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„Wir haben keinen Plan B.“

10. Februar 2011

Der Malser BM Ulrich Veith ist der Sprecher der Arbeitsgruppe Tourismus, die Vorschläge für eine Weiterentwicklung des Tourismus im Vinschgau ausgearbeitet hat

„Vinschgerwind“: Der Tourismusverband soll sich selbst abschaffen, eine neue Gesellschaft bzw. ein neues Kompetenzzentrum für den Tourismus soll in Glurns entstehen. Für die finanzielle Ausstattung der neuen Gesellschaft sollen die Tourismustreibenden tiefer in die eigene Tasche greifen als bisher. Das sind unter anderem die Vorschläge, die die Arbeitsgruppe Tourismus kürzlich präsentiert hat. Starker Tobak?

Ulrich Veith: Sicher beinhalten unsere Vorschläge starke Veränderungen. Ich glaube aber nicht, dass es starker Tobak ist. Ich bin der Meinung, dass es für die gesamte Wirtschaft im Tal notwendig ist, dass der Tourismus gestärkt wird. Die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge sehen wir als gute Investition in die künftige Entwicklung des Tourismus. Wenn man zudem bedenkt, dass das Land bzw. die Steuerzahler nochmal soviel drauflegen, müsste jeder Touristiker sagen, da mach ich mit. Natürlich muss ein künftiges Kompetenzzentrum besser funktionieren als es heute der Fall ist.

 

Die Arbeitsgruppe hat festgestellt, dass es den Tourismusbetrieben aufgrund der Auslastungstage, im Schnitt 104 Tage, und aufgrund des Preisniveaus wirtschaftlich nicht sonderlich gut geht.

Es ist klar, dass eine Kombination von geringer Auslastung und niederem Preisniveau automatisch zu einer schlechten Wirtschaftlichkeit führt. Wird aber in schwierigen Zeiten noch weniger investiert, ist man morgen noch weniger konkurrenzfähig, dann fühlen sich die Gäste noch weniger wohl, dann kommen immer weniger Gäste. Das ist eine Spirale, die nach unten führt. Ich glaube, dass man sich besonders in schwierigen Zeiten aufraffen und gemeinsam in die Zukunft investieren muss. Man darf nicht vergessen, dass auch die Politik mithilft: das Land gibt etwas dazu, die Gemeinden unterstützen die Tourismusvereine. Die Konkurrenz schläft nicht. Beispielsweise wird im benachbarten Österreich laufend investiert.

 

Will man bei den Betrieben, was Nächtigungen betrifft, noch eine Feinanalyse machen?

Das muss man sogar. Unser Vorschlag der Beitragszahlungen ist eine Staffelung nach Kategorien. Aber es ist ein Vorschlag.

 

Warum hat man nicht vorgeschlagen, die Vi.P mit ins Boot zu nehmen? Die Vi.P ist schließlich auf den Zielmärkten des Vinschgaus mit der Apfelvermarktung operativ.

In der Arbeitsgruppe war das immer wieder Diskussionsthema. Wir haben uns aber primär darauf geeinigt, dass zuerst ein Kompetenzzentrum aufgebaut werden soll, das sich vorerst um den Tourismus kümmern soll. Die anderen Bereiche sollen später miteingebaut werden. Um ein möglichst breit aufgestelltes Spektrum an landwirtschaftlichen Produkten miteinbeziehen zu können, haben wir die Mitarbeit der Landwirtschaft im Allgemeinen vorgeschlagen. Mit der Vi.P wurden allerdings konkrete Gespräche geführt und sie hat Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert.

Als Sprecher der Arbeitsgruppe dürfte Ihr Terminkalender derzeit prall gefüllt sein. Der Vorschlag, den die Arbeitsgruppe „der Vinschger Weg“ nennt, soll den Tourismusvereinen in getrennten Sitzungen vorgestellt werden. Die Diskussion soll rasch über die Bühne gehen. Mitte 2011 sollte, so der Vorschlag der Arbeitsgruppe, die neue Organisation operativ sein. Ist das realistisch?

