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Justitia hoch zu Ross

16. Dezember 2010

Manchmal sind die Entscheidungen der Gerichte, selbst wenn sie von der höchsten Instanz in Rom kommen, nicht nur für den Normalverbraucher, sondern auch für „Insider“ schwer verständlich.  Denn das, was da mitunter als „rechtens“ verkündet wird, verträgt sich nur schwer mit dem gesunden Hausverstand.

Doch kommen wir zum Ausgangfall, welcher sich zwar im Hinterland von Rimini zugetragen hat, der aber genauso gut hierzulande hätte passieren können: Ein Hobbyreiter begibt sich in einen Reitstall, um Stunden zu nehmen. Nach ungefähr 2 Monaten Unterricht macht er mit seinem Lehrer einen Ausritt, das Pferd scheut, macht eine brüske Bewegung, bäumt sich auf und wirft den Reiter ab. Dieser fällt unglücklich hin und verletzt sich dabei. Kaum wieder auf den Beinen, verklagt er den Reitstallbesitzer auf Schadenersatz.

Die Klage wird sowohl in erster Instanz vom Gericht in Rimini als auch in der Berufung vom Oberlandesgericht Bologna abgewiesen. Die Entscheidung ist nachvollziehbar und verständlich begründet: Der Kläger verfügte nach 2 Monaten Unterricht über ausreichende Erfahrung, um einen Ausritt auch ins Gelände machen zu können. Sein Reitlehrer war zwar dabei, hatte aber keine Möglichkeit, auf das Verhalten des Pferdes Einfluss zu nehmen. Der Unfall war daher die Folge eines mit dem Reitsport verbundenen und vom Reiter akzeptierten Risikos. Und als mündiger Bürger müsse er bereit sein, Eigenverantwortung zu tragen und für die Folgen seiner Tätigkeit einzustehen, ohne die Verantwortung auf Dritte abzuwälzen.

Der abgeworfene Reiter ließ jedoch nicht locker. Vom Kassationsgericht wurde seine Ausdauer belohnt. Die Höchstrichter befanden, dass der Stallbetreiber eine „gefährliche Tätigkeit“ ausübte und somit hätte nachweisen müssen, dass er „alle zur Vermeidung des Schadens geeigneten Maßnahmen“ getroffen hatte! Worin diese Vorkehrungen im konkreten Falle hätten bestehen sollen, darüber schweigen sich die Robenträger allerdings aus. Wahrscheinlich hätte er dem Hobbyreiter nur ein Schaukelpferd anbieten dürfen!

Peter Tappeiner,

Rechtsanwalt

 

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