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Der Partschinser Geldfluss

24. Februar 2011

Die Gemeindekassen im Land werden immer leerer. Glücklich also jene, die sich mit Zusatzeinkünften finanziell unabhängiger machen können, wie z.B. durch das Stromgeschäft. Der technische Landesbeirat hat kürzlich grünes Licht für einen Kraftwerkbau in Partschins gegeben, das den Strombedarf des Gemeindegebietes abdecken und zusätzlich eine Menge Geld einbringen soll. Bemerkenswert dabei ist, dass keiner der Stromriesen im Land mit in das lukrative Geschäft eingestiegen ist – das Geld bleibt im Dorf.

von Martin Platzgummer

 

Bereits seit hundert Jahren leistet der Zielbach der Gemeinde wertvolle Dienste. Zum einen zieht er mit seinem spektakulären und weithin sichtbaren Wasserfall Touristen und Gäste an, zum anderen versorgt sein Wasser, nunmehr seit über hundert Jahren, das Dorf mit elektrischer Energie.

Die beiden gemeindeeigenen Kraftwerke „Salten“ und „Wasserfall“ decken derzeit rund 40 Prozent des Strombedarfes von Partschins, das entspricht vier Millionen Kilowattstunden. Nun geht man einen Schritt weiter und realisisert ein Kraftwerkprojekt, das mehr Strom produziert, als man im Jahr verbraucht. Mit dem neuen Werk „Birkenwald“ und dem Umbau des bestehenden Werkes „Salten“, sollen in Zukunft 12 Mio. Kilowattstunden (kWh) im Jahr an elektrischer Energie erzeugt werden. Und der Gewinn aus dem Stromverkauf vollständig in den Gemeindehaushalt fließen.

Billiger wird der Strom für die Partschinser dadurch nicht, denn „die Tarife für den Verkauf des produzierten Stromes sind gesetzlich festgelegt“, sagt Bürgermeister Albert Gögele. „Ebenso die Tarife, mit denen wir den Strom an unsere Kunden abgeben“ (siehe Schaukasten).

 

v.l.: Johannes Pircher und Stefan Forcher, Mitarbeiter des Stromversorgungsdienstes in Partschins, BM Albert Gögele

Der Wert der Anlage bestehe darin, „dass durch den Stromverkauf, mehr Geld in den Gemeindehaushalt kommt, wodurch wir Projekte finanzieren können, die der Partschinser Bevölkerung zugute kommen“, erklärt Referent Stefan Ganterer. Ganterer betreute das Kraftwerkprojekt bis zu den Gemeinderatswahlen im vorigen Jahr – danach übernahm der neue Bürgermeister Gögele diese Aufgabe.

 

Würde man die Werke als Genossenschaft  und nicht als Gemeinde betreiben, könnte man die Tarife zwar selbst gestalten, das würde aber weniger Geld für den Gemeindehaushalt bedeuten.Zudem, sagt Ganterer, nütze eine Genossenschaft vor allem jenen, die am meisten Strom verbrauchen.

Vier- bis fünfhunderttausend Euro sollen die Kraftwerke im Jahr an Gewinn einbringen, was für Partschins, mit seinen 3.500 Einwohnern, eine ordentliche Stange Geld ist.

 

Pläne für die stromwirtschaftliche Nutzung des Zielbaches in Partschins

Ein wenig überraschend ist daher, dass sich nur die Partschinser für die Konzession  beworben haben. Konkurrenzprojekte von Stromriesen wie SEL oder Etschwerke blieben aus. Stefan Forcher, der technische Leiter des Stromversorgungsdienstes der Gemeinde, glaubt die Gründe dafür zu kennen: „Wir haben entlang des Zielbaches viele Interessensschaften, wie z.B. die Bauern oder die Fischer, private E-Werksbetreiber, zudem müssen wir besondere Rücksicht auf unseren berühmten Wasserfall nehmen“. Die Gemeinde tut sich hier leichter, alle Beteiligten an einem Tisch zu bringen und die strengen Vorlagen umzusetzen. „Das hat andere Anbieter wohl abgeschreckt“, meint Forcher. Besonders die Vorgaben für den Wasserfall sind kompromisslos. Da sich die Ableitung des Wassers für die Kraftwerke oberhalb der Stelle befindet, wo sich der Zielbach so eindrucksvoll in die Tiefe stürzt, muss die Gemeinde eine bestimmte Restwassermenge garantieren. So dürfen untertags maximal  400 Liter Wasser pro Sekunde abgezweigt werden, bei geringerer Wasserführung des Baches, sogar nur 200 Liter die Sekunde. In der Nacht, wenn der Wasserfall im Dunkeln liegt und nicht mehr als Blickfang dient, sind bis zu 700 Liter pro Sekunde erlaubt.

