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Ruck in den Ratsstuben

21. Mai 2010

Vinschgerwind - Titel 10-10

Mit Spannung aufgeladen ist die Luft am Montag, den 17. Mai 2010. Auch in der Redaktion des „Vinschgerwind“. Die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen werden erwartet. Alle Computer online. Erste Telefonate erreichen die Redaktion – inoffizielle Ergebnisse – aus Schlanders, aus Stilfs, aus… Die Ergebnisse tröpflen. Unsere Aufgabenaufteilung in der Redaktion: Martin Platzgummer konzentriert sich auf seine Heimatgemeinde Naturns, dann auf die Gemeinde Partschins. Magdalena Dietl Sapelza übernimmt die Gemeinden Schluderns und Glurns. Angelika Ploner beschäftigt sich mit den Zahlen in Schlanders, dann mit Martell. Bruno Telser knöpft sich Laas und Prad vor, später noch Taufers. Erwin Bernhart ist für Schnals, Graun, Stilfs, Latsch, Kastelbell zuständig. Dazwischen immer wieder kurze Gespräche, abfeilen, auswerten. Das Ergebnis unserer Wahlanalyse:

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Naturns: SVP verliert – starke Bürgerliste!

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Andreas Heidegger bestätigt; die Liste „Zukunft Naturns“ mit Hans Pöll hineingewuchtet

Schwere Schlappe für die SVP bei den Gemeinderatswahlen in Naturns: minus 20 Prozent Stimmen im Vergleich zu den Wahlen von 2005. Nur mehr 63 Prozent wählten das Edelweiß. Zweitstärkste Kraft ist die Bürgerliste Zukunft Naturns, sie erhielt fast ein Viertel aller Stimmen.

Alter und neuer Bürgermeister ist Andreas Heidegger (SVP). Er gewann die Wahlen mit knapp 87 Prozent der Stimmen. Für Franz Gritsch (Union für Südtirol) stimmten etwas mehr als sieben Prozent, für Wolfgang Stocker (Die Freiheitlichen) fast sechs Prozent der Wähler. Auf den ersten Blick ein eindeutiger Sieg Heideggers. Allerdings waren mehr als neunhundert der abgegebenen Stimmen für die Bürgermeisterwahl ungültig oder weiß. Ein Merkzettel, den ihm da die Wähler mit in die neue Amtszeit geben.

Einen Umbruch gibt es hingegen im Gemeinderat. Die SVP verliert vier Sitze und hält nun bei zwölf Mandaten. Zukunft Naturns holt sich bei ihrem ersten Antreten fünf Sitze, Freiheitliche, Südtiroler Freiheit  und Union für Südtirol jeweils einen Sitz. Eingutes Ergebnis traute man der Bürgerliste vor den Wahlen durchaus zu, dass es gleich fünf Sitze wurden, überraschte dann doch ein wenig. Die meisten Stimmen für die Liste erhielt der ehemalige Gemeindearzt Johann Pöll mit 550 Vorzugsstimmen, mehr bekamen nur Helmuth Pircher (622) und Valentin Stocker (573) von der Volkspartei. Allem Anschein nach wünschen sich die Wähler eine themenorientierte Diskussion und  Zusammenarbeit zwischen SVP und Bürgerliste für die Lösung der Probleme im Dorf. Volkstum-politische Inhalte spielten bei der Wahl keine tragende Rolle.

Die Freiheitlichen konnten ihr Mandat im Gemeinderat bestätigen und erreichten knapp sieben Prozent (+2% zu 2005). Die Südtiroler Freiheit trat zum ersten Mal in Naturns an und schaffte auf Anhieb den Einzug in den Rat, mit fast fünf Prozent der Stimmen. Den letzten freien Platz im Gemeinderat sicherte sich Franz Gritsch (Union für Südtirol) durch einen ausgefuchsten Schachzug:  mit Hilfe eines nicht bekannten Listenbündnisses der Union mit den Freiheitlichen für die Aufteilung der Reststimmen, erreichte er mit nur 41 Stimmen ein Mandat. Durch das schwache Abschneiden der Union (2,5%) wäre er ansonsten nicht mehr im Rat dabei gewesen. Die Wahlbeteiligung war, wie im ganzen Land, rückläufig und betrug 74 Prozent (2005: 81 Prozent). (mp)

