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Franz Tumler – Das Franz-Tumler-Symposion von 2008 liegt nun als Tagungsband vor

10. Februar 2011

Bausteine zu einem tieferen Verständnis

 

Franz Tumler 1988 in Berlin; Foto: Herbert Raffeiner

Als 14Jähriger ist Franz Tumler das erste Mal in Laas, bei seinen Verwandten, auf Spurensuche. Es beeindrucken ihn Dorf und Menschen, er kommt mit den Menschen ins Gespräch, reist ab und kehrt wieder. Das Laasertal und die Bärengasse sind ihm Anregung zur Landschafts- und Kunstbetrachtung, der Marmorlechner und die Kirchen. In der St.Marx-Kirche findet 2007 der erste Franz-Tumler-Literaturwettbewerb statt.

Geboren ist Franz Tumler in Gries bei Bozen im Jahre 1912, nur ein Jahr lebt er in Südtirol. Nach dem frühen Tod des Vaters übersiedelt er mit der Mutter nach Linz, wo er die Schule besucht und die Lehrermatura ablegt. Und zu schreiben beginnt. Mit „Das Tal von Lausa und Duron“ und „Der Soldateneid“ hat er im Hitlerdeutschland Erfolg, er „verneigt sich“ vor der NS-Propaganda. Auf der Suche nach einem neuen Start fasst er in den 50er Jahren literarisch wieder Fuss und mit dem „Schritt hinüber“ tut er auch für seine Karriere einen wichtigen Schritt. Tumler rückt ab von den Standpunkten, auf die die Literatur in den 30er Jahren gesetzt hat: Er verwirft jede Schwarz-Weiß-Malerei, lässt Erzähler sprechen, die den eigenen Geschichten misstrauen und er nimmt Bezug auf seine Verstrickungen in die nationalsozialistische Ideologie.

Nun ist vor kurzem der Tagungsband des Tumler-Symposions 2008 herausgekommen, als Beobachter, Parteigänger und Erzähler steht Franz Tumler im Fokus der wissenschaftlichen Befassung (StudienVerlag, 2010, 245 S.). Die Publikation ist eine Einladung, Tumler kritisch und neu zu lesen. Die Autoren moralisieren nicht, schürfen aber tief, wenn sie Tumlers Spuren nachgehen und sein Werk analysieren. Und: sie motivieren die Leser dazu, selbst die Wege des Literaten zu erkunden, an Hand ihrer Forschung – die Vinschgauer Leser allemal und die Tumler-Literatur-Preis-Sympathisanten sowieso.

Die größte Aufmerksamkeit wird der „Aufschreibung aus Trient“ zuteil. Die Literaturwissenschaftler spüren den Erinnerungen des Autors nach, die, wie Tumler sagt, in uns ein merkwürdig unabhängiges Leben führen: Franz Tumler reflektiert Literatur erstmals poetologisch, als „Medium der Erinnerung“. Er erarbeitet eine richtungweisende Romanästhetik und macht seine Auffassung von Literatur und Wirklichkeit deutlich.

Es ist der Verlust des Vaters, der Franz Tumlers Identität bestimmt, und diese verlorene Welt wird die Folie für die Fragen an die Existenz. So kommt es nicht von ungefähr, dass Tumler in der Südtirol-Causa auf Verhandlungen setzt und 1961 eine Petition „zur Wiederherstellung der Menschenrechte“ in Südtirol unterschreibt. Vergangenheit, Politik und erinnerndes Schreiben werden gewissermaßen eins, und eben im Schreiben werden die inneren Schichten freigelegt.

Von 1967 bis 1971 ist Tumler Direktor bzw. stellvertretender Direktor der Abteilung Literatur an der Akademie der Künste in Berlin, und Peter Härtling ist sein Kollege. Härtling selbst setzt auf Erinnern und Hoffen, er will sich „nach vorwärts erinnern“, dynamisch. Härtling hat, anlässlich einer Akademie-Versammlung, ein Gedicht für und über Franz Tumler verfasst, der unseren Schriftsteller charakterisiert als Wanderer im Gebirge, als einen, dessen Sanftmut er traut, als „den Zarteren von uns“, den die Vergangenheiten nicht erschrecken, der vielmehr auf sie zugeht, „vom Schweigen redend“.

Claudia Theiner

 

 

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