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„A Haus und an Grund, an Weinkeller und zwoa Hund….“

18. November 2010

Franz Mairösl aus Schlanders spielt seit 70 Jahren Zither. Besondere Bekanntheit erreichte er durch das „Schlandrauntal-Lied“, welches er mit seinem Freund Seppl Schwalt komponierte

Gefühlvoll, weich, leidenschaftlich –  so lassen sich die Klänge der Zither und Klarinette umschreiben. Diese Worte treffen auch auf den Schlanderser Franz Mairösl zu, welcher mit den beiden Instrumenten seit vielen Jahren auch seine Gefühle zum Ausdruck bringt. Geboren wurde der sympathische Pensionist in Ridnaun am 24. Juli 1939 als ältester von drei Buben. Sein Vater, ein Frächter, wurde bald in den Krieg in die Waffenmeisterei einberufen. Die junge Familie folgte ihm bis nach Innsbruck. Die Stadt im Inntal wurde bombardiert, so flüchtete die Mutter Theresia Tafatsch mit ihren drei Söhnen in ihr Heimatdorf Tschengls. Dort fanden sie Zuflucht in der „Plotthitt“, ihrem Elternhaus. Die Naturverbundenheit zeigte sich beim jungen „Schuaster Simetn Franz“, wie er in Tschengls gerufen wurde, schon in den Kindheitstagen. Gerne ging er zum Fischen und auf die Jagd. Das Wildern in den nahe gelegenen Wäldern brachte so manchen Leckerbissen auf den Tisch, in dieser von Entbehrung geprägten Zeit. Auch konnte er einmal schneller laufen als die Aufseher. Frische Fische, einmalig im Geschmack, fischte er aus den „Greibm“, zwischen Tschengls und Prad, welche von frischem Quellwasser gespeist wurden. „Dr Gschmock wor herrlich, heint gib´s des gor nimmer!“ Sein Vater Franz galt lange Jahre als vermisst, zu seiner Erstkommunion im Jahr 1946 ist er überraschend von der Gefangenschaft aus Jugoslawien heimgekehrt. 9-jährig schickte ihn die Mutter zum Einkaufen. Plötzlich vernahm Franz aus einer Stube Zitherklänge. „Dia hob´m mi gfesslt!“ Die Weichheit und Vielfältigkeit des Gehörten imponierte ihm. Unverrichteter Dinge kehrte er nach Hause zurück und brachte den Eltern seinen Wunsch näher, das Spielen der Zither zu erlernen. „Di Mama hot mar fa Mols a kloane Zither brocht!“ Beim Gurschler Emil lernte er den richtigen Umgang mit dem Instrument, seine Leidenschaft wurde entfacht. Nach dem Besuch der Pflichtschule absolvierte Franz die „Marco-Polo-Schule“ in Bozen. In der Landeshauptstadt nahm er dann auch Privatunterricht im Zitherspiel nach Noten. In Sarnthein konnte er sich beim Zithervirtuosen Hermann Gruber weiterbilden. Bald zog es die Familie Mairösl von Tschengls nach Schlanders, wo sie eine Hydraulikerfirma gründeten. Lange Jahre bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1992, führte Franz die Verwaltungsbelange und Bürotätigkeit im Familienbetrieb. Durch die Freundschaft mit Josef Schwalt folgte sein Eintritt in die Musikkapelle Kortsch als Klarinettist. „S´Trogn fa dr Trocht, insr Musi und s´Zommsein isch oll´m schean gwes´n!“

Den Militärdienst in Turin absolvierte Franz in der Militärmusikkapelle, das tägliche Üben und Marschieren stand an der Tagesordnung, er genoss diese Zeit. Fast 40 Jahre war er der Blasmusik treu, spielte in den Reihen der Musikkapelle Kortsch und Schlanders. Auch der Volkstanzgruppe und der „Schuahplattlergruppe“ war er ein treues Mitglied. Auf den Ausflügen der Musi begleitete Franz auch immer seine Zither. So gab die Musikkapelle Kortsch 1963 ein Konzert in Bremen. Beim Hafenkonzert in Bremerhafen spielte er mit der Zither für Königin Elisabeth beim Einlaufen ihres Schiffes. Die Freundschaft zu Seppl Schwalt vertiefte sich durch  die Gründung des Duo´s „Mairösl und Schwalt“. Gemeinsam sangen und musizierten sie über vierzig Jahre, Seppl begleitete seinen Freund mit der „Ziachorgel“. Auch die gemeinsamen Kompositionen und Radioaufnahmen brachten so manchen lustigen Abend mit sich. Besonders bekannt wurden die beiden durch das „Schlandrauntal-Lied“. Im Februar 2008 ist sein treuer Freund plötzlich verstorben. „A Schicksolsschlog, durch di Musi seimer weiterhin verbunden!“  Die Liebe zur Natur und Heimat spiegelte sich auch in den vielen Berg- und Wandertouren wider. In den sechziger Jahren machte er die Jägerprüfung, trat der Jägervereinigung Schlanders und Laas bei. Der respektvolle Umgang, sei es mit Tieren und Umwelt, ist ihm ein großes Anliegen. Heuer konnte er im Schlandrauntal auf ca. 2600 Metern einen 11-jährigen Steinbock erlegen, wo auch sein Enkel dabei war, welcher mit einem kräftigen „Weidmann´s Heil“ gratulierte. Die Trophäe ziert, neben vielen weiteren Jagdtrophäen, das Stiegenhaus des Jägerheimes, welches er gemeinsam mit seiner Frau Erika als Privatzimmervermietung führt. Die gebürtige Tschenglserin, die er schon aus der Schulzeit kannte, verdrehte ihm bei einem Tanz in Kastelbell den Kopf. „A schneidig´s Madl, hon si seit longer Zeit wiedr troff´n und es hot gfunk´t!“ Sie schenkte ihm die Kinder Werner, Hansi und Sabine. Mittlerweile gehören drei Enkelkinder zum engeren Familienkreis. Im letzten Sommer war er in besonderer Seilschaft, gemeinsam mit seinen drei Kindern auf dem höchsten Gipfel unseres Landes, dem König Ortler! „Sell wor a bsunders Erlebnis!“ Nach wie vor übt er fast täglich mindestens eine halbe Stunde auf seinem Instrument und spielt Konzerte zur Freude für sich und den Gästen. “Wenn dr Heargott mi nou a poor Jahrlan sou rüschtig und gsun´d bleib´m losst, sou mecht i ersch spater singen: „A Haus und an Grund, an Weinkeller und zwoa Hund susch brauch i nix mea dazua, oll´s mei Ruah!“

Brigitte Thoma

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