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Stilfs: Neustart

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BM Hartwig Tschenett

Für den Stilfser Hartwig Tschenett ist ein Traum wahrgeworden. Nach vierzig Jahren Sepp-Hofer-Regentschaft hat Tschenett seine Chance genutzt und seinen Mitbewerber Erich Pfeifer aus Sulden klar distanziert. 449 Stimmen gingen an Tschenett, 302 an Pfeifer. Tschenett, dessen Versuch, Hofer zu beerben, vor 10 Jahren gescheitert ist, war diesmal Fortuna hold. Für die Gemeinde Stilfs bleibt Tschenett Hoffnungsträger, wenn er imstande ist, diese Fortuna auf die Problematik der Abwanderung, auf die Problematik der Liftanlagen und auf die Problematik Stilfserjoch zu übertragen.  Wenn Pfeifer seine Aussage, die er vor den Wahlen gemacht hat, wahr macht, tritt er nicht als Gemeinderat an und wird sich auf sein Kerngeschäft, als Direktor der Seilbahnen Sulden, konzentrieren. Josef Ortler würde nachrücken.

Ruth Ellmer aus Gomagoi hat nach den Vorwahlen das Handtuch geworfen und diese Lücke konnte nicht mehr gefüllt werden. Gomagoi und auch Stilfserbrücke sind im neuen Rat nicht mehr vertreten. Mit Hannes Hofer und Roland Angerer sind zwei Stilfser Newcomer mit großem Stimmenpotenzial (274 für ersteren und 207 für letzteren) in den Rat gerückt. Und mit Manuela Angerer (137) und Cornelia Moser (131) ist auch der Anteil der Frauen im Rat abgedeckt. (eb)

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Laas: Bürgerliste stockt auf

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BM Andreas Tappeiner

Die Bürgermeisterkandidatin der Bürgerliste Priska Lechner Kuntner konnte zwar nicht in der Form überzeugen wie Oswald Angerer vor 5 Jahren, der damals 424 Stimmen auf sich ziehen konnte, errang mit 320 Stimmen aber ein respektables Ergebnis. Die Bürgerliste erreicht ihr Traumziel von 6 Gemeinderäten und stellt einen Rat mehr als bisher. Dieser Sitz geht zu Lasten der Laaser SVP, die  einen Sitz verliert. Neukandidat der Bürgerliste und ehemaliger Gemeindepolizist Toni Perfler erhielt auf Anhieb 386 Stimmen und übertraf sogar die BM-Kandidatin. BM Andreas Tappeiner wurde in Laas eindeutig bestätigt. Mangels eines wirklichen „Sparringpartners“ erzielte er mit 1.688 Stimmen in etwa das gleiche Ergebnis wie vor 5 Jahren und verlor lediglich 83 Stimmen. In der Gemeinde Laas teilt sich die SVP in drei eigenständige Listen: SVP Eyrs, SVP Tschengls und SVP Laas, Allitz und Tanas. In Eyrs wurde einzig Helga Mall Zangerle wiedergewählt, die beiden restlichen Mandate, insgesamt sind es drei, wurden durch neue Gesichter – Hubert Telser und Reinhard Kurz neubesetzt, auf einen BM-Kandidaten hatte man verzichtet. Interessant in Laas ist der Einzug von Rebell Raimund Niederfriniger aus Tanas, dessen Kandidatur zeitweilig umstritten war. Für die SVP-Liste Tschengls und wahrscheinlich auch wieder als Vizebürgermeister zieht Markus Hauser in die Gemeindestube ein, neu dabei Johann Franz Thurner. (uno)

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Schnals: Schilehrer am Ruder

