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Leserbriefe 23/10

18. November 2010

Stadtmauern im Wandel der Zeit

Prinzipiell bin ich ja einverstanden, wenn Betriebe, Geschäfte oder neue Bewohner sich in  Glurns ansiedeln. Dies kann heutzutage eigentlich nur als eine Bereicherung angesehen werden. Auch das Betreiben der Obstwirtschaft des Herrn Rizzi finde ich absolut willkommen, schafft er doch hierzulande neue Arbeitsplätze. Zudem ist er auch als Kulturschätzer und Gönner weithin bekannt.

Doch leider ist ihm mit seinem neuesten Projekt genau in dieser Hinsicht sein wohl größter Lapsus passiert. Auf wessen Seite hier Versäumnisse gemacht wurden, werden wir wohl nie erfahren, zumal es nun auch schon zu spät ist, der Bau steht.

Als gebürtiger Glurnser und Mitglied der Arbeitsgruppe „Stadtentwicklung und Belebung“ liegt mir sehr viel an der Atmosphäre und dem Flair, welches Glurns ausstrahlt, bzw. ausstrahlen könnte. War doch gerade in den letzten Monaten eine positive Aufbruchsstimmung bei der Glurnser Bevölkerung zu vernehmen, so ist dieser Fall des Obstmagazins vor den Toren der Stadt doch nun ein kontraproduktiver Beitrag im Sinne der Stadtverschönerung.

Es geht primär nicht um die Architektur des Gebäudes an sich, sondern vielmehr darum, dass der gewählte Standort geradewegs die Paradeansicht von Glurns irritiert, stört und leider sogar teilweise verdeckt!

Langsam von Mals kommend, den Blick auf das Städtchen schweifen lassend, konnte man sich geradezu malerisch der Stadt nähern, nichts trübte den Gesamteindruck eines stimmigen, mittelalterlichen Ensembles. Doch leider sind diese Zeiten nun vorbei, was geschehen ist, ist geschehen.

Weiteres Kopfzerbrechen bereitet mir noch der nächste Akt – ist doch im Bericht der letzten Ausgabe des Vinschger Windes die Rede von einer Schadensbegrenzung bezüglich der monolithischen „mausgrauen“ Betonfassade. Wenn ich da lese, dass eventuell künstlerische Gestaltungen oder ganze Baumreihen vertuschen sollen, was hier geschehen, dann läuft es mir jetzt schon schaurig über den Rücken, ob dem, was da noch Raffiniertes kommen mag. Ich hoffe jedenfalls, dass die Schadensbegrenzung so dezent und passend wie möglich ausfallen wird.

Zu der ganzen Kritik meinerseits möchte ich nun noch einen konstruktiven Vorschlag bringen: als Schadensbegrenzung könnte man ja die gesamte Betonfassade mit Foliendruck bekleben; als Bildmotiv natürlich ein Foto der fehlenden bzw. nun verdeckten Ansicht der Stadtmauer (siehe Titelbild Vinschger Wind Nr. 22). Ich hätte da noch einige herrliche Fotoaufnahmen von vor dem Bau des Obstmagazins, eines vom Sommer und eines alternativ vom Winter.

Architekt Günther Fritz, Glurns

Scheinheiligkeit

Mit Freude habe ich die vielen Lobreden zu den großen Leistungen des  Alfons Benedikter gelesen. Alle Ehre, er hat sie sich wirklich verdient. Leider hatte die SVP es   versäumt, Herrn Benedikter noch zu seinen Lebzeiten diese Ehre zukommen zu lassen. Wenn ich aber die scheinheiligen Äußerungen vom Landeshauptmann und seinen Mannen höre, wonach Benedikter der geniale Vater einer hervorragenden Raumordnungspolitik war, und mit ansehen muss, was sie aus seinem Gesetz gemacht haben  ,dann dreht es mir fast den Magen um. Seine immer wieder mahnenden Worte zur schleichenden Verwässerung seiner Raumordnungsgesetze waren nicht einmal einer Antwort wert.

