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Leserbriefe 20/10

7. Oktober 2010

So geht’s nicht!

Wir als Mitglieder der Zielalm-interessentschaft Partschins waren überrascht, als wir den Artikel in der Dolomitenausgabe vom Donnerstag, den 26.09.2010, in dem die Gemeindeverwaltung bekannt gibt, dass sie die Nassereithütte wieder aufbauen lassen möchte, gelesen haben. Beim Durchlesen dieses Artikels präsentiert sich die Gemeindeverwaltung als zukünftiger Bauherr der Nassereithütte. Wir als Interessenten wurden bisher weder informiert noch fand eine Vollversammlung von Seiten der Zielalminteressentschaft, bei der dieser Beschluss vorgelegt wurde, statt. Kann die neue Gemeindeverwaltung über Privateigentum verfügen? Werden wir als Bauern und Grundbesitzer nicht mehr gefragt, da es sich anscheinend um eine wichtige Infrastruktur für den Tourismus handelt? Die Aussage des Bürgermeisters Albert Gögele im Artikel, dass man gewillt sei, einen Beitrag von 150.000 Euro der Zielalminteressentschaft für den Bau der Nassereithütte zu geben, jedoch nur dann, wenn man auch für die Errichtung der beiden neuen Wegprojekte der Texelbahn AG, welche großteils auf dem Grund der Zielalminteressentschaft verlaufen sollen, die Zustimmung gibt, empfinden wir als Erpressung. Bereits 2008 hat die alte Gemeindeverwaltung der Zielalminteressentschaft einen Beitrag von 150.000 Euro, aufgeteilt auf drei Jahre, für die Errichtung der Nassereithütte zugesagt, da diese für die einheimische Bevölkerung als Naherholungszone dient und für die Touristen als Einkehrstätte sehr wichtig ist. Im Haushalt 2008 wurde bereits die erste Rate von 50.000 Euro vorgesehen. Nun erscheint es uns, dass die neue Gemeindeverwaltung die Wichtigkeit dieser Hütte für den Tourismus nur dann anerkennt, wenn auch dem Wegprojekt zugestimmt wird. Bei der in der Dolomiten erwähnten Aussprache hat der Präsident der Texelbahn AG, Herr Weiss, bereits ein Projekt zum Bau eines „Berggasthauses“ im Naturpark Texelgruppe vorgelegt und droht dies zu verwirklichen, sollten die Vorstellungen der Texelbahn nicht erfüllt werden. Laut seinen Aussagen soll dieses Projekt 450.000 Euro kosten und ca. 10 Gehminuten vom Gasthaus Gigglberg und 20 Gehminuten vom Gasthaus Dursterhof auf Gemeindegrund errichtet werden. Geschieht das auch im Einverständnis der Gemeindeverwaltung? Kann hier die Gemeinde einen Beitrag gewähren oder wird die Texelbahn als nicht privat angesehen? Hier erkennt hoffentlich jeder Interessent mit welchen Methoden versucht wird, Druck auf uns auszuüben, um die Wünsche der Texelbahn und des Tourismus zu erfüllen. Den Beitrag, den die Landwirtschaft und vor allem die Bergbauern durch das Bewirtschaften der Höfe und Almen leisten, erscheint wohl vielen als selbstverständlich. Die Zielalminteressentschaft, also wir Bauern, haben in den letzten Jahren für die Verschönerung bereits viel geleistet, so wurden die Zielalm und der  Stall, die Hütten Ginggl, Kaserstoan, Großberg und der Stall in Nassereit saniert. Dies wurde alles ohne einen Beitrag von Seiten der Gemeinde realisiert und hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass viele Touristen diese Schönheit schätzen und immer wieder gerne in unserer Gemeinde Urlaub machen. Die vielen Wege und Pfade, die auch in unserer Gemeinde durch die Gründe der Bauern führen und geduldet werden, scheinen vom Tourismus und neuerdings auch von Teilen der neuen Gemeindeverwaltung als Normalität betrachtet zu werden. Es ist somit schon mehr als erstaunlich, wenn der neue Bürgermeister erwähnt, dass die Zielalminteressentschaft bzw. die Bauern Privatpersonen sind und er diesen für die Nassereithütte keinen Beitrag geben kann, da er es als nicht nachvollziehbar betrachtet, Beiträge an „Private“ zu vergeben. Dem Beitrag, den die Bauern für den Tourismus heute leisten, wird also nicht Rechnung getragen. Teilen
diese Meinung auch der gesamte Gemeindeausschuss, der Referent des Bauernbundes und Vizebürgermeister Alois Forcher, die Tourismusreferentin Birgit Egger und die Mitglieder des Gemeinderates, insbesondere die bäuerlichen Vertreter? Eine Stellungnahme zum Artikel der Dolomiten würde uns auch von Seiten des Vorstandes der Zielalminteressentschaft interessieren. Unter diesen Bedingungen wird es nach unserer Ansicht kaum möglich sein, für das Wegeprojekt die erforderliche Mehrheit bei der Vollversammlung zu erreichen. Bei einer solchen Vorgangsweise erscheint es uns schwierig, eine gute Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Landwirtschaft zu praktizieren.

Georg Rungg, Alois Rungg, Mitglieder der Zielalminteressentschaft, Partschins


Seilbahn-Abzocke in Naturns

Inspiriert von dem Verbund der Texel- und Unterstell-Seilbahnen machen wir uns auf, um den Meraner Höhenweg vom Giggelberg über Hochforch, 1000-Stufenschlucht, Pirch nach Unterstell. Wir verlangten Karten zum Giggelberg und Unterstell – ohne Gästekarte Euro 12,30 unsere Bekannten – mit Gästekarte Euro 11,50.

Eine spektakuläre Wanderung erwartete uns durch die Schlucht, erleichtert rasteten wir am Pirchhof, denn wir Frauen hatten unterwegs erwägt umzukehren, da eine Passage für uns fast zu schwierig/schwindelerregend schien. Jedoch am Spätnachmittag angekommen auf Unterstell, stellte sich heraus, dass die Karten nur für Berg- und Talfahrt der Texelbahn waren, wohlgemerkt preisgleich mit der Kombi-Karte (Bergfahrt Giggelberg – Talfahrt Unterstell) unserer Bekannten. Der Herr an der Station erklärte uns, die Texelbahn gehe ihn nichts an. Eine Verrechnung ist unmöglich. Wir müssten nochmals 2 Talfahrten lösen à € 6,40 ab Unterstell.

Auch am selben Abend an der Texelbahn erreichten wir keine Klärung, das käme ständig vor. Obwohl Preise für Berg- und Talfahrt mit oder ohne Kombitiket gleich sind. Hätten wir wirklich die Tour abgebrochen und wären zurück gegangen, müssten die Kollegen mit Kombitiket extra die Texelbahn bezahlen.

Von Touristenfreundlichkeit oder gar Weiterempfehlung dieses Seilbahnbündnisses kann wirklich keine Rede sein, denn dem EDV/Fahrkartenentwerter ist es egal, wann bzw. wo die Berg- bzw. Talfahrt erfolgt, solange der korrekte Preis bezahlt ist. Im Alpengebiet wird das seit Jahren mit Skipässen praktiziert. Nur in Naturns vergrault man mit dieser Abzocke die Gäste und zum Ende der Saison verfallen auch noch die offenen Karten.

W. Vischer, Bad Herrenalb


Heimatfernentreffen

vom 11.und 12. September 2010: Der Alltag hat uns wieder eingeholt,aber wir möchten es nicht unterlassen und den Organisatoren, Helfern, Helferinnen und allen Beteiligten, die zu diesem schönen Anlass beigetragen haben recht herzlich danken. Auch der Apero und das feine Nachtessen waren super. Als Erinnerung konnten wir ein Geschenk mit nach Hause nehmen.Ein unvergessliches Erlebnis. Wir wünschen einen schönen und farbenfrohen Herbst.

