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„Der Vinschgau ist sicherer geworden“

29. Januar 2009

Vinschgerwind-Titel 2-09

Der hochdekorierte Hauptmann des Bezirkskommandos der Carabinieri, Marco D’Addato ist nun seit 2 Jahren im Amt. Ihm unterstehen die 11 Stationen der Carabinieri von der Töll bis an den Reschen. Seit seiner Übernahme des Hauptmannpostens gehen die Straftaten im Vinschgau konstant zurück. Hauptmann D’Addato zog für den „Vinschger Wind“ Bilanz für das abgelaufene Jahr 2008 und beantwortete einige Fragen zu seiner Person und seiner Tätigkeit.

von Bruno Telser

Die Straftaten im Vinschgau sind im Vergleich zum Jahr 2007 um 14,5% gesunken. Hauptmann D’Addato führt dies nicht nur auf die gute Mitarbeit seiner Kollegen zurück, die Tag und Nacht ihren Dienst tun, sondern auch auf die gut funktionierende Präventionsarbeit. So versuchen die Carabinieri im Tal ständig Präsenz zu zeigen, um etwaige Straftäter davor abzuschrecken, überhaupt neue Straftaten zu begehen.  Die Verteilung der Strafzettel, so D’Addato, mache dabei den geringsten Teil der Arbeit der Carabinieri aus. An die 6500 Streifendienste wurden von den Carabinieri im abgelaufenen Jahr 2008 durchgeführt, somit seien ständig Streifenwagen  im Tal unterwegs, die notfalls schnell zu einem Einsatz eilen können, um Kriminelle direkt auf frischer Tat zu ertappen. Dank dieser Präsenz konnten mehr Verhaftungen als 2007 vorgenommen werden. Die Verhaftungen sind in Relation zum Vorjahr um 20% angestiegen. Hauptmann D’Addato lobt die gute Zusammenarbeit mit den Gemeinden und mit den Bürgermeistern die reibungslos funktioniert und auf gegenseitigen Respekt und Austausch beruht.

Die verschärften Gesetze im Straßenverkehr zeigen Wirkung

Die Kontrollen bezüglich Alkoholkonsum im Straßenverkehr waren in den Jahren ’07 und ’08 in etwa dieselben, die Zahl jener, die im alkoholisierten Zustand erwischt worden sind und ihren Führerschein los wurden, ist jedoch um 15% gesunken. Hauptmann D’Addato sagt, dass die Autofahrer nachdenklicher geworden seien und immer mehr aufpassen, die gesetzlich festgelegten Promillegrenzen nicht zu übertreten. Im Bezug auf den Straßenverkehr sei hervorzuheben, dass die Unfälle mit Todesfolge im Vinschgau um 45%, von 9 auf 5 Unfalltote, gesunken sind. Dies sei einerseits auf die verbesserten Straßenverhältnisse im Vinschgau, aber vor allem auch auf die Kontrollen und die Verschärfung der Gesetzeslage zurückzuführen. Ziel des Gesetzgebers ist nach D’Addato primär die Prävention und nicht die Bestrafung der Gesetzesübertreter. Es sei oft vorgekommen, so D’Addato weiter, dass auch bei verstärkten Kontrollen an den Wochenenden keine einzige Übertretung der Promillegrenze erfasst wurde, was früher eher selten der Fall war. Dies sei ein sehr positives Zeichen. Die meisten alkoholisierten Autolenker seien nicht, wie man annehmen möchte, die jungen Autolenker, sondern vor allem jene in der Altersgruppe der 40 bis 50-Jährigen. Im Anbetracht der Tatsache, dass die Strafen für alkoholisierte Fahrzeuglenker wahrscheinlich noch weiter verschärft werden, betonte Hauptmann D’Addato dass es nicht Aufgabe der Carabinieri sei, diese Gesetze zu interpretieren oder gutzuheißen. Ihre Aufgabe sei einzig und allein nach bestehender Gesetzeslage zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass diese eingehalten werden.

Zu hohe Carabinieripräsenz im Vinschgau?

Oftmals hört man im Vinschgau, die Präsenz der Ordnungskräfte sei zu hoch. Viele sehen die ständige Präsenz von Ordnungskräften als Belastung an. Immer öfter ist zu hören, Südtirol und somit auch der Vinschgau sei von Ordnungskräften geradezu überbevölkert und man fühle sich dadurch teilweise bedroht. Hauptmann D’Addato hat dazu seine eigene Sichtweise, so ist es heute als ein Glück anzusehen, dass in Südtirol viele Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. Durch die hohe Anzahl an Beamten sei es möglich, auch kleinere Delikte vollständig zu ermitteln und aufzudecken. Dies sei im Rest Italiens oft nicht möglich, da die Ordnungskräfte durch größere Aufgaben wie etwa die Bekämpfung der Mafia ausgelastet seien und deshalb kleinen Delikten gar nicht nachgehen können. In Großstädten ist es dadurch nicht möglich allen Straftaten nachzugehen wie es etwa im Vinschgau der Fall ist, wo auch kleineren Fällen wie etwa Vandalismus durch Jugendliche, aufgrund der Kapazitäten nachgegangen werden kann. Durch persönliche Erfahrungen weiß D’Addato, dass hier anders ermittelt werden kann und durch die vielen Ordnungskräfte die Möglichkeit besteht, den einzelnen Fällen mehr Zeit und Einsatz zu widmen. So kann man sagen, dass im Vinschgau allen Delikten nachgegangen werden kann, was in Städten nahezu unmöglich sei. Die Anzahl der gelösten Fälle ist in Südtirol und somit auch im Vinschgau im Vergleich zu anderen Provinzen Italiens sehr hoch. Da es in Südtirol meist wenige größere Ermittlungsaufgaben, wie etwa im Bereich organisierter Kriminalität gebe, können die Carabinieri mehr Präsenz in alltäglichen Bereichen wie Streifendiensten zeigen, wodurch mehrere Beamte in Uniform im öffentlichen Leben auftreten. In anderen Teilen Italiens ist es oft so, dass viele Einsatzkräfte nur in Zivil operieren und somit weniger auffällig für die Bevölkerung wirken.

