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Nationalpark Stilfserjoch im Vinschgerwind

18. November 2010

Am vergangenen 21. Oktober fand am Sitz des Nationalparks Schweiz in Zernez die 7. Generalversammlung des Netzwerkes der alpinen Schutzgebiete Alparc statt. Diese Generalversammlung wird im Zweijahresrhythmus abgehalten und ist am darauffolgenden Tag immer mit einer wissenschaftlichen Tagung kombiniert. Das Jahr 2010 war von den Vereinten Nationen zum internationalen Jahr der Biodiversität ausgerufen worden. Folgerichtig war die diesjährige Tagung im Rahmen der Generalversammlung von Alparc dem Thema „Wildnis und Biodiversität“ gewidmet. Die Referenten, Forscher aus den naturwissenschaftlichen Disziplinen sowie Leiter und Mitarbeiter von verschiedenen Schutzgebieten im Alpenraum, haben versucht die Frage aus verschiedenen Blickwinkeln auszuleuchten, ob die alpine Natur sich selbst überlassen werden kann.

Im heutigen Beitrag möchte ich das Netzwerk der alpinen Schutzgebiete und seine Tätigkeiten etwas näher vorstellen.

Wer ist Alparc?

Alparc ist der Zusammenschluss der Schutzgebiete in den Alpen. Das Netzwerk versammelt alle Kategorien von großflächigen Schutzgebieten im Einzugsgebiet der Alpenkonvention. Alparc wurde 1995 auf Vorschlag Frankreichs errichtet. Das Ziel des Netzwerkes ist die konkrete Umsetzung des Artikels „Naturschutz und Landschaftspflege“ der Alpenkonvention. Die Unterzeichnerstaaten der Alpenkonvention sind Deutschland, Frankreich, Italien, die Herzogtümer Liechtenstein und Monaco, Österreich, Schweiz und Slowenien. Die Organe des Netzwerkes Alparc sind die Generalversammlung und der internationale Lenkungsausschuss. Die operative Koordinationseinheit wird als „Task Force“ bezeichnet, besteht aus einem kleinen Stab von 8 Personen unter Direktor Guido Plassmann und agiert vom Sitz in Chambery in Südfrankreich aus. Im Jahre 2006 wurde die Koordinationseinheit an das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention angegliedert. Bekanntlich hat das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention seinen Sitz unter dem Goldenen Dachl in Innsbruck. Die Alpenkonvention verfügt weiters über ein ständiges Sekretariat und ein Übersetzungsbüro in Bozen, untergebracht am Sitz der Europäischen Akademie. Alparc publiziert in den vier Alpensprachen Deutsch, Italienisch, Französisch und Slowenisch, weiters in der internationalen Sprache Englisch.

Ziele

Das Netzwerk Alparc verfolgt das Ziel, den Austausch unter den Verwaltern von Schutzgebieten in den Alpen zu fördern. Dieser Austausch betrifft mehrere Bereiche und zwar den Austausch von Kenntnissen, Erfahrungen und Methoden.

 

Arbeitsbereiche

Die drei Hauptbereiche der Arbeit von Alparc sind:

• das thematische Netzwerk

• das ökologische Netzwerk

• das Netzwerk der Kommunikation

Im thematischen Netzwerk werden Erfahrungen und Know-how zwischen den alpinen Schutzgebietsverwaltern in gemeinsamen Themenbereichen ausgetauscht. Das thematische Netzwerk arbeitet nach dem System von Arbeitsgruppen. Zu den folgenden 10 Themenbereichen sind derzeit Arbeitsgruppen eingerichtet und mehr oder weniger aktiv: Große Säugetiere und Greifvögel; große Beutegreifer; Habitate; nachhaltiger Tourismus, Kulturerbe und sanfte Mobilität; Berglandwirtschaft und Qualitätsprodukte; gemeinsame Kommunikation und Umweltbildung; traditionelles Know-how und ökologische Bauweisen in Schutzgebieten; Ressource Wasser; Datenbank und geographisches Informationssystem GIS; ökonomische Bewertung ökologischer Dienstleistungen und Ökobilanz.

Das ökologische Netzwerk ist eines der zentralen Ziele von Alparc und der Alpenkonvention. Dabei geht es um die Schaffung eines ökologischen Verbundes durch die Verbindung von Schutzgebieten mittels ökologischer Korridore,  durch Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes und durch eine  nachhaltige Raumplanung.

Das Netzwerk der Kommunikation will die Öffentlichkeit und die lokale Bevölkerung zur Bedeutung der Natur und Kultur in den Alpen sensibilisieren, informieren und fortbilden und von der Notwendigkeit des Erhaltens überzeugen.

Die Alpen, eine Region unter Druck

Die Alpen zählen ungefähr 14 Millionen Einwohner auf ca. 190.000 km² Fläche. Diese Fläche entspricht ca. 25 Mal der Landesfläche Südtirols. Die Einwohnerdichte in den Alpen variiert stark je nach Region, besonders zwischen den sehr urbanisierten Tälern und den ländlichen, isolierten oder höher gelegenen Zonen. Jährlich besuchen etwa 120 Millionen Menschen die Alpen.

Der Alpenbogen unterliegt großen Herausforderungen aufgrund verschiedener Belastungen. Solche Belastungen sind:

Ÿ Transport und Straßenverkehr

Ÿ wachsende Erschließung

Ÿ Zersiedlung der Landschaft

Ÿ Niedergang der Landwirtschaft in

manchen Hochlagen gefolgt von

Landflucht

Ÿ Wintertourismus-Industrie

Ÿ Massentourismus

Ÿ Intensivierung der Landwirtschaft in den Talböden

Ÿ Verlust von Biodiversität

Ÿ Klimawandel

 

Die neuen

Herausforderungen

Dieser gewaltige Druck auf den Alpenraum ist natürlich bis in die Schutzgebiete hinein zu spüren, insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels. Daher sind neue Herausforderungen entstanden:

Ÿ die Notwendigkeit zur Schaffung einer sanften Mobilität in den Schutzgebieten

Ÿ die Schaffung eines transalpinen

ökologischen Netzwerkes

Ÿ die Förderung der ökologischen

Bauweise und die energetische

Sanierung von bestehenden Gebäuden

Ÿ die Unterstützung einer umweltfreund- lichen, qualitativ hochwertigen

Landwirtschaft

Ÿ die  Verwaltung der Wasserressourcen

Ÿ Maßnahmen gegen den Klimawandel.

 

Die Rolle der Schutzgebiete

Die Schutzgebiete sind Bezugs- und Experimentiergebiete. Sie können Forschungslabors werden, um ein nachhaltiges Leben für die ländlichen Bergregionen zu ersinnen. Folglich sind das Experimentieren, die Innovation und später der Austausch von guten Praktiken, erfolgreichen Beispielen und Erfahrungen zwischen den Schutzgebieten auf internationaler Ebene von großer Bedeutung. Dieses Anliegen verfolgt auch die Alpenkonvention mit dem Netzwerk der alpinen Schutzgebiete Alparc.

 

 

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