Startseite > ....Gesellschaft, Geschichte > „Wir waren keine Menschen mehr“

„Wir waren keine Menschen mehr“

29. Juli 2010

Das Interesse an den Memoiren des Luis Raffeiner war so groß, dass am 17. Juli der Theatersaal in Naturns die Menschenmenge gerade noch fassen konnte. Der heute 93-jährige, rüstige Raffeiner war selbst bei der Präsentation des Buches „Wir waren keine Menschen mehr“ anwesend und verfolgte mit den Zuhörern gespannt die Beiträge von Thomas Kager von der Edition Raetia und Historiker Leopold Steurer. Luise Ruatti aus Naturns war es, die Raffeiners Erzählungen vom Krieg aufgezeichnet und zu Papier gebracht hat. Im Rahmen der Buchvorstellung las sie dann

Luis Raffeiner mit dem Historiker Hannes Heer, der das Nachwort geschrieben hat

auch ausgewählte Textstellen vor. Bürgermeister Andreas Heidegger schilderte den Anwesenden in seinen Grußworten am Beginn der Buchpräsentation die Eindrücke und Erinnerungen, welche er mit Luis Raffeiner verbindet. Er sprach dabei den Erfindergeist Raffeiners an, der ihn selbst immer faszinierte und äußerte seinen Wunsch, dass das Buch von vielen gelesen werde, weil dieser Teil der Geschichte Südtirols vielen unbekannt sei. Er hoffe, dass auch Jugendliche Raffeiners Geschichte kennenlernen. Wer über den „Krieg in seiner brutalen und grausamen Wirklichkeit“ (so beschreibt ihn Raffeiner) lese, der könne nicht mit der braunen Ideologie sympathisieren.

Sowohl Thomas Kager als auch Leopold Steurer hoben beide die Ehrlichkeit und Offenheit Raffeiners hervor, mit der er über seine Zeit als Panzerwart bei der deutschen Wehrmacht berichtet. Steurer sieht das Buch als sehr lesenswert, weil der Mythos der „sauberen Wehrmacht“ in Frage gestellt werde. Die Soldaten waren Opfer, aber auch Täter und Raffeiner sei darauf aus, die Wahrheit zu sagen, so der Historiker. An der Person Raffeiner schätzt er besonders dessen Einfühlungsvermögen in andere Personen und die Dankbarkeit, mit der er dem Leben begegnet.  „Wir waren keine Menschen mehr“ verschleiere nichts und erzähle keine Heldengeschichten. Aus diesem Grund sei das Buch als Zeitzeugenbericht sehr wichtig. Raffeiners Geschichte hat auch das Interesse des bekannten Historikers Hannes Heer aus Hamburg geweckt, der sie in einem ausführlichen Nachwort kommentiert. (ju)

Advertisements
Schlagwörter:
%d Bloggern gefällt das: