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„Italien hat uns noch nie etwas geschenkt“

7. April 2011

Martha Stocker: „Mit welcher Dramatik um die UNO-Resolution gerungen wurde, ist unvorstellbar.“

Die Frage zur Selbstbestimmung kam gegen Ende des Abends auf den Tisch: „Warum ist es in all den Jahrzehnten nie zu Südtirols Selbstbestimmung gekommen?“ Karl Zeller antwortete mit deutlichen Worten: „Ein Freistaat Südtirol würde von den Staaten in der Europäischen Union nie anerkannt; darüber müssen wir uns im Klaren sein. Wir liegen in Italien – was die Finanzausstattung anbelangt – im Spitzenfeld und was die Kompetenzen angeht gut da, wenn auch das eine oder andere noch geholt werden könnte. Wir müssen auch einmal zufrieden sein.“ Vom Publikum – vornehmlich Schlanderser Schützen – gab’s dafür Applaus. Der ehemalige Senator Armin Pinggera – unterm Publikum – ergänzte: „Die Selbstbestimmungsdiskussion ist alles eher als eine gemähte Wiese. Die Selbstbestimmung ist eine scharfe Waffe und diese sollten wir uns aufheben für bittere Zeiten.“ Der Diskussion vorausgegangen war ein – von der Schützenkompanie Schlanders organisierter – Vortrag zum Thema „Südtirols Weg zur UNO-Resolution 1960 und zur Streitbeilegung 1992“.

 

Karl Zeller: „Wir haben Stück für Stück die Blumen am Weg gepflückt, um Südtirol international veranktert zu wissen.“

Die beiden Referenten Martha Stocker und Karl Zeller haben die Stationen dazu aufgezeigt: Der Pariser Vertrag als Ersatz für das Selbstbestimmungsrecht im Jahr 1946. Die Großkundgebung in Sigmundskron 1957, weil Italien seine 51-Prozent-Politik weiterführt. Die erste UNO-Resolution 1960, der drei Anläufe vorausgehen, weil kein Land sich gegen Italien als NATO-Staat zu stellen wagt. Stocker: „40 Redner sprachen im Sonderausschuss über Südtirol und das in der Hochphase des Kalten Krieges.“ Nach der Feuernacht 1961 die zweite Resolution und damit die endgültige Internationalisierung des Südtirol-Anliegens. Wenig später die Einsetzung der  19er Kommission, die sich um eine Lösung bemühen soll. Das Inkrafttreten des Pakets flankiert von einem Operationskalender im Jahr 1972, das bis 1991 in Gesetze und Durchführungsbestimmungen umgegossen und dann abgeschlossen wird. Zeller: „Die Strategie von Silvius Magnago und Alfons Benedikter auf eine langsame Umsetzung zu gehen, auf Inhalte und keinem verfrühten Schrumpfpaket zuzustimmen, war richtig.“ 1992 folgt die Streitbeilegungserklärung. Nur eine Sache aus dem Operationskalender sei nicht gemacht worden: ein Freundschaftsvertrag zwischen Österreich und Italien.

 

Zellers Fazit: „Das ist auch gut so. Rückblickend sind die Winkeladvokaterie und die Verteidigungsstrategie Italien zum Bumerang geworden und haben uns letztendlich mehr gebracht, als man je geglaubt hätte. Natürlich haben wir auch darum gekämpft. Gratis hat uns Italien nie was gegeben. Das war damals so und ist auch heute noch so.“  (ap)

 

 

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