Die Prader Sackgasse

2. Dezember 2010

Die Gemeinden sind durch Landesgesetz dazu verpflichtet, sich einen Bauleitplan „zuzulegen“ und darin unter anderem auch die für den Wohnbau bestimmten Zonen sowie für die Erschließungseinrichtungen (Straßen, Parkplätze usw.) auszuweisen. In der Zwischenzeit wurden über dieses planerische Instrument in allen Gemeinden des Landes Wohnbauzonen eingerichtet und verbaut. So auch in der Gemeinde Prad, welche die Wohnbauzone „Reitäcker“ zwar ausgewiesen und auf dem Papier auch mit allem städtebaulichen Beiwerk versehen hat. Bei deren konkreten Umsetzung sind die Verwalter dann jedoch eigenartige Wege gegangen. Sie erlaubten nämlich einen Wildwuchs, der  darin gipfelte, dass nicht nur die im Bauleitplan vorgesehene Erschließungsstraße, sondern auch die vorhandenen landwirtschaftlichen Zufahrten zugebaut wurden. Das Ergebnis ist das Chaos in Reinkultur. Dessen Opfer wurden unter anderem die Geschwis-ter Gluderer, welche in den „Reitäckern“ einen Baugrund hatten. Sie besaßen zwar ca. 2000 m² Bauland, konnten es aber nicht nutzen, weil es auf einmal ohne Zufahrt dastand! Von den jahrelangen Querelen zermürbt, verkauften sie schließlich ihr Grundstück an eine Immobiliengesellschaft. Doch auch diese sollte des Erwerbs nicht froh werden. Denn als sie bei der Gemeinde um die Ausstellung einer Baugenehmigung ansuchte, machte es der Bürgermeister zur Bedingung, dass sie bei den Nachbarn die Genehmigung zur Durchfahrt einholten! In der Folge wurde die Gemeinde mehrmals aufgefordert, die Voraussetzung für eine Zufahrt zum vormaligen Gluderer-Grund zu schaffen, bisher jedoch ohne Erfolg. Auch der Landeshauptmann erinnerte die Gemeinde vergeblich an ihre Verpflichtung, für die Erschließung der Wohnbauzone zu sorgen. An Nachwehen dieser Unterlassung mangelt es nicht. Derzeit behängt vor dem Gericht in Schlanders ein Verfahren auf Bestellung eines Notwegerechts. Doch diesem wird sich ein weiterer Prozess, diesmal gegen den Hauptverantwortlichen für das ganze Schlamassel, nämlich die Gemeinde Prad, anschließen, welche für sämtliche Schäden verantwortlich gemacht wird, die durch ihre verwalterische „Glanzleistung“ verursacht wurden.

Peter Tappeiner, Rechtsanwalt

 

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