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Der gläserne Apfel

21. Oktober 2010

Wolfgang Graiss, Abteilungsleiter der Qualitätskontrolle im Verband der Vinschgauer Genossenschaften für Obst und Gemüse (VI.P): „Digitale Spritzmittelaufzeichnungen haben viele Vorteile.“

Zweigeteilter Bildschirm, aufgeräumter Schreibtisch, lichtdurchflutetes Büro im VI.P Hauptquartier in Latsch: Bei Wolfgang Graiss laufen viele Drähte zusammen. Der studierte Agrarwirtschaftler ist seit vier Jahren Leiter der Qualitätsabteilung in der VI.P. Fünf Mitarbeiter sind in der wichtigen Abteilung beschäftigt. Eine Anfrage eines Kunden ist per E-Mail eingetroffen – mit einer „Negativliste“ dabei. Der Großkunde sucht einen bestimmten Apfel und die „Negativliste“ heißt, dass der Apfel unter anderem frei von einem bestimmten Spritzmittel sein soll. Graiss ist beim Überprüfen, ob die Kundenforderung erfüllt werden kann – in Absprache mit Direktion und Obmann.

Derartige Anfragen werden immer wieder an Graiss weitergeleitet. Die Abklärung derselben ist nur eine der Aufgaben in der Qualtitätsabteilung. Eine wichtige Aufgabe, zumal das Abchecken der Kundenwünsche einer andauernden Standortbestimmung der VI.P gegenüber den Mitbewerbern am Markt gleichkommt. Häufen sich Anforderungen von außen, muss in der VI.P abgesteckt werden, ob diese Anforderungen im Anbaugebiet standardisiert werden kann. Graiss liefert dazu fachliche Inputs.  Nebenan steht ein kleines Labor, in dem wöchentlich Äpfel auf deren Zuckergehalt und auf deren Druckfestigkeit untersucht werden. Mit herannahender Ernte wird auch der Stäkegehalt untersucht, dann allerdings täglich. Die Daten sind ein Glied in der Kette der Überprüfung des Reifeprozesses. Sie helfen mit, unter anderem die Erntefenster festzulegen, jene Zeitspanne, in der bestimmte Apfelsorten von den Bäumen zu holen sind.

 

Der VI.P Standard steht: „GlobalGap“ und „Agrios“ sind zwei wichtige Eckpunkte davon. Die Apfelqualität ist im Apfelgarten Vinschgau nicht nur auf das Produkt selbst beschränkt, sondern auch auf das Drumherum: Arbeitssicherheit und Hygienestandards etwa werden durch die externe Zertifizierung über das „GlobalGap“ abgedeckt. Die Kunden der VI.P wissen diese Transparenz zu schätzen. Vertrauen ist eine gute Geschäftsbasis.

Kontrolle tut allerdings auch Not. Über die Betriebsmappe und darin über die Aufzeichnungen im Spritzheft gibt jeder Bauer Auskunft über seine Betriebsführung, im Grunde über sämtliche Maßnahmen, welche er in der Produktion im Laufe des Jahres ergriffen hat. Noch werden diese Aufzeichnungen überwiegend von Hand gemacht. Zugriff und Kontrolle erfolgen derzeit in zwei Abgabewellen, eine vor und eine nach der Ernte. Beauftragte Inspektoren überprüfen vor Ort in stundenlanger Arbeit.

Der Weg soll eine neue Richtung sein. „Heuer werden wir voraussichtlich 20 Prozent der Spritzheftaufzeichnungen in digitaler Form vorliegen haben“, sagt Graiss. Die Strategie der VI.P ist es, bis 2012 alle Aufzeichnungen in digitaler Form vorliegen zu haben. Graiss und sein Team sind als Impulsgeber mitten im Geschehen. Eine Reihe von Vorteilen sieht Graiss im digitalen Betriebsheft: etwa Transparenz, der Beratungsring kann effizientere Aussagen machen, systematischere und schnellere Auskunft den Kunden gegenüber. Die Vorteile im Verkauf liegen auf der Hand. Vorteile wird eine derartige Datenerfassung, welche, so Graiss, wie ein Bankgeheimnis gehütet wird, auch den einzelnen Bauern bringen: beim gemeinsamen Einkauf, bei der Bestimmung des eigenen Betriebes im Vergleich zu anderen, die bessere Verteilung von Wissen und Know-How.

 

Die Strategie der VI.P ist es, durch das „digitale Betriebsheft“ neben der sinnvollen Aufbereitung der Produktionsdaten auch eine Vorreiterrolle einzunehmen und sich somit einen weiteren Baustein als Wettbewerbsvorteil zu sichern. Denn ein schnelles Reagieren auf Kundenanforderungen auf der Basis handfester und wasserdichter Daten gehört, neben dem aufgebauten Vertrauen in die Vinschger Apfelqualität, zur Professionalität in der VI.P dazu. Die Anforderungen des Marktes werden, das ist Hauptaufgabe von Graiss, auf die mögliche Verwirklichung hin überprüft und mit einem Konzept umgesetzt. Das „digitale Betriebsheft“ ist eines davon.

 

Erwin Bernhart

 

 

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