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„Mindestmengen sind eine Bauernregel“

4. November 2010

Joachim Koppenberger, Ospidal-Spitalsdirektor: „Mindestmengen sind kein wissenschaftlich bewiesenes Qualitätsmaß.“ Florian Zerzer, Gesundheits-Ressortdirektor: „Mindestmengen sind für uns auch kein alleiniges Steuerungsinstrument mehr.“

Es funktioniere nicht, wenn man die großen Krankenhäuser auf die Kleinen loslasse. Es funktioniere nicht an Mindestmengen die Qualität zu messen. Und es funktioniere nicht, wenn die Verwaltung in einem Krankenhaus zum Selbstzweck werde. Die Kernaussagen von Joachim Koppenberg, Spitalsdirektor vom Ospidal im Unterengadin decken sich weitgehend mit jener Meinung der Schlanderser Ärzte- und Pflegerschaft, die bei Koppenbergers Referat vor einer Woche in Schlanders anwesend waren. Die Kritik einzelner Doktores: Unverschämtes habe sich die Gewerkschaft ANAAO mit ihrem Angriffspapier auf die drei Kleinspitäler Sterzing, Innichen und Schlanders geleistet und die Entscheidungen, die der Sanitätsbetrieb in Bozen trifft, würden auf die peripheren Krankenhäuser einfach übergestülpt. Florian Zerzer, Direktor im Gesundheitsressort stellte Missverständliches klar. Sinngemäß: Wir vom Ressort sind nicht jene, die auf die Kleinspitäler losgehen. Im Gegenteil. Mindestmengen als alleiniges Steuerungsinstrument für den Südtiroler Sanitätsbetrieb seien im ersten Sanitätspapier vorgesehen gewesen, von dem sei man aber abgegangen. Und: Wenn in einer Abteilung nur zwei Betten stehen, dann muss man über eine Zusammenlegung diskutieren dürfen. Der Diskussion vorausgegangen war ein Plädoyer Koppenbergers für Kleinspitäler: Kleinspitäler sind der Filter für die großen Spitäler in Diagnostik, Erstversorgung und Stabilisierung. Die Überalterung der Gesellschaft ist ein großer Wettbewerbsvorteil für Kleinspitäler. Regionale Wertschöpfung ist durch direkte und indirekte Investitionen und zahlreicher Arbeitsplätze gegeben. Kleinspitäler sind schützende Infrastrukturen etwa in einem Winterskigebiet. Und: Durch ihre Kleinheit sind Kleinspitäler gut steuerbar und interdisziplinär. Das Fazit des Unterengadiner Spitalsdirektors ist klar: „Die Schweiz hat das dritt-teuerste Gesundheitswesen der Welt … und kann es sich leisten. Weil es der Gesellschaft und Politik wert ist.“ (ap)

 

 

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