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BM Karl Josef Rainer

In Schnals ist jener Casus nicht eingetreten, der erwarten ließ, dass der bisherige BM Hubert Variola als Gemeinderatskandidat mehr Vorzugstimmen erhalten würde, als der neue BM. Die Schnalser haben den „Lehrer Karl“ – den Skilehrer Karl Josef Rainer – dem Gerhard Müller und dem Egon Raffeiner vorgezogen. Und das eindeutig. In der SVP-Hochburg Schnals gibt es allerdings große Veränderungen in der zweiten Reihe: Gleich sechs Gemeinderäte haben sich nicht mehr der Wahl gestellt und sind mit neuen Kandidaten ersetzt worden. Mit VizeBM Otto Rainer und Franz Oberhofer sind zwei Ausschussmitglieder nicht mehr angetreten und nicht mehr in den Rat gewählt haben die Schnalser einen weiteren der Alten: Adalbert Weithaler, bisher unter Variola treuer Referent, hat es nicht mehr geschafft. 100 Vorzugsstimmen erhielt Weithaler weniger als noch vor 5 Jahren. Für Karl Josef Rainer bietet sich damit ein Spielfeld in der Zusammensetzung des neuen Ausschusses wie aus dem Bilderbuch, möchte man meinen. Allerdings wird Rainer wohl um einen nicht herumkommen, um Variola. Der ist nach Rainer selbst (495 Stimmen), nach einem sich empfehlenden Peter Grüner (317) und nach dem zweiten BM Kandidaten Gerhard Müller (285) an vierter Stelle mit 266 Vorzugsstimmen gereiht. Egon Raffeiner ist als dritter BM-Kandidat noch knapp in den Rat geschlüpft. (eb)

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Partschins: Wirtschaft gewinnt

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BM Albert Gögele

Der Nachfolger von Robert Tappeiner, der neue Bürgermeister der Gemeinde Partschins heißt Albert Gögele (SVP). 54 Prozent der Wähler stimmten für ihn. Die Mitbewerber Stefan Ganterer (SVP) und Sigmund Kripp (BürgerInnen Partschins) erhielten 41 bzw. 5 Prozent der Stimmen.

Gögele, als Kandidat sämtlicher Wirtschaftszweige und bis dato politisch ein unbeschriebenes Blatt, hielt seinen parteiinternen Konkurrenten, Gemeindereferent und Kandidat der Arbeitnehmer, Stefan Ganterer, klar auf Distanz. Die Materialschlacht im Vorfeld der Wahlen in Form von Drucksorten aller Art, in einem noch nie dagewesenen Ausmaß und ohne Vergleich im Vinschgau, dürfte ausschlaggebend für Gögeles Sieg gewesen sein. Gögele hatte finanzstarke Parnter. Im Fahrwasser beider BM-Kandidaten konnten sich mehrere Junge oder Unverbrauchte auf die vorderen Plätze positionieren. Hannes Pföstl etwa oder Hartmann Nischler. Die Bauern haben ihre Kandidaten durchgewählt und die Touristiker haben mit der Wahl von Birgit Egger und Simon Gamper Zusammenhalt bewiesen. Museumsbeschützer und Kulturmonopolisierer Ewald Lassnig ist trotz massiver Stimmenverluste (541 waren es 2005; 377 sind es diesmal) wieder im Rat.  Ganterer und Kripp werden trotz der Niederlage im neuen Gemeinderat vertreten sein. Dieser setzt sich nun wie folgt zusammen: die SVP hält bei 16 Sitzen, die Freiheitlichen bei drei, sowie die BürgerInnen Partschins bei einem Sitz. Überraschend ist das gute Abschneiden der Freiheitlichen. Sie erhalten bei ihrem ersten Antreten zu den Gemeinderatswahlen in Partschins gleich 17,5 Prozent der Stimmen. Rückgänge im Vergleich zu den Wahlen 2005 mussten die SVP und die BürgerInnen von Partschins hinnehmen, mit minus 5 bzw. minus 4 Prozent. (mp/eb)

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Schlanders: Schachmatt

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Hat sich nicht nur mit der Körpersprache selbst ins Aus gestellt: Erwin Dilitz

Aus dem erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen in Schlanders ist nichts geworden. Dieter Pinggera, Speerspitze der Arbeitnehmer gelingt ein triumphaler Wahlsieg im Vinschger Hauptort. Mit 2.196 Stimmen (64 Prozent) setzt Pinggera, Schlanderser Rechtsanwalt und SVP-Ortsobmann, seinen Kontrahenten, den Rescher Anwalt Erwin Dilitz, Schachmatt. Dilitz, dem als politisches Glaubensbekenntnis graue Eminenzen und politische Hintermänner genügten, fährt mit 1.075 Stimmen (31,3 Prozent) einen vernichtenden Achtungserfolg ein. Zu tragen kam in Schlanders damit jenes ungeschriebene Gesetz, das besagt, die Wirtschaft wählt den Bauernkandidaten, die Bauern umgekehrt den Wirtschaftskandidaten aber nicht. Die Bauern, uneins bis zum letzten Augenblick, ließen sich nicht fangen und haben den Hiesigen und nicht den Auswärtigen gewählt.

