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Nationalpark Stilfserjoch

16. Dezember 2010

Bormio, Chiesa di Santo Spirito, profanierte Kirche zum Heiligen Geist, dokumentiert seit dem Jahre 1304: Fresken aus dem 16. Jahrhundert im Tonnengewölbe, der Malschule von Cipriano Valorsa zugeschrieben, die Dreifaltigkeit, Engel und Evangelisten-Symbole darstellend.

Bormio liegt an der alten Kaiserstraße. So ist etwa auch Karl der Große durch den Oberen Vinschgau, das Münstertal und das Veltlintal nach Rom gezogen, um sich im Jahre 800  von Papst Leo III zum deutschen Kaiser krönen zu lassen. Die Kaiserkrönung fand in der Vorgängerkirche des heutigen Petersdomes im Vatikan statt. Eine Bodenplatte in rotem Stein hinter dem Haupteingang von St. Peter erinnert im Inneren der Basilika heute noch an diesen Krönungsakt. Das Benediktiner-Kloster von St. Johann im Schweizer Grenzort  Münster ist eine Stiftung Karls des Großen. Früher war St. Johann  ein Männerkloster, heute ist es ein Frauenkloster, wegen seiner kunst- und kulturgeschichtlichen Wertigkeit und Stellung ausgezeichnet mit dem Gütesiegel eines Weltkulturgutes der UNESCO.

Für den Kaiserweg durch das Münstertal und das Veltlin ist in Bormio heute noch die italienische Bezeichnung „Via imperiale“ erhalten und gebräuchlich. An der alten Kaiserstraße gibt es eine auffällige Häufung von romanischen Kirchenbauten. Das Interreg-Projekt „Die kleine Straße der Romanik“ hat sich der Aufwertung dieser kulturgeschichtlichen Schätze an Sakralbauten im Rhätischen Dreieck gewidmet.

 

Die Comasiner Schule

In Größe, Proportion, Form und Ornamentik gibt es verblüffende Ähnlichkeiten zwischen den romanischen Apsiden von heute noch bestehenden Kirchen  etwa in verschiedenen Ortschaften am Comosee und der Apsis an der Pfarrkirche St. Johannes in Laas. Sie unterscheiden sich nur  im  Baumaterial. Es wurde jeweils der lokale Stein verwendet:  In Laas ist es der weiße Marmor, im Veltlin und am Comosee der grüne Stein aus der Val Malenco bei Sondrio oder aus der Val Campello.

Eine kunsthistorische Deutung zur Herkunft der Steinmetz- und Bildhauerarbeiten an der Laaser Kirchenapsis aus dem 11. Jahrhundert besagt ja, dass diese Meisterwerke der Steinbearbeitung von lombardischen Bildhauern der sogenannten „Comasiner Schule“ stammen. Die Schöpfer der Kunst in Marmor an der Laaser Apsis sollen sich auf dem Weg vom Comosee in den süddeutschen Raum befunden, in Laas zum Kirchenbau Halt gemacht und sich so im weißen Marmor verewigt haben.

 

Die Kirchen von Bormio

Allein im Markt Bormio gibt es heute noch vier romanische Kirchen, zwei davon sind mit Fresken aus verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte ausgeschmückt. Ein Gutteil dieser Fresken ist uns bis in die Jetztzeit erhalten geblieben. Neben der Pfarr- und Dekanalkirche zu den Heiligen Protasius und Gervasius und der Jesuitenkirche zum Heiligen Ignatius gibt es in Bormio  Kleinodien des frühen Kirchenbaues:

• die Kirche zum Heiligen Antonius Abt, auch als Kirche mit  dem wundertätigen Kruzifix  (Chiesa del SS. Crocifisso) im Ortsteil Combo;

• die Kirche zur Heiligen Barbara, an der Ortseinfahrt von Bormio gelegen vom Stilfserjoch kommend;

• die Kirche zum Heiligen Vitalis in der Fußgängerzone in der Rom-Straße;

• und die profanierte Kirche zum

Heiligen Geist, ebenfalls in der Rom- Straße in der Fußgängerzone.

Passend zu dieser Weihnachtsnummer der Zeitung möchte ich einige der Fresken aus den Bormianer Kirchen vorstellen. Dies geschieht aus zwei Gründen: Ich möchte einen Brückenschlag in die Geschichte herstellen. Nicht nur deutsche Kaiser sind über den oberen Vinschgau, das Münstertal und das Veltlin nach Rom gezogen, sondern diese Route über Jöcher zwischen den Nachbartälern war in der Zeit der Saumpfade Handelsweg, zum Beispiel zum Tauschhandel für Salz aus Tirol und Wein aus dem Veltlin. Und der zweite Grund: Ich möchte Sie, geschätzte Leserin und geschätzten Leser, neugierig machen auf einen Besuch beim Nachbarn, der nur durch einen Gebirgszug vom Vinschgau entfernt ist. Im Sommerhalbjahr, wenn die Passstraßen wieder geöffnet sind, sollte dieser Vorschlag für kunsthistorisch interessierte Menschen ein guter Reisetipp für einen Sonntagsausflug sein.

Besinnliche und friedliche Weihnachtstage.


 

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