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Der AVS schlägt im Vorfeld Alarm

23. September 2010

Frühzeitig – noch bevor fertige Projekte auf dem Tisch liegen – schlägt die AVS-Ortsstelle in Schnals Alarm. Der AVS befürchtet, dass die bisher unberührte Talseite rund um das Lagauntal und die Berglalm von Wegen erschlossen werden könnte. Weil ein Stichweg im Zuge des E-Werkbaues der Energie Schnals GmbH von den Koflhöfen zum Lagaunbach in Angriff genommen wird, sehen die Schnalser AVSler Gefahr in Verzug. Die Gemeinde und der Präsident der Energie Schnals GmbH versuchen zu beruhigen.

von Erwin Bernhart

Der AVS Ortsstellenleiter von Schnals Michl Langes und sein Stellvertreter Otto Spechtenhauser: „Die Bauern haben die Gemeinde im Griff.“

In Schnals wird Alarm geschlagen. Der AVS, genauer der Ortsstellenleiter Michl Langes und sein Stellvertreter Otto Spechtenhauser, sind in Sorge und hegen Befürchtungen. Befürchtungen dahingehend, dass das Gebiet in Richtung Lagauntal und in Richtung Berglalm mit Wegen erschlossen werden könnte. Das

Lagauntal ist unerschlossen, von prächtigen Zirmwäldern umsäumt, ehemals vom Lagaungletscher in die Landschaft gefräst. Der Gletscher hat gut sichtbare Seitenmoränen hinterlassen, die Vegetations-Sukzession – die stufenweise Rückeroberung durch die Pflanzenwelt – kann im Lagauntal studiert werden. Zudem hat man im Lagauntal meso- und neolithische Funde gemacht, Silexsteine aus der mittleren und jüngeren Steinzeit. Das Lagauntal war, wie mehrere Seitentäler in Schnals oder auch das Haupttal Durchzugs-, Rast- oder Wohngebiet in vorchristlichen Zeiten. „Ötzi“ und seine Kumpane könnten Lagaun durchstreift haben. In heutigen Zeiten ist das Gebiet um die Berghänge von Kurzras orografisch rechts talauswärts ein herrliches Wandergebiet. Ein Schatz, sagt man in Schnals. Hinaus auf die Berglalm, hin-auf auf das Taschljöchl und von dort ins malerische Schlandrauntal.

Dieses Gebiet sehen Langes und Spechtenhauser gefährdet. Ihre Befürchtungen fußen einerseits auf Tatsächlichem und andererseits auf Möglichem. Tatsächlich ist man derzeit dabei, einen Weg von den Koflhöfen steil in Richtung Lagaunbach zu bauen. Den Lagaunbach will die Schnals Energie GmbH, zu 60 Prozent ist daran die Gemeinde Schnals und zu 40 Prozent die SEL-eigene Hydros beteiligt, fassen und gemeinsam mit dem Schnalsbach oberhalb des Vernagtsees verstromen. Rund 10 Millionen Kilowattstunden werden jährlich erhofft. Derzeit gehört das hintere Schnalstal – vom Stausee in Vernagt bis Kurzras – den Baggern. Derzeit werden in der Talsohle Rohre und Kabel für das E-Werk vergraben. Das stört in Schnals, von einigem Naserümpfen ausgenommen, niemand. Das E-Werk selbst stößt durchaus auf Konsens. Der Seitenweg zum Lagaunbach ist es, der Bauchweh bereitet. Nicht einmal der Weg selbst, aber das explosive Potenzial, das dahinter steht – ein möglicher Weiterbau – stinkt dem AVS gewaltig.

Der Weg soll bis zu einem Unterbrecherschacht gehen, unterhalb der eigentlichen Fassungsstelle. „Wir befürchten, dass diese Straße weiter gebaut wird“, sagt Michl Langes. Die AVS Ortsstelle Schnals hat um die 230 Mitglieder. Die Wegproblematik in Lagaun könnte sich zu einem Politikum auswachsen. „Das Lagauntal wird viel begangen, die Leute wollen hochgehen und Ruhe haben“, ist Langes überzeugt. Beim Bürgermeister habe man in dieser Causa bereits mehrmals vorgesprochen. „Von Bürgernähe und Transparenz ist da keine Rede“, ärgern sich Langes und Spechtenhauser. Denn herausbekommen habe man nichts.

„Dass der Weg weitergehen könnte, ist nicht vorgesehen“, sagt der Schnalser Neo-BM Karl Josef Rainer dem „Vinschgerwind“. Rainer kennt das Lagauntal wie seine Westentasche. Als Bub hat er dort mehrere Sommer lang gehütet. Momentan sehe er keinen Grund, in die Problematik einzugreifen. Dem neu zu errichtenden Weg kann Rainer Vorteile vor allem für die Waldbewirtschaftung abgewinnen. Eine Erschließung weiter hinauf ist nur möglich, wenn die Besitzer das wollen und wenn die Vorgangsweise gesetzeskonform ist. Eine grundsätzliche Haltung will Rainer nicht einnehmen. Nur soviel: „Ich werde mich, wenn schon, von Fall zu Fall damit beschäftigen und aufgrund der Notwendigkeiten entscheiden.“ Dagegen ist Rainer, „dass Autos auf die Berge fahren. Da sollten die Regelungen strenger beachtet werden.“ Ein Weg an sich, sinniert Rainer, ist sicher nicht problematisch. Das Um und Auf sei die Regelung des Verkehrs. „Wenn man anschaut, was die Natur selbst alles zerstört, wie heuer etwa durch Murbrüche und Lawinen, soviel könnte der Mensch gar nicht zerstören“, zieht Rainer einen Vergleich, dessen Bewertung wir gern dem Leser überlassen.

