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Koordinieren und positionieren in der Terra Raetica

2. Dezember 2010

Vinschgerwind-Titel 24/10

Für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit innerhalb der EU werden nach den Zielen und Durchführungsbestimmungen der europäischen Kohäsionspolitik unter dem Programmnamen INTERREG entsprechende Mittel bereitgestellt. Auf diesen politischen Grundsatzentscheidungen baut der INTERREG-Rat „Terra Raetica“ auf, welcher 2007 zuständig für die Grenzregionen Vinschgau (I), Engadin (CH) und Bezirk Landeck (A) gegründet wurde. In der GEOS in Schlanders fand kürzlich ein Regionalforum dieses INTERREG-Rates statt, bei dem der Vorsitz offiziell an die Vinschgauer Partner übergeben wurde. Genehmigte Projekte im Ausmaß von fast zehn Millionen Euro stehen in verschiedenen Themengebieten vor der Umsetzung und sollen die Grenzregion entsprechend positionieren.

von Ludwig Fabi

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In der GEOS in Schlanders wurde das Regionalforum „Terra Raetica“ abgehalten. Gerald Jochum (RegioL-Landeck), Men Duri Ellemunter (Pro Engiadina Bassa) und Friedl Sapelza (GWR-Vinschgau) erläuterten den Stand der aktuellen Projekte in den Bereichen Natur, Soziales, Kultur, Verkehr, Wirtschaft und Tourismus

Guido Barolini (Pro Engiadina Bassa) überreichte Andreas Tappeiner als neuen Präsidenten der Bezirksgemeinschaft die Terra Raetica Fahne, welche nun unter Vorsitz des Vinschgaus weht

Als Terra Raetica bzw. Provinz Rhätien bezeichnete bezeichneten die Römer die kulturelle Völkergemeinschaft im Herzen des Alpenraumes, welche heute der Bezirk Landeck-Imst, das Engadin-Val Müstair und der Vinschgau bilden. Gemeinsam machte diese Region erst wieder unter der Bezeichnung „Magisches Rhätisches Dreieck“ als  grenzüberschreitende Kulturinitiative auf sich aufmerksam. Frischen Wind und ein entsprechendes Fundament bekommt dieses scheinbar „magische“ Dreiländerdreieck durch die Gründung des Interreg-Rates Terra Raetica als politischen und institutionellen Zusammenschluss. Dieser soll das Zusammenrücken der Regionen im Dreiländereck Österreich, Schweiz und Italien/Vinschgau auf alle Gesellschaftsbereiche ausdehnen und entsprechende Initiativen unterstützen.

Magie bekommt Fundament

Oberstes Ziel der Terra Raetica ist die grenzüberschreitende Kooperation mit einem einzigen gemeinsamen Management und einer stärkeren Verzahnung der INTERREG-Projekte. Der Interreg-Rat Terra Raetica setzt sich daher aus Vertretern der politischen Institutionen Pro Engiadina Bassa (CH), Bezirksgemeinschaft Vinschgau (I) und Bezirkshauptmannschaft Landeck (A) und bewährter Regionalentwicklungseinrichtungen wie der Corpurazion Regiunala Val Müstair (CH), der Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung in Spondinig, und  Regio L in Landeck zusammen.

Darüber hinaus wird nicht nur die optimale Nutzung der EU – Förderprogramme (Interreg IV 2007-2013) angestrebt, sondern eine über die eigentliche Förderprogrammdauer  hinaus währende grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

In keinem Fall kann der Interreg-Rat Terra Raetica die Funktionen und Aufgaben der jeweiligen Regionalentwicklungsorganisationen übernehmen. Der Interreg-Rat Terra Raetica vermeidet alle parallelen Aktivitäten auf diesem Gebiet und unterstützt die in den jeweiligen Regionen für die Regionalentwicklung zuständigen Einrichtungen.

Rückblick und Zukunft der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Terra Raetica

standen  im Mittelpunkt eines Regionalforums in der GEOS von Schlanders

Sepp Noggler

„Vinschgerwind“: Sie sind als Bürgermeister einer Grenzgemeinde und dann als Präsident der Bezirksgemeinschaft eng mit den grenzüberschreitenden EU-Förderprogrammen vertraut gewesen. Welche Initiativen würden Sie in dieser Zeit als wegweisend für das Dreiländereck Engadin-Oberes Gericht-Vinschgau bezeichnen?