Meiner Meinung nach ja. Bis Ende Februar sollen die Vorschläge allen Tourismusvereinen vorgestellt sein. Anfang März soll der Tourismusverband die Entscheidung treffen, ob er diesen Weg gehen will oder nicht. Ist die Entscheidung in unserem Sinne, muss sofort mit der Umsetzung begonnen werden. Laut unserem Vorschlag soll ein externer Berater die Umsetzung begleiten. Auch soll dieser Berater mit den Vereinen intensiv zusammenarbeiten, die Vereine schulen.

 

Wird das Konzept auch dem Vorstand des Verbandes vorgestellt oder geht man vom Automatismus aus, dass die Verbandsmitglieder eh aus den Vorständen der einzelnen Vereine kommen?

Im Verband sind die Präsidenten oder Aufsichtsratsmitglieder der Tourismusvereine vertreten. Wenn wir das Konzept in den Vereinen vorstellen, haben wir bereits mit den Verbandsvorständen Kontakte. Aber es ist sicher sinnvoll und notwendig, das Gespräch in der Runde der Vorstände des Tourismusverbandes zu führen. Im Endeffekt entscheidet ja der Vorstand des Verbandes über dessen Auflösung.

 

Welche Rückmeldungen haben Sie bisher?

Ich habe einen hohen Prozentsatz an positiven Rückmeldungen. Es kommen Leute, die sagen, dass man noch hätte einen Schritt weiter gehen können. Es kommen Leute, die die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge kritisch sehen, weil es sich immerhin um eine 50-prozentige Erhöhung handeln soll. Wenn danach die Qualität passt, das sind die meisten Rückmeldungen, sind die Leute bereit, auch mehr zu zahlen. Zudem ist das Zuckerle von Landesrat Berger, die Mitgliedsbeiträge nochmals zu verdoppeln, ein Anreiz, der auszunutzen ist.

 

Schnals gehört zur Bezirksgemeinschaft Vinschgau, der Tourismusverein ist in der Marketinggesellschaft Meran eingebunden. Soll Schnals auf dem „Vinschger Weg“ mitgenommen werden?

Schnals wurde in den ganzen Diskussionen informiert. Dass der Schnalser BM bei der Präsentation in Schlanders anwesend war, war ein Signal, dass Schnals zum Vinschgau gehört. Wir wollen ja eine intensive Zusammenarbeit mit Meran suchen, so dass es keinen wesentlichen Unterschied macht, wo ein Tourismusverein Mitglied sein wird. Natürlich wär’s schön, wenn der Vinschgau touristisch bis zur Töll ginge. Ich würde da bei den politischen Grenzen nicht Halt machen. Der Gast macht das ja auch nicht.

 

Als eines der großen Eigenarten des Vinschgaus hat die Arbeitsgruppe die Landschaft ausgemacht. Stehen die geplanten Windräder im Widerspruch zu diesem Potenzial?

Das Landschaftsbild würde durch die Windräder sicher verändert, das ist ganz klar. In diesem Sinne kann man schon sagen, dass es ein Widerspruch ist, wenn man sagt, dass die unberührte Naturlandschaft verändert wird.

 

Zu den Eigenarten des Vinschgaus zählt auch die, wie es der Bezirkspräsident Andreas Tappeiner ausgedrückt hat, „Vielfalt der Meinungen“. Gibt es zum Vorschlag der Arbeitsgruppe einen Plan B?

Eigentlich nicht. Wir haben uns an die Leitplanke gehalten, dass der Vinschgau als eigenständige Marke positioniert werden soll. Wir haben in der Arbeitsgruppe viele verschiedenen Modelle durchdiskutiert und wir sind zum Schluss gekommen, dass der vorliegende der sinnvollste Vorschlag ist. Ehrlich gesagt, wir haben keinen Plan B.

Interview: Erwin Bernhart

 

 

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