Pinggera, nach dem Ausstechen von Bauamtschef Manfred Horrer aufgeblasen in den Wahlkampf startend, hat seinen Sieg vor allem einer zu verdanken: Vizebürgermeisterin Monika Holzner Wunderer. Wunderer hat ihr Ansehen für Pinggera ordentlich in die Waagschale gelegt. Wunderer selbst ist mit 1.093 Stimmen überragende erstgewählte Gemeinderätin.

Politischen Zusammenhalt bewiesen die Vetzaner. Was dem Vetzaner Wirt Manfred Pinzger verwehrt blieb, schafft der innerparteiliche Hoffnungsträger Manuel Massl auf Anhieb: Mit 546 Stimmen mischt Massl ganz oben mit und dürfte damit Jugendreferent im neuen Schlanderser Ausschuss werden.

Viel verzockt hat die Wirtschaft. Mit Dilitz und Kurt Leggeri (mit 315 Stimmen schwach gewählt) als einzige gewählte Richtungsvertreter ist das politische Gewicht der Wirtschaft, bisher stabil, im neuen Gemeinderat ordentlich geschrumpft und in Schieflage geraten. Eine Vorwahl, wie von den  Arbeitnehmern vorgemacht und von Wirtschaftsbossen in den Wind geschossen, hätte, so hat’s den Anschein, auch die Wirtschaft dringend notwendig gehabt. Die vier vorgesetzten Wirtschaftskandidaten sind – weit abgeschlagen – auf der Strecke geblieben. Damit ist die Misere eine hausgemachte und dürfte auch innerparteilich zu einem ordentlichen Ansehensverlust der Wirtschaft führen. Die Bauern haben ihre Kandidaten, allen voran den Kortscher Bauer Reinhard Schwalt sauber durchgewählt.

Den Oppositionston im Schlanderser Rathaus geben die Göflaner an. Mit Erhard Alber und Peter Kaserer ist die Südtiroler Freiheit (9,1 Prozent) stärkste Oppositionspartei. Die Liste „Für Schlanders – Per Silandro“ mit dem weit abgeschlagenen Bürgermeisterkandidaten Martin Daniel (161 Stimmen) und Hansjörg Gluderer muss einen Ratssitz abgeben. Die Lücke von Frontfrau Waltraud Plagg zu füllen ist den grün-beseelten Männern nicht gelungen. Stimmen hat man vor allem an die SVP verloren. Einem Restmandat verdankt der Freiheitlichen Polit-Newcomer Lukas Theiner seinen Sessel in der Schlanderser Gemeindestube.

Draußen sind die Italiener. Trotz interethnischer Öffnung. Weder für Dunja Tassiello, die mit Dilitz als Bürgermeisterkandidaten aufs falsche Pferd gesetzt hat, noch für Paolo Azzarone geht sich ein Ratssitz aus. (ap)

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Graun: Der Neue

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BM Heinrich Noggler

Die Wahrscheinlichkeit, dass in Graun eine Bürgermeisterin gewählt worden wäre, ist nicht gering. Denn Karoline Gasser Waldner (SVP) hat mehr Vorzugsstimmen als Gemeinderätin (621) auf sich vereinen können als der BM-Kandidat Franz Prieth (576). Die SVP hat im Vorfeld anders entschieden und Prieth zusammen mit Heinrich Noggler als BM-Kandidaten aufgestellt. Gasser wollte nicht in die erste Reihe. Das vermeintliche Kopf-an-Kopf-Rennen hat dann doch Noggler für sich entschieden (822 Stimmen). Außer in Reschen, dem Heimatdorf Prieths, konnte Noggler, selbst überrascht, in allen Sektionen abräumen. Der studierte Wirtschaftler und Oberschullehrer Noggler sieht sich als Nachfolger von Albrecht Plangger im neuen Rat von gut gewählten alten Hasen umzingelt: Thomas Santer (419), Elmar Bochet (275), und Peter Eller (268). Der Erst- und der Letztgenannte konnten ihren Stimmenanteil gegenüber 2005 erheblich ausbauen. Gut überlegt mag da die Bildung des Gemeindeausschusses sein. Jedenfalls will Noggler die Bürger bei großen Entscheidungen miteinbeziehen, beim Zusammenschluss der Skigebiete etwa, oder beim Hallenbad.