H.u.N.Stecher aus der Schweiz

 

„Tag des Denkmals“

Seit letzter Woche versperrt eine 10 mal 10 Meter große Sicht-Beton-Mauer den Blick auf die mittelalterliche Stadt Glurns. Seit über 500 Jahren prägte die Kleinstadt mit ihren charakteristischen Mauern die obervinschger  Landschaft.

Warum die Stadtverwaltung von Glurns einer Zone mit dem Bau einer Produktionshalle gleich oberhalb der Malser Toreinfahrt zustimmt, ist nicht nachvollziehbar. Handwerksgebäude und sonstige Produktionsstätten hätten zur Genüge östlich der Stadt und/oder auf dem ehemaligen Kasernenareal Platz und stören dort auch nicht den Blick auf das Ensemble. Jahrzehntelange Bemühungen um eine historische Aufwertung der einzigartigen Kleinstadt Glurns werden mit einem Schlag zu Grabe getragen.

Die Hundertschaften an Fahrradtouristen, die im Sommer jeden Tag vom Malser Bahnhof kommend durch Glurns fahren, werden nun mit einem Betonbau begrüßt. Der Gemeindeverwaltung um BM Wallnöfer Erich und seinem ehemaligenVize Prieth Elmar hätte ich mehr Feingefühl zugetraut.

Schade für Glurns und schade, dass die zuständigen Behörden und deren Gesetze (Stadtgemeinde Glurns, Denkmalamt, Landesregierung, Amt für Urbanistik usw…) eine Zerstörung der Kulturlandschaft zu Gunsten eines einzelnen und zu Lasten der Allgemeinheit zulassen!

Stecher Peppi, Freiheitlicher Bezirkssprecher, Vinschgau

 

 

Bürgerbeteiligung

Hat man Politiker je sagen hören, sie wären gegen Bürgerbeteiligung? Trotzdem ist die Landesvolksabstimmung 2009, um das untaugliche Landesgesetz zu ändern, mit allen Mitteln bekämpft worden. Dessen ungeachtet war die Beteiligung stark; das Signal ebenso. Südtirols Bürger wollen Mitsprache! Dass nun ein erneuter Versuch der Initiative für mehr Demokratie von der Kommission abgelehnt worden ist, bezeugt das Elend des Landesgesetzes. Es sieht für uns Bürger nicht einmal das Recht vor, nötige Abänderungen zur Abstimmung zu bringen. Höchste Zeit für eine bürgerfreundliche Neuregelung. Auch unsere Politiker könnten dazu beitragen, möchte man meinen!

Hanns Fliri, Naturns

 

„Kein Platz in einer modernen Sanitätspolitik“

In der letzten Nummer des „Vinschgerwind“ steht ein Artikel mit dem Titel „Aus für Krankenhaus?“

