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Neue Lebensphilosophie

21. Oktober 2010

Andreas Prantl und Ulrike Wagner sind dabei aus dem Tendershof einen Vitalbauernhof zu machen. Produkte aus eigener Herstellung sollen vermarktet werden. Den Gästen in den Ferienwohnungen, im Hofschank und den Konsumenten soll eine Lebensphilosophie vermittelt werden, die das bäuerliche Wirtschaften im Einklang mit Natur und Ethik in den Mittelpunkt stellt. Beide Partner verrichten die täglichen Arbeiten auf dem Hof gemeinsam. Sie versorgen Kühe, Schweine, Pferde, Hochlandrinder und verarbeiten die Produkte selbst. Rechts im Bild: Das Paar überprüft die Produktpalette mit Teekräutern, Kräuteressig, Kräuterschnäpsen, Aufstrichen und vielem mehr

Als Außenstehende habe ich sofort das Potential gesehen, das im Tendershof bei Reschen liegen könnte, sei es touristisch wie auch in der Direktvermarktung“, sagt Ulrike Wagner. Die gelernte Handelskauffrau aus der Nähe von Stuttgart war als Touristin 1996 ins Vinschger Oberland gekommen, wo sie beim Skifahren Andreas Prantl kennenlernte, der sie auf seinen Hof einlud. Die junge Deutsche verliebte sich nicht nur in ihren Begleiter, sondern auch in den idyllischen Tendershof. Ein Jahr später zog sie dort ein und wurde Bäuerin.

Der Hof war einst ein beliebter Treffpunkt  für Schmuggler und bekannt wegen seines Braunviehs. Doch der Glanz war verflogen und der junge Inhaber, sah nur die viele Arbeit und merkte, dass unterm Strich nicht viel übrig blieb. Als Saisonsarbeiter auf Schöneben verdiente er sich etwas dazu.

Wagner hatte stets das Ziel vor Augen, etwas aus dem Hof zu machen und überzeugte auch ihren Partner. Nach und nach stellten sie die Weichen, um irgendwann vom Ertrag des Hofes leben zu können, nicht zuletzt auch aus dem Bewusstsein heraus, dass eine intakte Umwelt und naturnahe Produkte mit Lebenqualität zu tun haben und Menschen ansprechen. „Hochwertige Produkte dürfen nicht unter ihrem Wert verkauft werden“, sagt Wagner. Doch es brauchte seine Zeit. Mittlerweile sind die drei Kinder Saskia (13), Laura (10) und Hannes (7)  aus dem Gröbsten heraus, die Ferienwohnungen sind neu eingerichtet und der Keller zum Hofschank umfunktioniert worden. Derzeit entsteht der neue Verarbeitungsraum für die Direktvermarktung von Fleischprodukten und Käse. Das typische Merkmal eines Hofschanks ist, dass laut  Bestimmungen 50 Prozent der angebotenen Produkte aus eigener Produktion stammen müssen und 40 Prozent von Bauern und Genossenschaften. „Nur 10 Prozent darf aus dem freien Markt stammen, und wir verarbeiten soviel wie möglich selbst. Deshalb gibt es bei uns auch nicht alles“, betont Wagner. „Wir setzen vor allem auf typische Gerichte aus der Vinschger Küche, Es gibt beispielsweise keine Pommes.“

 

Das Wirtschaften im Einklang mit der Natur als große harmonische Einheit, diese Lebensphilosophie hat auf dem Tendershof Einzug gehalten. Gäste und Einheimische können künftig daran teilhaben. „Das Ganze funktioniert wie bei einem Zahnrad, das eine Rad greift in das andere“, beschreibt Wagner. Gestützt wurde diese Entwicklung durch eine fundierte, allgemeinbildende und fachspezifische Aus- und Weiterbildung des Paares.

Ulrike Wagner befindet sich derzeit auf dem Weg zur „Vitalbauerin“ nach der Lehre von Pfarrer Kneipp. Diese baut auf den fünf Säulen auf:  Wasser, Kräuter, Bewegung, Ernährung und Lebensordnung. Und die angehende „Vitalbäuerin“ kann sich demnächst auch noch „Kräuterpädagogin“ nennen. Die Bergkräuter, die sie in den hofeigenen Almwiesen in großer Vielfalt findet, haben es ihr angetan. Sie ist altem Wissen auf der Spur, das sie  auch gerne weitergibt.

Im kommenden Frühjahr sollen „die Zahnräder“ zu laufen beginnen. Die Jungbäuerin will auch Aktivitäten zur Kneipplehre und Kräuterkunde anbieten.

Magdalena Dietl Sapelza

 

 

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