Nicht mehr im Rat vertreten ist Unionsbürgerlistler Theo Noggler. Dafür kommen die Freiheitlichen mit einer Drei-Mann-Fraktion in den Rat. Thomas Oberhofer, Heinrich Thöni und Jürgen Schöpf werden Frischluft in die Gemeindestube blasen. Heinrich Noggler lässt der Erfolg der Freiheitlichen unberührt. Er ist einer, der auf die Leute zugeht. Das laufende Schuljahr wird er noch in der Doppelfunktion beenden. Dann will sich Noggler ein Jahr ausschließlich dem Job des BM widmen. „Dann wird man sehen“, sagt Noggler. (eb)

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Schluderns: Wegmann siegt souverän

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BM Erwin Wegmann

Der Wahlsieger in Schluderns heißt  Erwin Wegmann (SVP) mit 854 Stimmen. Das ist ein Plus von 157 im Vergleich zu 2005. Die Botschaft der Wählerinnen und Wähler ist klar: Wir sind mit Wegmanns Arbeit zufrieden. Sie haben unter anderem sein Bemühen um eine Umfahrungsstraße honoriert. Eine Initiative, die er wie viele andere, medienwirksam unter die Leute zu bringen wusste. Geschlagen ist sein Herausforderer Heiko Hauser mit 249 Stimmen. Der SVP-Ortsobmann und ASV-Präsident ist enttäuscht, nimmt es aber sportlich. Seinen unermüdlichen Einsatz für Vereine und Verbände konnte er nicht in Stimmen ummünzen. Ob er seine ehrenamtliche Gangart nach der Niederlage beibehält, wird sich zeigen. Fest im Gemeinderats-Sattel sitzt die bisherige Vizebürgermeisterin Brigitta Stecher Parth als Erstplazierte mit 350 Stimmen, einem Plus von 120 im Vergleich zu 2005. Mit  derselben Stimmenzahl 333 wie 2005 kam der Bauernreferent Andreas Hauser auf Platz zwei. Neuling Alexander Telser schaffte mit 279 Stimmen Platz drei. Er könnte sich als Sport- und Jugendreferent anbieten. Auch die Neulinge Mirko Stocker (mit 211 Stimmen auf Platz fünf) und Sebastian Wegmann (mit157 Stimmen auf Platz sieben) schnitten gut ab. Auf Platz acht abgerutscht ist die bisherige Sozialreferentin und SVP Bezirksfrauenchefin Anni Thaler (149 Stimmen). Die SVP kommt mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 13 Sitze, Das ist die einzige Genugtuung für SVP-Ortschef Heiko Hauser. Zwei Sitze gehen an die Freiheitlichen. Ihr Zuwachs beträgt 3,9 Prozent, wohl auch, weil die Union für Südtirol diesmal nicht kandidiert hat. (mds)

