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Die zwei Seelen der Gemeinde Graun

9. September 2010

Gegensätzlicher könnten die Positionen nicht sein: Der Präsident der Haider AG Johann Sprenger drängt mit allen Mitteln auf eine Fusion beider Skigebiete, der Präsident der Schöneben AG Oswald Folie will davon nichts wissen. Mittlerweile haben sich die Voraussetzungen geändert, die Politik drängt auf eine engere Zusammenarbeit, die Landesregierung hat eine skitechnische Verbindung mit maximalen Förderungen in Aussicht gestellt und der Grauner BM Heinrich Noggler denkt an eine unabhängige Studie, die Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit ausloten soll.

von Erwin Bernhart

Johann Sprenger sitzt zwischen Hammer und Amboss. Seit zwei Jahren ist Sprenger Präsident der Haider AG. Mindestens zwei Handtelefone, trotzdem kaum erreichbar. Der Haider Lamplwirt ist in den letzten zwei Jahren mindestens 40-mal nach Bozen gepilgert – Gespräche mit dem LH, mit diversen Landesräten, mit Landtagsabgeordneten, mit Amtsdirektoren, mit Experten. Ziel seiner Exkursionen: ein skitechnischer Zusammenschluss der Haider Alm mit Schöneben, Grundlagen für eine Fusion mit der Schöneben AG zu schaffen, überhaupt eine stärkere Zusammenarbeit der obervinschger Skigebiete zu erreichen. Seine Vision gründet auf Knallhartem: Das Skigebiet Haider Alm, dem er vorsteht, steht mit dem Rücken zur Wand. „Wir sind seit Jahren schuldenfrei. Mit einem jährlichen Cashflow zwischen 250.000 und 300.000 Euro sind wir imstande, die laufenden Kosten mehr oder weniger abzudecken. Mehr nicht“, sagt Sprenger. Seit rund 10 Jahren ist in das Skigebiet nicht mehr wirklich investiert worden. Dadurch sinke, so Sprenger, die Attraktivität von Jahr zu Jahr. Zurzeit lässt Sprenger die Bagger auffahren. Die Talabfahrt wird im unteren Bereich abgeflacht, die Beschneiung muss dort teilweise erneuert werden. „Diese Investitionen werden nur mit der Perspektive eines Zusammenschlusses mit Schöneben gemacht“, sagt Sprenger. „Die Schönebner sollen endlich sagen, unter welchen Voraussetzungen sie eine Fusion oder zumindest eine Führungsgesellschaft für beide Skigebiete wollen“, richtet Sprenger einen Appell an die Schönebner.

„Eine gemeinsame Führungsgesellschaft ist eines“, sagt der Präsident der Schöneben AG Oswald Folie und fügt hinzu: „Eine Fusion beider Gesellschaften ist unter den gegebenen Voraussetzungen nicht drin.“ Folie ist seit 30 Jahren Präsident der Schöneben AG. Sein Gebiet ist gut aufgestellt: modernste Lifte, prämierte Pisten, motiviertes Personal. Folie ist beidfüßig geerdet und knöcherner Realist: „Ein skitechnischer Zusammenschluss ist sicher richtig, nur finanzierbar muss er sein.“

Im Oktober 2008 ist ein Projekt samt Umweltverträglichkeitsstudie für die skitechnische Verbindung der Skigebiete „Haider Alm“ und „Schöneben“ und eine Regelung der Wasserkonzessionen für die Kunstschneeerzeugung in der Gemeinde Graun beim Amt für Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht worden. Die zwei Skigebiete und die Gemeinde Graun haben das Projekt finanziert. Unter der Regie vom damaligen BM Albrecht Plangger (sh. „Vinschgerwind“ 10/2008).

Geänderte Vorzeichen

Der Umweltbeirat hat Ende Jänner 2010 ein negatives Gutachten abgegeben. Mit Varianten und abgespeckten Versionen konnte Plangger in einem Promemoria für LH Luis Durnwalder trotzdem einen positiven Beschluss der Landesregierung erreichen. Abgespeckt ist vor allem auf der Seite der Haider Alm geworden. Auf die im Projekt vorgesehene 8-Kabinenbahn mit Mittelstation Haideralm-Schöneben soll verzichtet werden. Ein kurzer Verbindungslift, von der Haideralm und von Schöneben über Skiwege „bei weitgehender Nutzung der bereits bestehenden Forstwege“ soll es auch tun. Dafür heißt es in der Promemoria: „Die Erweiterung des Skigebietes Schöneben mit 6-er Sessellift „Hoalarch“ samt Skipiste und Beschneiung wird genehmigt, da sie eine sinnvolle Skiraumerweiterung für das Skigebiet Schöneben darstellt. Dafür wird die im Skipistenplan vorgesehene Aufstiegsanlage „Panorama“ ersatzlos gestrichen.“

Oswald Folie: Eine Fusion kommt derzeit nicht in Frage

„Wir gehen bis „Hoalarchried“ hinaus und dann ist fertig“, sagt Folie. So wurde es immer und immer wieder besprochen. Den Rest des skitechnischen Zusammenschlusses müssen die Haider finanzieren. „Von der Finanzierung her gesehen“ sagt Folie mit Blick auf die schmalen Möglichkeiten der Haideralm, „ist die abgespeckte Version am realistischen.“

