pflaster. Zwei wollten es im Vorfeld wissen: Georg Pirhofer und Hansjörg Dietl. Ersterer hatte die meisten Stimmen bei der Vollversammlung, letzterer lag knapp dahinter. Dietl wurde dann nach mehreren Sitzungen gewählt, es wurde antichambriert, Dietl – „El Presidente“ – musste seinen Hut nehmen und Präsident geworden ist dann ein Marteller: Günther Pircher.


Opponiert. Politisch herumdoktern hat Andreas Heidegger müssen. Bei der Zusammenstellung seines Ausschusses hat Heidegger den streitbaren Gemeindearzt Hans Pöll außen vor gelassen und die Margot Svaldi Tschager in seine Regierung geholt. Dafür musste der Koalitionspartner eine Kröte schlucken: VizeBM wurde der Inneruntersteller und Fuchs am Berg Helmuth Müller. Umgekehrt ist’s in Laas. Dort hat Bürgermeister Andreas Tappeiner am Alleinherrschen Gefallen gefunden. Trotz hervorragender Wahl

-Ergebnisse bekommt die Bürgerliste keinen Platz und wird zum Bauernopfer. Den Bürgerlistlern um Priska Lechner ist das sauer aufgestoßen. Die Retourkutsche sollte mit der Volksbefragung und der Reduzierung der Referenten kommen. Gelungen ist das nicht. Das Quorum wurde nicht erreicht. Aus Prinzip keine Opposition im Kabinett, so scheint’s, will man in Prad. Und aus Prinzip wird auch nicht mit der Opposition gesprochen. Ergebnis hin oder her. Viechisch sei das, behaupten böse Zungen. Bürgermeister Hubert Pinggera lässt’s kalt. Weil die grün beseelte Opposition die politische Rhetorik beherrscht und Pinggera in Schach zu halten weiß, wird in Prad pfeffrig in langen mehrtönigen Ratssitzungen opponiert.

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Der Kompromiss

16. Dezember 2010 Kommentare aus

Der Wermutstropfen: Das vierte Obergeschoss des alten Bettentraktes am Krankenhaus Schlanders wird nicht umgebaut. Das Gesamtkonzept, frisch auf dem Tisch, klammert das letzte Stockwerk aus. Die Möglichkeit zur Unterbringung postakuter Patienten und Patienten der Übergangs- und Kurzzeitpflege dort hat Anton Theiner, der ärztliche Leiter beim Gesundheitslandesrat nicht durchgebracht. Vor allem um akutstationäre Krankenhaus-Aufenthalte gering zu halten, wäre der Umbau wichtig gewesen. Die restlichen Geschosse des alten Bettentrakts des Schlanderser Krankenhauses, zwei unter der Erde und drei darüber, werden umgebaut und für die Zukunft hergerichtet. Das hat die Landesregierung beschlossen. 17.705 Kubikmeter werden den Notwendigkeiten angepasst, um 5.893 Kubikmeter wird der alte Bettentrakt erweitert. Der Eingangsbereich des Erdgeschosses wird mit einem Innenhof und einer Bar offener gestaltet. Ein „day searchery“ mit zwölf Betten, ein „day hospital“ mit neun  Betten und Teile der Chirurgie werden ebenfalls im Erdgeschoss ihren Platz finden. Medizin, Chirurgie und Medizin wechseln sich in den drei Obergeschossen ab. Jeweils 23 Betten wird jede Abteilung beibehalten. Weil der derzeitigen Fassade eine weitere vorgelagert wird, gewinnt jedes Zimmer an Tiefe und Platz für Nasszellen. Für den Umbau ausgeschrieben wird ein europäischer Ideenwettbewerb. Die Zeitleiste, die man sich gesetzt hat, ist eine ehrgeizige: in einem Jahr soll das Ausführungsprojekt fertig sein und in den darauf folgenden drei Jahren die Umbauarbeiten am Bettentrakt des Schlanderser Krankenhauses abgeschlossen sein. Kostenpunkt: 16,7 Millionen Euro. (ap)

 

 

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