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Glurns: Stadt-Diktator

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BM Erich Wallnöfer

Die Diktatur in Glurns“ (Originalton Erich Wallnöfer) bleibt bestehen. In der Stadt gab es wie vor fünf Jahren nur einen Bürgermeistermeister-Kandidaten der SVP. Und  damals wie heute stand Erich Wallnöfer schon von vornherein als sicherer Sieger fest. „Ich kann nichts dafür, wenn sich niemand gegen mich anzutreten traut“, sagt er in seiner lapidaren Art. Mit 333 Stimmen kann er für die nächsten fünf Jahre weiterregieren. Das sind 58 Stimmen weniger als 2005.  Auffallend hoch ist die Zahl der ungültigen und weißen Stimmzettel bei der Wahl zum Bürgermeister.  Die Proteststimmen sind in die Höhe geschnellt, von 85 (15 Prozent) vor fünf Jahre auf 223 (davon 177 Weiße). Das sind  satte 40,1 Prozent und mehr als ein Drittel der abgegebenen Stimmzettel. Die Botschaft der Wählerinnen und Wähler ist klar. Sie zeigen den SVP-Verantwortlichen deutlich die rote Karte und geben zu verstehen, dass sie mit der alleinigen Kandidatur von Wallnöfer und mit seiner „Diktatur“ nicht einverstanden sind.  Erstplatzierter von der SVP Liste ist wie 2005  der Prader Gemeindesekretär Kurt Warger mit 174 Stimmen (27 Stimmen weniger als 2005.) Auf Platz zwei mit jeweils 136 Stimmen landeten ex aequo Alois Frank, der als Bürgermeister umworben war, und Ignaz Niederholzer. Die erste gewählte Frau ist die bisherige Jugendreferentin Astrid Patscheider Prader an fünfter Stelle mit 105 Stimmen. Drei Frauen von der SVP haben es in den Rat geschafft. Von der absoluten Mehrheit muss sich die Glurnser SVP allerdings verabschieden. Sie stellt nur noch zwölf Stadträte. Drei Sitze gehen an die kürzlich gegründete Freiheitliche Partei. Frontmann ist der Schützenkommandant Martin Prieth vor Armin Bertagnolli und Karl Sagmeister. Die Gruppe eroberte auf Anhieb einen Achtungserfolg mit 106 Stimmen und 20,2 Prozent. Diese Stimmen reihen sich möglicherweise ebenfalls in die Kategorie Proteststimmen ein.  (mds)

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Taufers: Nichts zu rütteln

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BM Hermann Fliri

Trotz eines parteiinternen Gegenkandidaten und gleich drei neuer Listen mit 2 Bürgermeisterkandidaten, konnte sich Hermann Fliri mit 417 Stimmen klar behaupten. Er verlor nur 5 Stimmen im Vergleich zu 2005. Sein SVP-Gegenkandidat Alois Hellrigl kommt lediglich auf 101 Stimmen. In Fliris Schlepptau ist ein weiterer Fliri: sein bisheriger VizeBM Stefan, der sich als erstgewählter Gemeinderat mit 195 Vorzugsstimmen behaupten konnte. Der Kandidat der neugegründeten Liste „Für Taufers“ Wolfgang Kapeller erhielt 95 und Roman Burger von den Freiheitlichen ärmliche 16 Stimmen. Die neugegründeten Listen können jedoch allgemein ein respektables Ergebnis erzielen. Mit 15 Prozent der Stimmen stellt die Liste „Für Taufers“ gleich 2 Gemeinderäte. Die SVP-abtrünnige Margit Gaiser bekommt so mit Kapeller  eine starke Oppositionsverstärkung, dafür hat Kapellers Frau Michaela den Einzug in den Gemeinderat nicht mehr geschafft. Die Freiheitlichen stellen mit 5 Prozent und die Südtiroler Freiheit mit 3,7 Prozent jeweils einen Rat. Im Jahr 2005 erzielte die SVP noch 100 Prozent der Stimmen als einzig wählbare Liste, in diesem Jahr schrumpfte sie auf 76,3 Prozent – trotz alledem, in Anbetracht der Konkurrenz durch 3 neue Listen, ein annehmbares Ergebnis. Die Problematik um den Bau eines neuen Kraftwerks am Rambach scheint in Taufers keine größeren Auswirkungen auf die Wiederwahl Fliris gehabt zu haben. (uno)

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Kastelbell/Tschars: Vae victis

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BM Gustav Tappeiner

Völlig verrechnet haben sich die ungeduldigen SVP-Arbeitnehmer  in der Gemeinde Kastelbell-Tschars. Das Absägen vom altgedienten Reinhard Verdross als potenziellen BM-Kandidaten hat sich arg gerächt. Die Wähler haben diesen Schritt nicht goutiert und Verdross mit 375 Vorzugsstimmen nach Franz Tappeiner (379) an die zweite Stelle für den Gemeinderat gewählt – noch vor der internen Arbeitnehmerkonkurrentin Kathi Doná (338).