Wie viel muss  noch zerstört werden, damit die verschiedenen Lobbys zufrieden gestellt werden? Wann wird in unserem Land endlich wieder eine ehrliche und nachhaltige, von Idealen geleitete Politik Einzug halten, so wie sie uns Alfons Benedikter vorgelebt hat?

Margit Gluderer, Mals

„KORRNER“

Am Reschen oben werden in absehbarer Zeit die Gäste nicht mehr vom Ortlermassiv begrüßt, sondern von Riesenwindrädern. „Windmonster“, die höher sind als der Kölner Dom (157 m), passen die wirklich in so eine unberührte Naturlandschaft..

Wie wichtig ist uns die von Gott geschaffene Natur?

Die Marke Glurns aufbauen, so wirbt die Stadt Glurns, was sie noch alles vorhat. Innerhalb von 10 Jahren soll in Glurns eine merkliche Veränderung unterlaufen. Die Stadt muss ein Profil erhalten, so die Worte der Verantwortlichen.

An der Nordeinfahrt ist bereits ein neues Profil entstanden: Hier werden Gäste von einer 10 m hohen Betonmauer begrüßt, die die Sicht auf das mittelalterliche nördliche Stadttor versperrt. Ist das „Kulturerhalt“? Der Bauherr sagt: Abwarten bis fertig ist. Besser wäre: Bau einstellen, enteignen und abreißen.

Geht hier alles mit rechten Dingen zu, oder muss man heimlich an Korruption denken?

Name der Redaktion bekannt

„Zum Mauerfall“

In besagtem Artikel betont der Bauherr Walter Rizzi zweimal, dass die nach Mals gerichtete Betonmauer des im Bau befindlichen Obstmagazins mausgrau und nicht betongrau gehalten wird. Dies kann so verallgemeinernd nicht hingenommen werden. Festgestellt, dass 1529 in Glurns der Prozess gegen die wühlerischen Lutmäuse über die Bühne ging, kann die Farbe des Betons nur in lutmausgrau gehalten werden, also nicht feldmausgrau, spitzmausgrau oder haselmausgrau.

Durch die teilweise Aufschüttung mit Erdreich in Form eines überdimensionalen Lutmausbaues könnte das von Mals her einsehbare Erscheinungsbild etwas kaschiert werden.

Der oberirdische Teil der Betonmauer könnte als permanente Werbefläche für die Zukunft von Mai bis zum Seelentag stattfindenden Aufführungen des Freilichttheaters „Der Mäuseprozess“ von Jul Bruno Laner dienen. Im August Betonung auf teatro in lingua italiana. Kunstmäzen Rizzi könnte die Werbefläche den Glurnser Veranstaltern auf „Ehr und ewig“ zur Verfügung stellen. Durch die Umwidmung der ehemaligen landwirtschaftlichen Aussiedlungszone hat der erfolgreiche Großkaufmann Rizzi jetzt die Möglichkeit, auf seinem Areal einen Mäuseprozesssouvenirshop zu eröffnen, wodurch die durch die vorgeschlagenen Maßnahmen entstehenden Mehrkosten eingeholt bzw. abgedeckt werden könnten.

Martin Fliri Dane,

Taufers i.M.

Lösung und

Anerkennung

Südtirol hat mit Alfons Benedikter einen großen Verfechter unserer Rechte verloren. Rechte, welche uns vom italienischen Staat nicht freiwillig gegeben wurden, sondern hart erstritten werden mussten. Deshalb wäre es höchst an der Zeit, endlich auch das leidige Thema Ortsnamensgebung zu Ende zu führen. Unser vorbildliches Nachbarland Schweiz zählt 4 Volksgruppen und 4 „Landessprachen“ (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch). Von 2597 Gemeinden führen dennoch nur 12 amtlich zwei Namen z.B. Biel/Bienne, Ems/Domat. Mit dem „Territorialprinzip“ wurde ein Weg friedlichen Zusammenlebens auf gerechter Grundlage geschaffen. Das bedeutet, dass jede Sprachgruppe auf Ansprüche auf das Siedlungsgebiet der anderen Sprachgruppen verzichtet. Das wäre die Lösung auch für Südtirol und eine Anerkennung für den Einsatz von Personen wie Benedikter.

Dietmar Weithaler,

Partschins

Rambach oder Rom?