Der Journalist meint dabei das Krankenhaus von Schlanders, das angeblich ebenso wie die anderen Peripheriekrankenhäuser Südtirols demnächst geschlossen werden soll. In diesem Zusammenhang werden auch die widersprüchlichen Aussagen des zuständigen Landesrates Richard Theiner und des Generaldirektors Andreas Fabi zu diesem Thema zitiert. Für den sachlichen Beobachter ist der Sachverhalt allerdings klar. Die Krankenhäuser von Schlanders, Sterzing, Innichen können als solche nicht mehr erhalten werden, diese Strukturen haben in einer modernen Sanitätspolitik keinen Platz mehr. Was macht aber die moderne Sanitätspolitik aus? Da muss man auf die großen Fortschritte hinweisen, die im Bereich der Medizin in den letzten 40 Jahren erfolgt sind, neue Möglichkeiten sind erschlossen worden, so zum Beispiel in der Transplantationsmedizin, in der Herzchirurgie, in der Dialyse. Das bedingt eine zunehmende Spezialisierung des medizinischen Personals und den Einsatz immer hochentwickelter technischer Instrumente. Die organisatorischen und finanziellen Herausforderungen, die sich daraus ergeben, sind enorm. Sie können nur bewältigt werden, indem man genau kalkuliert und medizinische Schwerpunkte setzt. Das Ziel ist, den Patienten sofort in jene Struktur zu bringen, die am besten für seine Behandlung qualifiziert ist. Der Standort ist in diesem Zusammenhang von sekundärer Bedeutung. Damit spart man Zeit und Geld, das sowieso immer knapper wird. Südtirol gibt mehr als ein Viertel seines Budgets für die Sanität aus und angesichts der demographischen Entwicklung werden die Ausgaben in Zukunft noch steigen. Wie wichtig ein solches Vorgehen ist und welche Folgen sich daraus ergeben können, das möchte ich an einer persönlichen dramatischen Erfahrung darlegen. Vor 10 Jahren erlitt ich einen Herzinfarkt und wurde in das nächste Krankenhaus von Meran gebracht, wo eine kardiologische Abteilung existiert. Innerhalb von 36 Stunden entwickelte sich ein Lungenödem, eine lebensbedrohliche Komplikation. In beinahe letzter Minute wurde ich in aller Eile in die Kardiologie von Bozen gebracht, wo Primarius Pitscheider mir sofort einen Stent in das Kranzgefäß einsetzte und mir damit das Leben rettete. Das wäre in Meran nicht möglich gewesen. Ich hätte also von vornherein in die Kardiologie Bozen gebracht werden sollen, die über die entsprechende technische Ausrüstung und über die nötige Erfahrung verfügte.

Die Schaffung von medizinischen spezialisierten Zentren drängt die Peripheriekrankenhäuser immer mehr an den Rand, sie sind nicht mehr konkurrenzfähig, belasten aber trotzdem das Budget. Nun muss man sich fragen, wieso ist es eigentlich zum Bau dieser Peripheriekrankenhäuser gekommen? Diese Frage können am besten diejenigen beantworten, die die Sanitätspolitik des Landes in den vergangenen 30 Jahren geprägt haben. So zum Beispiel der ehemalige LR Otto Saurer, ebenso wie der Generaldirektor Andreas Fabi. Diese Personen haben den Trend der modernen Medizin weitgehend ignoriert und aus lokalpolitischen, oft parteipolitischen Überlegungen die Peripheriekrankenhäuser gefördert und ausgebaut. Es wurden neue Dienste und neue Abteilungen geschaffen, neue Primariate erstellt, obwohl es klar war, dass man die Leistungsfähigkeit der medizinischen Zentren keineswegs erreicht. Deshalb sitzen nun LR
Theiner und sein Beamtenstab in einer Sackgasse, in die sie sich selber hineinmanövriert haben. Die organisatorischen und finanziellen Zwänge der modernen medizinischen Entwicklung lassen ihnen nämlich keine Alternative: die Peripheriekrankenhäuser müssen abgebaut werden. Diese Demontage trifft aber die Interessen jener Klientel, die sie selbst geschaffen haben. Diese Klientel mault, protestiert und droht mit dem Wahlzettel. Das macht den politisch Verantwortlichen Angst. Deswegen versuchen sie mit Beschwichtigungsmeldungen und hinhaltender Informationstaktik den Zorn des von ihnen anfänglich geförderten, jetzt aber weitgehend verlassenen Personenkreises zu besänftigen, wenigstens bis zum nächsten Wahltermin. Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass diese Taktik Erfolg hat. Letztlich werden auch die lokalen politischen Vertreter froh sein, wenn sie die zu Pflegeheimen mutierten Peripheriekrankenhäuser als solche erhalten können.

Egmont Jenny – Facharzt für Chirurgie und Urologie – ehemaliger Abg. zum Südtiroler Landtag-Dorf Tirol

 

 

 

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