Nutznießer der vermeintlichen Umstürzler ist Gustav Tappeiner, der seinen Widersacher Johannes Kofler in Schach zu halten wusste. Zudem setzt Tappeiner eine Tradition fort, die in Kastelbell vor jahren Einzug gehalten hat. Tappeiner kandidierte vor fünf Jahren mit Unterstützung der Arbeitnehmer, damals gegen Sepp Alber. Für die Bauern, so der damalige Ukas, sei Tappeiner nicht wählbar. Diesmal war es umgekehrt. Im Vorfeld haben sich die Wirtschaft und die Bauern auf Tappeiner geeinigt. Und der hat das 2005-Ergebnis von Alber (920 Stimmen bzw. 62,5%) noch getoppt (953 Stimmen bzw. 65%). Dem eloquenten Kofler bleibt, mit 513 Stimmen, ein Achtungserfolg.

In den Eingeweiden des neu gewählten Gemeinderates setzt sich das starke Bauern- und Wirtschaftsergebnis fort: Zusätzlich mit Tappeiner sind zwei Wirtschaftsvertreter (Gerhard Eberhöfer und Rudi Alber) und sechs Bauernvertreter im Rat vertreten. Den Arbeitnehmern bleiben vier Mandate. Vae victis – wehe den Besiegten. Im Ringen um ein Restmandat ist sogar die streitbare Evi Prantl außen vor geblieben. Je ein Restmandat hat die Südtiroler Freiheit (Benjamin Pixner) und die Union für Südtirol (Anton Gutweniger) für sich entscheiden können. (eb)

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Latsch: Stimmen wachsen Weiss zu

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BM Karl Weiss

Trotz Schieben, Stechen und Hauen im Hintergrund ist in Latsch ein Verdrängen von Karl Weiss samt seinem Ausschuss nicht gelungen. Im Gegenteil. Der Verwalter Weiss steigt, von der Wählerschaft belohnt, als strahlender Sieger aus dem Rennen mit Helmut Fischer. 1760 Vorzugsstimmen (2005 waren es 1576) für Weiss gegenüber 893 Stimmen für Fischer sprechen eine eindeutige Sprache. Eindeutig auch das Ergebnis für den bisherigen Ausschuss: glänzend gewählt sind VizeBM Christian Stricker, Hans Mitterer, Walter Theiner, Roland Riedl und Andrea Kofler. Lediglich Hermann Raffeiner Kerschbaumer drohte im Gedränge der Wirtschaftskandidaten ins Abseits zu geraten. Für Weiss und seine Mannschaft bedeutet der Wählerauftrag ein Weitermachen – wie bisher.

Die Losung vor fünf Jahren, den Markus Pircher abzuwählen, war erfolgreich. Auch weil eine „Scheinbürgerliste“ dafür aus dem Boden gestampft worden ist. Die Koalition mit dieser Bürgerliste wurde nicht von allen in Latsch für gut befunden. Parteiintern hat es ein heftiges Hick-Hack gegeben. Die meisten Bürgerlistler haben mittlerweile im Schoß der SVP Heimat gefunden und sind diesmal auf der SVP Liste stark gewählt worden. Die diesjährige Losung aus der SVP-Partei, dem Karl Weiss zu sagen, wo es lang zu gehen hat, hat hingegen völlig danebengegriffen. SVP-Ortsobmann Helmut Fischer konnte sich zwar respektabel in Szene setzen, dabei ist es aber geblieben, auch weil sich Fischer inhaltlich von Weiss kaum abzusetzen verstand. Einzig bei der Strompolitik wollte Fischer eine weichere Linie, einen Schmusekurs mit der SEL, fahren (man vermutet dahinter LR Richard Theiner). Dem hemdsärmeligen Weiss hat das wenig beeindruckt, die Wähler offensichtlich auch nicht.

Dafür haben die Freiheitlichen, dem landesweiten Trend folgend, eine echte Opposition zu bieten. Mit Sepp Kofler, André Pirhofer und Thomas Pichler zieht eine schlagkräftige und nicht auf den Mund gefallene Truppe in den Latscher Gemeinderat ein. (eb)