Der Bach aus dem Münstertal heißt im ganzen Tal Rom, auch hier in Taufers. Ein Wasserwaal, der an der Grenze abzweigt und zum Wässern der darunterliegenden Wiesen bis hinaus in Calva dient, heißt Rom pitschn (= der kleine Rom). Der Name Rom ist romanisch (romauntsch) und bedeutet  Ast oder Zweig. Die Mehrzahl von Rom ist Rama. Er ist ja ein Nebenfluss (Nebenzweig – Neben-Ast) der Etsch und hat selber etliche kleinere und größere Nebenbäche, sieht auf der Karte aus wie ein Baum-Ast. Erst später, als der Vinschgau eingedeutscht wurde, kam der Name Rambach auf, ( weil das schöner klingt? ).

Paul Warger, Taufers i.M.

Ohne Vorwarnung

Wer sich am 3. November an die Postämter von St. Valentin auf der Haide, Reschen, Eyrs und Trafoi wenden wollte, stand unerwartet vor verschlossenen Türen. Die Postverwaltung hatte deren Schließung angeordnet, ohne die Bürger angemessen zu informieren.

Das für diese Postämter zuständige Personal ist von der Postverwaltung entweder zum Dienst in ein anderes Postamt abgestellt oder in einen von den Betroffenen gar nicht beantragten Urlaub geschickt worden.

Es geht nicht an – und schon gar nicht in Südtirol, das sich sonst seiner hervorragenden Qualitätsstandards bei den Diensten am Bürger rühmt – dass es zu derartigen Unannehmlichkeiten kommt. Gerade Postämter sind mit ihren vielfältigen Diensten eine sehr wichtige Anlaufstelle. So haben z.B. viele Pensionisten ihre Rente nicht abholen können.

Die Postgewerkschaft im SGBCISL kritisiert zudem, dass sie von den Maßnahmen nicht informiert worden war. Die Postgewerkschaft hat nach Bekanntwerden der Schließungen sogleich beim zuständigen Postverantwortlichen interveniert. Dieser verweist auf den Personalmangel und die Schwierigkeit, die kleinen Postämter in der Peripherie abzudecken.

Angesichts einer solchen Situation und trotz der vielen Schlagzeilen rund um die neuen Kompetenzen des Landes im Postbereich liegt der Schluss nahe, dass die lokale Politik bisher noch nichts Konkretes unternommen hat.

Eduard Benedikter, SGBCISL, Landessekretär

 

So nicht

Bei der Volksbefragung in Laas wurde das Quorum von 40% nicht erreicht. So wie es auch bei der Volksbefragung in Bruneck  und zuvor bei der Volksbefragung auf Landesebene nicht erreicht wurde. Es ist damit wirklich an der Zeit, diese Hürde abzuschaffen, damit diese Form der direkten Demokratie eine echte Chance bekommt.

Als völlig absurd werten wir aber die Äußerungen von BM Tappeiner, die Bevölkerung habe klar zum Ausdruck gebracht, sie wünsche keine Satzungsänderung. Wir und sicher auch nicht er kennen den Willen jener, die nicht zur Abstimmung gegangen sind. Viele Wahlberechtigte haben aus rein praktischen Gründen nicht teilnehmen können, etwa wegen der knappen Öffnungszeiten der Wahllokale (9.00-17.00 Uhr) oder Studenten im Ausland, die nicht extra für die Volksabstimmung ohne Kostenrückerstattung nach Hause gefahren sind. Wie BM Tappeiner zum Schluss kommt, all jene sind zufrieden mit seiner Arbeit und der Meinung, die Gemeindesatzung solle so bleiben wie sie ist, ist uns schlicht ein Rätsel. Wir kennen die bekundete Ansicht von 30 % der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Laas und nicht mehr. Alles andere ist reine Spekulation und für ihn eine bequeme Art, dieses klare Statement unter den Tisch fallen zu lassen, um so weiterzumachen wie bisher. Wir jedenfalls nehmen all jene, die am 7. November ein klares Zeichen gesetzt haben, ernst und fordern von der Mehrheitspartei eine Reaktion auf dieses Ergebnis. Sieht BM Tappeiner die 974 Bürger und Bürgerinnen der Gemeinde Laas, die bei dieser Volksabstimmung ihre klare Meinungsäußerung abgegeben haben als Bürger zweiter Wahl, wenn er behauptet, die Bevölkerung sei zufrieden? Sollte er nicht Bürgermeister für alle Laaser sein, wie er immer behauptet? Äußert sich Tappeiner nicht zu einer Abschaffung des Quorums von 40%, weil er berechtigte Angst hat, bei einer Abschaffung mit einem anderen Ausgang konfrontiert zu werden. Dann ist es nicht mehr so einfach, die passiven Bürger und Bürgerinnen als „Nein“-Stimmen zu zählen!

