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Wein am Naturnser Sonnenhang

21. Oktober 2010

Die Inhaber des Weingutes Falkenstein: Bernadette und Franz Pratzner beim Wimmen

Der Weinbau im Vinschgau ist keine neue Errungenschaft. Im Gegenteil, schon 150 v. Chr. haben römische Legionen hier Weinbaukulturen vorgefunden. Bis ins 18. Jh. wurde am Vinschger Sonnenhang viel mehr Wein angebaut als heute, damals gab es an die 200 Hektar Weinbaufläche. Ende des 19. Jh. reduzierte vor allem die Reblaus die Anbaufläche auf ca. 120 Hektar. Nachdem die Landwirtschaft im Vinschgau Mitte des 20. Jh. ihr Hauptaugenmerk vermehrt auf den Obstbau legte, verringerte sich  die Weinerzeugung abermals, sodass es 1960 nur mehr 60 Hektar Weinbaufläche gab. In den letzten Jahren allerdings ist ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten, immerhin wird mittlerweile wieder auf ca. 75 Hektar Wein angebaut.

 

Das Naturnser Weingut Falkenstein hat auch zu dieser Kehrtwende beigetragen, zumal hier bereits im 14. Jh. schon Wein angebaut wurde. Damals gehörte das Weingut noch zum Schloss Hochnaturns, ist dann aber bald in den Besitz der Familie Pratzner übergegangen. Die heutigen Inhaber Franz und Bernadette Pratzner bebauen aktuell 7 Hektar Eigenfläche und 5 Hektar Pachtfläche, von denen insgesamt 9 Hektar Ertragsfläche sind. Franz Pratzner ist einer der acht Vinschger Selbsterzeuger, die hauptberuflich Wein abfüllen, insgesamt zählt der Vinschgauer Weinbauverein allerdings an die 250 Mitglieder.

Die Weißweinsorten, wie Weißburgunder, Riesling, Kerner und Müller-Thurgau gedeihen am Sonnenberg besonders gut und brauchen auch den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Die Rotweinherstellung spielt eher eine untergeordnete Rolle, wobei allerdings der Blauburgunder hervorzuheben ist.

Seit 1995 sind 5 Gemeinden des Vinschgaus als DOC-Gebiete anerkannt: Partschins, Naturns, Kastelbell/Tschars, Latsch und Schlanders. 1995 war es auch, als am Weingut Falkenstein offiziell mit der Abfüllung gestartet wurde und seitdem kam stetig neue Fläche dazu. Inzwischen werden jährlich 60.000 Flaschen zu 0,75 Litern abgefüllt, wobei über 90% der Produktion Weißweine (60% Riesling, 15% Weißburgunder, 15 % Sauvignons, 2% Gewürztraminer) sind. Die restlichen 8% machen den Blauburgunder aus. Mit seinen Weißweinen hat Franz Pratzner bereits mehrfach aufhorchen lassen und zahlreiche Prämierungen errungen.

Am Weingut Falkenstein werden für die Gärung und Lagerung der Weißweine ausschließlich große Akazienfässer verwendet

Heuer ist auch wieder mit einem sehr guten Jahrgang zu rechnen. Während der arbeitsintensivsten Zeit im Weinbau (Mai-Juni) und von der Blütezeit bis zur Reife war das Wetter heuer, trotz etwas Niederschlag, aber mit kühlen Temperaturen, den Winzern wohlgesinnt.

Momentan wird am Weingut Falkenstein der Riesling gewimmt. Nach dem Wimmen wird die Traube gerebelt, also entstielt und gequetscht und kommt direkt in die Presse. Der daraus gewonnene Saft wird dann, nach vierundzwanzigstündigem Absitzen im Stahltank, in große Akazienfässer gefüllt, in denen der Wein dann vergoren und ausgebaut  wird. In der Zeit der Gärung, die 3 bis 10 Wochen dauern kann, wird der Rebensaft täglich verkostet. Nach der Gärung bleibt der Wein im Holzfass und wird wöchentlich aufgefüllt, bis er Ende Juni schließlich filtriert und abgefüllt werden kann.

Die 6. Rieslingtage Naturns, von 18. Oktober bis 20. November, bieten den Weinliebhabern nun wöchentliche Weindegustationen mit namhaften Winzern aus den verschiedenen Anbaugebieten Südtirols. Beim Rieslingwettbewerb werden die besten Weine von einer Fachjury ermittelt und prämiert. Zusätzlich gibt es die ganze Zeit über ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, so öffnen zum Beispiel die örtlichen Rieslingwinzer, Weingut Unterortl/Juval und Weingut Falkenstein, ihre Keller zur Besichtigung und es können die an den Sonnenhängen oberhalb Naturns gereiften Tropfen verkostet werden.

 

Neben Wein werden am Weingut Falkenstein auch sortenreiner Grappa und Edelbrände hergestellt. Dazu wird der Tresterkuchen in einer Großkiste mit Wasser und Hefe zur Gärung gebracht und durch ein zweimaliges Brennverfahren (Raubrand und Feinbrand) destilliert. Aus 100 Litern Maische können dadurch ca. 4 -5 Liter reiner Alkohol gewonnen werden. Dazu gibt es ein immer noch gültiges Gesetz, noch aus Maria-Theresias Zeiten, das besagt, dass nur 300 Liter reiner Alkohol hergestellt werden dürfen.

Seit 2003 finden sämtliche Arbeitsgänge im neuen Betriebsgebäude am Naturnser Sonnenhang statt, das Franz und Bernadette Pratzner ein komfortables Arbeiten im schönen Ambiente ermöglicht.

 

Maria Gerstgrasser

 

 

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