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Martell: Verdammt knapp

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BM Georg Altstätter

In Martell braucht’s anscheinend zwei, um das Vakuum vom ehemaligen Bürgermeister Peter Gamper zu füllen. Das denkbar knappste Ergebnis macht Georg Altstätter mit zehn Stimmen Vorsprung auf Hans Fleischmann (283 Stimmen) zum Marteller Bürgermeister. Zufrieden sein kann Altstätter nicht. Als sportlicher Multifunktionär, Vizebürgermeister und mit einem riesigen Verwandschaftsclan ausgestattet, hatte Altstätter mehrere Wahlkampfzügel in der Hand. Vollmundig ist hingegen der Hintermarteller SVP-Ortsobmann Hans Fleischmann aus dem politischen Unterholz gesprungen: Die Abschaffung des Nationalparks war ein Wahlversprechen des Seewolfs. Klare Verhältnisse zu schaffen und damit die Rechnung aufgegangen ist beiden nicht. Aufgetrumpft hingegen hat die Junge Generation. Mit einem Traumergebnis von 176 Stimmen fährt  Erich Tscholl den beiden Referenten Stefan Kobald (190 Stimmen) und Erich Stricker (174 Stimmen) voll in die Parade. Mit Heidi Gamper, die immerhin mehr als 100 Stimmen auf sich vereinen kann, sitzen damit zwei junge politische Hoffnungsträger im Marteller Rat. (ap)

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Prad: SVP macht Boden wieder gut

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BM Hubert Pinggera

In Prad kann die SVP Hubert Pinggeras eindeutig zum Wahlsieger erklärt werden. Die SVP kommt im Vergleich zu den Wahlen 2005 von 59,7% auf 72,6% der Listenstimmen – ein Plus von 12,9%. Damit erreicht die SVP in Prad fast wieder den Stand vom Jahr 2000, als man noch 78,5% der Stimmen für sich verbuchen konnte. Der amtierende BM Pinggera, insgeheim als Teilzeitbürgermeister bezeichnet, da er nebenbei noch als Amtstierarzt fungiert, konnte trotzdem mit 1.223 Stimmen einen mehr als eindeutigen Sieg einfahren. Der SVP-interne Gegenkandidat Christian Obwegeser blieb hinter den Erwartungen zurück und erreichte lediglich 265 Stimmen, weniger als 2005. Damals war Obwegeser bereits BM-Kontrahent. Die Prader SVP-Wähler stehen fast geeinigt hinter ihrem BM. Allerdings ist die Anzahl der weißen Stimmzettel von 73 (2005) auf 144 angestiegen.  Auch der Kandidat der Bürgerliste „Für Prad“, Karl Bernhart, stellt mit 307 Stimmen wie erwartet keine Gefahr für Pinggera dar und erhält 50 Stimmen weniger als 2005. Die SVP erhält in Prad 15 Ratsposten (inklusive BM), ein Zugewinn von 2 Sitzen. Die massive Werbekampagne teilweise sogar durch persönliche SMS-Kurzmitteilungen und E-Mails untermauert, erzielte wohl ihre Wirkung. Der Wechsel von Werner Egger von der „Südtirol-Bürgerliste-Prad“ zur SVP wurde von den Bürgern belohnt. Er zieht auf Platz 5 mit 289 Vorzugsstimmen für die SVP in den Rat ein. Akzente setzen konnten die jungen Kandidaten aus der Wirtschaft: Jessica Hofer, Thomas Rungg und Stephan Gander ziehen auf Anhieb in die Ratsstube ein. Trotz Einsatzes der fünf Bürgerlistler „Für Prad“, verbunden mit couragierten Kämpfen und konstruktiven Vorschlägen, konnte man die Zahlen von 2005 nicht erreichen und erhält nur noch 4 Sitze. Von 27,6 Prozent der Listenstimmen 2005 ist man auf 20,5 Prozent geschrumpft. Verantwortlich für das schlechtere Ergebnis ist sicherlich nicht zuletzt das Fehlen von Umweltkämpfer Rudi Maurer, der 2005 noch 344 Stimmen für die Liste einbrachte. Die patriotische Unionsbürgerliste, als Nachfolgeliste der „Südtirol-Bürgerliste-Prad“, die noch 2005 mit 210 Stimmen 2 Räte stellte, kommt nur mehr auf 104 Listenstimmen und verliert ebenfalls einen Ratsposten. Für die italienische Liste Chiesa con Campanile reichten die „guten Ideen“ nicht aus, mit lediglich 32 Stimmen geht sich kein Gemeinderatsposten mehr aus. Fazit: Ein klarer Sieg der SVP trotz oder vielleicht gar wegen parteiinterner Querelen in den vergangenen 5 Jahren. (uno)

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