 

Dieser Argumentationslogik folgend könnten wir auch darauf hinweisen, dass sich bei der Gemeinderatswahl vom Mai 2010 nur 47,6% der Bürgerinnen und Bürger mit der Politik der SVP einverstanden erklärt haben, der Rest nicht (3277 Wahlberechtigte , davon 1560 für SVP). Ganz so primitiv haben wir uns zu den Gemeinderatswahlen aber nicht geäußert!

In jedem Fall ist es mehr als fraglich, ob die Mehrheitspartei ernsthaft gegen die Politikverdrossenheit ankämpfen will, wenn sie versucht die Bürger von politischen Willensäußerungen fernzuhalten, bzw. die Tatsache, dass das Quorum verfehlt wurde, als Sieg verkauft. Diese zu einfache und inkorrekte Argumentationsweise kann allerdings nur durch die Abschaffung des Quorums unterbunden werden. Herr Tappeiner, Schluss mit dünnen Argumenten, weg mit dem Quorum!

Promotorenkomitee und Bürgerliste Laas

 

Konstruktiver Vorschlag

Der Handels- und Dienstleis-tungsverband Südtirol (hds) schließt sich dem allgemeinen Protest zur Schließung der Postämter im Obervinschgau an. „Diese sorgt bei der Bevölkerung für großen Unmut, auch weil die Schließung der Postämter von St. Valentin auf der Haide, Reschen, Eyrs und Trafoi durchgeführt wurde, ohne die Bürger angemessen zu informieren“, betont Dietmar Spechtenhauser, hds-Bezirkspräsident Vinschgau. Die Postverwaltung verweist auf den Personalmangel und auf die Schwierigkeit, die kleinen Postämter in der Peripherie abzudecken.

Diese Dienstleistungen seien für die örtliche Bevölkerung von großer Bedeutung und würden zur Nahversorgung eines Dorfes dazugehören, so Spechtenhauser. Der hds protestiert nicht nur, sondern zeigt auch ein Lösungsmodell auf, mit dem diese Unterversorgung zum Wohle der Bevölkerung gelöst werden könnte.

„Wie es erfolgreich funktionieren kann, zeigt z.B. das Modell in Österreich”, erklärt hds-Direktor Werner Frick. Dort gibt es sogenannte Postpartnerschaften, eine Zusammenarbeit zwischen Postverwaltungen und Einzelhandel. „Bestimmte Basis-Postdienstleistungen werden direkt in Geschäften bzw. Nahversorgungsbetrieben angeboten. Gerade Südtirol mit seiner besonderen Handelsstruktur bietet beste Voraussetzungen für diese Art von Angebot. Es wäre dies eine ideale Ergänzung zu den bereits bestehenden Nahversorgungsstrukturen“, meint Frick.

Ein konkreter Schritt in diese Richtung könnte mit der Übernahme der Postkompetenz durch das Land erfolgen. „Es gibt durchaus Möglichkeiten, durch entsprechende Konventionen mit der Post, diesen Umständen – sprich geschlossene Postämter – entgegenzuwirken. Der hds ist flächendeckend in ganz Südtirol vertreten. Und eine Konvention mit der Post könnte vorsehen, dass jeweils ein ausgewähltes Unternehmen pro Gemeinde bestimmte Postdienstleistungen anbietet. Der hds ist auf jeden Fall bereit für ein derartiges Projekt“, meint abschließend der hds-Direktor.

Pressemitteilung hds

 


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