Jugendkriminalität

im Vinschgau kein Problem

Die Jugendkriminalität im Vinschgau stellt nach Hauptmann Marco D’Addato kein großes Problem dar. Die meisten Jugendlichen im Vinschgau seien sozial integriert, fänden schnell einen Arbeits- oder einen Ausbildungsplatz und neigen dadurch weniger dazu, kriminell aktiv zu werden. Im Vergleich zum Rest Italiens könne man mit der Jugend im Vinschgau „sehr zufrieden“ sein. Natürlich ist der Alkoholkonsum unter den Jugendlichen ein ständiges und nicht neues Problem. Dies liege jedoch im Allgemeinen an Land und Leuten und beziehe sich nicht nur auf die Altersgruppe der Jugendlichen. Auch im Bezug auf Drogenkonsum sei der Vinschgau nicht wirklich problematisch, so gibt es zwar einzelne Fälle von Gesetzesübertretungen, wobei es sich jedoch meist um leichte Drogen handle. Die Carabinieri versuchen derartige Aktivitäten bereits im Keim zu ersticken, damit präventiv vermieden werden kann, dass auch harte Drogen vermehrt zirkulieren und die Jugendlichen nicht auf die Idee kommen auch diese zu konsumieren. Die Ermittlungen im Bereich Drogenhandel haben ihren Anfang  im Vinschgau, führen meist jedoch nach Meran oder Bozen weiter, wo größere Banden ausgeforscht werden.

Für den „Wind“ beantwortete Hauptmann Marco D’Addato einige Fragen zu seiner Person und seinen Erfahrungen.

Steckbrief Marco D’Addato - geboren 1978 in Bozen - deutschsprachige Schulen bis zur Matura - Abschluss der Handelsoberschule - 2 Jahre Militärakademie in Padua - 3 Jahre an der Offiziersschule in Rom - Doktortitel in Rechtswissenschaften - Doktortitel in Politikwissenschaften - 3 Jahre Kompanieführer des Regiments in Leifers - 2 Jahre Chef der Kriminalpolizei in Nord-Turin - 3 Auslandseinsätze: Chef der internationalen Militärpolizei in Sarajewo als Zugführer; Zugführer der internat. Militärpolizei in Mostar; Zugführer der „Multinational Specialized Units“ in Nassirya im Irak

„Wind“: Wie ist Ihr persönlicher Eindruck von den Vinschgern und Vinschgerinnen?

Marco D’Addato: Ich muss sagen, mein Eindruck ist ein sehr positiver, sowohl vom Vischgau als auch von den Vinschgern. Ich empfinde die Vinschger als arbeitsame und auch respektvolle Leute, mit denen ich bereits einige Freundschaften und Kontakte knüpfen konnte. Als zweisprachig aufgewachsener Bozner ist mir Südtirol natürlich bereits bekannt, wodurch es keine Schwierigkeiten mit den lokalen Gegebenheiten gibt.

Welche war für Sie die bisher speziellste Episode Ihrer Amtszeit im Vinschgau?

Sehr interessant war der Fall des Bankraubes in Eyrs, wo einiges an Ermittlungsarbeit auch mithilfe internationaler Beamter geleistet wurde. Zu Beginn der Ermittlungen hatten wir nicht viel mehr als die DNS-Spur des Räubers. Durch den internationalen Abgleich konnte diese dann auch einer Person zugeordnet werden, die bereits nach ähnlichem Muster Überfälle beging. Schließlich konnte der Bankräuber in Rimini verhaftet werden. Wir pflegen sehr gute Kontakte zu den Polizeiorganen der Nachbarstaaten, mit jenen in Österreich oder in der Schweiz und stehen in ständigem Informationsaustausch, welcher in diesem Fall besonders wichtig war.

Ziele für die nächste Zukunft?

Ich hoffe, dass die Arbeit im Vinschgau wie bisher weitergeht, und dass die Zusammenarbeit und die Beziehungen mit der Bevölkerung weiter ausgebaut werden können. Dabei möchte ich vor allem die Bevölkerung aufrufen, den Kontakt zu den Ordnungskräften zu suchen und bei Verdachtsmomenten anzurufen. Es ist schon öfters passiert, dass jemand etwas gesehen hatte, sich jedoch nicht getraute, dies den Carabinieri zu melden. Die Carabinieri stehen im Dienste der Bevölkerung und sind dazu da dieser zu helfen.

Ist Ihnen die Arbeit im Vinschgau nach Ihren Auslandseinsätzen und Erfahrungen in Großstädten noch interessant genug?

Es passiert vielleicht weniger als andernorts, die Arbeit hier ist aber trotzdem abwechslungsreich. Ich kann mich nicht darüber beklagen. Das Gute am Vinschgau ist, dass allen Fällen nachgegangen werden kann, was beispielsweise während meines Dienstes in Turin nicht der Fall war, wo ich bei Ermittlungen Prioritäten setzen musste.

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