Trotzdem: unbegründet sind die Befürchtungen vom AVS nicht.

v.l.: Ex-BM und Präsident der EnergieSchnals GmbH Hubert Variola, BM Karl Josef Rainer und Landwirtschaftsreferent Sepp Götsch

Josef Götsch, der Referent für Landwirtschaft und Bauernbundobmann von Schnals, hat im Namen der Grundbesitzer den Weg durchgeboxt und die Bedingungen ausverhandelt. Ursprünglich wollte die Energie Schnals den Lagaunbach mittels Hupfbagger und Hubschrauber erschließen. Die Bauern wollten einen Weg. Nun bekommen sie ihn, genehmigt ist er und die Arbeiten sind an die Prader Firma Mair vergeben. „Die Bauern haben die Gemeinde erpresst“, sagt dazu Michl Langes.

Tatsächlich haben sich die Grundbesitzer die Dienstbarkeit auf ihrem Grund für Fassung, Sandfang, Unterbrecherschacht und Leitungsverlegung nicht nur den Forstweg ausverhandelt, sondern zusätzlich eine Beregnungsleitung für die Koflhöfe und Bares. Weil eine vereinbarte Vorauszahlung und die Kaution bisher von der Energie Schnals nicht bezahlt worden sind, hat Götsch vor kurzem Rabatz gemacht. „Mündlich habe ich die Zusage von der Energie Schnals, dass die Vereinbarungen eingehalten werden“, sagt Götsch.

Vereinbart ist ein Stichweg ohne Kehre von den Koflhöfen bis zum Lagaun-bach. „Die sauberste Lösung“, sagt Götsch. Ein Teil des Weges bestehe bereits, der werde verbreitert und ein Stück muss neu angelegt werden. Der Wald könne so bewirtschaftet und verjüngt werden. So dass er die Schutzwaldfunktion wieder erfüllen kann.

Allerdings, und das gibt den Befürchtungen der AVS-Leute in Schnals Nahrung, hat Götsch noch herausverhandelt, dass, so Götsch wörtlich, „sollten die Grund- bzw. Waldbesitzer Interesse daran haben, die Lagaunalm zu erschließen bzw. den Weg bis zum Entsander hinauf bauen zu wollen – woran auch die Energie Schnals ein Interesse hat – dann beteiligt sich die Energie Schnals mit 50 Prozent der Restkosten an diesem Wegebau.“ Vom Unterbrecherschacht bis zum Entsander sind es rund 150 Höhenmeter. Da müsse erst das Interesse bekundet und dann angesucht werden, sagt Götsch. Von den Befürchtungen des AVS hat Götsch gehört. „Es gibt immer ein paar, die grundsätzlich kein Interesse an einer Wald- oder Almbewirtschaftung haben. Das ist eine natürliche Einstellung, die ein bestimmter Anteil der Bevölkerung hat.“ Die Grundeigentümer der Berglalm haben kein Interesse, die Alm mit einem Weg zu erschließen, sagt Götsch. In absehbarer Zeit sehe er nicht, dass ein Weg da oben gebaut werde. Ein Interesse von Seiten der Wald- bzw. Grundeigentümer sei ihm bisher nicht bekannt.

Wenn Wege gebaut werden, sollten alle an einem Strang ziehen. Götsch wünscht sich, wenn schon, Gespräche mit offenem Visier.

Die Vereinbarung mit den Grundeigentümern hat auf der anderen Seite Hubert Variola als Präsident der Energie Schnals GmbH unterschrieben. Variola, Schnalser Ex-BM und derzeit Referent unter anderem für den Kraftwerksbau zuständig, begegnet den Befürchtungen von Seiten des AVS souveräner als sein Amtsnachfolger: „Befürchtungen bestehen immer, wenn ein Stück Weg gebaut wird, dass er weitergebaut werden könnte. Es ist aber so, dass der heutige Landschaftsplan dies aufgrund des Bannstreifens unterbindet. Der Weg könnte maximal bis zur Fassung hinauf gebaut werden. Dabei wäre der Wald vollständig erschlossen.“ Variola bestätigt, dass der Weg Bedingung von der Landwirtschaft war. Verständnis hat Variola für die Waldbewirtschaftung. „Ohne Weg müssten da oben die Bäume mit dem Hubschrauber herausgeholt werden.“ Natürlich komme man dann leichter an die Anlagen des E-Werkes heran.

Dennoch: Den Schnalsern steht wohl eine Grundsatzdebatte ins Haus. Die Zufahrt zur Lafetzalm ist bereits gebaut. Kommt als nächstes die Lagaunalm dran? Der Innerkofler Matthias Gamper sagt: „Da oben steht nur ein Hirtenunterstand. Alm ist da keine.“

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