Josef Noggler: In der Umsetzung der Programme ist unser Bezirk sicher Spitzenreiter und wir haben als Verantwortliche dafür auch schon öfters die Anerkennung seitens der EU ausgesprochen bekommen. Zu Beginn waren diese Förderprogramme in der Bevölkerung eher als LEADER-Programme bekannt, dann als ESF- Programme und nun als Interreg-Progamme zwischen sowohl Vinschgau und dem Engadin als auch zwischen Vinschgau und dem Oberen Gericht (Bezirk Landeck). Bei der Umsetzung der Programme waren sehr viele Leute von der Wirtschaft bis hin zur Kultur beteiligt. Nicht unerwähnt sollte auch die Mitarbeit des Herrn Helmut Pinggera sein, welcher doch maßgeblich verantwortlich für die erfolgreiche Umsetzung war. Wegweisende Projekte waren in der ersten Zeit die Projekte in der Landwirtschaft/Almen, Berufsbildung, Wirtschaft und im Tourismus.  Erfreulich sind auch die vielen Pilot-Projekte im sozialen Bereich aber auch ein erst kürzlich genehmigtes „Jugendprojekt“. Die Zusammenführung der Jugendlichen und das sich Kennenlernen in dem Dreiländereck ist vorprogrammiert und ich glaube sehr wichtig.

Welche Themenbereiche sollten in Zukunft verstärkt angegangen bzw. können im Austausch mit den erwähnten Grenzregionen besser bewältigt werden?

Sehr wichtig wäre, wenn die ökologischen Projekte (Mobilität-Radwege) weiterhin vorangetrieben werden. Auch diese Projekte bringen wirtschaftlichen Vorteil und schlussendlich viel Geld in die Region. So konnte beispielsweise bei der letzten Genehmigungsphase im Sommer in Mailand ein Großteil der Projekte und zwar im Ausmaß von mehr als 3 Millionen Euro für den Vinschgau gerettet werden. Sehr wichtig halte ich die Projekte der Jugendzusammenführung Unsere Generation kennt kaum die Bevölkerung hinter den Staatsgrenzen und umgekehrt, obwohl wir nur wenige Kilometer voneinander getrennt sind. Natürlich dürfen Projekte von wirtschaftlichem Interesse nicht fehlen.

Wie ist der derzeitige Stand bezüglich Bahnverbindung Tunnelversion Engadin-Vinschgau?

Wir kommen mit diesem Projekt relativ gut weiter. Wir haben bereits nach der Genehmigung des Vorhabens und nach Bereitstellung der Geldmittel seitens der EU mit dem Landesamt für Mobilität die weitere Vorgangsweise abgestimmt und die erforderlichen strategischen und operativen Ebenen ernannt, welche für die einzelnen Projektphasen und Teilprojekte verantwortlich sein werden. Die Aktionsgruppe wird demnächst die erforderliche Variantendiskussion öffentlich diskutieren.

Josef Hofer

„Vinschgerwind“: Nach Ablauf der LEADER-EU-Förderprogramme 2005 musste sich die Regionalentwicklung im Vinschgau neu positionieren. Die GWR (Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung – Spondinig) hat sich als lokaler Akteur gemeinsam mit der Bezirksgemeinschaft Vinschgau eine wichtige Rolle erarbeitet. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Interreg Rat Terra Raetica?

Josef Hofer: Bereits die Leader-Periode war gekennzeichnet von Innovation und Neuentwicklung, sodass wir mit der darauffolgenden Regionalentwicklung einen gelungenen Übergang schaffen konnten. Waren früher vorwiegend die Gemeinden und Verbände unsere Partner, so ist es jetzt die Bezirksgemeinschaft und natürlich die Regionalentwickler in der Grenzregion Schweiz und Österreich. Die Partnerschaft mit dem Interreg-Rat Terra Raetica ist sehr intensiv, professionell und partnerschaftlich ausgerichtet.

Beim letzten INTERREG-Aufruf Italien-Schweiz und Italien-Österreich wurden Projekte in Höhe von fünf Mio. Euro genehmigt. Welche Rolle spielt die GWR bei deren Umsetzung?

Die GWR spielt verschiedene Rollen. Zu einem Großteil sieht sie sich als Dienstleister für die Projekte, dann ist sie Partner und Mittler zwischen lokalen Akteuren und Förderstellen des Landes. Bei manchen Projekten ist die GWR auch rechtlicher Träger. Bereits der große Projektumfang sagt aus, dass sich auf diesem Projektwege viel bewegen lässt, lokal gesehen, aber vor allem über die Grenzen hinweg.

Halbzeit in dieser Förderperiode: Welche Schwerpunkte gibt es für den zweiten Teil bis 2013?

Auf dem vorgenannten Wege soll weitergemacht werden, damit die von Menschen geschaffenen Grenzen noch unsichtbarer und unbedeutender werden. Schwerpunkte bleiben weiterhin die Aufwertung von lokalen Ressourcen in den Bezirken Vinschgau, Münstertal-Unterengadin, im oberen Weg bis Landeck und zwar in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht, Dazu beitragen können Projekte der Mobilität (Radweg, Eisenbahn- und Busverbindungen); Projekte im Bereich kultureller Eigenheiten und Gemeinsamkeiten im Tourismus; Sozialprojekte für Kinder und Jugendliche sowie für die Pflege und Altersversorgung; Projekte im Bereich des demografischen Wandels in peripheren Regionen und schluss-endlich soll der Innovation auch noch Raum gelassen werden.

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