Und noch etwas ist in der Plagger’schen Promemoria drin: „Da das Bettenangebot im Verhältnis zum Angebot der Aufstiegsanlagen und zur Förderkapazität zu klein ist und die Anzahl der Aufstiegsanlagen daher reduziert werden soll, sollen nach der Realisierung der Ski-Verbindung unrentable Aufstiegsanlagen im Skigebiet Haideralm wie in etwa der „Seebodenlift“ und die geplante Skiraumerweiterung „Valatsch“ überdacht und eventuell abgebaut und bei Ersetzung des Haideralm-Sesselliftes der „Panoramalift“ abgebaut werden.“

Genau solche Überlegungen hegt auch Folie: Die Haideralm soll unrentable Lifte rund um die Bergstation abbauen – die Kosten würden sofort sinken.

„Solange die Haider AG allein dasteht, kann sie auf keinen einzigen Lift verzichten“, sagt hingegen Sprenger. Schließlich schaue der Gast auf die angebotenen Pistenkilometer in einem Skigebiet. Sprenger ist sich zwar bewusst, dass es betrieblich günstiger wäre, nur mit zwei Liften auf der Haideralm zu fahren. „Aber das ist so ein Radl“, sagt Sprenger. Dann verliere nämlich die Haideralm zusätzlich an Attraktivität.

Für Sprenger ist der von Albrecht Plangger vorgeschlagene kleine Lift samt den Skiwegen kein befriedigender skitechnischer Zusammenschluss. „Entweder es geht vorwärts, oder…“,  Sprenger getraut sich fast nicht den Satz zu vollenden. „Wenn wir diese Gelegenheit für einen Zusammenschluss nicht nutzen, könnte es zu spät sein“, sagt Sprenger. Das politische Klima sei günstig. Sprenger beruft sich unter anderem auf Gespräche in Bozen und auf einen Brief von LH Luis Durnwalder von anfangs Mai dieses Jahres. Durnwalder mahnt darin eine engere Zusammenarbeit zwischen den Skigebieten an und stellt Förderbeiträge für Skilifte von 75 Prozent in Aussicht. „Möchte bei dieser Gelegenheit nochmals betonen, dass eine Unterstützung des Landes nur dann möglich ist, wenn die Zusammenarbeit steht und die gemeinsame Führung gewährleistet ist“, schreibt Durnwalder. Zudem schöpft Sprenger noch eine Hoffnung auf eine wie auch immer gestaltete Fusion zwischen den beiden Skigebieten. Bereits im März haben beide Präsidenten und der damalige BM Plangger eine Art Abkommen unterzeichnet, welches dem Promemoria beigelegt wurde.

BM Heinrich Noggler: Studie in Vorbereitung; Johann Sprenger: „Zuerst Zusammenschluss der Verwaltungen, wie ihn der LH will.“

Voll einverstanden

Mit den Bedinungen einer umweltschonenderen Skiverbindung sei man voll einverstanden und die Unterfertigten „geben hiermit bereits jetzt ihre Zustimmung zum Beginn von Gesprächen einer über den reinen Kartenverbund hinausgehenden engeren Zusammenarbeit zwischen den beiden Skigebieten, mit dem Ziel einer einzigen starken Liftgesellschaft in der Gemeinde Graun, welche in einem zweiten Moment auch das Skigebiet „Maseben“ in Langtaufers miteinbezieht. Selbstverständlich vorbehaltlich einer bestmöglichen Unterstützung des Verbindungsprojektes durch das Landes-Seilbahngesetz und einer außerordentlichen Finanzierungszusage durch die Gemeinde Graun.“

Auch in der Gemeinde Graun haben sich die Vorzeichen geändert. Neuer BM dort ist seit Mai Heinrich Noggler. Noggler denkt daran, eine Studie in Auftrag zu geben. Vorgespräche mit Alois Kronbichler vom international agierendem Consultingunternehmen Kohl und Partner hat es bereits gegeben. Noggler will dieses Vorhaben vorerst im Gemeinderat besprechen und dort absegnen lassen. „Ich will nicht mit der Tür ins Haus fallen“, sagt Noggler. Die Studie soll ausloten, welche Formen der Zusammenarbeit mindestens zwischen den beiden Skigebieten möglich sein können. „Ich habe nichts gegen seriöse und realistische Studien“, sagt Folie, der von diesem Ansinnen, wie er sagt, nicht in Kenntnis ist. Eine gemeinsame Plattform hat Sprenger schon im April angeregt. Zustande gekommen ist diese bisher nicht.

Im Oktober wird die Vollversammlung der Schöneben AG einen neuen Verwaltungsrat wählen. Im Verwaltungsrat wird der künftige Präsident gekürt. „Amtsmüde bin ich noch nicht“, sagt Folie, dem die Lust noch lange nicht abhanden gekommen ist, die Geschicke von Schöneben zu bestimmen. Vermutet wird in Graun auch, dass ein treuer Mitkämpfer wieder in den Vorstand kommen könnte: Albrecht Plangger. Plangger, bisher für die Gemeinde Graun im Vorstand, musste für Noggler seinen Platz räumen.

Angesichts dieses Szenarios dürfte Sprenger weiterhin zwishen Hammer und Amboss sitzen. Außer Kronbichlers Studie fegt Fronten hinweg.

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