 

Um diese Werte einzuhalten, sind „aufwendige und kostspielige Arbeiten“ bei der Wasserfassung nötig, berichtet Stefan Forcher. Diese liegt auf 1400 m Meereshöhe zwischen den Pfeilern der sogenannten „Steinerbrücke“. Um dort überhaupt bauen zu können, musste man erst mit dem Naturpark Texelgruppe Grundflächen tauschen – was relativ problemlos über die Bühne gegangen ist, wie Forcher und Gögele bekräftigen.

Von der Fassung transportiert eine 1,5 Kilometer lange Rohrleitung das Wasser zum neuen Krafthaus „Birkenwald“ (940m). Das Werk soll dann, einmal in Betrieb, 7,2 Mio. Kilowattstunden Energie jährlich erzeugen.

Das bestehende Kraftwerk „Salten“ wird aufgerüstet. Eine neue Zuleitung, sowie zwei neue Maschinensätze sollen die Produktion auf 4,8 Mio. Kilowattstunden Strom im Jahr hochschrauben.

Das alte Kraftwerk „Wasserfall“ hingegen schaltet man ab und plant, es in ein Museum umzuwandeln. Vor ein paar Jahren feierte das Gebäude noch sein hundertjähriges Jubiläum. Seit 1908 versorgt es die Gemeinde Partschins mit Strom. Mehrere Dorfbewohner schlossen sich damals unter eifriger Mithilfe des weltoffenen Dorfpfarrers Mantinger, zu einer Genossenschaft zusammen und finanzierten den Bau. Projektant war ein gewisser Ingenieur Lai aus Wiener Neustadt. Allerdings war sich dieser im Nachhinein zu schade, seinen Namen für ein so kleines Werk herzugeben und so scheint die Firma Geppert aus Hall in Tirol als planendes und ausführendes Unternehmen auf. Unter dem Faschismus musste die Genossenschaft  aufgelöst werden und das Werk wechselte in den Besitz der Gemeinde über.

1957 ging das Kraftwerk „Salten“ ans Netz und produziert seither mit dem alten Wasserfallwerk einen Teil des Stroms für Partschins –  immerhin vier Millionen Kilowattstunden jährlich.

Diese lange Tradition an Stromerzeugung soll auch der Grund dafür sein, dass das Land mit seinem Energieversorger SEL nicht in dieses lukrative Geschäft mit eingestiegen ist.

„Dafür haben wir auch gekämpft, dass das nicht geschieht“, sagt Bürgermeister Albert Gögele. „Wir sind ein historisch gewachsener Betrieb mit langer Tradition und arbeiten für das Allgemeinwohl. Daher glauben wir, dass es richtig ist, eigenständig zu bleiben“, erklärt Stefan Forcher. Landeshauptmann Luis Durnwalder und Landesrat Michl Laimer haben daraufhin Zusagen gegeben, dass die Kraftwerke unabhängig bleiben.

Auch die Finanzierung des sechs Millionen Euro teuren Projektes fällt vollständig zu Lasten der Gemeinde. Um den Haushalt zu schonen, werden Darlehen bei Banken und beim Rotationsfond der Region aufgenommen, erklärt Gögele. Er rechnet damit, dass das Kraftwerk innerhalb zehn Jahren abbezahlt ist. Die Ausschreibungen für die Arbeiten sollen noch heuer über die Bühne gehen, um mit dem  Bau so schnell wie möglich beginnen zu können. Die Schneeschmelze im Frühjahr 2013 will man dann schon nutzen, um die Kraftwerke in Betrieb zu nehmen.

Gögele und Forcher bekräftigen, dass der Rückhalt in der Bevölkerung für dieses Projekt groß sei, „da das gesamte Dorf davon profitiert“. Zudem wüssten die Leute einen gemeindeeigenen Stromversorgungsdienst zu schätzen, was sich besonders bei Reparatureinsätze bemerkbar mache, „da sind wir einfach schneller vor Ort als andere“.

 

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